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6 . 11. 2002 Homepage

Erschütternde Bekenntnisse

Was war das wieder aufregend, die letzten Wochen. Mannomann! Hunderte von Geiseln sehen in Moskau das neben Goethes "Faust" wohl längste Theaterstück der Welt (steht das jetzt im Guinness-Buch?) - 48 Stunden, bis der russische Staat nach alter Hardcore-Sowjetunion-Manier einfällt und mal kurz ein Fünftel der Geiseln selbst über den Jordan (oder besser die Dnjepr) befördert. Großes Lob, Charles Manson hätte nicht viel mehr Unheil anrichten können, in so kurzer Zeit. Und die andere (ach, was sag ich - die einzige, tollste und oberübermächtigste) Supermacht? Die war auch schwer beschäftigt. Suchte den Sniper, den geheimnisvollen Heckenschützen. Das einzige, was man über den Täter wusste: Er hatte eine Waffe, konnte schießen, dachte, er wäre Gott und könnte bestimmen, wer leben darf und wer nicht - es hätte also praktisch JEDER AMI sein können!!! Was ein Glück, dass man jetzt so schnell den (oder vielmehr die) Täter präsentieren konnte. Und da die mutmaßlichen Täter schwarz sind, schusterte man ihnen auch gleich noch jeden Mord und jedes Falschparken der letzten zehn Jahre in den USA zu und verurteilt sie wohl in 808 Staaten gleich 12 390mal zum Tode. Gut, dass auch ein Minderjähriger dabei ist, dann kann man mit dessen Hinrichtung auch gleich wieder gegen sämtliche internationalen Verträge verstoßen und damit einmal mehr der ganzen Welt zeigen: "Kiss our asses - we are the Gods". Und der kleine Präsident, der schießwütige texanische Cowboy? Der hat doch jetzt tatsächlich den Super-GAU geschafft, die gesamte Macht, auch den Kongress, an sich zu reißen. Damit reden ihm jetzt noch weniger Leute beim Spielen rein, und er darf endlich dem bösen Schurken Saddam aus dem bösen Schurkenstaat (nein, nicht Deutschland) Irak mal kräftig die Zunge rausstrecken. Ja, und vielleicht das Land niederbomben. Naja, es geschehen eben auch noch Überraschungen. Apropos Überraschungen, wenns jetzt auch ein gewaltiger Themenwechsel wird: Ein Schock war für mich ja das Outing von Peter Lustig ("Pusteblume", "Löwenzahn"), dass er Kinder eigentlich garnicht leiden kann. Wenn sich jetzt auch noch Ernie und Bert für nicht schwul erklären und Kermit der Frosch sich noch als pädophil outet, ist meine kleine heile Welt vollends erschüttert. Dann lass ich dieses Jahr auch den Weihnachtsmann nimmer rein, weil der dann bestimmt auch nicht wirklich existiert, sondern nur von einem studierenden Hochstapler gespielt wird. Und der kommt dann mit auf meine Persona-non-grata-Liste zu den Jehovas und den Leuten von der GEZ.

10 . 10. 2002 Homepage

Endlich Urlaub

Endlich Urlaub! Und der erste Nachteil, den man hat, wenn man in der sogenannten Nachsaison bucht (viele junge Familien mit gaaaanz kleinen Balgern), wurde mir gleich auf dem Hinflug nach Spanien wieder klar, als so ein dummes Arschlochkind es irgendwie nicht fertig brachte, den Sitz vor sich - nämlich meinen - in Ruhe zu lassen und in sturer Regelmäßigkeit dagegentrampelte. Auch ein Flug nach Mallorca kann so ziemlich lange dauern! Ein böser Blick zurück an die daneben sitzende aber scheinbar zu cool antiautoritär agierende Mutter und eine geballte Faust in der Tasche konnten da nur temporär Abhilfe schaffen. Mit erheblichen Kreuzschmerzen hatte der Flug dann irgendwann doch ein Ende und ich war endlich mal wieder in Spanien. Sonne, Strand, Meer. Yippieh!
Nun ist ja Spanien im Allgemeinen und Mallorca im Besonderen nicht gerade von Deutschen und Engländern unberührt, aber man lernt, ihnen aus dem Weg zu gehen. Erstere "Sen sie au an Schwob?" kann man ganz leicht loswerden "Perdone, no entiendo" und letztere erkennt man schon von Weitem immer ganz deutlich an den kurzen Hosen und den roten Haaren. Zudem sehen die Kinder auch noch alle richtig scheiße aus.
Die Bauchladen-Obstverkäufer am Strand ("Meloni, Meloni, Meloni, Pina, Cocooooo"), namentlich "Hijos de los bandidos" oder so ähnlich, hätten genau so gut "Otternasen, Ozelotschwänze" rufen können, denn ein kleines Stück einer Melone für vier Euro kauft eh keine Sau. Schon garnicht Engländer, denn das sind ja die einzigen, die in Spanien noch Geld wechseln müssen (hahaha). Aber Strand war mir trotzdem schon lieber als der Pool. Dort waren irgendwie nur alte Leute gelegen ("cajas viejas") - der reinste Jurassic Park. Das war dann auch der zweite Nachteil in der Nachsaison: Die vielen Rentner, die am Flughafen ja überhaupt keine Zeit haben, sich in der Schlange vor dem Schalter vordrängeln und dann vorne alles aufhalten.
Einige Fragen habe ich mir aber doch immer wieder gestellt: Warum ist das Meerwasser auf den ersten Metern, da wo die Kleinkinder herumkriechen, immer so warm? Warum sind die Frauen vom Lesbenclub, dort drüben am Strand, alle so hässlich? Und warum ist im Hotelzimmer auf dem Kärtchen vor dem Trinkgeld-Aschenbecher der Reinigungskraft immer so ein hübsches, junges Mädel abgebildet, aber zum Zimmerputzen kommt dann eine schrumpelige, verwarzte, alte Schachtel?
Doch letztlich war es mal wieder wunderschön und ich wusste wieder, warum ich diese Insel so liebe. Nachdem man mich an Händen und Füßen ins Flugzeug zerren musste, weil ich eigentlich nicht mehr nach Hause wollte, bin ich halt nun wieder hier im Land der Nachtschattengewächse und Flutkatastrophen. Und jetzt sagen mir alle, wie gut ich aussehen würde und dass ich doch ständig vor mich hin grinste. Das liegt wohl daran, dass ich Spanien mit einem Lächeln verlassen habe und mir in Deutschland die Gesichtszüge eingeforen sind.

17 . 9. 2002 Homepage

Das kann ich auch

Kürzlich bin ich mal wieder in meiner Heimat umhergegangen, hab sie sozusagen "heimgesucht". Und wie immer kam ich wieder an diversen "Kunstwerken" vorbei. Doch - irgendwas war anders als sonst. Ja, fleißige Gärtner (ich danke ihnen dafür) haben die Kunstwerke so umpflanzt, dass diese regelrecht zugewachsen werden. Yes! Endlich! Natur ist sowieso viel schöner. Und schon schreien wieder die Künstler: "Ach, jetzt kann man mein Kunstwerk garnicht mehr ganz sehen! Nur noch 97% davon! Das macht die ganze Aussage kaputt! (mecker, zeter)"
Okay - ich mein, wenn einer einen dicken, großen Stein nimmt, daran herummeiselt und letztlich eine Menschengestalt oder sowas draus wird, find ich das großartig. Aber wenn einer einen dicken, großen Stein nimmt, ein Loch reinbohrt und ein verrostetes Rohr durch steckt, fällt es mir schon schwerer, dem Ganzen irgend etwas "Künstlerisches" abzugewinnen. Mich beschleicht da immer das Gefühl, dass die Entsorgung dieser Gegenstände doch was gekostet hätte, und so hat wenigstens irgend eine kleine Gemeinde mit zuviel Geld (dass es sowas heute überhaupt noch gibt?!) den Schrott teuer eingekauft. Nur eines muss man diesen Menschen lassen: Sie lassen meist viel Phantasie bei der Deutung ihrer Werke erkennen. Wer denkt schon bei einem Scheißhaufen mit einem Schäufelchen drin an "das Vergängliche im Leben, welches mit dem Schaufeln des Grabes schon das Zeitliche gesegnet hat"? Ich gebe zu: Manchmal juckts mich schon in den Fingern, das alte Radio an den noch älteren Bettrost zu schweißen, Lametta drüber zu werfen und den ganzen Krempel dann als "Metapher für das humanitäre Sinnbefreite in täglicher Kolportage des Verfänglichen" an Hinterkloppenbach für 20 000 Euro zu verkaufen. Aber dann denk ich wieder: "Scheiß drauf, ich mach mich schon oft genug zum Affen."

1 . 7. 2002 Homepage

WM - warum Deutschland nur zweiter werden konnte

Was für eine verrückte Fußball-Weltmeisterschaft. Gerade hatten wir uns noch gefreut, dass die Franzosen wieder heimfliegen mussten (mon dieu ... wir musstän packön unserö Köffär, weil wir über'aupt nischt geschafft 'abenö, auch nur eine Tör zu schießenö), da purzelten auch schon die Argentinier, Italiener und Engländer hinterher. War das lustig! Wann ist eigentlich Holland ausgeschieden? Achso, die waren ja garnicht erst dabei. Und die Deutschen? Rumpelten sich von Runde zu Runde - von aller Welt gehasst - um dann am Schluss mit ihrem besten Spiel seit Jahren die Brasilianer schwindelig zu spielen und dann doch zu verlieren. Eigentlich war das ja klar, dass Deutschland nicht den Titel gewinnen kann. Mit so vielen Leverkusenern kann man ja nur ZWEITER werden. Wenigstens pfiff im Endspiel, im Gegensatz zum sonstigen Turnierverlauf, endlich einmal ein fähiger Schiedsrichter - und machte seine Sache gut. Zur Strafe darf er in Zukunft nicht mehr mitmachen. Auch, weil er schon zu alt ist. Und zu gefährlich aussieht. Da hatten einige Spieler dann doch zu sehr die Hosen voll. Einige hatten auch angst, einmal gegen Oliver Kahn spielen zu müssen und von diesem bei einem Angriff aufs Tor den Fuß abgebissen zu bekommen.
Die Asiaten waren generell sehr freundlich. Nur zu höflich, um Tore zu schießen. Aber es ist ja auch gemein, wenn man mal ein Tor macht und dafür bei seinem Arbeitgeber in Italien geteert und gefedert wird. Wie gut, dass die Italiener nicht zu Überreaktionen neigen. Aber zurück zum Endspiel: Da standen sie nun, die Fußballzauberer in der Blüte ihrer Jahre - und auf der anderen Seite die Brasilianer, die bis dato eigentlich mehr durch schauspielerische Glanzleistungen und Arroganz aufgefallen waren. Aber bei denen hat ja angeblich Jesus mitgespielt, ein Erfolgsgarant. Außerdem haben die Deutschen leider so harmlos aufs brasilianische Tor geschossen, dass die auch den Papst zwischen die Pfosten hätten stellen können. Da kann man ja nur gewinnen. Oder hat am Ende gar Deutschland gewonnen? Wenn man sich die anschließenden Feiern so angesehen hat (oder gar mittendrin war), war man sich plötzlich garnicht mehr so sicher. Hmm ... ich glaube, das war überhaupt das allerschönste an diesem Turnier, dass es am Schluss eigentlich scheißegal war, wer wie gespielt und wer gewonnen hat und alle gemeinsam feierten. Zuvor wusste ich garnicht, dass es so viele Brasilianer in meiner Stadt gibt.
Okay, jetzt ist's vorbei. Bis in vier Jahren wieder, wenn Deutschland, zusammen mit der Türkei, das Turnier ausrichtet.

28 . 6. 2002 Homepage

Loblied auf meinen Provider

Damit's keine Schleichwerbung ist, will ich meinen Provider hier mal nicht nennen. Es ist 1&1. Spötter sagen ja, man merkt dieser Firma ihre Verwandtschaft mit T-Online und somit auch mit der früheren "Post" noch an. Aber davon will ich ja mal garnix wissen. Ich bin ja soooo zufrieden. Gut, der Service ist beschissen, und auf Kundenanfragen wird - wenn überhaupt - sehr spät und unzureichend reagiert. Aber sonst muss ich doch sagen, dass ich sehr zufrieden bin. Nachdem sich die Tage häufen, an denen man sich nicht einloggen kann, hab ich jetzt den superbilligen Funktioniert-eh-meistens-net-Tarif bekommen. Der ist echt supergünstig. Und manchmal hab ich schließlich auch Glück, und es ist nur belegt, d. h. beim zwanzigsten Mal Einwählen klappt's dann vielleicht doch. Ja, ich denke, ich kann alles in allem schon zufrieden sein. Ich bekomme auch die eingegangenen E-Mails als SMS auf mein Handy geschickt, damit ich immer weiß, ob ich überhaupt ne E-Mail gekriegt hab. Gut, manchmal bekomme ich zwei oder drei SMS (die ich teuer bezahlen muss) wegen ein und derselben E-Mail, aber der Chef von meinem Provider will ja schließlich auch leben. Deshalb sind auch zu Anfang des Jahres die SMS-Preise nochmal ordentlich gestiegen. Doch, ich glaub, ich kann insgesamt doch zufrieden sein, mit meinem Provider. Okay, neulich hat's mich schon ein bissl echauffiert, als ich wichtige E-Mails abrufen wollte (über deren Eingang ich ja schon über SMS benachrichtigt war) und mich tagelang nicht einloggen konnte, um meine wichtigen Mails abzurufen. Da hab ich mal ganz lieb angefragt, woran's denn liegt. Nach einer Woche oder so hab ich dann tatsächlich schon ne Antwort bekommen. Es lag natürlich an den Partnerfirmen und handelte sich nur um "kurzfristige Störungen" - na, das hab ich mir doch gleich gedacht, dass da mein Provider nix dafür kann. Und dann hab ich auch gleich eine Service-Telefonnummer dazubekommen. Die werd ich bald mal ausprobieren. Bei der letzten Servicenummer, die mir gegeben wurde, war ja leider "kein Anschluss unter dieser Nummer". Jaja, sind schon lustige Kerlchen bei meinem Provider. Jetzt frag ich mal nach, ob für mich vielleicht ein paar NOCH GÜNSTIGERE Tarife in Frage kommen, z. B. der Man-kann-sich-nur-einmal-im-Monat-einloggen-Tarif oder der Hallo-Kunde-wirst-verarscht-Supersondertarif. Jaja, was bin ich froh, dass ich meinen Provider hab. Mensch, jetzt hab ich aber ganz schön viel zusammen geschrieben. Klar, hab ja auch Zeit - schließlich komm ich mal wieder net ins Netz ...

11 . 4. 2002 Homepage

Wenns brummt und kribbelt in den Lenden ...

Ach, was war das nicht herzig, dieses Experiment, welches ein privater Radiosender im stuttgarter Raum diese Woche veranstaltet hat. Den ganzen Tag einen tiefen Bass-Brummton mitzusenden, der angeblich Lust auf Sex macht. "Na, wenns doch sogar ganz groß in der BILD-Zeitung angekündigt wird, dann muss es ja auch stimmen", dachte ich und hörte mal rein. Nun ist es natürlich blöd, wenn im Büro eh schon alle Computer vor sich hin dröhnen und man dann das "Sexlust-Brummen" ausm Radio nicht mehr hören kann. Vielleicht wurde auch deshalb mein Wunsch, dass sämtliche meiner Kolleginnen vor Wollust über mich herfallen, nicht wahr. Angeblich warnte auch noch der ADAC davor, sich im Auto von dem Radiogeschehen nicht allzu sehr ablenken zu lassen. Und tatsächlich meldeten sich einige Fahrer von älteren Dieselfahrzeugen über ein Kribbeln und Schütteln im Fahrzeug. Aber wenns im Auto dröhnt, dann muss es ja nicht immer das Radio sein, vielleicht ist ja auch nur am Ford mal wieder der Auspuff durchgerostet. Deshalb hab ich dann zuhause an meiner HiFi-Anlage nochmal reingehört, die Lautstärke aufgedreht - und ja, auch ich habe gespürt, wie der Bass ein wohliges Kribbeln erzeugt, welches übrigens auch meine Nachbarn ganz deutlich gespürt haben dürften - zumindest bis ich das Radio wieder auf Zimmerlautstärke hatte. Was bleibt als Fazit? Leider war ich an diesem Tag auch nicht geiler, als an jedem anderen Tag eh schon. Aber schön, dass wir alle so getan haben als ob.

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