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19. 12. 2005 Homepage

Gedanken zum Jahresende

Das Jahr nähert sich einmal mehr dem Ende zu, und ich bin in Versuchung, in meiner adventszeitlich friedlichen Stimmung wieder einmal etwas Weihnachtliches zu schreiben. Ein Gedicht, irgendetwas Lyrisches. Aber nein, das habe ich ja letztes Jahr schon gemacht. Wäre ja alles viel zu berechenbar, wenn ich das dieses Jahr wieder so tun würde. Dafür ist doch auch aktuell wieder viel zu viel passiert. Man hat jetzt zum Beispiel bei einer Analyse des Werkes "Mona Lisa" (ja, da hatten wohl einige Menschen ein bisschen viel Zeit) herausgefunden, dass ihr Lächeln zu 83% aus Glück, zu 9% aus Verachtung, zu 6% aus Angst und zu 2% aus Zorn besteht. Wer hätte das gedacht? Ich schreibe diese Zeilen hier jedenfalls mit 41% Inbrunst, 36% Kreuzschmerzen, 22% Sarkasmus und 1% Widerwillen, weil es ja schon so spät ist. Aber das will mal wieder niemand wissen. Frau Merkel, die neue Kundesbanzlerin, hat bei der EU erfolgreich die Finanzplanungen zu Ende gebracht, was uns auch nur einen noch höheren Beitrag bzw. weniger "Rückgeld" einbringt - wie gut, dass bald die Mehrwertsteuer erhöht wird, damit wir uns das auch leisten können. "Terminator" Arnold Schwarzenegger hat ... tja, was ist das Gegenteil von "sein Leben verfilmt" ... vielleicht "seine Filme verlebt?" ... und darf kräftig Menschen "terminieren". Aber der Bemitleidenswerte war ja jetzt nur ein Schwarze(r)Neger, deshalb wird das Volk den Arnie dafür lieben. Arnies Lieblingspräsident Bush musste derweil zähneknirschend zustimmen, dass von nun an in den USA und anderswo kein Mensch mehr von Amerikanern gequält und gefoltert werden darf. Außer vielleicht von CIA-Leuten auf rumänischem Gebiet oder vielleicht in Guantánamo Bay auf Kuba, und wann es eben sonst noch notwendig ist. Der Irak ist da auch immer eine gute Adresse. Wie schön übrigens, dass unsere deutsche Geisel im Irak jetzt zu Weihnachten die Freiheit zurück erlangt hat, und wie schön, dass ihre Verwandten in Deutschland, zu denen sie offensichtlich sowieso kaum noch Kontakt hat, von ihrem temporären Fehlen wenigstens durch die internationale Presse erfahren hat. Da die Ex-Geiselin weiterhin im Irak bleibt, können jetzt daheim alle froh sein, sie weiterhin nicht sehen zu müssen. Das ist doch einmal mehr eine frohe Kunde zum nahenden Fest. Und so möchte auch ich nun die Gelegenheit nutzen, mich zum Jahresende bei all meinen Lesern fürs Lesen zu bedanken. Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

11. 11. 2005 Homepage

Heute Sabine, gestern Uschi

Herbst-/Winterzeit = Kuschelzeit!!! Man zieht sich, am besten Paarweise, in die eigenen vier Wände zurück. Neudeutsch nennt man das auch "Homing" oder "Cocooning". Doch was, wenn jemand gar niemanden zum Kuscheln hat? Eine gute Zeit, einmal die aktuellen Möglichkeiten der unterstützten Partnerfindung zu checken. Eine Firma lockt mit "Anrufen & Verlieben" in der Zeitung - alles geht per Telefon. Inserieren, Hören und Antworten hat jeweils eine verschiedene Telefonnummer, und man mag glauben, dass dies ein ehrliches Ding ist. Ich ruf an, sprech für mich was Inserierendes drauf, ruf bei anderen an, sprech bei denen was drauf. Ich kann mich ja kurz fassen. Doch - egal, was man macht - bis man nach endlosen Ansagen, die man leider nicht wirklich überspringen kann, endlich mal soweit ist, irgendetwas abzuhören oder gar aufzusprechen, ist man meist schon etliche Euro los. Kein Wunder, bei einer 0190-8-Nummer. Eine Überprüfung bei der Regulierungsbehörde ergibt, dass sich hinter der Firma keine Partnervermittlung, sondern eine schnöde "Eventmarketing"-Firma aus Mainz verbirgt. Okay, das war schonmal scheiße. Also schauen wir mal weiter. Ein nettes "Originalbild von Sabine" lächelt mich auf der nächsten Seite unter "Bekanntschaften" an und lädt mich ein, auf ihr Band bei der Partnervermittlung Hinz & Kunz zu sprechen. Irgendwie bin ich mir sicher, dass ich dasselbe Bild vor einigen Monaten schonmal als "Originalbild von Uschi" gesehen hab. Ist aber egal, denn das Band hört die Sabine, Uschi, Petra, Amanda oder wie sie auch immer gerade heißen mag, sowieso nicht selbst ab, sondern die Partnervermittlung, die mich danach zurückruft und mir mitteilt, dass es keinen Anspruch darauf gibt, dass die Sabine (oder Uschi oder ...) für mich überhaupt vermittelbar ist. Überhaupt wird niemand vermittelt, der nicht einen Vertrag bei dieser Firma unterschreibt, welcher dann im Jahr einige tausend Euro kostet (ein Freund wurde auf diese Weise schonmal einige tausend Euro für drei Telefonnummern los - von denen zwei Besitzerinnen schon gar nicht mehr vermittelt werden wollten). Nein, das ist mir zu teuer. Da schreib ich lieber auf Anzeigen, die eine Chiffre-Nummer haben. Das müssen ja dann wenigstens ehrliche Privatmädels sein. Oder nicht? Ich schreib was Nettes, geb alle meine Daten (auch die E-Mail-Adresse) an und bekomme ... nichts zurück. Aber geil - fortan bekomme ich ca. 99 Werbemails am Tag auf die angegebene E-Mail-Adresse. Irgendwie geb ich das mit dem Schreiben jetzt auf. Über Internet soll sowieso alles einfacher sein, heißt es. Und schließlich gibt es ja hunderte Single-Communities im Internet. Okay, umsonst sind dort die wenigsten. Außerdem ist signifikant, dass die kostenlosen hauptsächlich blöde unaufrichtige Mitglieder beinhalten. Ich möchte mich bei einer Community anmelden. Doch nein, ohne meine Handynummer geht mal gar nix. Ich denk mir: "Was hat dieser ganze Scheiß denn mit meinem Handy zu tun? Ich bin hier im Internet. Nein, meine Handynummer geb ich nicht raus." Schade, ohne Handynummer keine Mitgliedschaft. Okay, dann leckt mich doch. Auf zur nächsten. Die Mitgliedschaft ist dort kostenlos. Ich bekomme, obwohl ich nur ein flüchtiges Profil ohne Foto gebastelt habe, täglich 15 Mails von den wunderschönsten Frauen, die man sich vorstellen kann, mit gaaanz langen und süßen Texten. Nur eine Community ist da ziemlich einfallslos, denn da schreiben alle Frauen den gleichen Text: "Ich möchte gerne mehr über Dich erfahren und freue mich auf Deine Mail." Obwohl mir schwant, dass das alles Fakes sind, möchte ich auf eine antworten. PLING! "Das geht nur mit der kostenpflichtigen Premium-Mitgliedschaft." Nein, nur um solchen Fakes zu antworten, die eh bloß Leute anlocken sollen, zahl ich da nix. Nach einigen Wochen dann ist EINE Antwortmail bei dieser Community kostenlos. Ich nutze das, um dort meine E-Mail-Adresse und den Nickname in einer anderen, kostenlosen Community anzugeben - für eine weitere, kostenlose Konversation mit dieser Person in einer anderen Community. Natürlich geht das nicht, denn ich habe "verbotene Zeichen benutzt". Ein Filter unterbindet nämlich heimliche E-Mail-Adressentauschs und Verweise zu anderen Communities konsequent. Aha ... schlau, schlau. Dann steckt euch die Antwort eben sonstwo hin. Die Person, der ich da antworten wollte, gibts ja eh nicht wirklich. Mittlerweile werden auch die täglichen Junk-E-Mails konkreter. Mails wie "Hallo ich möchte auf diesem Weg einen netten Ihn finden darum hab ich mein Leuchtturm hier ins Netz gestellt um vielleicht Dir den Weg zu mir zu zeigen . Ich bin 30 Jahre alt fühle mich aber jünger . Ich bin Jungfrau , jedenfalls dem Sternzeichen nach *zwinker *", "Hallo ja wie fängt man so eine Mail jetzt an .. ich bin Tatjana und fand heute dein Inserat hier im Internet und dachte mir vielleicht bist du ja noch zu haben.." oder "Hilfeeeeee ich werde im Juli 33 Jahre alt und bin immer noch solo . Ausser einer 2 jährigen Verlobungszeit habe ich bisher immer allein gelebt das möchte ich jetzt endlich ändern darum versuche ich hier im Netz mein Glück", die alle das eine gemeinsam haben: die vielen absichtlichen Interpunktions- und Schreibfehler. Die Absender heißen Silkeherzchen oder Luisaengel, Uschi oder Sabine. Scheiß drauf. Für wie blöd halten die mich eigentlich alle? Jetzt hab ich die Schnauze voll: Okay, wenn man "draußen" keine trifft, dann doch lieber wieder nen Winter alleine verbringen, bevor man sich von solchen Ganoven das Geld aus der Tasche ziehen lässt.

10. 10. 2005 Homepage

Gastkommentar (Autor unbekannt):
Warum Frauen keine netten Kerle lieben

Hand hoch! Wie viele verzweifelte Männer gibt es da draußen, die sich selbst als nett, verständnisvoll und zärtlich einstufen und trotzdem Sonntagabend alleine vor dem Fernseher sitzen und ihrem Vorbild Kai Pflaume (ein augenscheinlich netter, verständnisvoller aber auch ein Frauentyp) die Frage ihres Lebens stellen: "Warum will mich keine Frau?" Bevor ich das beantworte, definieren wir mal die typische Merkmale eines Mr. Nice Guy. Nur damit sich auch die Männer wiedererkennen, die sich morgens in grenzenloser Selbstleugnung mit einem Poster von Sylvester Stallone vor dem Badezimmerspiegel rasieren. Du hast in Deinem Freundeskreis Unmengen von hübschen, intelligenten Frauen, von denen Du jede einzelne irgendwann einmal begehrt hast. Jede dieser Frauen hat Dein Geständnis - vorgetragen in einem edlen italienischen Restaurant, in der Hand ein Strauss mit 1.000 roten Rosen (mindestens!) - folgendermaßen quittiert: "Du bist echt ein netter Kerl und ich habe Dich wahnsinnig gern, aber nur als Freund". Und weil Du so ein echt netter Kerl bist ... hast Du Dich der Bitte "Lass uns doch weiterhin Freunde bleiben, ja?" gebeugt, statt der Schlampe Dir gegenüber zu sagen, dass sie für das teure Essen wenigstens einmal die Beine breit machen könnte. Zum Beispiel so, wie sie es für ihren monatlich wechselnden Idioten von Freund tut, der sie mindestens zweimal die Woche verprügelt und außerdem mit ihrer besten Freundin fremdgeht.

Woher Du das weißt? Du bist schließlich ihre Telefonseelsorge. Deine Nummer ist bei Deiner Freundin ganz oben auf den Schnellwahltasten ihres Telefons gespeichert. Natürlich unter "Oma" oder "Tanja", denn die südländischen Macker, mit denen sie derzeit herumhängt, sind rasend eifersüchtig. Meistens ruft sie nachts um 3 an, wenn das Veilchen gerade frisch blüht und sie ungeachtet dessen noch vor 5 Minuten Versöhnungs-Sex mit ihm hatte. In schöner Regelmäßigkeit stößt sie Dir mit "Wenn er doch nur ein bisschen so wäre wie Du!" die verrostete Nagelfeile tiefer ins Herz, während sie Dir Dein C&A-Hemd mit wasser- und waschmittelfester Wimperntusche verschmiert. Ein bisschen so wie Du? Mädel, hier sitzen 100%, warum bekommst Du das nicht in Deinen dummen blonden Schädel? Trotzdem wartest Du, denn Du bist Dir ganz sicher, dass sie irgendwann dieses muskelbepackte Wanzenhirn abschießen und merken wird, dass DU der Richtige bist. Ja, und die Zeit gibt Dir in einem Punkt recht: eines Tages steht sie vor Deiner Tür und heult, bis sich Dein Laminatboden wellt. Er ist weg, durchgebrannt, ein Arsch der nur mit seinem Schwanz denken kann und Du hättest ja so recht gehabt und überhaupt. Du bist sozusagen seit Jahren bereit zur Übernahme und krempelst schon die Ärmel hoch, da sagt sie plötzlich "Du, Dein Freund, der Sebastian, ist der eigentlich noch solo?". Und in genau dem Moment wünscht Du dir die Hexenverbrennung zurück. Aber weil Du ein echt netter Kerl bist, bist Du ihr Trauzeuge, wenn sie nächste Woche Sebastian heiratet. Deine Exfreundinnen, die sich für kurze Zeit in einem Anfall von Mitleid (und weil barmherzige Hilfsorganisationen gerade "in" waren) in Dein Leben verirrt haben, reden ausnahmslos nur Gutes über Dich. Und zwar, dass Du zärtlich, verständnisvoll und ein guter Zuhörer bist und immer für sie da warst, wenn sie Dich brauchten. Und dass Du natürlich der beste Partner bist, den eine Frau sich wünschen kann. Doch den Satz "Du bist mein bester Kumpel und der einzige, der mich wirklich versteht!" hast Du so oft gehört, dass Du inzwischen das Copyright darauf haben müsstest. Auf die Frage, warum sie Dich dann verlassen haben, sagen sie, dass sie es selbst nicht wissen und es wahrscheinlich irgendwann bereuen werden. Alle Welt denkt jetzt, dass Du eine riesengroße Niete im Bett bist. Du bereust, dass Du in eurer Beziehung deine Sado-Maso-Fesselphantasien aus Rücksichtsnahme nicht ausgelebt hast. Aber weil Du ein echt netter Kerl bist, bist Du auch nach der Trennung noch zärtlich, verständnisvoll, ein guter Zuhörer und immer für sie da (auch wenn Dir im Unterbewusstsein irgendwie klar ist, dass sie so nicht wirklich etwas verloren haben und Du einfach nur blöd bist). In der Disco führst Du oft lange und ernste Gespräche mit Frauen. Du hast Ihnen nach einer hitzigen Tanzphase ein Glas Wasser gereicht und Ihnen Komplimente über ihre Ausstrahlung und ihre Ohrringe gemacht. Jede ist beeindruckt von Deiner Intelligenz, Deinem Wissen, Deinem Humor und Deiner zurückhaltenden Art. Sie freut sich über Dein Interesse an dem was sie tut und was sie bewegt. Alle anderen Männer, die sie sonst ansprechen würden, seien nämlich nur auf das Eine aus. Wenige Minuten später verlässt sie mit dem dubios aussehenden Typen, der eure Unterhaltung mit den Worten "Du hast einen geilen Arsch! Kommst Du noch mit zu mir?" unterbrochen hat, die Disco. Aber weil Du ein echt netter Kerl bist ... fährst Du ihr hinterher und wartest vor dem baufälligen Plattenbau in einer Gegend, in der Du nicht einmal einer 80jährigen Nonne über den Weg trauen würdest, dass sie wieder heraus kommt. Im Morgengrauen verlässt sie mit verheultem Gesicht und zerrissenen Klamotten panikartig das Gebäude. Du fährst das zitternde Häufchen Elend nachhause und sie verspricht dankbar, sich bei Dir zu melden. Ca. 10 km Rückweg vergehen, bis Dir klar wird, dass ihr eure Telefonnummern gar nicht ausgetauscht habt.

Du hast Dich wiedererkannt? Du sitzt vor dem Bildschirm und rufst seit 10 Minuten "Ja, genau! Aber WARUM ist das so?" Grund 1: Jemand, der einer Frau zu jeder Tages- und Nachtzeit so gut zuhören kann wie Du, ist selten. Und das ist Dein Todesurteil, denn um es mal mit den Worten einer Bulemikerin auszudrücken: "Ich esse nie dort wo ich kotze". Das heißt für Dich, dass sie zwar gerne ihre Sorgen bei Dir ablädt, sich ihren Spaß aber woanders und nicht bei Dir - ihrer seelischen Müllhalde - holen wird. Grund 2: Nette Männer sind langweilig. Sie verbreiten nicht dieses prickelnde Versprechen eines aufregenden Marlboro-Man-mit-Drei-Tage-Bart-Abenteuers. Frauen sind Pferdeflüsterinnen; sie wollen wilde Hengste zähmen und nicht auf dem Pony-Karussell reiten. Grund 3: Frauen wissen nicht, was sie wollen und sind dankbar, wenn ihnen jemand die Entscheidung abnimmt. Männer wie Du, die Ihnen alle Wege offen lassen und ihnen signalisieren "Es wird so ausgehen, wie Du es magst, ich werde all das tun was Du sagst, ich werde da sein, wenn Du nach mir fragst" werden leider auch irgendwann fragen müssen "Äh ...Wo willst Du hin?" wenn ihre Angebetete mit dem Kerl abzieht, der ihr sagt "Du willst mit mir ins Bett, gib es zu!". Grund 4: Wohl der entscheidende Faktor ist die Tatsache, dass irgendwo in dem großen Buch der menschlichen Geschichte verankert ist, dass nette Männer nicht mit netten Frauen zusammen kommen dürfen. Anscheinend ist das ein physikalisches und psychisches Polaritätsproblem, vergleichbar wie bei einem Magneten. (+) und (+) stoßen sich nun mal ab. Was bedeutet das also für Dich? Werde ein rücksichtsloses Arschloch, dem die Gefühle einer Frau völlig an den Sackhaaren vorbeigehen. Aber weil Du ja ein echt netter Kerl bist ... wirst Du weiterhin Deiner Linie treu bleiben und darauf hoffen, dass sich irgendwann die physikalischen Gesetze ändern.

Nett is' nix für's Bett ... oder warum nette Jungs bei Frauen nicht landen können
Ein Freund erzählte mir kürzlich, dass er sich mit einer wundervollen Frau verabredet hatte. Und Max, so ist sein Name, erwartete einen ebenso wundervollen Abend. Mit einer Frau, hinter der er schon eine halbe Ewigkeit her war. Deren Wagen er regelmäßig in die Waschstraße fuhr und für die er im letzten Frühjahr sogar die Wohnung gestrichen hatte. Eine Frau, die noch nie mehr zugelassen hatte als eine flüchtige Umarmung zur Begrüßung und zu der mein freundschaftlicher Rat "Lass die Finger von der, die macht dich nur unglücklich" passte wie die Faust aufs Auge. Am Tag nach dem Date erzählte mir Max Einzelheiten: Schickes Restaurant, Kino und Discobesuch, danach fuhr er sie nach Hause, sie lud ihn noch zu einem Schlummertrunk ein. Und wie's halt immer so ist: Sie erzählten die ganze Nacht hindurch, und schließlich hatte er soviel getrunken, dass es unverantwortlich gewesen wäre, sich noch ans Steuer zu setzen. So kam es, daß er bei ihr übernachtete. "Es war fast perfekt", schwärmte er mir vor. Nur eine Kleinigkeit fehlte zu seinem Glück: Sie hatten keinen Sex. Er schlief nicht einmal im gleichen Bett mit ihr. Was war passiert ? Die Antwort habe ich schon gegeben: Nichts! Statt einer von Max langersehnten Liebesnacht erfuhr der arme Kerl die schlimmste Kränkung, die aus dem Munde einer Frau nur kommen kann. Sie besteht aus vier kleinen Worten: Du - bist - echt - nett. Den folgenden Satz beginnt Frau dann immer mit "Aber". Daran schließt sich ein Lobgesang auf den gerade abservierten Mann an. Hört Mann den Nett-Satz, kann er sich sämtliche sexuellen Phantasien mit ihr für immer abschminken, gar nicht zu sprechen von der Aussicht auf eine längere Beziehung. Schlimmer aber noch: Er wurde degradiert zu einem Mann zweiten Ranges, zu einem sogenannten "guten Freund". Das gleicht einer Verbannung, weil jeder Mann nach diesem Satz genau weiß, dass er den ersehnten Status des Sexual- und Lebenspartners nie mehr erreichen wird. Aber wie fängt das ganze Elend überhaupt an? Im Vorfeld des "Du-bist-nett"-Satzes lernen Frau und Mann sich kennen. Er ist gerne mit ihr zusammen, und ihr geht's genauso. Mann denkt: "Wow, was für eine tolle Frau." Frau denkt: Man, der ist echt nett. Aufgepasst! Bis zu diesem Zeitpunkt ist das Attribut "nett" noch positiv zu werten. Ein gedachtes "nett" im Kopf einer Frau hat noch lange nicht den Stellenwert, den es bekommt, wenn das verdammte Wörtchen in der Gegenwart des betroffenen Mannes ausgesprochen wird. Noch gibt es also die Möglichkeit, dass ihre Meinung sich ändert und an die Stelle des "nett" starkes Herzklopfen tritt. Wenn das besagte Wörtchen aber seine Halbwertzeit verliert, hat der Mann verloren. Wie man daran sieht, ist es also wichtig, mehr als nur die letzten 24 Stunden einer Nicht-Beziehung zu betrachten, um das männliche Scheitern nachvollziehen zu können. Noch wichtiger ist aber die Charakteristik des verschmähten Mannes. Und dabei wird sich schnell herausstellen, dass es oft der gleiche Typ Mann ist, dem die "Nettigkeit" immer wieder an den Kopf geknallt wird. Was sind diese armen Würstchen nun für Männer? Max z. B. ist dunkelhaarig, über 1,85 Meter groß und wiegt mindestens 80 Kilo. Ergo: Am äußeren Erscheinungsbild kann's nicht liegen. Es müssen also andere Eigenschaften sein, die einen netten Mann für immer verdammen. Eine kleine Umfrage in meinem weiblichen Freundeskreis gibt Aufschluss: Das Weichei (so nennen Frauen ihn gerne) gehört in das Leben einer jeden Frau. Und keine möchte auf ihr Weichei verzichten, denn Frau kann nie wissen, wann wieder eine Selterskiste geschleppt oder die Wohnung renoviert werden muss. Ja, das sind die Weicheier: Hilfsbereit! Natürlich ist jeder von uns mehr oder weniger hilfsbereit und höflich dem zarten Geschlecht gegenüber, aber man sollte es nicht übertreiben. Es ist eben schon ein kleiner Unterschied, ob man einer Frau in den Mantel hilft oder ihr drei Selterskisten in den vierten Stock rauf schleppt. Und der Unterschied besteht nicht nur aus 54 Treppenstufen und einem Gewicht von 27 Kilo Flüssigkeit. Diese bedingungslose Hilfsbereitschaft ist wohl in der Kindheit verwurzelt. Ich kann mir gut vorstellen, wie Maxens Mutter ihrem Sohn immer wieder einbläute, im Bus älteren Damen seinen Sitzplatz anzubieten. Seitdem überkommt den armen Max beim Anblick einer Frau scheinbar sofort die Assoziation des hilflosen Wesens. Nur hat er dabei vergessen, dass er mit der alten Frau aus dem Bus wahrscheinlich nie ins Bett gehen würde. Jedenfalls hat der arme Max weder mit der alten Frau aus dem Bus noch mit seiner Angebeteten Sex. Statt dessen spielt er ihr das Hündchen. Und seine Flamme genießt das. Schließlich ist so ein zweibeiniges Hündchen sehr wohltuend. Zum Beispiel, wenn das weibliche Ego mal etwas angekratzt ist: Wer wird nicht gerne angebetet? Eine Gegenleistung ist allerdings nicht zu erwarten. Und Sex mit Max kommt schon gar nicht in Frage. Schließlich ist Sex mit Tieren in Deutschland verboten. Dabei ist das Weichei grundsätzlich keine Vogelscheuche. Also durchaus einer, mit dem sich Frau sehen lassen kann. Seine Geschlechtsgenossen mögen ihn, weil er für sie keine Konkurrenz ist. Die Frauen mögen ihn, weil er so verständnisvoll ist und sie stundenlang mit ihm quatschen könne. Über ihre Beziehungen zu anderen Männern. Oder weil er so witzig ist. Oder im schlimmsten Fall beides! Vielleicht sehen sie ihn aus diesem Grund auch als asexuell an. Wer möchte schon mit seinem Psychotherapeuten schlafen? Oder mit Typen wie Didi Hallervorden ins Bett gehen? Der wichtigste Weichei-Charakterzug ist aber, dass er aus weiblicher Sicht nicht eigentlich männlich ist, und das macht ihn langweilig. Und langweilig ist in der Frauensprache das Synonym für nett. Ein anderer Bekannter von mir, Kai, ist übrigens genau das Gegenteil von Max. Mit ihm wollen die Frauen immer ihre Matratze teilen. Eigentlich kann ich mich an keine Zeit erinnern, in der Kai mal alleine geschlafen hat. Mir völlig unverständlich, denn ich kann nicht sagen, dass er einen besonders netten Eindruck macht. Klar kann er charmant und witzig sein, aber nur, wenn's dem Aufriss dient. Und faul ist er obendrein! Alle seine ehemaligen Freundinnen haben Oberarme wie Arnold Schwarzenegger, weil sie nicht nur ihre eigenen Selterskisten in den vierten Stock schleppen mussten, sondern auch noch seine Bierpacks. Tja, und der gute Max? Im Grunde bleibt dem Mann nichts anderes übrig, als selbst Hand an sich zu legen. Sprich: Weg mit dem Weichei-Image. Nun ist es nicht leicht, sich zu ändern. Wenn man aber nur die Wahl zwischen einer Metamorphose und Askese hat, sollte einem die Entscheidung nicht schwer fallen. Da die Frauenwelt offenbar "unausstehlich" mit "männlich" gleichsetzt und auf die harten Kerle abfährt - sollen sie haben! Zwei Punkte sind dabei ganz wichtig. Erstens: Man darf die Angebetete nie merken lassen, dass sie die einzige wirklich wichtige Frau ist. Deshalb umgibt sich der kluge Mann immer mit anderen, natürlich möglichst gutaussehenden Frauen. Nicht zuletzt um den Anschein zu erwecken auf dem Beziehungsmarkt heißbegehrt zu sein. Und zweitens muss unbedingt der Leitspruch verinnerlicht werden: "Willst du was gelten, mach dich selten." Sehr eindrucksvoll kann dieses Motto umgesetzt werden, wenn man sich verabredet und dann das Date kurzfristig unter einem fadenscheinigen Grund wieder absagt. Fatal wäre es, wenn die Frau den Termin cancelt, bevor es der Mann tun konnte. Auch wenn man anschließend den ganzen Abend vor dem Fernseher sitzt, sich die tausendste Wiederholung von "Enterprise" anschaut und immer an sie denken muß: Hart bleiben! Klingelt das Telefon und die Frau der Träume ist am anderen Ende, weiß man genau: Gewonnen! Also, immer dran denken: Nie wieder verständnisvolle Gespräche, die sich über Stunden ziehen. Nie wieder Angebote, beim Umzug zu helfen oder die komplette Wohnung zu renovieren. Und speziell ein Ratschlag für Max: Fahr sie nach dem nächsten Date nicht mehr bis an die Haustür, sondern setzte sie an der nächsten Bushaltestelle ab. Und vor allem: Ruf sie nie wieder an!

23. 9. 2005 Homepage

Die Wahlforscher, die könnens

Liebe Kinder, ihr müsst jetzt ganz stark sein: Den Osterhasen und den Nikolaus - die gibt es beide in Wirklichkeit überhaupt nicht! Wahlforscher und andere Demoskopen sehen übrigens eine Nikolaus-und-Osterhasen-Gläubigkeit in Deutschland von 37%. Gut, diese Kolumne wird nicht wirklich von Kindern gelesen, und Erwachsene sagen sich jetzt wahrscheinlich: "Was labert der Typ da eigentlich wieder für nen Scheiß?" Aber wir müssen doch zugeben, dass auch wir Erwachsenen noch ab und zu verblüfft werden. Outete sich doch der Kindersendungsmoderator Peter Lustig ("Pusteblume", "Löwenzahn") zum Renteneintritt, dass er eigentlich überhaupt gar keine Kinder leiden mochte. Ebenso war der Jahrhunderte lange "Aktenzeichen XY"-Moderator "Ede" Zimmermann einstmals selbst ein Ganove. Wie schaffe ich jetzt bloß den Übergang von Ganoven zum Thema Politik? Hmm ... ah, ich weiß: Niemand hätte das gedacht von Herr Lustig und Herr Zimmermann. Wahlforschungsinstitute haben die Wahrscheinlichkeit bei 2% festgemacht. Und wenn die das sagen, muss es ja stimmen. So wie bei der vorgezogenen Bundestagswahl. Jetzt haben wir ja endlich wieder wählen dürfen - ich hatte meine Hetztirade auf die neue schwarz-gelbe Regierung bereits im Kopf - und dann sowas: Keine Partei hat so recht eine Mehrheit und keiner will mit den anderen. Wie im Kindergarten: "Ne, mit dem will ich nicht spielen." Medien erfreuen sich über coole, neue Wortkreationen wie "Schwampel" oder "Jamaika-Koalition", und die Deutschen haben generell wieder viel Grund zu ihrer Lieblingsbeschäftigung - schimpfen. Dabei sagen die Wahlforscher, dass 87% der Schimpfer gar keine Deutsche sind, sondern Wähler. Jetzt haben wir eben den Salat. Und das, obwohl Wählen in Deutschland ja gar nicht so schwer ist - schließlich hat man eigentlich keine Wahl, wen man da wählen soll, werden doch alle Kandidaten bereits vorher auf Landes- und Wahlkreislisten vorgekaut. Ich finde ja, Rot-Grün sollte weiter regieren und den Unionsparteien eine "privilegierte Partnerschaft" anbieten. Da ich schonmal beim Wählen bin: Andere wählen übrigens auch gerne. Laut Wahlforscher sind das 129% der Weltbevölkerung. Zum Beispiel war kürzlich in den USA wieder die Emmy-Preisverleihung. Ach, ich finde das immer schön, wie da mutwillig Kategorien erfunden werden, um so einen Event galant in die Länge ziehen und möglichst viel Werbung platzieren zu können. Zur Wahl stehen dann - wie auch beim Oscar oder sonstigen "Awards" - Personen in Kategorien wie "bester Film, in dem der Hauptdarsteller aus einem Auto steigt und rechts aus dem Bild läuft", "bestes Album einer Band, von denen mindestens einer manchmal etwas Blaues trägt" oder "bester Nebendarsteller, der sich mindestens einmal pro Film mit einem rosafarbenen Taschentuch die Nase putzt". Und dann sendet man das Ganze noch zeitversetzt, für den Fall, dass während der Sendung irgendwo einmal kurz versehentlich ein blankes Knie gezeigt wird, welches herausgeschnitten werden muss. Dabei sagen Wahlforscher, dass so etwas höchstens in 5% aller Sendungen vorkommt. Manchmal eignen sich solche Awards auch ganz hervorragend dazu, unterdrückte Randgruppen (ja, es gibt noch welche - man hat beim New Orleans-Hurrikan nicht alle totgekriegt) pseudozuprämieren, um seinen Ruf als große Vorzeigedemokratie zu wahren. Wie gut, dass unsere Wahlforscher übrigens die Wahrscheinlichkeit eines Hurrikans in Deutschland bei nur 9% sehen.

22. 8. 2005 Homepage

Der deutsche Sommer

"Dann vergaß der Winter Frühling und Sommer und ging gleich in den Herbst über." (Zitat aus Monthy Python's "Ritter der Kokosnuß".) Auch dieses Jahr wieder bittere Wahrheit in Deutschland. Vor allem für die, die gerade ihre "Winter"-pause in warmen Ländern verbracht haben und nun wieder im Nasskalten frösteln. Ich kann das sehr gut nachfühlen, schließlich komme ich selbst gerade wieder aus Mallorca zurück. Und wieder einmal musste man mich mit Gewalt in den Flieger bugsieren, um mich zurück zu schaffen. Diesmal habe ich auch ein kleines Mitbringsel mitgebracht. Nein, keinen Tripper. Schön wärs. Eher eine Art "Montezumas Rache". Naja, das kann passieren. Auf diese Weise hat man plötzlich wieder viel Zeit zum Lesen. Aber eines muss ich schon mal sagen: Mit Entsetzen musste ich mal wieder feststellen, dass viele Deutsche tatsächlich Mallorca für einen Teil Deutschlands halten. Eine Diskussion mit einer jungen Frau in Palma und die ursprüngliche Absicht deutscher Politiker, dort Wahlkampf zu veranstalten, haben mich fast meine letzten Haare gekostet. Überhaupt, dieser Wahlkampf mal wieder: Die Union möchte am liebsten allen Türken, Ossis und wer sie sonst vielleicht noch nicht wählen wollen könnte, das Wählen verbieten, und die SPD tut so, als gäbe es kurz vor der Wahl nochmals eine Flut (wenn man aus dem Fenster blickt, vielleicht gar nicht mal so abwegig) und sie hätten tatsächlich noch eine Chance. Ach, dieses Thema ist gerade so deprimierend. Reden wir lieber über etwas, das ich in meinem Leben schon sehr häufig gesehen habe - den Frauenarbeitsplatz. Und dabei meine ich jetzt nicht den typischen Frauenarbeitsplatz mit der Hand am Schrubber, sondern den modernen Frauen-Computer-Arbeitsplatz. Im Bildschirmhintergrund das fette, verwöhnte, verfilzte Katzenvieh von Zuhause, im Vordergrund die Icons hübsch bunt als Dinosaurier, Herzchen und Bärchen dekoriert, auf der Oberseite des Monitors steht ein Bild von Leonardo diCaprio, Brad Pitt und/oder Orlando Bloom. Der Bürostuhl ist so tief heruntergefahren, dass die Brüste der darauf sitzenden Frau locker auf der Tischkante aufliegen können, weshalb der Monitor auch deutlich nach unten eingestellt ist. Unter dem Tisch steht im Winter ein Ofen, im Sommer ein Eimer mit kaltem Wasser, um die Füße hineinzustellen. Und am besten ist noch irgendwo ein Spiegel angebracht, damit man sich jederzeit seiner Schönheit vergewissern kann. Hab ich noch was vergessen? Ach, ich finde Frauenarbeitsplätze so toll. Jetzt hab ich für einen Moment sogar das deprimierende Wetter draußen vergessen.

4. 7. 2005 Homepage

Ausreden und Entschuldigungen

Damit wir uns richtig verstehen: Diese Kolumne wird keine Anleitung für Menschen, die Entschuldigungen und Ausreden suchen. Da fragt doch bitte Leute, die etwas davon verstehen. Zum Beispiel Politiker. Und wenn es jetzt hier gleich ums Wetter geht, dann hat das auch nicht zu bedeuten, dass mir nichts anderes eingefallen wäre und "das Wetter" wieder einmal als peinliches Not-Thema herhalten muss, wenn die Gehirnwindungen sonst nichts Eloquentes hergeben. Nein, der Grund, warum ich diesmal über das Wetter schreiben möchte ist, dass ich kürzlich in der Zeitung gelesen habe, dass unser deutscher Frühling - als wir uns alle bei kaum 10 °C Lufttemperatur die Ärsche abgefroren haben - laut Statistik "überdurchschnittlich warm" gewesen sei. Wie bitte? Entschuldigung, ich wusste nicht, dass ich in Sibirien lebe. Aber vielleicht sind diese Statistiken ja auch nur Versuche von Ausreden und Entschuldigungen dafür, dass es in Deutschland (neben Belgien) in Europa am meisten regnet, viel mehr als beispielsweise in Großbritannien (wer hätte das gedacht?). Und dafür, dass trotz unserer jahrzehntelangen Versuche, mit Abgasen, FCKW (und vielleicht neuerdings auch noch Feinstaub ... igittigitt) und dem dadurch entstehenden Treibhauseffekt unser Land ein bisschen wärmer zu machen, Handschuhe und Schaal im Jahresverlauf immer noch wesentlich öfter getragen werden müssen als Shorts. Ja, da sind wir um Ausreden nie verlegen. Für jede Kälteperiode gibt's einen Namen: Die "Kalte Sophie", die "Schafskälte" und die "Eisheiligen" lösen praktisch einander gegenseitig ab. Bei so vielen unumgänglichen Frierzeiten muss man sich wundern, wie da der Sommer überhaupt noch ein paar Tage Platz dazwischen findet. Zu denken gab mir das erstmals, als ich mir zu Pfingsten 2001 von Norwegern sagen lassen musste "It's colder in Germany than on fucking North Pole" und im Frühjahr diesen Jahres von Schotten "So do you call THIS spring?", wobei man doch weiß, dass weder Norwegen noch Schottland für ein mediterranes Badewetter bekannt sind. Was ich mich frage ist, wo wir Deutschen diesen Hang herhaben, für alles eine Entschuldigung zu finden. Ich glaube ja, wir haben das von den Ölmultis gelernt, die auch für jede Preiserhöhung so fantastische Ausreden haben wie "der Ferienbeginn in Guinea-Bissau erfordert eine Preisanhebung" oder "da in Japan eine Schale mit Sushi umgefallen ist, kommen wir nicht umhin, die Rohölpreise anzupassen". Man nennt das wohl Chaostheorie oder so ähnlich. Nur, man vergisst hinterher immer gar versehentlich, die Preise wieder zu senken, wenn der Anhebungsgrund sich erübrigt hat. Lohnt sich ja auch nicht, denn der nächste Erhöhungsgrund kommt gewohnt schnell. Schließlich hat man in Burundi ja auch mal Ferien.

Aber genug von Ausreden, genug vom Wetter. Mir kam zu Ohren, dass uns in Kürze "Sarah & Marc in love" im Fernsehen erwartet. Na klasse, das hat uns noch gefehlt - einer eingebildeten Sangestussi und einem Boygroupfritzen zuzusehen, ach was sie doch für ein tolles Leben führen und wie verliebt sie doch sind. Anstatt sie sich mal hinsetzt und ein bisschen die deutsche Nationalhymne übt, damit wir beim nächsten Mal von ihr nicht wieder zu hören bekommen " ... brüh im Lichte dieses Glückes ...", wie es vor gar nicht allzu langer Zeit vor einer Sportveranstaltung passiert ist. Es gäbe doch außerdem sowieso viel interessantere Titel wie "Whitney (Houston) & Bobby (Brown) in court", "Katie (Holmes) & Tom (Cruise) in Scientology land" oder "Heidi und Seal in-tim". Tja, Sarah und Marc sind eben billiger ... schon wieder ne Ausrede.

1. 6. 2005 Homepage

Servicewüste Deutschland

Die Firmenchefs in Deutschland werden ja nicht müde, über die derzeitige Konsum-Müdigkeit der Deutschen zu klagen: "Ach, was soll ich denn nur tun? Zu wenige kaufen bei mir, alle sparen sie immer nur." Umso unverständlicher meine folgende Odyssee: Auf der Suche nach einem Anbieter, der mir nicht nur einen schnelleren Internetzugang, sondern am besten auch gleich noch Internet-Telefonie ermöglicht, um mir die unnötige duale Grundgebühr (immer feste in den Rachen der Telekom) zu ersparen, habe ich einiges ausprobiert. Die Hansenet bietet im Stuttgarter Raum so etwas unter dem Namen "Alice" an. Doch - who the fuck is Alice - außerhalb Stuttgarts? Gar in Schorndorf? "Vergessen Sie's." Weiter zur Kabel-BW, die als Fernseh-Kabelbetreiber in Baden-Württemberg neuerdings auch superschnelles Internet per Kabelfernsehen-Lichtleiter anbietet. Ein Test auf deren Homepage sagt mir, dass auch das in Schorndorf noch nicht möglich ist. Zwei Mail-Anfragen, ob es - derzeit wird von denen schließlich auch das Kabelfernsehen in Schorndorf modernisiert - schon einen Termin gibt, zu welchem dieses sogenannte Kabel-Internet möglich ist, werden komplett ignoriert, ein anschließender Anruf bei der kostenlosen Service-Hotline von einer ... na, sagen wir mal nicht ganz super freundlichen ... Frau kurz abgeschmettert. Auch hier will wohl keiner der Telekom Konkurrenz machen. Der nächste: Vodafone bietet Internet per UMTS an. Eine Mail-Anfrage wird hier wenigstens beantwortet, wenn auch leider negativ - in Schorndorf noch lange nicht möglich. Arcors Homepage bietet eine interessante Telefon/Internet-Kombination an, aber ein Test gibt Auskunft ... wir ahnen's schon ... in Schorndorf nicht verfügbar. Bei AOL gibt's doch auch was - aber zwei E-Mail-Anfragen blieben bis heute unbeantwortet. Schließlich soll mein Anbieter 1&1 natürlich auch noch eine Chance bekommen. Eine Mail wird auch nach wenigen Tagen beantwortet - doch leider macht man hier gar nichts ohne die Telekom. Na, danke schön. Unausgebaute Netze, unwillige Mitarbeiter, unfreundlicher Ton - wer heute up-to-date sein will hat's schwer in Deutschland.

Aber jetzt wird ja dann alles besser. Im Herbst finden wohl vorgezogene Bundestags-Neuwahlen statt, dann können endlich die unfähigen Blockadeparteien zeigen, was sie alles so Tolles draufhaben. Strunzdumme Politiker wie Merkel, Stoiber und Koch, denen die himmelschreiende Dummheit aus jeder Pore dringt, werden uns dann vollends totregieren. Der Kündigungsschutz wird abgeschafft, die Gewerkschaften gleich mit, und alle 100 Meter wird ein neues Atomkraftwerk gebaut. "Die Bürger wollen einen Atomausstieg? Das ist doch UNS scheißegal." Die Wahl des neuen Bundeskanzlers findet dann folgendermaßen statt: Alle deutschen Politiker werden in den Bundestag eingesperrt und müssen Frau Merkel wählen. Und wenn die Siegerin dann feststeht, steigt schwarzer Rauch zum Kamin auf. Und die Glocken läuten zum Abgesang einer Nation, über die künftig ob ihrer Repräsentanten nur noch jeder lacht. Oder so ähnlich.

Dann werden wir am Boden sein. So wie beim diesjährigen Schlager-Contest in Kiew. Von Deutschlands Vorzeige-Schwulen Uecker und Hermanns liebevoll umrahmt (stimmt es, dass nur SCHWULE Männer sich für diesen Wettbewerb interessieren?) wurde uns dieses Mal viel Folk geboten. Das finde ich zunächst eigentlich ganz gut, allerdings wird's dann nach dem zehnten "laylalay" plus Getrommel langsam etwas abwechslungsarm. Eine elend lange Punktevergabe (um die 40 Länder, die z. T. selbst nicht mal teilnehmen) und althergebrachtes gegenseitiges Punktegeschiebe zwischen skandinavischen, Mittelmeer- oder Ostblockländern (man weiß immer schon vorher, an wen die Punkte gehen) bringen schließlich einen ganz netten und hübsch verpackten Titel aus Griechenland als Sieger hervor. Okay, ganz in Ordnung - obwohl ich Ungarns, Maltas, Kroatiens, Schweiz' und Lettlands Beitrag auch ganz gut gelungen fand. Aber wo ist in dieser Abschlusstabelle denn Deutschland zu finden? Letzter Platz!? Vier Punkte!? Am 15. März dieses Jahres hab ich's noch vorhergesagt, dass Gracia abstinkt, allerdings hatte sie dann letztlich doch vier Punkte mehr bekommen, als ich damals tippte. Ein jeweiliges 2-Punkte-Gnadenbrot von Moldawien und Monaco hat meine großen Seher-Erfolge (langsam bekomme ich schon vor mir selbst Angst) aber nur leicht verwässert. Vielleicht sollte ja die liebe Gracia mal zur Abwechslung mit jemandem poppen, der ihr bessere Titel produziert.

Apropos Seher-Qualität: Auch den mit einem riesigen Vorsprung geschafften Xten Meistertitel von Bayern Münchens Fußballern habe ich so vorausgesehen. Allerdings braucht man dafür gar nicht mal so unbedingt Seher-Qualitäten, sondern muss nur erkennen, dass alle anderen schlicht zu blöd waren, die Hosen vollgeschissen und letztlich auch keine Lust hatten. So ist das mit Deutschland. Im Eishockey sind wir - komplett unfähig - abgestiegen, und nicht einmal Dauer-Langeweiler Schumi gewinnt mehr. Allmählich mache sogar ICH mir Sorgen.

10. 5. 2005 Homepage

Habemus Papam

Sehr ereignisreich war der April nach meiner letzten Kolumne noch. Wer hätte das gedacht?! Nach dem Ableben vom alten Papst - dem einzigen für Menschen meines Jahrgangs 1972 und später - wurde dann auch nach kurzer Zeit, weißem und schwarzem Rauch, Glockengebimmel und viel Tamtam schon der neue Papst präsentiert. Und zur Freude deutscher Halbgebildeten (BILD "Wir sind Papst") ist es auch noch ein Deutscher geworden. Na, wenigstens im Vatikan gelten wir noch was. Und der neue Papst Benedikt der So-und-sovielte - formerly known as Kardinal Ratzinger; seine italienischen Freunde sagen auch liebevoll Papa Ratzinger (oder kurz Paparazzi) zu ihm - dürfte damit wohl gemeinhin der beliebteste Deutsche sein. Sogar einen Golf fuhr er mal. Gut, mich persönlich interessiert das alles als Protestant natürlich einen Scheißdreck. Ich fand fast interessanter, dass die verbitterte Muschi Glas mal wieder wild um-sich-herum-klagt (wann verklagt sie endlich mal ihren Schönheitschirurgen?) oder dass die deutsche European-Song-Contest-Hoffnung Gracia doch noch vor einer vorzeitigen Disqualifikation stand, weil ihr Ficker ... entschuldigung, ihr "Producer" (wer Erfolg haben will, hat eben gern mal "2 in 1") ... offensichtlich ihr einziger Plattenkäufer ist. Kann ich verstehen, mich haut ihre Musik ja auch nicht vom Hocker. Und wenn sie gut die Beine breit machen kann, was sind da schon so ein paar CDs? Obwohl, eine Prostituierte wäre doch da billiger gewesen - oder, Herr Brandes? Was war sonst noch? Ach ja, ENDLICH hat sich die Agentur für Arbeit mal daran gemacht, ein neues Logo zu entwerfen. Ich finde, das war schon lange mal Zeit. So haben die Millionen Arbeitslosen, die da ständig erfolglos hinkommen, wenigstens mal so ein kleines bisschen Abwechslung. Aber ich möchte auch nicht immer nur meckern, es passiert ja schließlich auch viel Positives in der Welt. Persönlich werde ich mir diesen Sommer wohl den einen oder anderen Champagner öffnen, nachdem ich vor kurzem die Meldung vernahm, dass die "Love Parade" tot ist. Nachdem auch die Gerichte irgendwann nicht mehr glaubten, dass "Lasst uns alle auf der Straße ficken" und "Ein bisschen Koks muss sein" politische Motti sind und der ganze Scheiß deshalb keiner politischen Veranstaltung gleich kommt (was zur Folge hat, dass die Organisatoren den ganzen Müll hinterher auf eigene Kosten wieder wegräumen lassen müssten) wurde das Ereignis schlicht zu teuer. Ich betrachte das als persönlichen Sieg und weine im Stillen süße Freudentränen.

10. 4. 2005 Homepage / teilw. ZVW

Olle Kamellen

Beim Stöbern entdeckte ich neulich einige Texte bei mir, die ich zwar in der Zeitung veröffentlichen wollte, aber bislang nicht auf meine Homepage gestellt habe. Dies hole ich hiermit nach - natürlich nicht, ohne jeweils eine Erklärung mitzuliefern, handelt es sich doch teilweise bereits um ziemlich olle Kamellen:

Bericht über ein Ereignis in der Harald-Schmidt-Show im Jahre 2003 (oder wars 2002?), damals noch in SAT 1. Diesen Text habe ich dem ZVW zur Verfügung gestellt, die dann freilich ihren eigenen daraus gemacht haben - hier mein Originaltext:
"In the ghetto - das passt zu Schorndorf": Launige Überraschung letzten Freitag in der "Harald Schmidt Show" auf Sat 1. Im Publikum saßen Holger, Industriekaufmann aus Schorndorf, und seine Freundin Jeanette aus Waldhausen. Und nicht nur das, sie gewannen auch noch 700 von 2000 möglichen Euro beim "Musik-Quiz - der eine pfeift, der andere rät", bei dem 100 Euro pro erratenem Song warteten. Auf diese Weise kam die Stadt Schorndorf dadurch völlig unverhofft überregional "zu Ehren". Alles fing zunächst harmlos an. Harald Schmidt suchte sich für sein Musik-Quiz ein Paar aus dem Publikum und pickte "die Dame mit der Henna-Birne" heraus. Das war Jeanette, mit ihrem stark rot gefärbten Haar, die ihren Freund Holger mitbrachte. Das Paar auf dem Sessel platziert und Holgers schwäbischen Akzent bei der Nennung seines Namens bemerkt, ließ sich Harald Schmidt - selbst schließlich auch mit schwäbischen Wurzeln ausgestattet - zu der Frage hinreißen: "Ha Holger, wo kommschn her?" Holger antwortete kurz: "Schorndorf". Harald Schmidt: "Schorndorf isch bei Backnang." Nun war das ja global gesehen durchaus richtig - die Frage ist nur, ob einem Nordrhein-Westfalen, der Schorndorf nicht kennt, Backnang ein Begriff ist. Insofern war Holgers Entgegnung "Bei Nürtingen" - eine Anspielung auf Harald Schmidts bekannten früheren Heimatort - dann auch nicht so falsch. Schließlich konnte Harald Schmidt dann Schorndorf doch dem Remstal zuordnen. Mit dem Herkunftsort Jeanettes, Waldhausen, hatte er aber scheinbar Probleme, denn nach der Werbepause war das Paar nur noch "aus Schorndorf und Umgebung". Einen Sonderapplaus für das Schorndorfer Burggymnasium als Jeanettes Schule rang Harald Schmidt dann seinem Publikum auch noch ab. Zu Beginn des Quiz' pfiff Holger die Musikstücke, die er jeweils von Karten ablesen konnte. Jeanette mit Augenmaske musste erraten. Das gestaltete sich schwierig und klappte nur bei Rod Stewarts "Sailing" ("Let it be" von den Beatles wurde regelwidrig von der Haus-Band vorgepfiffen). Bei nur 100 gewonnenen Euro nach fünf Titeln hatte Schmidt-Beisitzer Manuel Andrack ein Einsehen und schlug vor, ob man nicht tauschen wolle und lieber Jeanette pfeifen lassen solle. So klappte es dann auch besser. Wenn nur Holger mehr erraten hätte. "Angie" von den Rolling Stones erkannte er selbst dann noch nicht, als Harald Schmidt mit dem Tipp "denken Sie mal, wer's bei der nächsten Wahl wieder nicht schaffen wird" half. Bei der Karte "In the ghetto" von Elvis Presley dann Harald Schmidts Kommentar des Abends "Das hier, das passt zu Schorndorf", was allgemein mit schallendem Gelächter quittiert wurde. Der Titel "Reality" von Richard Sanderson war dem jungen Paar aus dem Remstal dann doch schon zu alt, um sich noch daran zu erinnern, was Harald Schmidt zu der Frage brachte: "Zu welcher Musik schiebt man sich heute in Ihrem Alter den Pulli unter die Finger?" Das klang zunächst einmal seltsam, passte aber zu anderen Versprechern des sonst so eloquenten Showmasters an jenem Abend, wie die "Stasiaktie" oder der "Strittfall". Aber mit Details aus seiner Jugend in Nürtingen bügelte er diesen Faux Pas gewohnt elegant wieder aus. Leider blieb das Paar dadurch aber die eigentliche Antwort auf diese doch recht interessante Frage letztlich schuldig. Nach dem Erraten der Titel "Ein bisschen Frieden", "In the ghetto", "Time to say goodbye", "Ein Freund, ein guter Freund", "Smoke on the water" und "Oops! ... I did it again" ging das sympathische schwäbische Paar dann immerhin letztlich mit 700 Euro nach Hause - und mit der Verabschiedung des Gastgebers und Wahl-Nordrhein-Westfalen Harald Schmidt "Kommat guat hoim".

Leserbrief (geschrieben am 27. 10. 2004, beim ZVW erschienen einige Tage später) über das Schwanenpaar am schorndorfer Stadthallensee, welches ausgewildert werden sollte - und mittlerweile leider auch wurde - weil das Schwanenmännchen, von Menschen aggressiv gemacht, andere Menschen gerne mal "im Vorbeigehen" angriff und die Stadt deswegen einen Musterprozess gegen ein "Opfer" verloren hatte, obwohl sie mit Schutzzäunen und drei Warnschildern auf die "Gefahr" aufmerksam machte:
Betr.: "Pathologischem" Schwan droht Ungemach: Klagender Bürger: "Hach, der böse Schwan kam im Sturzflug auf mich zugeflogen und hat mich gar tödlich verletzt. Und die blöde Gemeinde hat nur 473 Warnschilder und 15 Schutzzäune aufgestellt. Wie kann ich da wissen, dass man den Schwan nicht provozieren darf?!" Schwan: "Fast täglich gibts Übergriffe auf mich mit diversen Wurfgeschossen (Steine, Flaschen, Böller), Tritten und Stockhieben. Und wenn dann Frau Schwan auch noch ihre Tage hat, da kann man als Schwanenmann schon mal ausflippen. Aber mich hier gleich als "pathologische Bestie" hinstellen, das ist schon frech. Und dann noch "Sturzflug". KÖNNTE ich überhaupt noch fliegen, dann würd ich das tun und all den Idioten mal kräftig auf den Kopf scheißen, die mich täglich ärgern. Wenn man mich in Ruhe lässt, raste ich auch nicht aus. Und derzeit bin ich sowieso zahm und fress den Leuten sogar aus der Hand." Anwohner: "Wenn einer einen anderen mit dem Hammer schlägt, verklagt man ja auch nicht den Hammer. Wenn hier also jemand verklagt und bestraft wird, dann doch bitte nicht der Schwan oder die Gemeinde, sondern diejenigen, die für das temporär aggressive Verhalten des Schwans verantwortlich sind. Bei der Ermittlung dieser Personen bin ich gerne behilflich."

Leserbrief (geschrieben am 15. 3. 2005, beim ZVW leider erst erschienen am 30. 3. 2005, als die Diskussion schon wieder abgeflaut war) über das in Schorndorf geplante Bordell. Zur Erklärung: Schorndorf besitzt zu diesem Zeitpunkt bereits zwei privat geführte Bordells. Da aber eine ehemalige Asylunterkunft frei wird, ein Bordellbetreiber Interesse an den Räumlichkeiten angekündigt hatte und eine Stadt ab 35.000 Einwohner ein Bordell in ihren Grenzen offensichtlich nicht ablehnen darf, tendierten OB und Gemeinderat dazu, dem Interesse des Bordellbetreibers nachzugeben und so ein offizielles Bordell in einem im Besitz der Stadt befindlichen Gebäude zu ermöglichen. Daraufhin brach in Schorndorf die Hölle los, weil etliche Einwohner mit z. T. scheinheiligen und vorgeschobenen Argumenten das Bordell (als wär es das erste und einzige in Schorndorf) verhindern wollten. Ganz besonders militant beschwerte sich ein Autohausbesitzer in direkter Nachbarschaft des Gebäudes:
Betr.: Bordelldiskussion in Schorndorf: Das Abendland geht unter und die Sonne mag über Schorndorf nicht mehr scheinen. Mit Kriminalität und Prostitution ziehen Sodom und Gomorra in die Stadt ein. Einer beklagt sich, sein Hund zahle mehr Steuern als ein Bordellbesitzer und eine andere glaubt gar zu wissen, dass es in ganz Deutschland keine einzige angemeldete Prostituierte gibt. Kein Tag, ohne dass die braven und frommen Bürger Schorndorfs keine Leserbriefe und Unterschriftenaktionen auf den Weg schicken. Träfe jeden Scheinheiligen in Schorndorf auf der Stelle der Blitz, das Städtchen hätte kaum noch Einwohner, und die Frage eines zulassungspflichtigen Bordells stellte sich nicht mehr. Ich wünsche der Firma Schloz ein zehn Meter hohes, wild rot blinkendes Herz aufs in direkter Nachbarschaft befindliche Bordelldach, damit's auch jeder schon von Weitem sieht.

4. 4. 2005 Homepage

Hirntot

Was war das wieder für eine Aufregung?! Eine Frau in den USA, seit 15 Jahren im Koma und bereits tausendfach von Ärzten für hirntot erklärt, soll nicht mehr künstlich ernährt werden sondern sterben dürfen, wie es ihr Wunsch war. Die Eltern wollen aber dem Leid lieber noch ein Weilchen zusehen und sogar die Regierung schaltet sich ein - mit dem Präsidenten persönlich - um eine "Sterbehilfe" zu verhindern. Die Richter stellen sich gegen den Wunsch der Regierung (was mit Sicherheit für den einen oder anderen Richter in der Zukunft nichts Gutes bedeuten wird), damit die Frau endlich sterben kann, was sie dann auch tut. Okay, dass sich die Amis so für Hirntote einsetzen, kann man schon nachvollziehen - schließlich werden sie nun bereits in zweiter Amtszeit von einem regiert. Aber nach Bushs Rede, dass ja "jeder Amerikaner das Recht zu leben" hat (ooops - also nur jeder Amerikaner? Na, das erklärt ja Einiges, dann kann man auf die Araber ja ruhig weiterbomben), fragt man sich dann doch, wieso es dann noch die Todesstrafe gibt. Da existieren also dann doch noch Einschränkungen. Am Ende hat vielleicht nur jeder hirntote Amerikaner das Recht auf Leben? Das würde ja immerhin den größten Teil der Bevölkerung schützen. Und die Hüter des Lebens und Gegner der Sterbehilfe, die mutigen und braven Demonstranten, die wochenlang vor dem Krankenhaus ausharrten, um ein Leben zu retten, bedrohen nun die Richter und den Ehemann der Gestorbenen, der sich so vehement für die Einstellung der künstlichen Ernährung eingesetzt hatte, mit dem Tod. Ja, auch diese scheinheilige Ambivalenz darf einen nicht überraschen. Manche Amerikaner sind dann halt doch noch amerikanischer als andere.

15. 3. 2005 Homepage

Germany No Points

Er hätte es so einfach haben können. Nach den Laberbacken vom letzten Jahr konnte die Moderation der diesjährigen deutschen Vorausscheidung (und ich möchte hier das Wortfragment AUSSCHEIDUNG aufgrund des niedrigen Niveaus besonders betont wissen) zum European Song Contest, "Germany 12 Points" ja eigentlich nur besser werden. Aber nein, Herr Beckmann hat uns eines Besseren belehrt. Dass er nach sechs von zehn Titeln bemerkt, dass ja nun "fast die Hälfte der Kandidaten schon vorgestellt wurde" - gut, das haken wir mal als harmlosen Rechenfehler ab. Dass er seinen weiblichen Interviewgästen Emma Bunton, Patricia Kaas und Ruslana verbal förmlich in den Arsch kriecht und sie dabei ständig befummelt - auch okay, hier spricht ja eh nur der Neid aus mir. Aber sein unglaublich dummes Geschwätz - das war nun wirklich nicht auszuhalten. Mit seiner Co-Moderatorin Milka, die im "Green Room" sterbenslangweilige, unfreiwillig so völlig unkomische wie sinnlose Interviews führte, hat ihm sein Sender mit gewohnt sicherem Händchen ein echtes Juwel beigestellt. Aber der Reihe nach: Zunächst hatten wir alle nochmal das Vergnügen, die Dschingis-Khan-Kopie Ruslana zu bewundern - sind das nun all die ukrainischen Nutten und Zuhälter, die laut Opposition dank Volmer-Erlass dieses Land "überschwemmen"? Und schon ging's los mit den Kandidaten. Doch ... ohje ... mit den Murphy Brothers (Picking Up The Pieces), Ellen Ten Damme (Plattgeliebt), Orange Blue (A Million Teardrops) und Königwerq (Unschlagbar) wurde zunächst nur netter Mainstream vorgesetzt. Dudeldei, welches man nicht unbedingt zu haben braucht. Letztere, die Frau König, sang sogar hochschwanger. "Wenn ich nicht singe, wird mein Baby unruhig" - nach dem Auftritt muss ich sagen, dass das nicht unbedingt fürs Baby spricht. Ich würd's lieber noch ne Weile drinlassen, bis es einen besseren Geschmack entwickelt hat. Dann kam die "Lesbe" Villaine (Adrenalin) - und so oft, wie ihre und Ellen Ten Dammes sexuelle Orientierung "erwähnt" wurden, könnte man meinen, es wäre wirklich wichtig. Villaine jedenfalls kämpfte vor allem damit, die Töne zu halten. Ich habe ähnliche Auftritte schon bei diversen Karaoke-Shows gesehen. Mit der Allee Der Kosmonauten (Dein Lied), deren Song ein bisschen nach Xavier Naidoo und Laith al-Deen klang, kam dann endlich so ein bisschen etwas auf wie Qualität. So hoffte ich wenigstens. Allerdings wurde diese Hoffnung jäh wieder zerstört, als direkt danach Nicole Süßmilch & Marco Matias (A Miracle Of Love) einen Mainstreamrotz zusammensangen, der in seiner Banalität glatt von Bohlen geschrieben sein könnte. War er aber nicht. Sondern von Ralph Siegel, der sich unter falschem Namen in diesen Wettbewerb geschlichen hat und fast heulte "die letzten Jahre durfte ich ja nicht mitmachen ... schluchz". Ja, Herr Siegel, und das hatte auch seinen Grund. Man muss sich ja schließlich nicht jedes Jahr vor ganz Europa mit Ihrem Scheiß blamieren. Die Kandidatenvorstellung näherte sich dem Ende mit Mainstream-Gesinge von Gracia (Run & Hide) und Mia Aegerter (Alive) und dazwischen Stefan Gwildis (Wunderschönes Grau): was ein Mist!!! Zwischen den Auftritten gabs Interviews. Neben oben genannten Interviewpartnern auch noch mit Udo Lindenberg, dem musikalischen Paten von Ellen Ten Damme (klar gefällt dem die, hat sie ja schließlich Ähnlichkeiten mit Nena, die er doch in den 80ern auch gerne mal ab und an gebrettert hat). Nach Lindenbergs Gefuchtel mit der "Friedensknarre" und dem dazugehörigen Geblabber hab ich mir ernsthaft überlegt, meine normalerweise pazifistische Einstellung neu zu überdenken. Dann noch ein Guildo-Horn-Interview ("alle gut aussehend, alle stark, alles toll"), das man sich auch hätte schenken können und die Vorstellung der englischen (mit reingeschmonzten Ruslana-Akkorden ... wie originell) und schweizer (endlich mal was Gutes mit rockigen Vanilla Ninjas) Kandiaten für Kiew. Dann Ruslana mit neuem Titel (Wild Passion) - was kommt da wohl nach Wild Dances noch so alles nach? Wild Fruit? Wild Bitches? Der Song war immerhin noch besser als die meisten Kandidaten-Songs dieses Abends. Anschließend Santana für Arme mit Aldi Meola & Leonid Agutin (Cosmopolitan Life), ein Playbackvideo-Gewinnspiel (muss das sein?) und das Ergebnis des ersten Wahlganges. Beckmanns "Wollt ihr's wissen, wollt ihr's wirklich wissen?" hätte ich gerne mit einer Schrotflinte beantwortet. Süßmilch/Matias und Gracia gewannen die erste Abstimmung - trotz "Gracia Go Home"-Plakat im Publikum. Es folgten Patricia Kaas (Herz eines Kämpfers) - sehr schön, man hörte aus jedem Takt und jeder Zeile Rosenstolz heraus - und das Schwulen-Duo Thomas Hermanns/Georg Uecker mit ihren Sieger-Tipps - Hermanns sollte am Schluss Recht behalten. Aber eine Frage: Interessieren sich außer mir eigentlich nur Frauen und Schwule für diesen Wettbewerb? Das gibt mir zu denken. Als Emma Bunton (Maybe) dann endlich ihre laut Beckmann "geilste Performance seit langem" absolviert hatte (was war da so geil? Spinnt der jetzt? War wohl rollig?!) und Gracia ein BH-Malheur passiert war (nix mit Janet-Jackson-Unfall, dies passierte leider abseits der Kamera), wussten wir auch endlich, wer den ganzen Shit jetzt gewonnen hat: Gracia. Nur hat ihr Produzent David Brandes mit Vanilla Ninja und ihr nun leider zwei Interpreten im Song-Contest-Wettbewerb. Und wenn das nicht geht, sucht uns dort wohl wieder einmal Ralph Siegel als Zweitplatzierter heim - ich darf gar nicht dran denken. Ach, was war Stefan Raabs "Eurovision Song Contest" nur von besserer Qualität?! *seufz* Ich tippe: Gracia (oder das Siegel-Duo) stinken in Kiew furchtbar ab. Germany No Points!

10. 2. 2005 Homepage

Ätsch!!!

Wer jetzt dachte, ich werde dieses Jahr sämtliche Kolumnen-Headlines mit "B" beginnen, der hat sich aber schwer getäuscht. Da wäre ich ja 2027 ganz schön angeschissen, wenn in dieser stoischen Regelmäßigkeit dann das "X" folgt. Da konzentriere ich mich lieber auf den Inhalt:

Endlich ist sie nämlich vorbei, die Leidenszeit. Alle Jahre wieder, wenn die dümmlich-infantile Faschingszeit am Laufen ist, muss ich mich immer so aufregen. Viele kölsche Wörter hat man in den letzten Tagen wieder gelernt - und viele kölsche Biere geleert, viele Partner betrogen und viele steinalte Witze hervorgekramt. Nur eines war diesmal anders: Die Narren waren nicht nur dumm, sondern auch aggressiv. Die Polizei sprach mancherorts sogar von einem "Karneval der blutigen Nasen". Da bekommt der von der Prosieben-Sat1-Gruppe initiierte "Red Nose Day" gleich eine ganz andere Bedeutung. Bekomme ich jetzt, da ich mich von diesem närrischen Treiben ferngehalten habe, von meiner Krankenkasse eine Prämie? Oder weil ich doch nicht rauche? Das kann ich mir wohl abschminken. Naja, jetzt ist diese unsäglich doofe Narrenzeit ja endlich wieder vorbei. Und trotzdem kann man sich auf das Ende nicht so recht freuen, denn darauf folgt doch immer erstmal der "politische Aschermittwoch", bei dem die Union sich wieder nicht zu schade für Naziparolen ist, die man schon vom leipziger Stammtisch her zur Genüge kennt. Dabei gäbe es Wichtigeres anzusprechen, gab doch die Deutsche Bank kürzlich bekannt, trotz Rekordgewinnes Tausende Mitarbeiter entlassen zu wollen. Das muss man sich von solch fettärschigen, arroganten Manager-Muftis wie Ackermann und Co. anhören, die erst im letzten Jahr noch wegen ihrer Mitnahme-Mentalität vor Gericht standen. Es gibt Zeiten, da wünscht man sich wirklich die RAF zurück.

Unkommentiert möchte ich natürlich auch nicht den vielleicht dümmsten Werbespot aller Zeiten lassen, über den man sich zurzeit echauffieren darf. Die IBM bekommt von mir den imaginären Sonderpreis des Goldenen Scheißhaufens für ihren möchtegern-coolen Dumpfbackenspot: "Hallo, ich denke ihr seit in Tokyo." - "Überraschung! Wir sind in Castrop-Rauxel. Und du bist in Sydney?" - "Überraschung! Ich bin in Amsterdam." - "Und wo sind Heinz-Rüdiger und Thorben-Friedrich? Wollten die nicht nach New York?" - "Überraschung! Die sind in Dresden gelandet. Ich muss jetzt weiter nach Brüssel." - "Überraschung! Brüssel gibt's nicht mehr. Die Fluggesellschaften fliegen deshalb gleich weiter nach Istanbul." - "Überraschung! Istanbul gehört jetzt zu Andorra." - "Überraschung! Arbeiten eigentlich lauter so blöde Arschlöcher mit IBM-Technik?" - "Überraschung! Offensichtlich ja."

25. 1. 2005 Homepage

Besorgt

Schwer besorgt war ich all die letzten Wochen. Ist ja auch wieder Vieles passiert. Viel Schlimmes. Irgendsoein irakischer Stricher hat unseren Mosi erwürgt und somit eine arme, unschuldige Terrierdame zur Witwe gemacht. Und schlimmer noch: Per E-Mail platzt einem jetzt ein geschmackloser Slogan nach dem anderen herein ("hätt ich mir doch ein Schnurloses gekauft", "Lass dich nicht verarschen - vor allem nicht beim Preis"). Das widert mich echt an. Und dann war da noch die "Perfekte Welle", die man im Radio nicht mehr spielen wollte, weil so ein Ding nicht nur braungebrannte Surfer auf sich schlittern lässt, sondern mitunter auch schonmal das eine oder andere Urlaubsland dem Erdboden gleich macht. Die Spendenbereitschaft war groß, und auch unsere Fußballnationalmannschaft ließ sich nicht lumpen, spielte ein Malefiz-... ne, Benefiz-Spiel gegen eine internationale Bundesligaauswahl. Ich finde das ziemlich passend, sind doch unsere Nationalspieler eh seit Langem als Katastrophenkicker bekannt. Gut, einigen hatte das sichtbar weniger in den Terminkalender gepasst, aber andere hatten Spaß - wie z. B. Jürgen Klinsmann, der schien, als hätte man ihm die Mundwinkel an die Ohren getackert. Ein schönes, breites Grinsen - das macht sympathisch. Und wenn man jetzt noch auf den Spielausgang gewettet hätte, wäre noch mehr Geld für das Katastrophengebiet zusammengekommen. Ich hätte da auch schon einen Vorschlag gehabt, wer dieses Spiel dann leitet. Am besten der Schiedsrichter Herr Hoyzer - der kennt sich ja mit manipulierten Spielen offensichtlich bestens aus. Eigentlich sollte man ja seinetwegen die letzten drei Saisons vorsichtshalber schonmal komplett wiederholen. Aber das bränge (oder heißt es bringte?) uns wieder zum engen Terminkalender zurück. Ich muss jetzt auch weitermachen. Habe meine Zeit ja schließlich auch nicht gestohlen.

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