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19. 12. 2007 Homepage

Jammerlappen

Kurz vor Weihnachten nochmal eine schlimme, wenn auch nicht gerade überraschende Erkenntnis: Wir Deutschen sind doch ein elendes Volk von Jammerlappen. Die Lokführer-Gewerkschaft GDL motzt "Nü, wir örmen Össis. Seit dem Begrüßungsgeld hamwer keen Geld mähr bekömm'" und hält mal wieder alle Züge an. Als ob irgendwer in Deutschland noch mit den überteuerten und ständig zu spät kommenden Zügen fahren würde. Nach dem längst fälligen Rauchverbot in Kneipen motzen die Wirte "Ach Mensch, keiner kommt mehr seit dem Rauchverbot, ich kann zumachen". Vielleicht wäre es mal sinnvoll, die Preise wieder etwas zu senken, die man bei der Einführung des Euro einfach klammheimlich verdoppelt hat, denn wenn es einen Gästerückgang im deutschen Gaststättengewerbe gab, dann ja wohl seit der Euro-Einführung und nicht erst nach dem Rauchverbot. Die Briefausträger- und Postkonkurrenz Pin motzt über den neuen Post-Mindestlohn "Tja, dann gehen wir halt pleite, mir doch egal, wenn die das selber so ... die Arschlöcher", doch bekommt nicht jeder ihrer Austräger sowieso zusätzlich Hartz IV, weil von dem Pin-Hungerlohn keine Sau leben kann? Die EU entscheidet sich für CO2-Höchstgrenzen bei Autos und für Strafen bei Nichteinhaltung - und schon jammern die großen deutschen Autohersteller wie Porsche, Daimler und BMW "Ja, da müssen wir halt 9.802 Millionen Leute entlassen und jede einzelne unserer überteuerten Dreckschleudern nochmal fünf Millionen teurer machen". Ein junger Deutscher befummelt in der Türkei ein englisches Kind, sitzt dafür monatelang in türkischer Untersuchungshaft, gleich heißt es "die blöden Türken dürfen nicht in die EU, und da gehen wir nicht mehr in Urlaub hin", nun durfte er doch zu Weihnachten nach Hause, und die Medien jammern weiter "Ach, da sitzt aber noch ein deutsches Mädchen, die wegen Drogenbesitzes verhaftet wurde - die muss auch gefälligst heim dürfen, um die kümmert sich natürlich wieder niemand. Deutsche Strafträter gehören in Deutschland ... freigelassen". Harald Schmidt ist endlich mal wieder lustig - bei öffentlich-rechtlichen Schnarchsack-Sendern ja sehr schwer - und schon beschwert sich der Zentralrat der Juden in Deutschland, dass man Worte wie "duschen", "Autobahn" und "Gas geben" nie mehr in Deutschland sagen darf. Außerdem muss wegen demselben Zentralrat Baden-Württemberg einen Landespresseball in eine Landespressetrauerveranstaltung umwandeln, weil am gleichen Tag vor 328 Jahren einmal ein jüdischer Mitbürger über seine eigenen Schnürsenkel auf einem Gehweg in Süderbrarup gestolpert ist und man deshalb an diesem Tag fürderhin nicht mehr tanzen und fröhlichsein darf. Ist es denn so schwer, sich einfach mal ein bisschen auf Weihnachten zu freuen und die Fresse zu halten? In diesem Sinne: fröhliche Weihnachten.

5. 11. 2007 Homepage

Gute Werbung, schlechte Werbung

Als Mann der Medien bin ich natürlich Werbung gegenüber erstmal nicht negativ eingestellt. Im Gegenteil. Ich sehe den außerordentlichen Nutzen und bin auch selbst beruflich darauf angewiesen. Trotzdem - oder gerade deshalb - bewerte ich das, was mir tagtäglich werbetechnisch kredenzt wird, vielleicht einen zarten Hauch kritischer als Otto Normalbürger.

Positiv aufgefallen ist mir in der vergangenen Zeit die Firma Evonik. In unsinnig vielen Kurz-Werbeteasern erstmal überhaupt nichts zu verraten, ist eine geniale Idee, wie sie auch von mir kommt. Dass sich dahinter der frühere Kohle-Konzern RAG verbirgt oder was die eigentlich machen - scheißegal. Hauptsache, man spricht darüber.

Im Radio macht derzeit TomTom Werbung auf gar lustig-frivole Weise. Doch, welch unglaublich unfähige Werbefirma wurde denn bitteschön dafür beauftragt? Eine junge Frau, die herausstottert: "Das war ein schöner Abend ... ähm ... ähm ... willst Du noch auf nen Kaffee mit hoch kommen?" und die TomTom-Stimme, die bestätigt: "Sie haben Ihr Ziel erreicht" ist ja eine tolle Idee, aber welche gelangweilte unbefriedigte Jungfer hat denn hier das TomTom gesprochen? Man hört förmlich den fallenden Mundwinkel (geradezu angelamerkelesk) und die schon halb geschlossenen einschlafenden Augen in der Stimme. Jeder bei dieser Werbe-Firma muss doch wissen: Die Stimmen auf so einem Navigationsgerät sind stets positiv und dynamisch. Ich weiß das auch, denn ich besitze ebenfalls eines. Das muss locker kommen, und zum Ende des Satzes muss die Stimme freudig erhoben werden. Schließlich ist ja der eigentliche, unausgesprochene Vorsatz: "Toller Abend. Willst Du noch mit hoch kommen und mich nach allen Regeln der Kunst so richtig durchficken?" Da darf doch kein gelangweiltes "Sie haben Ihr Ziel erreicht ... schnarch ..." kommen. Also, Werbefirma: Idee gut, Ausführung ungenügend.

Und wenn wir schon bei - na, sagen wir mal - etwas suboptimaler Werbung sind: Wer um alles in der Welt hat denn den neuen Claim für die Axe-Werbung erfunden? Bom chicka wah wah?!?! Kommt man sich da nicht völlig behämmert vor, wenn man dies bei einem Briefing seinem Kunden vorsetzt? Hätte nicht für entsprechende Person lieber während dieses Vortrags die Falltür für ein Berufsverbot auf Lebenszeit geöffnet werden sollen? Dieser Spruch ist nicht einfach nur doof und nichtssagend. Nein, er nervt auch noch wie die Sau! Jemandem, der mich auf der Straße so ansprechen würde, würde ich wohl die Zähne einschlagen. Offensichtlich zielt die Werbung auf die ganz Jungen ab. Aber sind wir schon soweit, dass diesen Haupt-und-Sonderschul-Bälgern kein vernünftiger Satz mehr zuzumuten ist? Nur noch völlig debile Grunzlaute? Ich gehöre ja nicht zu denen, die unbedingt überall einen deutschen Spruch fordern. Meinetwegen in englisch, russisch oder suaheli. Aber in einem Bom chicka wah wah sehe ich den Anfang des Untergangs des Abendlandes. Dies auch noch mit einer Band und einem "supercoolen" Song auszutreten wie einen Scheißhaufen in der Sonne, ist noch eine zusätzliche Frechheit. Ach ja, und am besten auch noch Klingeltöne, Aufkleber für Schulranzen und eine eigene Modekollektion. Die heutigen Lehrer haben mein vollstes Mitgefühl. Ich würde wohl die Tasche und den Lehrauftrag ins Eck werfen und schreiend davonlaufen.

11. 10. 2007 Homepage

Der Urlaub war mal wieder viel zu kurz

Ach, man muss doch ständig klagen über dieses Wetter in Deutschland. Da war doch der April so schön (vier Wochen lang Sommerwetter). Was wurde da schon wieder alles geschrien?! "Oh, wenns jetzt nicht bald regnet, dann werden wir alle verdursten! Deutschland wird zur Wüste!", "Ach, wir bekommen Ernteausfälle!", "Ohje, das wird bestimmt ein ganz heißer Jahrhundertsommer, und wir alle werden jämmerlich verbrennen!" Ja, so war das. Und was kam danach? Gar nichts mehr. Keine vier Tage am Stück Schönwetterperiode mehr. Höchstens mal hie und da übers Wochenende zwei, drei schöne Tage. Sonst nur noch Kälte, Regen und Scheißdreck. Ich habe in Deutschland schon viele Scheißsommer erlebt - aber dieser war mit Abstand der schlimmste. Er fand schlicht und einfach überhaupt nicht statt, zu keinem Zeitpunkt. Selbstverständlich konnte ich mir das nicht gefallen lassen und habe mir meinen Sommer dann selbst besorgt - indem ich in ein Land geflogen bin, wo es die meiste Zeit des Jahres zuverlässig Sommer ist und nicht jeder regenfreie Tag über 12 °C ein Wunder, so wie das ganzjährig in Deutschland der Fall ist: in die Türkei. Okay, Abstriche muss man schon machen. Besonders wenn man erst jetzt in der Nachsaison dahin fliegt. Familien mit noch nicht schulpflichtigen kleinen Kindern (vorsicht Lärmalarm!) und junge Pärchen, die ja ach so frisch verliebt sind, dass sie auf Ansprache von Dritten schon gar nicht mehr reagieren - das ist es leider, was man da so trifft und nicht die Horden wilder geiler Frauengruppen, die's jeden Tag und jede Nacht so richtig krachen lassen wollen. Außerdem macht man oftmals langweilige Zwangs-Bekanntschaften mit zweitklassigen Animateuren. Und was ist nerviger, als ein großmauliger schleimiger Animateur, der Touristinnen angräbt? Ein großmauliger schleimiger Animateur, der an seinem freien Tag minderjährige Touristinnen angräbt. Gerade in der Türkei sitzt man schonmal monatelang im Knast, wenn man als Tourist eine andere minderjährige Touristin angrabscht. Für Animateure, Skilehrer und Bademeister gelten aber auf dieser Welt andere Regeln. Da ist schon mal der eine oder andere Freifahrtschein für solche Dinge dabei. Man kann das ja vielleicht irgendwie ausblenden und sich trotzdem die eine oder andere schöne Woche gönnen. Nur hinterher stellt man dann wieder ernüchtert fest, dass es morgens um 2 Uhr in der Türkei noch mehr als doppelt so warm ist wie morgens um 9 Uhr in Deutschland, wenn man aus dem Flieger steigt.

4. 9. 2007 Homepage

Helden

Es ist schon ganz schön peinlich, dass eine so reiche und große Nation wie die USA ihr gesamtes Geld darin stecken, sich auf kriegerische Weise die Ölquellen anderer Staaten zu sichern, und gleichzeitig die eigene Infrastruktur vernachlässigen. So platzt dort halt schon mal ein 100 Jahre altes Wasserrohr, oder es stürzt eine marode Brücke ein. Und wenn sich eine solche "Katastrophe" dann ereignet, dann spricht man offiziell erst mal von 5000 Toten und drölfunddreißigtrillionen Verletzten (die Zahl wird einige Tage später auf 2 Tote und 3 Verletzte herunterkorrigiert) und geht zunächst gleich von einem terroristischen Anschlag aus. Wahrscheinlich war's Osama Bin Laden - die Phantasiefigur, die seit einigen Jahren sehr gerne für alles beschuldigt wird, was irgendwie scheiße gelaufen ist. In Deutschland könnte man das ungefähr mit der SPD vergleichen. Überhaupt, man kennt das aus Hollywood-Filmen: Wenn ein amerikanisches Auto einen Unfall hat, dann explodiert es sofort - spätestens, nachdem die Insassen gerade noch so herauskrabbeln konnten. Und da wären wir gleich beim nächsten Punkt. Was nach einer amerikanischen Katastrophe nämlich niemals fehlen darf, das sind die Helden, die sich in die Flammen gestürzt haben, um andere herauszuholen, die gestorben sind, um anderen zu helfen, die sich geweigert haben, wenn sie schon sterben müssen, dann noch mit ihrem Flugzeug ins Wohnzimmer des Präsidenten zu stürzen. Amerika ohne Helden, das wäre ja auch wie Ballermann ohne Deutsche. Anschließend werden dann die Helden - posthum oder anwesend - mit glorreichen Auszeichnungen versehen wie dem Purple Heart (vergleichbar mit der deutschen Red-Nose-Day-Nase) oder dem goldenen Ureinwohner-Töter am Bande. Selbst Jahre danach muss die Katastrophe nochmals zum Gedenken herhalten, wenn nämlich Tom Cruise dann in einem Kinofilm einen der Helden spielt - und ganz nebenbei in den Drehpausen die ganze Umgebung in die Scientology Church zwingen will, weil vor vielen Jahrzehnten einmal ein gewisser L. Ron Hubbard zu viele Science-Fiction-Romane gelesen und einen sehr amerikanischen Stich ins Größenwahnsinnige bekommen hat. Und wieder ein Vergleich: In Deutschland lesen die geistig schnell Überforderten die BILD-Zeitung, in Amerika unterstützen sie Scientology. Andersherum wäre es auch irgendwie blöd. Diese Jahreszeit nun - der Herbst - eignet sich schließlich wieder ganz besonders für amerikanische Katastrophenverehrungen, sind doch für gewöhnlich zu diesem Zeitpunkt schon wieder mindestens 299 Hurrikane im Anzug. Dass sich 298,5 davon - zumindest auf US-amerikanischem Boden - letztlich als Windhauch herausstellen werden, reden wir nicht mehr davon.

9. 8. 2007 Homepage

Eine Odyssee -
Servicewüste Deutschland, Teil 2 987 472 983 756

Nun hatte ich also Telefonie und Internet bei KabelBW beantragt, weil mir zugesagt wurde, ab Ende Juni wäre dies bei mir verfügbar. Gut, es hat dann doch bis Anfang August gedauert, bis es tatsächlich verfügbar war. Aber dann ging es schnell, und eine Firma telent GmbH aus Backnang meldete sich, die von KabelBW beauftragt worden war, den Anschluss bei mir einzurichten. Sogleich wurde ein Termin vereinbart: "Am Donnerstag, 11.30 Uhr, kommt der Herr Forkel zu Ihnen." Nun musste ich extra Urlaub nehmen, um da dann auch zuhause zu sein, aber nach so langer Zeit wollte ich natürlich endlich wieder einen Internetanschluss haben. Als um 12.30 Uhr immer noch weit und breit kein Techniker zu sehen war, rief ich nochmals die Zentrale der telent GmbH an, um zu fragen, wo denn der Herr Forkel bleibt. "Der kommt nicht, sein Vortermin hat doch länger gedauert." Hmm ... hätte er dann nicht wenigstens anrufen und bescheid sagen können? "Wir haben einen anderen Techniker in der Nähe, der könnte um 15 Uhr bei Ihnen sein. Wenn Sie das wollen, werde ich das veranlassen." Also gut, ist mir auch Recht. Ich bin ja heute zuhause. Wieder warten. Natürlich war auch um 16.45 Uhr noch immer kein Techniker da, deshalb wieder ein Anruf in der telent-Zentrale bei Herrn Michael Schopf: "Kommt da heut noch einer?" - "Nö, da kommt keiner mehr." - "Ja, und wie soll ich das jetzt verstehen?" - "Am Montag neuen Termin machen." - "Ich habe aber nur heute und morgen Urlaub und möchte, dass der Anschluss noch heute, spätestens morgen, bei mir eingerichtet wird. Ich kann doch nicht vier Wochen Urlaub nehmen, falls in dieser Zeit irgendwann mal einer in der telent GmbH Lust hat zu arbeiten und seine Termine wahrzunehmen." - "Freitag haben wir alles schon voll. Das geht eben nicht." Da kamen mir einige Dinge in den Sinn. 1. Warum kann der Herr Forkel nicht Bescheid sagen, wenn er den Termin nicht schafft? 2. Warum kann der Herr Forkel nicht seine Termine der Reihe nach abarbeiten und dann eben mit Verspätung zu mir kommen? 3. Warum kann die telent GmbH, wenn sie schon ihre Termine versäumt, diese nicht wenigstens zeitnah am nächsten Tag nachholen, bevor sie neue Termine annimmt? Ich nahm also notgedrungen einen neuen Termin für Montag, 12.00 Uhr an. Auch wenn mich der Glaube längst verlassen hatte, dass da dann wirklich einer auftaucht. Also wieder Urlaub nehmen und mich bei den Kollegen langsam unbeliebt machen. So viel maximales Pech - das glaubt einem ja langsam niemand mehr. Ich begann zu denken, dass ein schlimmer Fluch auf mir lastet. Trotzdem versuchte ich Freitagmorgens nochmal den Herr Schopf am Telefon davon zu überzeugen, dass ich mich nicht fair behandelt fühle und doch auf einen Termin noch am Freitag dränge. Da der Herr Schopf allerdings keinen sehr kompetenten Eindruck machte und auch langsam genervt schien, wollte ich mich zu seinem Vorgesetzten durchstellen lassen oder zum obersten Chef der telent GmbH. "Sind nicht da." - "Wann ist denn da wieder einer da?" - "Heute Mittag ab 1 Uhr". Es schien mir unglaubwürdig, dass ein Chef erst Freitagmittags in die Firma kommt, dennoch rief ich zu diesem Zeitpunkt nochmals an. Natürlich war die Zentrale nun nicht mehr besetzt und keiner nahm mehr das Telefon ab. Der Herr Schopf ist also nicht nur inkompetent und unverschämt, er verarscht und verhöhnt auch noch die Kundschaft. Muss man sich das bieten lassen? In Deutschland wohl schon. Ich rief bei KabelBW an, um ihnen von meinen Erfahrungen mit der telent GmbH zu berichten und darum zu bitten, doch künftig von einer Verpflichtung dieses Saftladens abzusehen und jemand anderes zu schicken, da diese Firma offensichtlich nicht vor hat, diesen Auftrag auszuführen. Das wäre wegen Lizenzen nicht so einfach, aber wenn der ausgemachte Montagstermin wieder nicht wahrgenommen würde, solle ich mich nochmals melden, dann bleibt uns gar nichts anderes übrig, als zu intervenieren. Am Montag kam dann - sogar schon um 11.30 Uhr - der Herr Schwarz von der telent GmbH. Und nach geschlagenen sechs (!) Stunden professioneller Arbeit wegen diverser Unwegsamkeiten hat dann am Schluss doch noch alles funktioniert. Ich hoffe, dass diese Odyssee damit endlich beendet ist. Die Direktdurchwahlnummer von Herr Schopfs Chef, Robert Blum, hab ich mir dann anderweitig besorgt - allerdings nicht mehr verwendet, da ich jetzt dazu keine Lust mehr habe. Ich glaube, da muss der Herr Schopf den Herr Schwarz jetzt mal zum Essen einladen.

21. 7. 2007 Homepage

Keine Sau gekannt

Kann das irgendeiner meiner Leser nachvollziehen? Ich denke, in meiner Heimatstadt nicht wenige Leute zu kennen. Aber wenn bei uns jedes Jahr das örtliche Stadtfest läuft, kann ich an fünf Abenden für jeweils viele Stunden dort sein, ohne irgendjemanden zu treffen, den ich kenne. Ja, sogar ohne irgendjemanden zu treffen, den ich überhaupt jemals schon mindestens einmal in meinem Leben gesehen hätte. Wo kommen die denn alle her? Werden die jedes Jahr aus einem fernen Taka-Tuka-Land eingeflogen, weil unsere Bevölkerung überaltert ist und vielleicht nicht genug Umsatz machen würde? Warum ich keinen meiner Jahrgänger dort finde, ist mir dagegen schon klar. Die haben mittlerweile alle Kinder im Alter von bis zu drei, vier Jahren und sind zu diesen abendlichen Zeiten dort dann nicht mehr zu finden, sondern daheim. Aber dass man so gar niemanden kennt, das finde ich schon seltsam. Und jetzt wird's noch viel mysteriöser: Gehe ich eine Woche später aufs Stadtfest zwei Orte weiter, kenne ich plötzlich sehr viele, obwohl ich mich dort das ganze Jahr über nur höchst selten aufhalte. Ich glaube, ich sollte eine X-Akte anlegen.

Aber vielleicht waren beim Schorndorfer Stadtfest ja einfach alle nur nicht in Stimmung und zu echauffiert vom Tagesgeschehen. Dies könnte ich dann wieder vollauf verstehen. Es ist ja schließlich auch eine große Sauerei, dass unser Innenminister Schäuble jetzt zurücktreten soll, bloß weil er angeregt hat, in Zukunft verdächtige Menschen einfach erstmal zu erschießen, bevor man groß investigiert, ob diese überhaupt schuldig sind. ZurückTRETEN kann der Mann als Rollstuhlfahrer ja sowieso gar nicht, allenfalls zurückROLLEN. Aber das kann man doch auch nicht so einfach verlangen, wäre ja behindertenfeindlich. Oder die Atomindustrie: Es ist doch eine Unverschämtheit, einfach dem Atomkraftwerksbetreiber Vattenfall mit einem Lizenzentzug zu drohen, nur weil mal das eine oder andere im Kraftwerk nicht so rund lief. Schließlich hatte doch "zu keinem Zeitpunkt jemals Gefahr für die Bevölkerung bestanden". Natürlich nicht, zumindest nicht für die Bevölkerung von Kaktovik/Alaska, denn die sind ja weit genug von unseren Atommeilern wie Brunsbüttel und Krümmel entfernt. Man wirft Vattenfall Versäumnisse und Verschleppungen ihrer Informationspolitik vor. Aber was sollen die auch anders sagen als "... bestand zu keinem Zeitpunkt Gefahr ...". Sollen sie zugeben, dass sie Zeitbomben betreiben? Dass die Abfälle, die sie produzieren, noch über Jahrtausende gefährlich strahlen werden? Dass jeden Tag alles in die Luft fliegen kann? Warum sollte man denn die Menschen beunruhigen? Oder soll man es mit Schäuble halten und die Kraftwerksbetreiber einfach vorsorglich mal erschießen?

30. 6. 2007 Homepage

Der Providerwechsel

Als langjähriger Kunde der 1&1 Internet AG (und somit leider auch der Telekom) war ich zunächst begeistert, als 1&1 ihren neuen Tarif 4DSL (mit Telefon- und Handyflatrate sowie schnellerem Internet) angeboten hat. Zum ersten Verkaufstag Mitte April habe ich gleich veranlasst, meinen Tarif in diesen abzuändern. Nachdem ich drei Wochen lang nichts mehr von 1&1 gehört habe (man könnte den Tarifwechsel ja wenigstens bestätigen), fragte ich mehrmals nach, was denn nun ist und wann ich denn nun die benötigte Hardware geschickt bekomme. Erst nach mehrmaligem Nachhaken erfuhr ich, dass der neue Tarif bereits Anfang Mai geschaltet wurde und ich die Hardware demnächst bekommen würde. Mitte Mai hatte ich diese dann und schloss sie an. Doch die Freude währte nicht lange. Nach wenigen Stunden ging das DSL-Modem auf Störung. Ein Anruf bei der 1&1-Hotline bescherte mir einen Tag später die Störungsentfernung durch die Telekom-Störungsstelle. Danach ging die Leitung immerhin anderthalb Tage, bis sie erneut auf Störung schaltete. Diesmal dauerte es schon wesentlich länger, bis die Störung wieder aufgehoben wurde. 1&1 meinte dann bei sich mehrenden Hotline-Anrufen, da müsse man wohl mal vor Ort nach der Leitung schauen und einen Termin mit der Telekom machen, der diese Leitungen gehören. Die Störung wäre sonst nicht mehr zu beheben. Nun ist die Telekom leider sowieso nicht gerade für ihren tollen Service bekannt, zudem kam auch noch ein Streik. Außerdem machte es die Tatsache, dass die Störung mittlerweile auch mein Telefon betraf und jede Verbindung schon nach kurzer Zeit wieder getrennt wurde, nicht einfacher, einen Techniker einzufordern. Nach Wochen der DSL-Störung und des Nicht-nutzen-Könnens meines Vertrages, für den 1&1 aber bereits fröhlich Gebühren einzog, schienen die Bemühungen von 1&1 und Telekom, die Störung in den Griff zu bekommen, immer zaghafter zu werden. Schließlich platzte mir der Kragen, und ich setzte eine 14-tägige Frist bis zu einer Sonderkündigung. In dieser Zeit tat sich dann erst Recht nichts mehr. Außer, dass mal ein Telekom-Techniker - leider unangekündigt - vor dem Haus stand, während ich nicht zuhause war. Dieser Techniker warf eine Karte in den Briefkasten mit der Aufforderung, einen neuen Termin mit der Telekom zu machen. Nun ist ja bekannt, dass man telefonisch bei diesem Konzern nicht durchkommt (siehe auch frühere Kolumnen von mir), und so entschloss ich mich nach mehreren telefonischen Fehlversuchen und herzhaftem Verbeißen in der Tischkante, den Termin schließlich persönlich im örtlichen T-Punkt-Laden zu machen. Doch Schock Schwerenot - mir wurde der Termin verweigert. Termine mache man mit mir nicht, das müsse 1&1 machen. Auf eine Diskussion einlassen wollte man sich schon gar nicht. Nur schwer konnte ich mich davon abhalten, im Gehen noch das eine oder andere Regal dieses Ladens umzuwerfen und den Mitarbeitern noch ein freundliches "hoffentlich werdet ihr alle entlassen" zuzurufen (schließlich ging es ja darum bei dem Telekom-Streik). Meine Entscheidung stand fest, da die 14-tägige Frist nun sowieso um war: Fristlose Kündigung bei 1&1 und sobald wie möglich Kündigung bei der Telekom. Die 1&1 Internet AG reagierte gewohnt unprofessionell kurz und zackig per Mail, um den Anschluss nur wenige Stunden später auch gleich sofort abzuschalten. Ein Brief auf dem Postweg (vielleicht noch mit Bedauern-Heuchelei) blieb völlig aus, und so war es fast schon ein Wunder, dass der Anschluss inzwischen mal wieder kurz funktionierte und ich die Kündigungsbestätigung gerade noch abrufen konnte. Erst bei meiner finanziellen Rückforderung bezahlter Gebühren bei 1&1 bekam ich von diesen einen Bedauernsbrief. Wahrscheinlich war das Bedauern allerdings eher darauf beschränkt, Geld zurückzahlen zu müssen. Dies ist dann in nicht ganz voller Höhe meiner Forderungen auch bezahlt worden. Leider wurde einen Monat später illegalerweise trotz widerrufener Einzugsermächtigung frech weiter abgehoben. Und die Moral von der Geschicht? Suche dir professionelle Partner. Mittlerweile habe ich Internet und Telefonie bei KabelBW beantragt und kann somit auch noch diese rosafarbene Scheiße vom Schuh abkratzen. Fortsetzung folgt im August.

20. 5. 2007 Homepage

Die große Frage ...

... ist die, ob der Eurovision Song Contest 2007 in diesem Jahr überhaupt eine Kolumne wert ist, wo doch Song Contests zuletzt an sich schon oft genug Thema waren. Nun, eigentlich muss man die Frage ganz klar mit einem dicken, fetten NEIN beantworten. Trotzdem kann ich mir ein paar Kommentare nicht verkneifen. Der gruselige Beginn dieser Veranstaltung mit einem Video des Vorjahressiegers Lordi und deren damaligem Siegertitel hätte uns - im Nachhinein gesehen - schon abschrecken müssen, blieb aber bis zum Schluss das Beste an dieser Sendung. Bosnien-Herzegowina eröffnete mit demselben Scheiß, denn wir in den letzten Jahren schon so oft zu hören bekamen, danach wieder ein Boygroup-Scheiß aus Spanien und ein Scheiß aus Belarus, wenn auch hier wenigstens mit einzelnen guten Folk-Einflüssen. Gut, ich bin vielleicht nicht ganz unvoreingenommen, aber der irische Beitrag war dann der erste gute, den man zu hören bekam. Musikalisch, zumindest. Schade nur, dass die Sängerin dieser Kelly-Family für Arme keinen einzigen Ton richtig getroffen hat. Deshalb gabs leider am Schluss den letzten Platz. Das hätte nicht sein müssen. Finnland schickte wieder einen Gothic-Rock - ganz nett, aber zweimal hintereinander gewinnt nie dasselbe Land mit derselben Art von Song. Es folgten Mazedonien (alles schonmal dagewesen), Slowenien (mal was anderes: eine Mischung aus Oper und Folk), Ungarn (schöner Blues, am Ende leider nur noch Geschrei), Litauen (ganz nettes Spanisch-Gitarre-Geklimper), Griechenland (immer der gleiche Scheiß), Georgien (furchtbarer Diskostampf-Ethnomix), Schweden (schwuler Kasperle-Rock mit geklauter Anfangssequenz), Frankreich (Lied scheiße, singen kann man auch nicht), Lettland (ein paar Tenöre - warum nicht?), Russland (drei süße Russinnen in schwarz, einen auf Sugababes gemacht), Deutschland (warum nicht mal ein Swing? Kam nur mal wieder nicht an, obwohl sich Roger Cicero viel Mühe gemacht hat, eine solide Leistung bot und sein Lied am Schluss teilweise auf englisch sang), Serbien (Sehr lesbireske Frauenband, von der niederländischen Jury wurde die Frontfrau zu Recht als "Kelly Osbourne" verspottet), Ukraine (bei jungen Russen gerade total angesagte Synthi-Kasperlemusik "sieben, sieben, eins, zwei, drei" - toller russischer Text), Großbritannien (lustige Flugzeugbesatzung am Singen oder plumpe Airline-Werbung? Einfach doof), Rumänien (spanisch, französisch, englisch, rumänisch - hauptsache überall angebiedert), Bulgarien (viele Trommeln, Musik gut, leider piepsiger Gesang der Interpretin), Türkei (Disko-Nummer, blöd), Armenien (Schmalzbubi singt Schmalz - Herr Ober, ein Schmalzbrot, bitte!) und Moldawien (Gracia-Verschnitt, aber ganz nett rockig). Nach diesen schon sehr dürftigen Darbietungen, schloss sich ein langer Epos der finnischen Rock-Geiger Apocalyptica und danach das alljährliche Punktegeschiebe der Oststaaten an, die Serbien zum Sieger und Ukraine zum Zweiten machte. Frankreich, Spanien, Deutschland, Großbritannien, Irland - alle wieder ganz hinten, und nicht bei allen wirklich verdient. Vieles hätte an diesem Abend nicht sein müssen, aber dass einige von den nationalen Jurys, die die Ergebnisse der Handystimmenabgaben verlasen, den Finnen für "a fantastic show congratulationed" haben, war ein Zynismus, den nicht mal ich an dieser Stelle überbieten kann.

23. 4. 2007 Homepage

Eine kleine Trauerrede

Oettinger zu Filbingers Tod - es war nur eine kleine Trauerrede eines tapsigen, verstockten und ewig-gestrigen Ministerpräsidenten, für den sich hoffentlich alle Baden-Württemberger mit mir schämen. Mich hat sie dazu veranlasst, mich in Anlehnung daran, an eine im letzten Jahr verstorbene Persönlichkeit zu erinnern: Bruno, den Bären. Hier ein Auszug der Trauerrede:

"Verehrte liebe Frau Bärenmutter und alle Angehörige, verehrte Trauergemeinde. Tief bewegt nehmen wir Abschied von Bruno dem Bär. In Trauer, aber auch voller Respekt und Hochachtung verneigen wir uns vor einer großen Persönlichkeit, einem herausragenden Bären und vor seinem Lebenswerk. Unser Mitgefühl und unsere aufrichtige Anteilnahme gilt Ihnen, liebe Bärenmutter und den unbekannten Angehörigen. In christlicher Verbundenheit teilen wir Ihre Trauer, auch wenn wir wissen, dass Worte und Gesten über den schweren Verlust nicht hinweghelfen können. Die Nachricht vom Tode Brunos hat uns alle tief bewegt. Viele sind heute hier, die Bruno nahestanden: Jäger, Fellhändler, Schafbesitzer. Aus Tirol, aus Bayern und weit darüber hinaus. Auch viele Bürger im Land denken in diesen Tagen an Bruno, den Bären. Oder an JJ1, wie er auch genannt wurde. Die Reaktionen zeigen, welcher Respekt, welche Bewunderung, ja Zuneigung ihm zuteil geworden ist. Nichts macht augenfälliger, was er für unser Land war: ein großer und verdienter Fellknäuel. Eine öffentliche Autorität, erwachsen aus einem Lebenswerk, das für die hervorragende Entwicklung unseres Waldes steht. Ich maße mir nicht an, sein Leben und Wirken in wenigen Sätzen zusammenfassen zu können. Aber klar ist: Bruno war mehr als nur ein großer Bär. Seine Person steht für beinahe einen Sommer deutscher Zeitgeschichte! So blicken wir heute mit großem Respekt auf einen Petz, der alle Höhen und Tiefen des letzten Sommers selbst erlebt hat. Anders als in einigen Nachrufen zu lesen, gilt es festzuhalten: Bruno war kein Problem-Bär. Im Gegenteil: Er war ein Gegner von Gewalt. Allerdings konnte er sich den Zwängen des Waldes ebenso wenig entziehen wie Millionen Andere. Bruno wurde - gegen seinen Willen - zum Reißen gezwungen und wurde - ohne dies zu wollen - Parteimitglied der NSDAP. Er musste sich wegen seiner Beteiligung an Angriffen auf wehrlose Schafe und Bienen erwehren. Es bleibt festzuhalten: Es gibt keinen Angriff von Bruno, durch den ein anderes Tier sein Leben verloren hätte. Und bei den gerissenen Tieren, die ihm angelastet werden, war er in Wirklichkeit gerade im Urlaub. Bruno, der Bär hat mindestens zwei Kühen das Leben gerettet: Eine von ihnen trieb gerade in einem Fluss, als sich Bruno in großer Gefahr als Rettungsschwimmer betätigt hat. Für mich und meine Generation ist es leicht, sein Wirken zu beurteilen. Vielleicht aber in Wahrheit schwer oder auch unmöglich, weil wir nicht dabei waren und wir nicht ermessen können, wie brutal und diktatorisch die Gesetze der Natur damals gewesen sind. Unser Land stünde heute nicht so bärenlos da, wenn er nicht zuletzt geschossen worden wäre. Bruno hat Gewalt immer verachtet. Die Weltanschauung war für jemanden wie ihn, der aus einer katholischen Gegend stammte und der sich als gläubiges Tier verstand, schlichtweg unerträglich. Bruno hat aus diesem Glauben heraus gehandelt und in der Zeit seines Wirkens großen Mut bewiesen:
· er hat im katholischen Bärengesangsverein mitgewirkt;
· er hat die Bärenmarke erfunden;
· er hat mit seinem fetten Arsch Waldschädlinge totgesessen.

Kurz vor Ende seines Lebens war Bruno gerade dabei, sich den Friedensnobelpreis und die silberne Ehrennadel in Gold abzuholen. Bruno hat immer wieder erzählt, dass er als junger Braunbär früh morgens um 4 Uhr aufbrechen musste, um nach mühseliger, fünfstündiger Nahrungssuche auf marodem Waldgebiet und nach langen Wartezeiten vor dem Arbeitsamt bis Mittags wieder auf der faulen Haut liegen zu können. Das Land verliert mit Bruno dem Bären eine prägende Persönlichkeit. Wir, die Generationen nach ihm, verlieren mit ihm einen zuverlässigen, kompetenten und aufrichtigen Ansprechpartner in Sachen Honig. In tiefem Respekt vor dem Tier und seinem Lebenswerk verneigen wir uns in dieser Stunde vor Bruno, dem Bären, dankbar ihn fast gekannt und erlebt zu haben. Wir spüren und wir teilen den Schmerz seiner Familie, für die er sich eigentlich gar nicht interessiert hat. Und wir spüren die Lücke, die er für unser Land und unseren Wald hinterlässt. Bekanntlich ist nur der wirklich tot und vergessen, der aus den Herzen und der Erinnerung der Menschen verschwindet. Ich bin sicher: Bruno wird weiterleben - in unseren Herzen, in unserer Erinnerung und mit seinem Lebenswerk für uns und die nächsten Generationen - oder auch nur als Trophäe an der Wand des Jägers, der ihn geschossen hat."

Ich distanziere mich nachträglich von dieser Trauerrede.

12. 3. 2007 Homepage

Frühling und Song-Contests

Endlich wird's wieder Frühling. Nach solch einem langen und harten Winter. Okay, ist ja schon gut: Dann war's eben kein langer und harter Winter. Vielleicht war's ja noch nicht einmal ein Winter. Außer an dem Tag, als ich für 30 km Fahrt mit dem Auto ca. drei Stunden gebraucht habe, wegen des völligen Schneechaos'. Aber das ist vorbei. Der Frühling kommt, die Blumen zwitschern und die Vöglein wachsen auf den Wiesen ... oder so ähnlich. Frühling - leider ist das auch wieder die Zeit für die vielen Gesangswettbewerbe. Und da meine ich jetzt nicht die ollen Casting-Shows. Für diesen Ramsch ist mir schon jedes Wort zu schade. Nein, ich spreche zum Beispiel von Stefan Raabs Bundesvision Song Contest. Beim ersten Mal hervorragend, beim zweiten nur noch Mittelmaß, war es diesmal leider eher eine Zumutung. Da war kaum noch etwas Gutes dabei, außer der Erkenntnis, dass bundesweit offensichtlich nur völlige Idioten beim Radio angestellt werden. Das war zumindest der Eindruck, den die Radiomoderatoren bei ihrer jeweiligen Stimmenabgabe für ihr Bundesland (wird ja jeweils von einem örtlichen Radiosender übernommen) gemacht haben. Und dann die deutsche Vorentscheidung für den Eurovision Song Contest. Wieder ein Versuch, dort endlich den letzten Platz zu schaffen. Mit der erbärmlichen Armenhaus-Auswahl von drei mehr als nur mittelmäßigen Songs wurde das Ganze doch tatsächlich zu einer anderthalb- bis zweistündigen Abendshow aufgeblasen. Respekt für so viel Luft. "Die Welt ist Pop" von Heinz-Rudolf Kunze, der gar nicht gewinnen wollte, sondern nur eine Bühne für die Vorstellung seiner neuen Single brauchte - hörbar aber nicht unbedingt der Bringer. "Even Heaven cries" von den zusammengecasteten Monrose-Ischen, die sich schon als die Sieger sahen (und wer nicht?). Immerhin bewiesen sie Humor, nachdem der Name des Titels ganz gut zu dieser Destiny's-Child-Persiflage beim Kindergeburtstag passte - bei diesem Geplärre musste der Himmel wohl wirklich weinen. Dann war's mit dem Humor aber auch schon vorbei, als zur völligen Überraschung aller der Swing-Musiker mit dem urdeutschen Namen Roger Cicero und dem Titel "Frau'n regier'n die Welt" gewann und die drei Monrose-Häschen wie kleine verwöhnte Mädchen das Gebäude der Schmach verließen. Ob da die Tatsache, dass Weltfrauentag war, bei der Auswahl des Siegertitels mitgeholfen hat? Naja, uns kanns ja egal sein, wer für Deutschland letzter wird. Aber wir werden das natürlich - ganz masochistisch - weiter verfolgen.

21. 1. 2007 Homepage

Mein Erlebnis mit der Telekom

Nach dem großen Sturm "Kyrill" fiel bei meinen Eltern die Telefonanlage aus. Ist natürlich ein doofer Teufelskreis, wenn man nach Hilfe telefonieren müsste, weil man nicht telefonieren kann. Aber gut, ich habe das von meinem Telefon aus übernommen, denn bei mir gab es ja schließlich keine Ausfälle nach dem Sturm.

Also, erst die offizielle Störungsstelle (u.a. für Telekommunikation) angerufen. Und nach langer Konversation mit einem Sprachcomputer kommt endlich die Frage "... wenn Sie Störungen mit dem Telefon haben, sagen Sie bitte ,zwei' ...". Okay, jetzt sind wir richtig. Doch, halt: "Bei Störungen Ihrers Telefons rufen Sie Ihren Vertragspartner oder Telefonhändler an." KLICK.

Na toll, und dafür bin ich jetzt hier ewig in der Leitung? Warum gibts denn eine "Störungsstelle für Telekommunikation", wenn dort nur auf andere Stellen weiterverwiesen (und noch nicht mal damit verbunden) wird?

Also bleibt nichts anderes übrig, als schweren Herzens die Service-Nummer der Telekom anzurufen.

Auch hier ewige Vor-Auswahlen mit Sprachcomputer (scheint zugegebenermaßen sinnvoll, damit der zuständige Mitarbeiter nachher gleich weiß, worum es geht) bis endlich "Bitte haben Sie einen Moment Geduld, Sie werden mit einem unserer Mitarbeiter verbunden". Nach Minuten in der Warteschleife höre ich dann "Derzeit ist leider kein Platz frei ... versuchen Sie es doch später noch einmal. Auf Wiederhören ..." KLICK.

Was? Nochmal anrufen? Und dann die ganze langwierige Vor-Auswahl nochmal eingeben? Okay, geduldig nochmal, wenns denn sein muss.

Beim nächsten Versuch keimt dann wieder Hoffnung auf, als ich erneut durchdringe zum Kommentar "Bitte haben Sie einen Moment Geduld, Sie werden mit einem unserer Mitarbeiter verbunden". Doch diesmal kommt der Zusatz "... bitte bleiben Sie nach dem Gespräch in der Leitung, um fünf Kundenanfragen zu beantworten." Aha, man ist also an der Kundenmeinung interessiert, bei der Telekom. Na schön. Doch erst gibt es ja ein Problem zu lösen. Stattdessen weiter Warteschleife und x-mal den blöden Telekom-Jingle. Dann plötzlich: "Bitte beantworten Sie nun noch folgende kurze Service-Anfragen. Sind Sie der Meinung, von unserem Mitarbeiter ausreichend kompetent beraten worden zu sein?" - Kompetent beraten? Ich wurde GAR NICHT beraten. Man kommt ja nie durch bei Eurem Scheißladen. - "Bitte vergeben Sie Schulnoten von 1 bis 6, wobei 1 die beste und 6 die schlechteste ist." - "6" - "Das freut uns." - Was? Wie bitte? Das freut uns? Wo bin ich denn da gelandet? - "Nächste Frage: Hat Ihnen die Auskunft bei Ihrem Problem geholfen? Bitte Schulnoten von 1 bis 6." - "6" - "Das freut uns sehr." Hey, wie seit Ihr denn drauf? Nach fünf Fragen dann "Vielen Dank, auf Wiederhören." KLICK.

Telekom, ich hab keinen Bock mehr auf Euch.

16. 1. 2007 Homepage

Der Winter soll fort bleiben

Achjeh, nun sind sie also schon wieder vorbei, all die besinnlichen Tage. Die Fresserei, die Sauferei, die Streiterei ... öffentlich-rechtliche Sender nahmen die Zeit abermals zum Anlass, alte Peter-Alexander-Klamotten wie "Charlys Tante" vollends totzusenden. Aber war das nicht eine furchtbar scheinheilige Zeit, damals? "Abartiges" wie Transsexualität und Homoerotik war verpönt, aber Peter Alexander hüpfte in der Mehrzahl seiner Filme als Transe durch die Gegend, und das war lustig.

Naja, jetzt aber neues Jahr, neues Glück. Doch wir wären keine Deutschen, wenn wir nicht gleich wieder etwas zu Schimpfen finden würden: "Was ist das denn für ein Winter? Es ist ja gar nicht kalt. Da stirbt das Ungeziefer nicht. Ach, ist das schlimm." Meine Fresse, was soll denn das? Sollen doch mal alle froh sein, dass man endlich nicht mehr so viel Öl, Gas und Strom zum Heizen braucht. Und das scheiß Ungeziefer, das stirbt von der Kälte sowieso nicht - nicht mal bei -100 °C. Deshalb ist es ja auch Ungeziefer. Also, von mir aus kanns im Winter 40 °C haben, wenn ein PLUS davor steht. Die Umweltschänder und Krankenkassenbelaster von Wintersportlern sind natürlich angepisst, klar, aber die sollen halt auswandern. Ein paar kalte Gegenden gibts auf der Welt ja schließlich noch.

Also, wenn schon schimpfen, dann über so einen oberflächlichen und völlig unnötigen Scheißdreck, wie ihn der einstmalige Musiksender Viva jetzt mit "Are U hot?" aus dem Ausland kopiert - wo sich junge Menschen zum Affen machen und der/die schönste, tollste, coolste herausgecastet werden. Wer braucht sowas? Wieder ein so blödes Wichtigtuer-Format. Ich bin entsetzt, dass sich Moderatoren-Darling Collien Fernandes für sowas hergibt. Hat sie kein seriöseres Angebot bekommen? Vielleicht als Nachfolgerin von Christiansen, nachdem sich Günther Jauch doch nicht dafür hergeben wollte? Dort kann man schließlich nicht viel schlimmer machen. Ich fürchte, wer so essentielle Dinge wie "Are U hot?" ansieht, kuckt auch amerikanisches Heldenverehrungs-Kriegsverherrlichungs-Schmonz wie "Band of brothers" oder "Pearl Harbour" und schlägt danach auf der Straße gar heldenhaft Obdachlose tot. Wo steuern wir da bloß hin? Was ist nur aus der guten alten Rappelkiste geworden? Oder der Augsburger Puppenkiste? Aus dem feuerroten Spielmobil? Kommt heut alles nimmer. Ach, es ist so traurig.

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