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4. 12. 2008 Homepage

Bamboleo

Mal wieder Bambiverleihung. Mal wieder kurios, was für Nasen da wieder prämiert werden. Britney Spears bekommt einen Bambi. Britney Spears! Die hatte mal Erfolg. Früher. Heute ist sie nur noch ein Drogenwrack, das nur noch durch diverse Exzesse von sich reden macht. Erst singt sie ein furchtbar grausiges Scheißlied, dann überreicht ihr Karl "Tucktuck" Lagerfeld anschließend auf der Bühne den Preis, sagt ihr ganz leise ein paar Worte - sie nimmt das Ding, dreht sich um und geht ab. Keine Dankesrede, keine Freude, gar nix. Jawohl, der Bambi hat sich für dieses undankbare Gör wirklich gelohnt. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Wahl, Burda. Auch Johannes Heesters zieht es vor, lieber irgendwo anders auf der Bühne zu stehen, als sich das olle Ding zum x-ten Mal abzuholen, das mittlerweile jeder Scheißer bekommt. Ich sehe schon die Gewinner vom nächsten Jahr: Paris Hilton, Kader Loth, dem Stefan Effenberg sein Schwager, der Farbenmichl aus der Konstanzerhofgasse. Und dazu werden wieder jede Menge wichtiger sozialer Stützen der Gesellschaft eingeladen: Franjo Pooth, Uschi Glas ihr Sohn, Carsten Spengemann, Karl-Heinz Emig, Hannibal Lecter ... Am besten, Marcel Reich-Ranicki bekommt den Preis anschließend auch. Der kann sich dann erneut darüber aufregen, in welcher Reihe von Vor-Gewinnern er da wieder steht. Das wird köstlich.

Aber bis dahin ist ja noch ein Weilchen Zeit, jetzt kommt erstmal wieder Weihnachten. Und zu diesem Anlass habe ich ein Gedicht gefunden - es kommt leider nicht von mir. Jeglicher Versuch herauszufinden, aus wessen Feder das stammt, schlug leider fehl, und so muss ich es als unbekanntes Fremdgedicht ankündigen:

Lieber guter Weihnachtsmann,
jetzt ist`s soweit, jetzt bist du dran.
Ich hab' 'nen guten Rechtsanwalt,
der klagt dich an, der stellt dich kalt.

Schon seit vielen hundert Jahren,
bist du nun durch das Land gefahren,
ohne Nummernschild und Licht,
auch TÜV und ASU gab es nicht.

Dein Schlitten eignet sich nur schwer,
zur Teilnahme am Luftverkehr.
Es wird vor Gericht zu klären sein:
Besitzt du 'nen Pilotenschein?

Durch den Kamin ins Haus zu kommen,
ist rein rechtlich streng genommen:
Hausfriedensbruch - Einbruch sogar.
Das gibt Gefängnis, das ist klar.

Und stiehlst du nicht bei den Besuchen,
von fremden Tellern Obst und Kuchen?
Das wird bestraft, das muss man ahnden.
Die Polizei lässt bald schon nach dir fahnden.

Es ist auch allgemein bekannt,
du kommst gar nicht aus diesem Land.
Wie man so hört, steht wohl dein Haus
am Nordpol, also sieht es aus,

als kämst du nicht aus der EU.
Das kommt zur Klageschrift dazu!
Hier kommt das Deutsche Recht zum Tragen.
Ein jeder Richter wird sich fragen,

ob deine Arbeit rechtens ist,
weil du ohne Erlaubnis bist.
Der Engel, der dich stets begleitet,
ist minderjährig und bereitet

uns daher wirklich Kopfzerbrechen.
Das Jugendamt wird mit dir sprechen!
Jetzt kommen wir zu ernsten Sachen:
wir finden es gar nicht zum Lachen,

dass Kindern du mit Schlägen drohst.
Mein Anwalt ist total erbost.
Nötigung heißt das Vergehen,
und wird bestraft, das wirst du sehen,

mit Freiheitsentzug von ein paar Jahren.
Aus ist's bald mit dem Schlittenfahren.
Das Handwerk ist dir bald gelegt,
es sei denn dieser Brief bewegt
dich, die Kanzlei reich zu beschenken,
dann wird's mein Anwalt überdenken.

In diesem Sinne: Schöne Weihnachten und einen guten Rutsch.

21. 11. 2008 Homepage

Aus der Bahn geworfen

Das Jahr fing an mit Uri Geller - und es endet auch irgendwie mit ihm. Schließlich erdreistete der sich doch tatsächlich zu der Aussage, während einer Fernsehsendung ernsthaft Kontakt zu Außerirdischen aufnehmen zu können. Das Motto war: "Gibt es Leben, da draußen?". Es müsste eigentlich eher geheißen haben: "Gibt es Intelligenz, da drinnen?" Das Ganze kackte dann wohl auch ziemlich ab, es musste ja so kommen. Dabei gibt es doch schon längst Außerirdische unter uns. Oder zumindest welche, die "außerbahn" geworfen wurden: Die Deutsche Bahn AG musste sich kürzlich gleich mehrmals für Zugbegleiter entschuldigen, die Kinder und Jugendliche aus der Bahn warfen, weil diese ihre Fahrscheine vergessen hatten. Die Kleinen wurden irgendwo in der Pampa mittellos ausgesetzt. Eigentlich ist das ja selbst nach Bahn-Statuten verboten, aber wen interessiert das schon?! Wer schon einmal Bahn gefahren ist, hatte eine große Chance an einen solchen Zugbegleiter zu geraten. Die Bahn entschuldigte sich bei den Betroffenen und deren Eltern. Hmm ... so billig, liebe Bahn? Wenn man schon einen solchen Scheiß fabriziert, wäre es da nicht wenigstens anständig gewesen, die Jugendlichen und deren Familien mit kostenlosen Jahreskarten zu versorgen? Klar, das ist teuer, aber es hätte wenigstens eine positive Außenwirkung. Stattdessen gabs eine Entschuldigung. Vermutlich noch nicht einmal persönlich, sondern nur schriftlich oder telefonisch. Vielleicht gabs noch Blumen und Schokolade dazu. Zum Beispiel einen Mohrenkopf. Das heißt, eigentlich heißt das ja längst nicht mehr so, sondern Schokokuss oder sowas. Oder "maximalpigmentierter Kuss mit Migrationshintergrund". Aber wer heute noch nicht weiß, dass "Raider jetzt Twix" heißt, der wird sich auch an solche Wortungetüme wohl nicht gewöhnen können. Obwohl wir langsam ruhig unverkrampfter mit dunklen Dingen umgehen könnten. Schließlich wurde ja endlich einmal ein Nicht-Weißer zum amerikanischen Präsidenten gewählt. Wer hätte das gedacht?! Von einem Volk, das traditionell eher einen Scheißdreck zusammenwählt (was man im Übrigen auch vom deutschen Volk und vielen anderen sagen kann). Mal sehen, was er bewirken kann, ehe er einem Attentat zum Opfer fällt (wie das in den USA mit beliebten Personen mitunter schon mal passiert, zu wünschen ist es ihm ja nicht). Lustig war, wie direkt nach der US-Wahl in tausenden Talkshows über dieses Thema plötzlich Deutsche, die gerade mal ein, zwei Jahre in den USA gelebt haben, sich ach so wissend über das amerikanische politische System äußern konnten. Meistens war deren Quintessenz dann, dass doch lieber der alte Kriegsheld McCain hätte gewählt werden sollen. Wie schön, dass solche Wichtigtuer noch immer ein Forum für ihr Wichtiggetue bekommen. Sonst würden die vielleicht noch Amok laufen, um sich Gehör zu verschaffen.

9. 10. 2008 Homepage

7 Urlaubstage und ein Todesfall

Es gibt eine Erderwärmung, haben sie gesagt. Die Sommer würden bei uns heißer und trockener werden, haben sie gesagt. Du meine Güte, sind das erbärmliche Lügner. Kaum einer, der sich in Deutschland nicht darauf gefreut hätte. Aber nein - stattdessen vergisst der Frühling den Sommer dieses Jahr mal wieder komplett und geht schon im Juli in den Herbst über - um im September dann schon wieder den Winter Einzug halten zu lassen. Ich denke, in Grönland kanns kaum schlimmer sein als hier.

Also gibt's nur wieder eines: Nichts wie raus. Leider muss man ja jedes Jahr weiter wegfliegen, wenn man Sonne haben will, da unsere europäischen Nachbarn mittlerweile ähnliche Probleme haben. Also mal wieder in die Türkei. Genauer gesagt, nach Lara, ca. 10 km von Antalya entfernt. Das ist eine lustige Ecke in der Türkei. Die haben da so Motto-Hotels, die irgendwelchen real vorhandenen Bauwerken oder Fahrzeugen nachgebaut sind und dann auch so heißen. Da gibt es zum Beispiel das Concorde-Hotel (die Concorde stürzte im Juli 2000 kurz nach dem Start wieder ab und sorgte für 113 Todesopfer) oder das Titanic-Hotel (1912 sank das "unsinkbare" Passagierschiff, wobei ca. 1500 Menschen starben). Man kann den Türken sicher nicht vorwerfen, sie könnten nicht sarkastisch sein. Dummerweise regnet es aber auch dort zunächst bei Ankunft (eine Sonnengarantie gibts offensichtlich nicht mal mehr dort), aber wenigstens ist es warm. Ein Tag ist dann sehr seltsam: Erst ertrinke ich selbst fast im vom Gewittersturm der vorigen Tage noch immer tosenden Meer, das sich dabei meine Sonnenbrille holt (und im Laufe des Urlaubs noch viel mehr - das reinste Bermuda-Dreieck, diese Gegend) und dann stirbt neben mir am Strand auch noch ein alter Mann. Und ich muss erkennen, dass man es in der Türkei mit der Erste-Hilfe-Ausbildung für Bademeister und Strand-Aufsicht wohl nicht so ernst nimmt, denn sowas kann dort offensichtlich keiner. Für den Mann wars natürlich toll - wer möchte nicht in der Sonne am Strand friedlich einschlafen? Gut, merken muss es halt jemand, bevor man anfängt zu riechen. Für seine Partnerin war es aber natürlich blöd. Der Urlaub war wohl vorbei. Ob man da Reisekostenminderung in Anspruch nehmen kann? An einem anderen Abend hält ein britischer Opa beim Tanzen auf dem Pier und später in der Disko so lange durch, dass ich schon fürchte, das Hotel wird gleich um einen weiteren Gast dezimiert - aber er hat es dann doch ganz gut überlebt. Und schlimm dabei: Er hat auch fast noch länger durchgehalten als ich. Ich sage mir: "Nein, ich geh hier nicht von der Tanzfläche, bis der geht. Das lasse ich mir nicht nachsagen, dass der besser konditioniert ist als ich." Ich bin froh, als er endlich die Tanzfläche verlässt. Nun kann ich - völlig fertig - auch endlich ins Bett gehen. Was mir sonst noch auffällt: Mittlerweile sind wohl 50-60 % der Türkei-Gäste aus Russland. Weiter mit zunehmender Tendenz. Auch die Animateure heißen nicht mehr Kemal, Aishe, Fatma, Kader und Metin, sondern Olga, Katja, Vladimir und Vljakoskajakrznowjesk. Mädchen haben die ja zum Teil äußerst hübsche, die Russen. Hmm ... aber die Männer? Ich frage mich, wie eine russische Frau einen passenden Mann finden kann, wenn die alle so scheiße ... nein, den Gedanken möchte ich nicht weiterführen, das würde wieder dumme Klischees bedienen. Ein Schmuckhändler im Hotel schwäbelt die Leute an, sie sollen doch "a Goldkettle" oder "a Ührle" bei ihm kaufen - und ich denke mir, ich finde das Schwäbisch hier sehr exotisch. Ich selbst schlage mich mit einem Kauderwelsch aus türkisch, englisch, französisch, spanisch und deutsch durch. In irgendeiner Sprache fällt mir der gesuchte Begriff schließlich immer ein. Schließe Freundschaft mit dem Zimmermädchen, das sich wirklich sehr viel Mühe gibt und immer schöne Sachen aus Leintüchern bastelt. Als ich einmal das Trinkgeld vergesse, formt sie daraus eine Schlange. Hmm ... was das wohl zu bedeuten hat?! Sie wird am nächsten Tag mit der doppelten Menge Trinkgeld aber wieder besänftigt und legt zum Dank das Waschbecken mit Rosenblüten aus. Als ich mich gerade richtig an dieses schöne Leben - auch das Wetter macht mittlerweile wieder mit - gewöhnt und ein unwahrscheinlich hübsches junges moskauer Mädel kennen gelernt habe, das sich obendrein auch noch sehr gut anfühlt, ist der Urlaub auch leider schon wieder rum. Menno. Und wie immer ist das viel zu früh. Ich weiß, welches Wetter mich daheim wieder erwartet.

12. 9. 2008 Homepage

Tinnitus - Teil 2

So, nun sitze ich halt schon wieder in einer Arztpraxis herum. Und auch noch bei dem Arzt, den ich am allerungernsten besuche - dem Zahnarzt. Bin gleich morgens einer der ersten. Eine Uhrzeit, zu der man eigentlich noch nicht mal wach sein will. Nach einem "Ich hab's Ihnen doch gleich gesagt, Sie haben zerknirschte Zähne und sollten eine Schiene ausprobieren." kommt die Anweisung, drei "Abdrücke" zu machen - zwei oben, einen unten. Abdrücke mag ich nicht, das ist ekelhaft. Vor allem am Oberkiefer. "Wieso denn zwei oben?", möchte ich wissen. "Einen Abdruck, einen Gegenabdruck und einen Abdruck zusätzlich zur Sicherheit.", meint der Zahnarzt. Jetzt versuche ich zu handeln: "Wie wäre es denn mit einem oben und zwei unten?" Der Zahnarzt lässt sich jedoch nicht darauf ein: "Zwei oben, einen unten. Basta." Ich teile ihm mit, dass er schon immer ein Sadist war. Er freut sich, hört das Kompliment wohl öfter. Also Abdrücke. Dazu wird erst einmal ein passender "Löffel" benötigt, in den dann die härtende Masse gefüllt wird. Und das ist schonmal das erste Problem. Bekomme bestimmt fünfzehn solcher Dinger von der Arzthelferin nacheinander in den Mund geschoben - immer tief bis zum Zäpfchen - bis endlich einmal eines passt. Super, und jetzt das Gleiche nochmal mit dieser Silikonmasse. Abgesehen davon, dass sich jedesmal nur schwer der Würgereiz unterdrücken lässt, meine ich jedesmal, beim Abziehen der dann gehärteten Masse geht eine ganze Zahnreihe mit raus. Beim dritten Abdruck meine ich sogar, meine Nase geht mit ab. Stelle aber dann beruhigt fest, dass noch alles dran ist. Zwei Wochen später bekomme ich die fertige Schiene. Natürlich passt sie trotz der tausend Abdrücke nicht und muss erst noch ein paar Male nachgeschliffen werden, bis ich sie mitnehmen kann. Ich soll das Ding jetzt erstmal jede Nacht tragen. Später dann nur noch ab und zu bei Stress. Bekomme noch ein Gefäß mit, in dem ich die Schiene tagsüber aufbewahren kann. Allerdings findet sich erst kein passendes. Schließlich fällt die gefundene Schachtel dann ziemlich groß aus. "Da können Sie auch noch Maikäfer drin sammeln.", meint mein Arzt. Außerdem muss ich demnächst schon wieder kommen - zur Kontrolle. Ich mache einen Termin aus, allerdings erst nach meinem Urlaub. Den habe ich mir nun wohl verdient.

Die erste Nacht mit der Schiene. Merke, dass sich der Speichelfluss mit diesem Ding dann doch geringfügig erhöht. Wenn ich jetzt in der Nacht nicht den Mund zu lasse, sabbere ich mir das ganze Kopfkissen voll. Nicht, dass ich morgens denke, in einem beschädigten Wasserbett zu erwachen. Ansonsten ist's aber weit weniger schlimm als befürchtet. Komme mir halt noch älter vor, wenn ich das Ding morgens abmache und denke, das schmatzende Geräusch hört sich an wie Inge Meysels Gebiss. Und das soll jetzt den Tinnitus eindämmen? Wir werden sehen. Oder vielmehr hören. Oder auch nicht.

7. 8. 2008 Homepage

Tinnitus

Seit geraumer Zeit habe ich nun schon einen Tinnitus im rechten Ohr. Allerdings kein Piepsen, wie bei den meisten, sondern eher so ein Blubbern. Man fragt sich: Wo kommt das her? Wie stell' ich's ab? Warum ist das nur auf EINEM Ohr? Und was soll der ganze Scheiß überhaupt? Nach einigen Hör-, und Gleichgewichtstests beim HNO-Arzt (beim Gleichgewichtstest wird einem warme und kalte Luft in die Ohren geblasen - ein echtes Cabrio-Feeling; früher hat man das wohl noch mit Wasser gemacht, da bin ich ja froh, dass ich früher solch ein Problem noch nicht hatte) schickt dieser einen auf eine große Ärztetour. Ausschlussverfahren. Der Orthopäde schaut nach der Halswirbelsäule: "An der liegt's nicht, aber machen Sie mehr Sport." Ok, das hör' ich öfter. Irgendwann mach' ich das mal. Der Neurologe prüft die Hirnströme und macht einen Ultraschall vom Hals. Auch daran liegt's nicht. "Könnte psychisch sein." Bin schon froh, dass ich diesmal nicht wieder von ihm höre, ich hätte extreme Hängelider, so wie beim letzten Mal, als ich mit einer Sehnenscheidenentzündung dort war. Also weiter zum Radiologen. Kernspintomografie vom Kopf. Mit Kanonen auf Spatzen schießen. Eine süße Arzthelferin mit Migrationshintergrund, Natalja, fragt mich vorher, ob ich Platzangst hätte. Ich frage: "Wieso, wollen Sie auch mit rein in die Röhre?" Leider will sie nicht, aber sie bietet an, unter ihren Kolleginnen zu fragen, ob sich eine findet. Letztlich bin ich aber dann doch alleine in dem Ding. Glaube, das ist noch aus dem zweiten Weltkrieg. Ich höre eine Mischung aus "die Wohnung über mir wird gerade mit schwerem Gerät abgerissen" und "Techno-Disko explodiert und stürzt ein". Soll den Kopf ruhig halten, aber die Maschine hämmert und rüttelt mich durch. Pause. Werde rausgeholt. Kontrastmittel wird gespritzt. Wird wohl nicht bei jedem gemacht - aber klar, dass es mich wieder trifft. Werde wieder reingeschoben. Nach fast dreißig Minuten bin ich gar. Muss im Wartezimmer auf Ergebnis warten. Neben mir wird einer zum Röntgen aufgerufen. Er darf aber net zu "meiner" Arzthelferin, sondern muss zu der groben Fetten, die heute offensichtlich mit dem falschen Fuß aufgestanden ist, nur im Imperativ spricht. Ätsch, Pech gehabt. Warte nun doch schon fast eine Stunde im Wartezimmer, bis dann ein arroganter Schnöselarzt mich grußlos empfängt, mir sagt, alles wäre in Ordnung, sich herumdreht und schon mit dem Nächsten spricht. Sage ein leises "auf Wiedersehen" ungehört und unerwidert in den Raum hinein und gehe nach Hause. Nun steht noch die Zahnmedizin auf dem Programm. Vielleicht liegt's ja am Kiefer. Vielleicht knirsche ich nachts mit den Zähnen? Ob das der Fall ist, kann ich vielleicht in einer Fortsetzung schreiben, denn diesen Termin hatte ich noch nicht. Vielleicht bin ich aber auch kerngesund, und man findet keinen wirklichen Grund für das Blubbern. Das ist wohl auch laut HNO-Arzt Standard. Schöne Aussichten. Was hab ich nur auch immer für 'nen Scheiß?! Jetzt hab ich dann bald alle -logen durch, die's gibt, bis auf den Seismologen, den Philologen, den Ornithologen und den Proktologen. Hoffe, das Problem liegt nicht an Letzterem, sonst bin ich im Arsch. Naja, immerhin darf ich so immer wieder zu meinem HNO-Arzt, wo diese Traumfrau arbeitet. Zu der geh ich gern. Sie hat ein Lächeln, das einen umhaut. Und offensichtlich werde ich wohl auch noch ein paar Termine dort haben, bis wir dem Ganzen auf den Grund kommen.

Bestimmt liegt's am Knirschen. Hab ja auch viel Aufregung den ganzen Tag: CSU-Chef Huber sagt, man solle wieder auf Atomkraft setzen. Am besten noch einige Reaktoren bauen. Nur das alte Uran, das lasst aus Bayern draußen, das wollen wir nicht. Sollen andere nehmen. Mal wieder das St.-Florian-Prinzip. Dass solche Politiker gewählt werden, ist immer wieder ein unfassbarer Beleg dafür, dass die deutsche Bevölkerung zum Großteil genauso dumm ist wie jede andere Bevölkerung der Welt auch. Man beginnt zu verstehen, wie selbstverständlich es ist, wenn ein Hitler, Berlusconi oder Bush gewählt wird. Wolfgang Clement soll aus der SPD geworfen werden. Aber nicht rückwirkend, weil er die böse Agenda 2010 mitbeschlossen hat, wie windige RTL-"Dschournalisten" eifrig aufdecken, sondern weil er ein sturer Bock ist, der Lobbypolitik vor den Dienst an der Allgemeinheit stellt und sich massiv parteischädigend verhält. Ein kleiner Unterschied, liebes RTL, aber ihr habt euch dieses Jahr sowieso nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Und dabei läuft der schlimmste Scheiß ja noch nicht mal bei euch. Hat denn jemand damals die zwei furchtbar interessanten Promis - die ehemals erfolgreiche Sängerin Sarah Connor (unvergessen, als sie vor einem Event die deutsche Nationalhymne singen sollte ... "brüh' im Lichte dieses Glückes" ...) und das ehemalige Boygroup-Mitglied (Boy ... oh, muss laaange her sein) Marc Terenzi - bei ihren Hochzeitsvorbereitungen gesehen? Nicht? Macht nichts. Aber als wäre das alles nicht schon langeweilig genug gewesen, muss man jetzt auch noch "Sarah und Marc in love" ertragen. Wie der Alltag des frisch vermählten Otto-Normal-Paares sich so gestaltet. Wird da nicht jemand interessanter gemacht, als er tatsächlich ist? Soll ich RTL auch zu MIR einladen, damit die zukucken, wie ich scheiße? Wenn ich mal wieder Verstopfung habe, kann das auch ein abendfüllendes Programm werden. Vielleicht gibt's für solchen "Special interest" ja auch ein Publikum. Oder die Dauerquasselstrippe von diesem Klingelton-Verkaufssender, der früher auch mal Musik gespielt hat: Gülcan. Ok, die hat ja noch einen gewissen Trash-Wert, und man kann sie ankucken, weil sie wirklich nicht hässlich ist. Aber müssen wir zusehen, wie sie einen völlig uninteressierten, ignoranten, unsympathischen Bäckerei-Erben heiratet? Und nicht etwa kurz und schmerzlos in einer Samstagabendshow, sondern gaaaanz langsam und ausführlich in mehreren Teilen? Irgendwo hört's doch auch mal auf.

Ja, jetzt bin ich mir ganz sicher: Der Tinnitus kommt bestimmt, weil ich in der Nacht diesen ganzen Scheiß verarbeite und dabei mit den Zähnen knirsche. Irgendwann beiße ich mir da wahrscheinlich auch mal die Zunge ab oder erwürge mein Kopfkissen. Tja, da hätte ich mir vielleicht so manche Untersuchung ersparen können. Mein Chef hatte mich gewarnt: "Nach so viel Röntgen gehen einem die Haare aus und man wird impotent." Ich sagte: "Gut, dann habe ich ja nichts mehr zu verlieren."

6. 7. 2008 Homepage

Zweiter Sieger

Man kanns positiv ausdrücken: Unsere Fußballnationalmannschaft ist bei der vergangenen Europameisterschaft Zweiter geworden. Gemessen daran, dass im WM-Halbfinale vor zwei Jahren auch nur noch europäische Mannschaften standen und Deutschland damals Dritter wurde, eine echte Verbesserung. Aber Hand aufs Herz: Haben sich deutschlands Fußballherren nicht wieder mehr durchgeduselt? Der Modus wollte es, dass Deutschland bis zum Halbfinale auf keinen "ganz Großen" treffen kann. Damit profitierten wir davon, dass die Ausrichter eine kleine Chance für ein Weiterkommen ihrer Teams Österreich und Schweiz bis zum Halbfinale erhalten wollten, aber beide vorzeitig ausgeschieden waren. Mit nur anderthalb guten Spielen waren wir im Finale - und hier konnten wir nur auf Teams treffen, die uns allesamt überlegen waren (so muss man das einfach sehen): Spanien, Russland, Niederlande, Italien. Selbst die Türken waren besser und hätten eigentlich einen Sieg gegen uns im Halbfinale verdient gehabt. Nur eine hundertprozentige Chancenverwertung von drei Chancen/drei Toren in 90 Minuten bewahrte uns hier vor einer Blamage gegen ein ersatzgeschwächtes Rumpfteam vom Bosporus, in dem fast noch der Busfahrer hätte mitspielen müssen, um nach Verletzungen und Sperren noch elf Mann zusammenbringen zu können.

Eine Halbzeit im ersten Spiel gegen Polen war gut - dann haben wir das Fußballspielen leider schon wieder eingestellt. Man brachte den Sieg über die Zeit und bekam in einem grottigen Spiel gegen Kroatien (auch nicht gerade die Nummer Eins in der Welt) verdient eine auf die Fresse. Mit Ach und Krach konnte man sich dann gegen Gastgeber-Titan Österreich (was ein schwerer Gegner - die treffen ja das Tor nicht mal, wenn mans noch ums Fünffache vergrößert) die Viertelfinal-Teilnahme sichern. Dort haben wir dann das einzige gute Spiel über 90 Minuten (gegen Portugal) gezeigt - alle Achtung, wozu wir fähig sind, wenn wir nur wollen. Das mit dem Wollen war dann aber im Halbfinale (Duselsieg gegen Türkei) und im Finale (vorgeführt von den verdienten Europameistern Spanien) leider nicht mehr zu erkennen. Mannschaftskapitän Ballack fand nach jedem Grottenspiel eine neue Ausrede, warum man "gerade heute keine bessere Leistung erwarten" konnte. Mal war der psychische Druck zu groß, mal zu klein, mal der Rasen zu grün. Die Einzelkritik zeigt die wahren Gründe für das kollektive Versagen:

Jens Lehmann: Am Anfang und Ende des Turniers unsicher, dazwischen sicherer Rückhalt. Metzelder/Mertesacker/Friedrich: Mit Höhen und Tiefen. Lahm: Ein schönes und wichtiges Tor gegen die Türkei, ansonsten ein Totalausfall. Jansen: Totalausfall. Fritz: Kaum gespielt, Bewertung nicht möglich. Ballack: Wer in sechs Spielen nur einmal zu einer guten Leistung fähig ist, ansonsten pomadig und überheblich darauf aus ist, ja seine Haartolle beim Spiel nicht durcheinander zu bringen, muss sich nicht wundern, dass er international immer nur Zweiter wird. Mit ihm werden wir nie etwas gewinnen. Also 2010 lieber daheim lassen. Hitzlsperger: Totalausfall, hat irgendwie kurzfristig das Fußballspielen verlernt. Rolfes: Mehr Tiefen als Höhen. Frings: Bei WM 2006 gut, hier kompletter Totalausfall. Schweinsteiger: In ein, zwei Spielen super, ansonsten übermotiviert und schwach. Borowski: Hat der mal gespielt? Odonkor: Nur einmal kurz drin und wirkungslos. Klose: Zwei glückliche Tore, ansonsten kompletter Totalausfall. Nicht wiederzuerkennen. Podolski: Bemüht, ein paar Tore gelangen. Insgesamt aber ungenügend. Gomez: Totaler Totalausfall. Er weiß offensichtlich, wie man seinen Marktwert in den Keller fährt. Kuranyi: Jetzt weiß man endlich, warum er 2006 nicht mitgenommen wurde. Diesmal hätte man auf ihn auch lieber verzichten sollen - ultraschwach. Neuville: Nur einmal kurz gespielt, dabei große Chance versiebt. Vielleicht hätte man lieber ihm noch eine Chance geben sollen, statt gegen Spanien Kuranyi und Gomez einzuwechseln und damit zu signalisieren, dass man jetzt ganz offensichtlich kein Tor mehr schießen will.

Fazit: Glückwunsch Spanien, Deutschland enttäuscht mal wieder und wird wohl auf absehbare Zeit nichts mehr gewinnen. Aber gut, wenn das die Deutschen nicht merken und so auch die hinteren Plätze auf den Straßen laut bejubelt werden. Die Ansprüche sind eben gesunken.

1. 6. 2008 Homepage

Balkan sucht den Superstar

Und wieder war's soweit: Der Eurovision Song Contest - mittlerweile nur mehr zum "Balkan sucht den Superstar" verkommen - fand statt. Irland, im letzten Jahr noch Letzter, schickte nur noch einen singenden Truthahn, der aber leider bereits im Halbfinale scheiterte. Aber Recht hatten sie, die Iren. Zumindest war das passend zur aktuellen Glaubwürdigkeit dieses Wettbewerbs. Einer langweiligen Slownummer aus Rumänien folgte für Großbritannien eine Lighthouse Family für Arme, eine Albanerin, die viele Töne nicht traf, und ein unterirdischer deutscher Beitrag (die No Angels mit "Disappear" verschwanden tatsächlich, und zwar auf den letzten Platz, aber das war schon nach der Vorausscheidung klar). Scheiß Lied, scheiß Performance, Töne zum Teil nicht getroffen - ob wir fürs nächste Jahr nicht auch lieber nen Truthahn oder nen Chihuahua schicken sollen? Schlimmer kanns nicht werden. Eine Armenierin, die äußerlich glatt Dieter Bohlens Freundin hätte sein können, und ein infantil-dümmliches Kindermusical aus Bosnien-Herzegowina musste man noch über sich ergehen lassen, bis Israel (ich frage immer noch, was die bei der EUROvision zu suchen haben) mit Boaz und "The fire in your eyes" den ersten hörbaren Beitrag beisteuerten. Für meine Begriffe der mit Abstand beste Song des Abends. Finnland versuchte es danach wie jedes Jahr mit Heavy Metal (klappt aber nimmer, auch nicht mit "Dschingis-Kahn"-Einlagen), Kroatien schickte Johannes Heesters und Paul Kuhn auf kroatisch, Polen eine miese Whitney Houston in blond, Island einen Alexander Klaws mit Diskonummer. Überraschung aus der Türkei: eine Rocknummer, aber nichts Besonderes. Es folgte eine dickere "Loona"-Kopie für Portugal, nochmal "Dschingis Kahn" von Lettland (wohl zuviel "Fluch der Karibik" gekuckt?), graues Eurovision-Trallalla aus Schweden, ein Mix aus Roger Cicero und Dick Brave für Dänemark, der Versuch, einen Mitleidsbonus mit Blinden zu erhaschen, von Georgien (hat bei Deutschland auch schonmal nicht funktioniert), Eurovision-Trallalla aus der Ukraine und ein bärtiger französischer Guildo Horn mit bärtigem Frauenchor, dessen Lied allerdings durchaus hörbar war, auch wenn Singen mit Mickey-Mouse-Stimme nach Einatmen von Helium wohl selbst in Frankreich nicht mehr wirklich lustig ist. Aserbaidschan widmete sich dem Thema "Himmel und Hölle"- war zum ersten Mal dabei. Hoffentlich auch zum letzten. Dann ein ganz nettes Popnümmerchen aus Griechenland, eine Spaßnummer vom spanischen Comedian David Fernandez Ortís "Tanz den Chiki Chiki" (ich musste wieder an den Truthahn denken), eine hörbare Folknummer aus Serbien, langweilige Meterware (von Timbaland mitproduziert) aus Russland und wieder ein nettes Popnümmerchen von Norwegen. Dann war diese Ohren-Katastrophe endlich beendet. Die Länder der ehemaligen Sowjetunion, Ex-Jugoslawiens und der Ex-Tschechoslowakei schoben sich wieder schamlos gegenseitig die Punkte zu (seit 2002 waren unter den ersten drei jeweils Lettland, Estland, 4 x Russland, 3 x Ukraine, Serbien-Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Serbien) und am Ende gewann wieder Russland. Deutschland bekam nur 12 Punkte aus Bulgarien (weil da eine der Sängerinnen herkommt) und zwei Trostpunkte aus der Schweiz und wurde zusammen mit Großbritannien und Polen Letzter - mit ganzen 14 Punkten. Die Punktevergabe Montenegros wurde von den serbischen Ausrichtern etwas verzögert - wohl ein kleiner Affront, weil die sich kürzlich von Serbien abgespaltet hatten. Trotzdem hielt man bei der Punktvergabe natürlich weiterhin zusammen. Fazit: Wenn sich an der Punktevergabe und damit der Sowjet-Jugo-Tschecho-Schwesternwirtschaft nichts ändert, ist dieser Wettbewerb nicht mehr ernstzunehmen. Die großen Nationen, die diesen Humbug bezahlen, sollten sich zurückziehen. Genau das mache ich kolumnentechnisch bei diesem Thema künftig auch.

20. 5. 2008 Homepage

Gedanken eines Autofahrers

8.04 Uhr: Fahre gerade los zur Arbeit. Bin heut spät dran. Scheiße. 8.05 Uhr: Möchte auf Hauptstraße einbiegen. Doch trotz Rückstau stellen alle die Kreuzung absichtlich so zu, damit ich ja nicht auf die Hauptstraße einfahren kann. 8.06 Uhr: Habs doch geschafft. Irgendwann hat sich einer erbarmt. Fahre auf den ersten Kreisverkehr zu. Zuvor fuhren 100 Autos die Ausfahrt vorher raus, aber seit ich dran stehe, fahren plötzlich alle einmal rum. Wieder kann ich nicht weiterfahren. Die machen das bestimmt alle mit Absicht. 8:07 Uhr: Würde jeder Fahrer blinken, bevor er den Kreisverkehr verlässt, würde der Verkehr viel besser fließen. Während ich mich doch irgendwie in den Kreisverkehr mogle, fällt mir ein, dass Blinken ja nicht mehr "in" ist und es außer mir auch kaum mehr einer macht. Wahrscheinlich, um Strom zu sparen. 8:08 Uhr: Vor einer Abbiegung kommt mir eine Frau auf meiner Fahrspur entgegen. Kurve geschnitten. In manchen Ländern dürfen Frauen überhaupt nicht Autofahren. 8:11 Uhr: Vor mir fährt ein Radfahrer auf der Straße, obwohl sich rechts daneben ein separater Radweg befindet. Ich hupe ihn zur Seite und strecke ihm den Arm aus, um ihm zu zeigen, wo er künftig zu fahren hat. Da rechts, du Sau! 8:12 Uhr: Es läuft. Komme super voran. Kaum aus dem Ort, bin ich das einzige Auto auf meinem Weg. Kann über die Landstraßen brausen mit erlaubter Höchstgeschwindigkeit - und vielleicht auch noch ein bisschen drüber hinaus. 8:14 Uhr: Ich fürchte, ich habe gerade jemanden überfahren. 8:15 Uhr: Entwarnung. Es war nur James Blunt im Autoradio, der gejault hat. 8:16 Uhr: Plötzlich läuft gar nichts mehr. Ich stehe am Ende einer langen langsamen Fahrzeugkolonne. Auf einem geraden Teilstück sehe ich den Grund: Wieder mal ein scheiß LKW-Fahrer, der mit seiner Schleicherei alles blockiert. Schreie ein paar Flüche über die scheiß LKWs ins nur mit mir allein besetzte Auto, muss aber kurz darauf dran denken, wie ich neulich nur durch das umsichtige Langsamtun eines LKW-Fahrers auf die vollbefahrene Bundesstraße auffahren konnte. 8:18 Uhr: Bei dem blöden Gebummel habe ich viel Zeit nachzudenken. Zum Beispiel: Warum sind gerade alle so panisch wegen den Prozessions-Spinnern? Ich meine, ich bin ja nicht katholisch, aber die Leute bei ihrer Fronleichnams-Prozession vom Flugzeug aus mit Gift zu besprühen, das find ich nun doch ein bissl übertrieben. Und Bäume fressen die Katholiken doch auch nicht wirklich kahl. Ich versteh das nicht. 8:20 Uhr: LKW ist endlich abgebogen, nun geht es wieder etwas schneller voran. Als ich gerade wieder Gas gebe, fährt so ein Arschloch aus einer Seitenstraße vor mir auf die Hauptstraße, obwohl er mich anbrausen kommen sieht. Und dann gibt er noch nicht einmal Gas, sondern bremst mich noch aus. So ähnlich hatte ich mal einen Unfall und wurde für schuldig erkannt. Das macht das Ganze noch ärgerlicher. Ich denke mir, wie kann das sein, dass jemand so zackig auf eine Straße einbiegt und dann so tranig weiterfährt? 8:22 Uhr: Arschloch vor mir fährt 70 km/h, wo man 100 fahren kann. Allerdings fährt er danach auch im Ort 70, wo man eigentlich nur noch 50 fahren darf. Ich frage mich, ob er den Tempomat eingestellt hat und danach eingeschlafen ist. 8:24 Uhr: Kann ihn endlich an einer der spärlich gesäten übersichtlichen Stellen überholen. Fahre schnell, um verlorene Zeit aufzuholen. Im nächsten Ort wird plötzlich Fußgänger-Ampel rot, obwohl weit und breit kein Fußgänger zu sehen ist. Ich entdecke, dass es sich um eine Erziehungs-Ampel handelt, die rot wird, wenn man die Kontaktschleife 100 m vorher ein klein wenig zu schnell überfahren hat. So ein Rotz. Jetzt wollen sie einen auch noch erziehen. Nächstes Mal fahr ich einfach auf der linken Seite auf die Ampel zu. Drecksäcke! Früher hat man noch elektronische Tafeln aufgestellt: "Sie fahren ... km/h". Da konnte man dann wenigstens noch eine Highscore-Liste hinhängen. 8:30 Uhr: Fahre an einer Baustelle vorbei, wo der jüngste Bauarbeiter - wohl nicht ohne Grund kein Akademiker geworden - eigenhändig den Verkehr regelt und alles unnötig aufhält, weil er auch Fahrzeuge nicht fahren lässt, die gar nicht die Baustelle passieren wollen. Ich fahre an den aufgehaltenen Fahrzeugen vorbei und halte vorne neben ihm an. Drohe, ihn wegen "gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr" anzuzeigen und die Polizei zu holen. Er verschwindet schwitzend und mit entsetztem Blick. Ich hab also noch Autorität! Das ist gut. 8:35 Uhr: Ich fahre auf die Bundesstraße drauf. Das alte Weib vor mir hat den Sinn eines Beschleunigungsstreifens nicht kapiert, bremst ängstlich auf 30 km/h herunter, bevor sie auf die Bundesstraße auffahren soll. Ich schicke ihr einen gefühlt einminütigen Dauerhupton nach vorne, woraufhin sie völlig entsetzt am Ende des Beschleunigungsstreifens vollends ganz anhält und so fast eine Massenkarambolage heraufbeschwört. Blöde Sau! 8:40 Uhr: Fahre auf der linken Spur in einer Reihe von vielen Autos mit einer lächerlichen Geschwindigkeit von 80 km/h, wo 120 erlaubt sind. Sehe, dass die rechte Spur auf mindestens fünf Kilometer frei ist und benutze diese, um die erlaubten 120 dort zu fahren. Ist das jetzt genaugenommen rechts überholt? Ach, leckt mich doch, hier muss es erlaubt sein. 8:43 Uhr: Einige Linksspurfahrer fahren jetzt ab und über zwei Spuren nach draußen. Bis zuletzt auf der linken Spur - meine Güte, was für egozentrische Idioten. 8:44 Uhr: Versuche, den Mindestabstand einzuhalten. Sobald ich das mache, fährt mir von rechts aber wieder einer rein, sodass es wieder nur wenige Meter sind. Versuche, das Rechtsfahrgebot einzuhalten, muss aber erkennen, dass - einmal auf der rechten Spur - einen keine Sau mehr nach links zum Überholen lässt. 8:46 Uhr: Jetzt läufts wieder ganz gut, komme rasch vorwärts. Grüble wieder vor mich hin: Gerade ist der Dalai Lama in Deutschland, aber die Politiker trauen sich nicht, ihn zu treffen: "Das gibt wieder Ärger mit den Chinesen." Wusste gar nicht, dass die Chinesen bestimmen, welche Staatsgäste wir in Deutschland empfangen dürfen. Wurde mit dem Transrapid auch unsere Staatshoheit verkauft? Vielleicht sollte man nochmal die alten Verträge genau überprüfen. Die Gelben sollen lieber mal ihre Waffenlieferungen an Unrechtsregime wie Myanmar und Simbabwe und ihre eigene Menschenrechtssituation im Land überprüfen. 8:49 Uhr: Es wird wetterbedingt schon wieder düster. Autofahrer geben mir die Lichthupe, ich solle mein Licht einschalten. Aber das mache ich ja generell nicht, da mich das ein viertel Liter mehr Sprit pro 100 Kilometer kostet, und ich brauch meine Batterieleistung eh schon fürs Hupen. Außerdem, bei denen, die mich da so klugscheißerisch anblinken, funktioniert ja teilweise auch nur die eine Seite. Die brauchen sich ja gerade noch aufplustern. Muss lächelnd daran denken, wie mich mal einer 30 Kilometer lang verfolgt hat, um mir zu sagen, dass mein Licht nicht an ist. Oberlehrer sterben nicht aus. 8:50 Uhr: Vor mir Schleicher, hinter mir Drängler - allmählich habe ich keinen Bock mehr. Fahre zur Ausfahrt raus. Vor mir biegt einer ab, von links, mich gefährlich schneidend. Der meinte wohl, kurz vor der Ausfahrt noch überholen zu müssen, und es wurde knapp. Muss abbremsen, damit ich nicht auf ihn auffahre und hinterher wieder schuld bin. Ich hupe diesem Arschloch. Er hupt zurück, ist sich also wohl keiner Schuld bewusst. Ich denke, man müsste diesen jungen Affen, der vielleicht gerade mal ein Jahr den Führerschein hat, rausziehen, totschlagen und ihm dann für immer den Führerschein abnehmen. Obwohl, Letzteres ist dann ja wohl nicht mehr nötig. 8:53 Uhr: Kreisverkehr. Von rechts kommt einer hineingeschossen, der eigentlich meine Vorfahrt im Kreisel beachten müsste, und nimmt mir beinahe die seitliche Front mit. Er hat sich noch nicht einmal umgesehen, ob da schon jemand im Kreisel ist. War ihm einfach scheißegal. Ich hupe. Er bekommts vermutlich gar nicht mit: Mir fällt auf, dass er nebenher noch mit dem Handy am Ohr telefoniert. Wurde das nicht irgendwann mal verboten? Hat das irgendeinen interessiert? 8:55 Uhr: Nächster Kreisverkehr. Hier kommt der Verkehr ins Stocken. Manche nehmen das zum Anlass, einfach eine zusätzliche zweite Kreisverkehrspur zu erfinden und versuchen, mich von rechts in die von meiner Heimatstadt teuer bezahlte Schrottskulptur in der Mitte des Kreisverkehrs zu drängen. Ich hupe, wenn auch mittlerweile nur noch müde, da es ja doch alles keinen Sinn macht. Letztlich ist ja keiner im Unrecht. Auch ich nicht, wenn ich manchmal drängle, weil die vor mir mal wieder am Einschlafen sind. 8:57 Uhr: Warte auf den Gegenverkehr. Möchte abbiegen. Hätte es auch gekonnt, weil der Entgegenkommende kurz vorher doch noch abgebogen ist und meine gewünschte Fahrtrichtung nicht kreuzt. Mist, man sollte Fahrtrichtungsanzeiger erfinden, mit denen die Abbiege-Absicht rechtzeitig verdeutlicht werden kann - ach, stimmt, BLINKER, die gibt's ja eigentlich schon. 8:59 Uhr: Obwohl ich geradeaus fahre, setze ich den Blinker rechts, damit der die Vorfahrt achten müssende Gegenverkehr weiß, dass ich nicht vorhabe, der abknickenden Vorfahrt nach links zu folgen, und losfahren kann, ohne auf mich zu warten. Warum fahren nicht alle anderen auch so gut wie ich? 9.00 Uhr. Bin angekommen. Schnauze voll. Nur Arschlöcher auf der Straße. Hilft alles nichts, ich muss ja auch wieder heim und am nächsten Tag wieder hin und überhaupt ... ach, es ist zum Verzweifeln.

6. 4. 2008 Homepage

55 nackte Ossis

Zu Anfang des Jahres machte die Nachricht die Runde, dass der ostdeutsche Reiseveranstalter OssiUrlaub.de für FKK-Fans Flüge von Erfurt nach Heringsdorf/Usedom anbieten wolle. Das ungewöhnliche daran: Schon im Flieger sollte es möglich sein, ohne Klamotten zu reisen. Doch wer sich jetzt schon auf genauso hübsche wie entblätterte Flugbegleiterinnen freute, wurde schnell wieder auf den Teppich geholt: Die Crew müsste natürlich angezogen bleiben. Auch auf dem Flughafengelände samt Terminal müsse alles "normal" ablaufen, auch wenn die Sicherheits-Checks nackt wesentlich schneller ablaufen könnten. Hieße also, sich dann im Flugzeug um- bzw. auszuziehen. So. Wer schonmal in der sogenannten "Holzklasse" geflogen ist, wird um die dortige Enge wissen. Da würde es mich doch schon mal brennend interessieren, wie das logistisch gehandhabt werden soll, dass sich ein-, zweihundert Fluggäste zwischen Betreten des Flugzeugs und dem Reisestart - also während des Boardings - gleichzeitig ihrer Kleidung entledigen und dann Platz nehmen. Das Boarding dauert ja schon im Normalfall ewig. Und wie angenehm wird es wohl, wenn der am Gang Sitzende zuerst sitzt und der Mittlere und der am Fensterplatz Sitzende sich dann durchdrücken müssen. Überhaupt, wenn sich einer im Flugzeug umherbewegt, den Gang entlang läuft, zur Toilette und zurück - es würde sich wohl nicht vermeiden lassen, hier und da mal irgendwelche Glocken ins Gesicht zu bekommen. Mahlzeit! Gut, zu Beginn war noch eine Maschine mit nur 55 Passagieren im Gespräch. Dies sollte dann vielleicht noch ausgebaut werden. Aber 55 Stück - das ist auch schon heavy. Auch Ärzte rieten von dem FKK-Flug-Vorhaben ab, herrschen doch in Flughöhe recht eisige Temperaturen, weswegen eher Decken gereicht als Körper entblättert werden. Dazu kommen die Klimaanlagen, die, auf einzelne freie Körperteile blasend, viel Unheil anrichten können. Außerdem: Hat überhaupt einmal jemand die Flugbegleiter gefragt, wie angenehm ihr Job denn bei einem solchen Flug wäre? Trotzdem, das Medienecho war groß, und einige Nationen - darunter Neuseeland und Japan - griffen die Idee, regelmäßige FKK-Flüge anzubieten, interessiert auf. Doch nun lässt die ostfrießische Fluggesellschaft verlauten, dass ihre Flugzeuge dafür nicht zur Verfügung gestellt werden und dass sowieso kein Vertrag bestünde. Auch der Veranstalter rudert zurück und spricht nur noch von einem exklusiven Flug. War das Ganze also nur ein PR-Gag? Offensichtlich. Aber mal ehrlich: 55 nackte Ossis - wer hätte das schon sehen wollen?!

9. 3. 2008 Homepage

Scheinheiligkeit

Es gibt Menschen, die sagen, wir Deutschen könnten von den Amerikanern noch lernen. Dabei haben wir uns doch, wie ich fürchte, bereits Vieles von ihnen angeeignet. Nein, ich meine jetzt nicht die Fähigkeit, sich bei der gesamten restlichen Welt unbeliebt, gar verhasst, zu machen, denn das konnten wir schon immer ganz gut selbst. Spätestens nach zwei angezettelten Weltkriegen und einem Holocaust sind wir da ganz weit vorn. Worauf ich hinaus möchte, ist vielmehr die in den USA allseits praktizierte Scheinheiligkeit. Und hier ganz besonders die politische Scheinheiligkeit. Versuchen sich doch hierzulande zurzeit alle darin, sich über die SPD und die Linkspartei auszulassen. Die SPD-Kandidatin Ypsilanti hatte die Landtagswahl in Hessen knapp gegen den rechtslastigen CDU-Braunhemdträger Koch verloren, möchte aber nun doch einer Minderheitsregierung mit den Grünen unter Tolerierung der Linkspartei beiwohnen, obwohl sie dies vor der Wahl streng ausgeschlossen hatte. "Wortbruch! Wortbruch!" Ja, das stimmt. Und jetzt kann man die Bibel zitieren: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." Es ist schon sagenhaft, wie viele Steine dann geworfen werden. Und von wem. Gerade die Politikerkollegen (aller Parteien) sind doch offensichtlich sehr von ihrer Unbeflecktheit überzeugt. Nur, wer ist denn beispielsweise mit Neonazis um den umstrittenen Ex-Richter Schill in Hamburg eine Koalition eingegangen, damals? War das nicht die Partei, die jetzt am lautesten aufschreit? Man darf ruhig mal die Kirche im Dorf lassen. Wenn es um Machtergreifung oder -erhaltung geht, ist doch letztlich jedem jedes Mittel recht. Welche Alternativen bieten sich denn in Hessen? Eine große Koalition mit SPD und CDU? Das klappt doch schon auf Bundesebene hinten und vorne nicht. Und wer will schon mit einem Koch koalieren, außer der NPD? Eine Ampelkoalition mit den Grünen und der FDP? Das will die FDP nicht, weil sie sich offensichtlich als reine Mehrheitsbeschafferin der CDU sieht, die jede andere Koalition grundsätzlich ablehnt. Wer diese Partei noch ernst nimmt, ist selbst schuld. Was bleibt dann noch für die SPD? Mit den Grünen alleine reichts ja nicht. Wenn die Deutschen mittlerweile einen solchen Scheiß zusammenwählen, muss man sich eben damit arrangieren. Auch wäre es falsch, darüber hinwegzusehen, dass die Linkspartei mittlerweile von fast jedem fünften Wähler gewählt wird. Zwar sind diese Wähler wohl hauptsächlich Protestwähler, doch wäre es arrogant, dieses Votum nicht zur Kenntnis zu nehmen. Ob die Linkspartei jetzt regierungsfähig ist oder nicht - ich halte sie persönlich nicht unbedingt für regierungsfähig - darüber mag man streiten. Aber lasst die doch einfach mal machen! Ich finde, man sollte die Linkspartei mal irgendwo an die Macht setzen und dann mal kucken, was passiert. Wenn ihre Schönredner dann all die vielen Versprechungen umsetzen (und vor allem letztlich auch finanzieren) müssen, die sie schon seit ihrer Gründung unentwegt machen, wird sich zeigen, wie ernst sie zu nehmen sind. Und ein Lafontaine ist ja bereits bekannt dafür, dass er schon nach kurzer Zeit in der Verantwortung, diese schnell wieder hinwirft. Egal, welche Konstellation in der kommenden Legislaturperiode Hessen regiert - die Glaubwürdigkeit ist schon jetzt zerstört. Und das längst nicht nur durch die SPD.

3. 2. 2008 Homepage

Peinlich, peinlicher, RTL

Es ist doch schon irgendwie schade - da war der Privatsender mit seinem Fernsehprogramm - unter den Privaten Markführer - seit Langem aufstrebend und griff in einigen werberelevanten Zielgruppen mit seinen seriösen Nachrichten sogar schon das öffentlich-rechtliche Flaggschiff "Tagesschau" an. Doch zum Ende des letzten Jahres wurde es um den Sender plötzlich immer peinlicher.

Zunächst sicherte man sich die Rechte am Rückkehrer Marco W., führte ein Exklusivinterview mit ihm und befragte hinterher Psychologen nach dessen Körpersprache. Die Psychologen erkannten natürlich ein "Unwohlsein" und eine "Unsicherheit". Na sowas! Wie soll sich einer denn bitte fühlen, wenn er im Urlaub eine minderjährige Engländerin angrabbscht, im Bett total versagt (was daraufhin die ganze Welt in den Nachrichten sieht), ein dreiviertel Jahr in einem türkischen Knast sitzt, endlich nach Hause darf (noch immer offiziell angeklagt) und sich dann noch dümmliche Fragen von Markus Lanz und Konsorten anhören muss, auf die diese auch noch sendbare und informelle Antworten haben wollen? Als wäre das alles von RTL nicht schon amateurhaft genug gewesen, musste der Sender dann Anfang diesen Jahres auch noch seine "Dschungelshow" gegen die Wand fahren - ein sehr erfolgreiches und beliebtes Format. Im Gegensatz zu Scheiß wie "Big Brother", wo völlig uninteressante Wichtigtuer völlig uninteressante Wichtigtuer-Gespräche führen, ist "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" aufgrund der Bekanntheit der "Insassen" und der bissigen und sarkastischen Kommentare der Moderatoren Sonja Zietlow und Dirk Bach wenigstens noch mit einem gewissen Reiz ausgestattet, der das Ganze amüsant und interessant macht. Nun war man zwar schon B- und C-Promis aus den letzten beiden Staffeln gewohnt - aber diesmal gab es nicht wenige, die am Anfang mindestens die Hälfte der Teilnehmer überhaupt nicht kannten. Wer kennt schon eine Lisa Bund, einen Ross Antony oder eine Isabel Edvardsson, wenn er keine Bohlen-Casting-Singsang- oder Tippeltappel-Tanzwettbewerbs-Shows ankuckt? Oder wer kennt schon einen DJ Tomekk, wenn er einen musikalischen Geschmack besitzt? Aber egal - man lernt die Leute ja mit der Zeit kennen, sind sie doch alle mindestens eine Woche lang drin, bis die ersten wieder herausgewählt werden. So dachte man. Babyspeck-Stimmchen Lisa Bund wurde dann aber ganz früh ganz schlimm krank und musste halbtot aus dem Lager entfernt werden. Und dann musste plötzlich DJ Tomekk gehen. "Wir können nicht sagen, warum - aus persönlichen Gründen. Und er wird wohl nicht mehr zurück kommen.", war der lapidare Kommentar der zwei Moderatoren. Mehr dürften sie nicht sagen. Wie skandalös amateurhaft! Tomekk hatte vor dem Einzug ins Dschungelcamp im australischen Hotel in seiner spätpubertären Blödheit den Hitlergruß gezeigt, die erste Strophe der deutschen Nationalhymne gesungen und sich über den hohen Ausländeranteil im Camp ausgelassen, was auch auf Video aufgenommen wurde. Nur, warum bemerkt man das bei RTL erst nach 12 Tagen? Das stinkt doch zum Himmel. Und wer überhaupt die Gründe für den Ausschluss erfahren wollte, musste das im Internet recherchieren - oder bei einem anderen Sender. Wo man auf jeden Fall nicht informiert wurde, das war RTL. Was für ein katastrophales und unzureichendes Krisenmanagement. So kann man sich als ernstgenommen werden wollender Sender auch disqualifizieren. Nur ein völlig durchgeknallter schwuler Engländer namens Ross Antony - jetzt kennt man ihn - konnte mit seinen etlichen Kasperle- und Heuleinlagen diesen Faux Pas vergessen machen und wieder Spaß an der Sendung wecken. Er hat wie auch Michaela Schaffrath und einige andere seine Toughheit beweisen können. Im Gegensatz zu einer Julia Biedermann, die ihrem Namen alle Ehre machte und nicht eine einzige Dschungelprüfung bestand, wofür sie dann früh (leider nicht früh genug) herausgewählt wurde. Der Playboy hat ihr Monstergesicht in dieser Zeit auch noch veröffentlicht - was mich zu der Frage bringt, wie schlimm es denn mit dem heutigen Playboy-Leser wohl gekommen ist. Da ist ja Godzilla noch erotischer.

Der Engländer und noch eine handvoll anderer Campbewohner hat euch die Sendung gerettet, liebes RTL, aber ihr solltet wirklich darüber nachdenken, ob ihr die Show nicht künftig lieber in professionellere Hände geben wollt (z. B. Pro Sieben), damit ihr weniger Gelegenheit habt, euch zu blamieren. Die Außenreportage-Oma Antonia Rados und der von Birgit Schrowange betrogene Bubi Markus Lanz wurden, wie man so hört, bereits von anderen Sendern abgeworben.

Ach, und, dass ausgerechnet eine Wolfgang-Petry-Nachgeburt einen dümmlichen offiziellen Wahnsinn-Dschungel-Höllehölle-Song zu der dritten Staffel aufnahm - das hätte auch nicht wirklich sein müssen.

10. 1. 2008 Homepage

Next year - next Uri Geller

Ein neues Jahr ist an- und der große "Mentalisten"-Hype ausgebrochen. So heißen jetzt die, die von sich behaupten, sie hätten übernatürliche Kräfte. Besonders der Löffelverbieger Uri Geller scheint wieder Geld zu brauchen. Er grinst aus dem Fernsehen, von Plakaten, labert bestimmt auch irgendwo im Radio rum. Und jetzt hat er auch noch seine eigene Casting-Show, in der er seinen Nachfolger sucht. Neulich hat er wieder irgendwo herumgezaubert, und tatsächlich, bei mir haben sich die Löffel verbogen. Außerdem sind die Zecken von der Katze gesprungen, das Furunkel von Omas Arsch ist verschwunden, und der Raclette-Grill von Silvester war plötzlich wieder sauber. Ja, der Löffel-Kaputt- und Uhren-Ganzmacher hat's einfach drauf. Also machen wir mit ihm einfach eine Casting-Show, in der er seine Magie ausleben kann und in der noch ein paar andere Mentalisten ihr Können vorführen dürfen. Natürlich darf das Zuschauer-Voting per Anruf nicht fehlen, denn es soll ja noch was dran verdient sein und der Mitmach-Effekt viele Zuschauer ködern. Doch was für eine Show von dilettantischen Scharlatanen! Was sich hier gebogen hat, waren höchstens die Balken, so plump war das Ganze. Einer täuscht einen zwanzigsekündigen Herzstillstand vor, zwei behaupten, seelenverwandt zu sein und machen den allerältesten Scharlatan-Trick: Die eine steht mit verbundenen Augen auf der Bühne und tut ein wenig angestrengt ("hach, grad ist alles dunkel, nein, jetzt seh ich's ganz deutlich, ach, ich kann jetzt dann gleich nicht mehr, hach, das strengt mich ja alles so an") während der Partner im Publikum Gegenstände befummelt (was soll so ein Publikum auch dabei haben, außer das Übliche: Uhren, Ketten, Geldbeutel, Kreditkarten) und mit Suggestivfragen auch schon die richtige Antwort liefert. Na, was wird der Kölner Oberbürgermeister wohl für ein Parfümfläschchen dabei haben, wenn man schon fragt "konzentrier dich, was ist das für ein Parfüm, wo kommt das her?" Aha, die Herkunft verrät also den Namen. Vielleicht Kölnisch Wasser? Gähn! Und was für ein Zweitname steht wohl auf dem Führerschein des deutschen Schauspielers Jürgen Vogel? Seinen Zweitnamen kann man vorher bequem im Internet recherchieren, war es doch schon vorher klar, dass er eines der Versuchskaninchen in dieser Show, zumindest in der ersten Folge wird. Oder der okkulte Typ, der angeblich mit Hilfe seines Raben (warum hat er nicht ein Kaninchen genommen?) Kontakt ins Jenseits aufnehmen kann. "Schreibt eure Glückszahlen auf." Die meisten nehmen "7", das hätte auch ich erraten. Eine wollte den Namen ihres verstorbenen Vaters von ihm wissen. Die herauswindende Antwort: "Im Jenseits sind nur noch die Seelen, da gibt es keine Namen mehr." Gähn! Gähn! Und nochmals gähn! Ich meine, ich erkenne das ja an, wenn Leute wie David Copperfield, wenn er gerade mal nicht einen weiblichen Groupie auf seine Insel zerren will, tolle Zaubertricks vollführt, oder Siegfried und Roy, wenn sie gerade mal nicht von ihren Viechern aufgefressen werden, Dinge verschwinden lassen. Doch das sind tolle Tricks, und es behauptet auch niemand etwas anderes. Aber zu sagen, man könne Übersinnliches, und dann so einen erbärmlichen Ramsch abliefern - da brauchts keinen "next Uri Geller" mehr und auch kein Schlafmittel.

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