27. 12. 2010 Homepage

21. 11. 2010 Homepage

Mein Urlaubstagebuch - Tunesien

Ich sitze im Flieger. Probiere bei den Flugbegleiterinnen gleich meine paar Arabisch-Kenntnisse aus, die ich mir vorher übers Internet angeeignet hatte. Erste Ernüchterung, als mich keine versteht. Im Gegenteil, ich werde so skeptisch angesehen, dass ich befürchte, ich habe gerade versehentlich irgendwas Schlimmes gesagt. Wir landen. Zweite Ernüchterung: Es pisst. Es ist zwar warm, aber Regen im Urlaub ... das geht ja gut los. Anstellen zur Passkontrolle, und jetzt merkt man wieder, was man an der EU hat, wenn man innerhalb der Gemeinschaft herumreist und nicht von den Warteschlangen bei der Passkontrolle aufgehalten wird. Mein Kumpel Charly und ich gehen durch die Kontrolle. Während er unbeanstandet passieren darf, obwohl er nur den einen Abschnitt des Visums ausgefüllt hat, werde ich aus diesem Grund aufgehalten und muss dies noch nachholen. Mal wieder typisch. Ich denke nicht, dass meine angegebene Berufsbezeichnung "Ghost Hunter" auf dem Visum ein Grund für diese Verzögerung ist. Nach dem Ausfüllen des zweiten Teils darf ich endlich durch. Unser Transferbus kommt schon recht früh. Eigentlich ist es nur ein Auto und nimmt nur uns beide mit. Mittlerweile wird das Wetter besser und die Sonne sticht ab und zu hervor. Wir fahren durch zweifelhafte Gegenden und hoffen jedesmal inständig: "Halt hier ja nicht an, hoffentlich fahren wir noch eine Weile, hier darf nicht unser Hotel stehen." Tatsächlich wird die Gegend besser, da, wo letztlich unser Hotel "El Mouradi" steht. Wir checken ein. Auch hier ist es kein Problem, dass ich ein "Geisterjäger" bin. Wir bekommen auch auf die Bitte hin, dass wir auch getrennt voneinander Unternehmungen machen möchten, keinen Zweitschlüssel für unser Hotelzimmer. Auch nicht, wenn einer dringend rein muss und der andere nicht da ist. Das wird sich später auch so zutragen. Wir bekommen ein Zimmer im Erdgeschoss, nur wenige Zimmer von der Hoteldisko entfernt. Das ist aber kein Problem, denn dort werden wir sowieso jede Nacht sein. Aber jetzt erstmal essen gehen. Soweit sogut. Esse eine unerwartet scharfe Bolognese und verspritze mir nach nur kurzem Urlaubsaufenthalt schon das erste Hemd. Ahne schon, dass es mit den Klamotten vielleicht knapp werden wird. Möchte etwas trinken und mir das an der Bar holen, weil keiner an den Tisch kommt, um eine Bestellung aufzunehmen. Frage, was man mir denn so zu bieten hat. Vielleicht einen Apfelsaft oder ein Mineralwasser? Mir wird gesagt "Da, trink Fanta" und ein orangefarbiges Gesöff entgegengestreckt. Ich werde bald merken, dass es in diesem Hotel nur Fanta in drei Farben (gelb, orange, rot), Cola, Wasser, Bier oder Rotwein gibt. Und das auch alles nur sehr ungern. Am besten, der Gast trinkt nicht so viel. Überhaupt: Am besten ist man gar nicht erst freundlich zum Gast, sonst bestellt der noch irgendwas. Nach dem Essen geht's dann zum Strand. Auch, wenn heute noch nicht wirklich Badewetter ist. Wir entdecken einen ansehnlich großen Fußball-Rasenplatz auf dem Hotelgelände, direkt neben dem Strand. Kicken dort mit einem zuvor noch kurz gekauften Ball etwas herum, bis um 17 Uhr die tägliche Fußball-Animation beginnt. Wir lernen Engländer kennen, wie man sie nicht vermutet hätte. Engländer im Urlaub sind ja meist weiß, mit sonnenverbrannten roten Flecken auf der Haut, grölend und besoffen. Hier gibt's aber plötzlich gesittete, freundliche, sympathische und zurückhaltende Exemplare dieser Spezies. Zurück im Hotelzimmer bemerken wir, dass das Wasser in der Dusche, je heißer man es aufdreht, umso spärlicher aus dem Hahn fließt. Ganz warm aufgedreht, tröpfelt es nur noch wie bei einem Prostatapatienten. Wir bitten an der Rezeption um Beseitigung dieses Makels. Die Abendunterhaltung findet im Freien statt. Es ist schon ein bisschen kühl, aber trocken. Die Aufführung ist öde, aber wir vertreiben uns die Zeit mit Schachspielen. Bei den schwarzen Figuren fehlt zwar die Hälfte, aber die weißen sind schließlich auch nicht komplett. Irgendwie finden wir einen gerechten Ausgleich. Die Musik in der Disko ist doof, aber wir sind eh müde und verziehen uns.

Der nächste Morgen und damit der erste komplette Urlaubstag. Haben etwas verschlafen und müssen nun das angebotene "Spätfaufsteher-Frühstück" wahrnehmen. Ich werfe noch einen Blick auf die am Flughafen erhaltenen Touristeninformationen und die dort verzeichnete kleine Sprachkunde. Ich nehme ernüchtert zur Kenntnis, dass das tunesische arabisch meinem gelernten saudi-arabisch doch so wenig ähnelt wie Kölsch dem Plattdeutschen. Kein Wunder versteht mich keine Sau. Muss umplanen. Lerne kurz ein paar Worte um und beschließe, künftig meinen eigentlich nicht vorhandenen französischen Wortschatz zu verwenden. Im Hotel selbst versteht man wenigstens auch Englisch, also wird's schon irgendwie gehen. Wir gehen frühstücken, und es wird uns klar, dass das angegebene "Spätaufsteher-Frühstück" schlicht nicht stattfindet. Schon ab neun wird keine Vitrine mehr aufgefüllt und es heißt "Essen, was noch übrig ist". Langsam frage ich mich, wo denn die fünf Sterne von diesem Hotel herkommen. Nach spärlichem Frühstück zurück ins Hotelzimmer. Unser Wasserhahn wurde inzwischen offensichtlich repariert - zu Zeiten, in denen jeder im Hotel gleichzeitig duscht (vor dem Abendessen), bleibt unser Wasserproblem aber weiterhin bestehen. Draußen pisst es fast den ganzen Tag. Na toll. Deshalb bin ich hergeflogen. Wir spielen Tischtennis im Freien unter einem Dach. Auch, wenn die nasse Platte und ein heftiger Wind die Sache nicht einfach machen. Zum 17-Uhr-Fußball ist es allerdings wieder trockener. Der Animateur, der den Fußball leitet, ist ein junger arabischer Schnösel, der offensichtlich unter großem Erfolgsdruck steht. Seine Mitspieler (meistens zwangsweise ich) bekommen nie den Ball von ihm zugespielt und er grätscht Freund und Feind um. Es gibt auch schon die ersten Verletzten. Zudem merke ich im Hals, dass Charly - mit einer Erkältung angereist - mich mittlerweile angesteckt hat. Erkältung im Urlaub - na toll. Genau das wünscht man sich. Die Abendvorstellung ist wieder öde, aber in der Disko läuft wenigstens teilweise gute Musik.

Montag. Inzwischen hat's mich richtig erwischt und die Nase läuft. Ein Ausflug in die Stadt zu einer Apotheke bringt die Erkenntnis, dass man in Tunesien außerhalb der Hotels wohl nicht ein einziges Wort englisch spricht. Ich bekomme nichts GEGEN eine laufende Nase, sondern offensichtlich DAFÜR. Das merke ich aber erst mit der Zeit. Mir fällt auf, dass in dieser "Türkei Arabiens" jede Frau ein Kopftuch aufhat. Das kenne ich aus der Türkei Europas ganz anders. Das Wetter wird langsam besser. So richtig zum Baden war's aber bislang seit wir da sind noch nicht. Wir werden unterwegs wieder nass. Teilweise von oben und teilweise von unten, weil wir den Strand entlang zurückgehen. Fußball läuft wie immer: Ich muss mit dem Animateur in einer Mannschaft spielen, komme nicht einmal an den Ball und verliere. Gebe trotzdem nicht auf. Beim Abendessen dämmert mir, dass das Essen seit Samstag kein bisschen gewechselt hat und dass es bis zum Ende des Urlaubs wohl auch weiterhin wenig abwechslungsreich sein wird. Die Abendunterhaltungen finden mittlerweile wegen des Wetters in der Hoteldisko statt. Besser werden sie dadurch nicht. Die Animateure sind aber sehr bemüht.

Dienstag. Wetter wird weiterhin besser. Frühstücken, was noch da ist, und ab an den Strand. Die Wellen sind hoch und kräftig, weil das Wetter zuletzt so unbeständig war. Trotzdem ist es schön. Endlich mal Urlaubsfeeling. Auch, wenn die Nase noch läuft. Jammern wird aber stets vom anderen mit den Worten "cry me a river" gekontert. Wir verstehen uns immer besser mit den englischen Hotelgästen. Machen für den Mittwoch aus, zusammen an einer Quad-Ausfahrt teilzunehmen. Karneet, einer von ihnen, handelt die Veranstalter auf umgerechnet 15 Euro pro Nase herunter. Für zwei Stunden Quad ein super Preis. An der Handtuchausgabe gibt es eine ca. hundert Meter lange Schlange, weil der Handtuchausgeber keine Sprache so wirklich versteht und dadurch alles ewig dauert. Selbst unsere Zimmernummer 111 (one-one-one, triple-one oder un-un-un) ist schwer für ihn zu verstehen. Das Essen wird nicht besser, die Abendunterhaltung auch nicht, aber in der Disko geben wir es uns wie lange nicht mehr.

Mittwoch. Nase hat aufgehört zu laufen. Morgens ein bisschen Strand, mittags Treffen am Strand mit den Engländern, um auf den Reiseleiter für die Quad-Ausfahrt zu warten. Ich frage den anderen Engländer, Colin, ob seine Freundin schwanger ist. Er sagt nein, aber er werde öfter darauf angesprochen. Charly lacht sich neben mir tot, ob des dicken Fettnäpfchens, in welches ich da gerade getreten bin. OK, sie sieht halt ein bisschen so aus, aber sie ist sehr hübsch und sehr nett. Versuche, aus der Nummer wieder rauszukommen, aber Colin nimmt das gelassen. Der Reiseleiter lässt uns an der Straße auf den Bus warten. Es kommt leider keiner. So funktioniert ein Ausflug auf tunesisch: Die Gruppe läuft schonmal los, der Straße entlang. Alle paar Minuten kommt ein Taxi und nimmt schonmal ein paar Leute mit. Es dauert einige Zeit, bis dann alle bei der Quad-Abfahrt angekommen sind. Wir setzen uns die vorgeschriebenen Schutzhelme auf und suchen uns jeder ein Gefährt heraus. Ich mache Blödsinn und werde gleich an den Anfang der Schlange beordert. Man möchte mich "im Blick haben". Wir fahren los, am Strand entlang, an Klippen, quer durch die Pampa, an Eseln und winkenden alten Frauen vorbei, über Stock und Stein, auf wenig befahrenen geteerten Nebenstraßen im Ort, durch Pfützen, durch Scheiße. Geile Sache, kann man ruhig mal gemacht haben im Leben. Muss aufpassen, dass das Ding unter meinem Arsch nicht ausbricht, aber mit der Zeit bekommt man Übung. Nach über einer Stunde machen wir Rast in einem Café. Hier soll wohl der Besitzer ein bisschen mitverdienen - wir tun ihm den Gefallen und trinken dort etwas, bevor es wieder weitergeht. Dann fahren wir zurück zum Startpunkt. Nachdem die beim Losfahren gemachten Bilder mehr oder weniger an die Teilnehmer teuer verkauft wurden, geht es mit dem Taxi wieder zurück zum Hotel. Fürs Beach Volleyball fast schon zu spät, aber für Fußball reicht's noch. Die anderen wollen aber trotzdem noch kurz beim Beach Volleyball einsteigen. Ich schaue kurz zu, und es dauert nicht lange, bis einer der Strand-Händler auf mich zukommt. Habe schon Tage zuvor beobachtet, wie die Geschäfte machen: Man drückt einem Kind etwas in die Hand, zum Beispiel einen Drachen, und verhandelt dann mit der Mutter den natürlich horrenden Preis. Wird man sich nicht einig, wird dem Kind das Ding wieder aus der Hand genommen, und das Kind fängt an zu heulen. Nun kommt so einer also auf mich zu. Ich sage, ich kaufe nichts. Er winkt ab, er wolle mir nur so ein arabisches Tuch um den Kopf wickeln, er wolle mir nichts verkaufen. Er fragt mich, woher ich komme und ob ich Familie habe. Nach einer Weile fragt er mich nach Kleingeld. Ich sage, ich habe am Strand keines dabei. Ja, er würde warten, ich könnte es im Hotelzimmer holen. Ich gebe ihm sein Kopftuch wieder und schicke ihn fort. Doch schon bald kommt der nächste. Streckt mir irgendetwas entgegen, was wie gebrannte Mandeln schmeckt. Lecker. Er will für ein kleines Beutelchen 25 tunesische Dinar. Das sind über 12 Euro. Hätte er die Zahl nicht in den Sand geschrieben, hätte ich meinen Ohren nicht getraut. Ich gebe ihm freundlich zu verstehen, dass er sich mit seinem überteuerten Scheiß jetzt doch lieber verpisst. Beim anschließenden Fußball entschließe ich, dieses Mal nicht mehr mit dem brutalen Animateur in einer Mannschaft zu spielen und diesen als Gegner ebenso hart anzugehen, wie er die anderen. Es ist eine persönliche Sache geworden. Wie durch ein Wunder wird keiner schwerer verletzt. Zurück im Hotelzimmer stellen wir fest, dass wir wohl das Trinkgeld für die Reinigungsfrau vergessen haben - das Handtuch liegt im Bidet.

Donnerstag. Bisschen geht der Husten los, aber Nase ist wieder in Ordnung. Wundere mich, dass um Viertel vor Zehn noch so viel zum Frühstücken da ist. Sehe eine Abordnung von Leuten, die herumgeführt wird und sich Notizen macht. Womöglich bestimmen die, ob die Sterne für das Hotel berechtigt sind. Solange die da sind, läuft wirklich alles hervorragend. Die sollten eigentlich jeden Tag kommen. Bislang hatte ich im Hotel noch keinen Angestellten getroffen, dem man ansieht, dass er seinen Job gerne macht. Ab zum Strand und das mittlerweile sehr schön gewordene Wetter ausgenutzt. Abends beim Fußball der große Schock: Verletze mich am Zeh und muss aufhören. Der Zeh wird in den nachfolgenden Stunden immer dicker und immer violetter. Trotzdem lasse ich mich von unseren neuen englischen Freunden abends - nachdem ein dreist bescheißender "Fakir" seine Farce-Show beendet hat - wieder und wieder auf die Tanzfläche ziehen. Scheiß drauf - das wird ein super Abend. Eigentlich war das schon ein würdiger Abschied, aber wir haben ja noch einen Tag. Die hübscheste Animateurin des Hotels hätte zuvor gerne mit mir Walzer getanzt - aufgrund der Gefahr, dass ich ihr oder sie mir auf den Fuß treten könnte, muss ich schweren Hezens ablehnen. Walzer kann ich ja leider sowieso nicht tanzen. Sehr schade, am liebsten hätte ich das Mädchen noch an Ort und Stelle vernascht. Meinen Vorschlag, zurück in Deutschland einen Tanzkurs zu machen und ein Jahr später gesund wiederzukommen, um den Tanz nachzuholen, kontert sie damit, dass sie nach der Saison das Hotel wieder verlässt, im nächsten Jahr also nicht mehr da sein wird. Ich bin untröstlich. Der brutale Fußball-Animateur-Jungspund bittet derweil alle Gäste, zwei Bier mehr zu bestellen und ihm zu geben, weil er selbst im Hotel Getränke nicht umsonst bekommt. Auf diese Weise zischt er eines nach dem anderen - was man ihm am Ende des Abends auch deutlich ansieht. Morgen hat er frei: Das macht das Fußballspielen bedeutend entspannter. Schade nur, dass ich nun verletzt bin.

Freitag. Für heute Abend ist Karaoke angesagt. Wir finden das passend, da wir ja in der Nacht vom Shuttlebus abgeholt werden: singen und abhauen! Man könnte den anderen Hotelgästen am nächsten Tag sowieso nicht mehr in die Augen sehen. Leider bekommen wir nicht heraus, wie man sich dafür anmeldet - uns gegenüber wird verneint, dass es eine Liste mit möglichen Titeln gäbe und man sich irgendwo voranmelden kann. Die Engländer haben das aber trotzdem irgendwie geschafft. Sie lassen uns aber bei sich mitsingen, schließlich haben sie ja fast ein Dutzend Titel ausgewählt. Leider hat das Hotel das Ganze nicht im Griff, die Musik "springt", die Texte sind teilweise nicht zu sehen. Auch hier: Man ist bemüht. Danach wieder Disko. Und das alles mit meinem kaputten Zeh. Ich mache den Witz, dass ich doch eigentlich "gesund, erholt und an einem Stück" wieder heimkommen wollte - und jetzt sind's schon zwei Stück, mit meinem gebrochenen Zeh. Aber.bald haben wir's überstanden. Wir verabschieden uns von unseren Engländern, die am folgenden Tag auch abreisen müssen - allerdings nicht so früh wie wir - und packen unsere letzten Sachen zusammen. Lohnt sich ja nicht mehr, schlafen zu gehen. Also praktisch aus der Disko zum Flughafen Monastir. Dort verbringen wir dann den Rest der Nacht in einem durch Klimaanlage völlig unnötig auf gefühlte 5 °C heruntergekühlten Hangar. Ich geh hin und wieder auf die wesentlich wärmere Toilette, um mich aufzuwärmen. Der Flieger geht um Fünf Uhr irgendwas. Dort übermannt mich der Schlaf, und als ich meine Augen aufmache, steht plötzlich das Frühstück vor mir. Wie es da hinkam? Keine Ahnung. Irgendwer wird's mir halt hergestellt haben. Zuhause angekommen, verbringe ich erstmal vier Stunden (es ist Samstagvormittag) wartend im örtlichen Krankenhaus und lasse meinen Zeh röntgen. Nicht, dass man was tun könnte, wenn er gebrochen ist, aber man sollte es ja schon wissen und irgendwelche erleichternden Maßnahmen ergreifen können. Er ist zum Glück nicht gebrochen, aber schwer geprellt. Ich bekomme einen Verband und frage, wann ich denn ungefähr wieder normal laufen und Autofahren kann. Die Antwort "Wenn's nicht mehr wehtut!" ist nicht wirklich hilfreich. Ich bin wieder daheim angekommen.

23. 10. 2010 Homepage / teilw. ZVW

Dagegen

Und immernoch gibt es Demonstrationen zu Stuttgart21. Ein Kompromissvorschlag: Die sollen ihr Stuttgart21-Projekt bauen. Meinetwegen mit einem Bahnhof aus purem Gold. Und am besten noch einen dicken fetten Transrapid genau daneben, mit dem man dann in zehn Minuten nach Paris oder in 25 Minuten zum Waiblinger OB Hesky vor die Haustür fahren kann. Aber für jeden Cent, den das Monster am Ende mehr kostet, als ganz zu Anfang errechnet und propagiert, sollen die Verantwortlichen und deren Erben mit ihrem Privatvermögen samt künftiger Pensionszahlungen haften müssen. Dann würde das Projekt bestimmt auch eine Nummer kleiner gehen. Und wenn der ganze Scheiß einstürzt, weil der Boden dafür nicht geschaffen ist, dann nennen wir das Loch eben "Ground Zero" und sagen, der Osama bin Laden wars. Gute Tipps, wie man Gebäude schneller unter die Erde bringt, kann man sich ja auch bei der Stadt Köln holen, die haben da mit ihrem Stadtarchiv schon erfolgreich Erfahrungen gesammelt. Nach diesem Vorbild wäre das Ganze dann nicht Stuttgart21 sondern Stuttgart11 - und wesentlich billiger. Die Demonstranten könnten dann schnell wieder für etwas auf die Straße gehen, wo vielleicht noch was zu verhindern ist, z.B. gegen den Atomkonsens. Das wäre wirklich sinnvoll. Die finale Antwort kann es eh nur geben, wenn in einem halben Jahr bei der nächsten Landtagswahl diese verkommene Regierung aus dem Haus gejagt wird. Vermutlich können viele Stuttgart21-Gegner bis dahin aber nicht mehr an der Wahl teilnehmen, weil ihnen bereits vorher von der Polizei die Augen rausgeschossen wurden und sie nicht mehr sehen können, wo sie ihr Kreuz machen müssen. Wahrscheinlich ändert sich, wenn es dann soweit ist, sowieso wieder nichts, weil die Baden-Württemberger schon immer schwarz-gelb gewählt haben und das deshalb - und werden sie noch so verarscht - beim nächsten Mal nicht anders machen werden. Die Schar der Befürworter von Stuttgart21 wird mittlerweile außerdem immer größer. Meist sind das Alte, die, wenn dann die große Schlussrechnung kommt, sowieso schon lange tod sind. Da darf man jetzt schon ein bisschen naiv sein. Dafür sind die Gegner zum Teil "berufsdagegen". Ich bin mir nicht ganz sicher, ob mir der "Juchtenkäfer", wegen dem eigentlich die Bäume nicht gefällt hätten werden dürfen, nicht doch am Arsch vorbei geht.

Man kann natürlich auch prinzipiell gegen alles sein. Eine besondere Hysterie schlägt derzeit Google für sein Street View entgegen. Das ist schon komisch: Normalerweise freut sich jeder "Ach, kuck mal, unser Haus ist auf dem Bild in der Zeitung, toll", geht Einkaufen und legt dort die Kunden-Bonuskarte auf den Tisch, wieder zu Hause bestellt er ein paar Bücher bei Amazon - aber wenn dann das Google-Auto in der Gegend herumfährt, dann hat man plötzlich Angst, "gläsern" zu sein. Einige Bürger aus dem kleinen Teilstädtchen Waiblingen-Bittenfeld haben wohl widersprochen, ihr Haus soll nicht gezeigt werden. Nun ist aber nicht anzunehmen, dass der Ort zu den paar größten und interessantesten Städten in Deutschland zählen wird, die bei Street View überhaupt zu sehen sein werden. Manche Satellitenbilder von kleinen schwäbischen Dörfern in Google Earth sind schon über zwanzig Jahre alt. Vielleicht sollte man da mit dem Protest auch wieder einen Gang runterschalten. Außerdem: Häuser, die bei Street View gelöscht oder gepixelt wurden, sind doch erst recht verdächtig, oder nicht? Da weiß man sofort, wo es was zu holen gibt. Das macht Street View dann schließlich doch noch zum praktischen Hilfstool für Einbrecher.

9. 9. 2010 Homepage

Mein Kampf mit Stuttgart21

Wer hätte das von den Schwaben gedacht? Wer sich jahrzehntelang von Schwarz-Gelb regieren bzw. verarschen lässt, der muss ja eigentlich ein entspannter Mensch sein. Fast schon lethargisch. Und plötzlich kocht der schwäbische Volkszorn sowas von hoch. Was ist da nur passiert? Das Landesparlament hat sich mal wieder - wie jedes Jahr - die Diäten ordentlich erhöht, zum Thema Kernkraftwerk-Laufzeitverlängerung saudumm rausgeschwätzt und sich auch sonst wieder als absolut unfähig erwiesen. Das alles wurde noch hingenommen. Aber jetzt soll der Bahnhof in Stuttgart abgerissen und neu gebaut werden. Das geht nun wirklich zu weit. Dabei habe ich mich doch auf das Stuttgart21-Projekt gefreut, und dass der Transrapid nun "in zehn Minuten" zum Charles-de-Gaulle-Flughafen fährt. Oder hab ich da jetzt etwas verwechselt? OK, es werden künftig weniger Gleise sein, dafür werden 10.000 Arbeitsplätze für rumänische und polnische Firmen geschaffen. Das muss man auch sehen. Gutachten wurden gefälscht oder einfach nicht veröffentlicht, so mancher Tunnel erweist sich jetzt als zu klein und der ganze Scheiß stürzt nachher vielleicht ein, weil der Boden nachgibt - aber dafür werden endlich lästige Bäume gefällt und dadurch eine fantastische Sicht auf den neuen Bau frei. Das bedeutet weniger Laub aufsammeln im Herbst. Die Kosten werden wohl um mindestens 10 Milliarden höher ausfallen als geplant, dafür könnte man aber zum Beispiel an der Bildung sparen, den Kindergarten abschaffen.

Wieso sollte beispielsweise auch ein Kind mit Migrationshintergrund in den Kindergarten gehen und dort vielleicht noch deutsch lernen - dann würde es ja vielleicht gut in der Schule sein und später mal eine Arbeit bekommen. Und Thilo Sarazzins These, die Ausländer seien alle faul und doof, vererbten ihre Doofheit und würden mit dem Kopftuch schon auf die Welt gebracht, würde völlig ad absurdum geführt. Thilo Sarazzin kennen Sie gar nicht? Nun, wer Hitlers "Mein Kampf" gelesen hat, dem gefallen bestimmt auch Herrn Sarazzins Bücher. Die sind sogar noch ein wenig volksverhetzender. Als Senator in Berlin versagt, als rassistisches Hampelmännchen sogar der Bundesbank peinlich geworden und als Nestkacker in der SPD gefürchtet, musste er jetzt wieder ein Buch schreiben, um weiter im Gespräch zu bleiben. Seine Thesen - so mancher musste für so etwas in der Vergangenheit schon in den Knast oder nach Argentinien flüchten. Aber an deutschen Stammtischen kommt das natürlich gut an. "Endlich sagt mal einer, wie es ist. Der Mann hat Recht." Natürlich hat der Mann Recht. Denn wer den ganzen Tag mit Bänkern und Politikern (den verkommensten Individuen auf dieser Erde) abhängt, der muss ja - um nicht völlig wahnsinnig zu werden - seine eigene kleine bunte Welt daherfantasieren. Und in einer eigenen kleinen Welt hat man immer Recht. Obwohl, laut seiner Beschreibung ist diese Welt ja gar nicht bunt, sondern grau in grau. Weil "Deutschland sich abschafft". Bald sind nur noch Ausländer in Deutschland. Dass dies vielleicht daran liegen könnte, weil deutsche Frauen einfach kaum noch Kinder bekommen, ist eine unwichtige Randmeldung, die lässt er gleich weg. Längst weiß man, dass integrierte Ausländerfamilien sich bereits der deutschen Geburtenrate angepasst haben und deshalb auch kaum noch Kinder bekommen. Ist das Integration genug?

Ich habe einmal in meiner Nachbarschaft eine schwarze Frau beobachtet, die mit einem Deutschen verheiratet war und an der Straße stand. Als eine andere, ebenso maximalpigmentierte Frau mit Kinderwagen vorbeikam, fragte sie: "Wo kommen SIE her?" Ihr dolchte vielleicht, die beiden hätten möglicherweise sogar dieselbe Ursprungsherkunft in Afrika. Die Frau mit dem Kinderwagen erwiderte: "Ha, vom Bahnhof." Die Konversation verlief auf schwäbisch. DAS ist Integration.

2. 8. 2010 Homepage

Lieber in die Disko

Kaum habe ich mal wieder eine Freundin, wachsen mir auch schon die Handy-Kosten über den Kopf. Statt 1,75 zahle ich plötzlich 30 Euro und mehr im Monat. Ein Blick auf meine Rechnung zeigt mir, dass der einstmals günstige Anbieter McSIM nicht nur teuer geworden ist, sondern auch Verbindungen abrechnet, die gar nicht zustande gekommen sind. Ob der andere rangeht, mich wegdrückt oder es einfach klingeln lässt, ich bin mit 15 Cent/Minute plus Mehrwertsteuer dabei. Schon irgendwie frech. Also denk ich mir: Was Günstigeres wäre gut. Als erstes schaue ich mir Base an. Die sind ja so flexibel, und man kann den Tarif auch monatlich wieder ändern, wenn man dann wieder solo und damit wieder Wenigtelefonierer ist. Ich suche mir über Internet eine Wunschrufnummer heraus, von den Nummern, die mir Base als verwendbar anzeigt. Ich habe eine schöne gefunden, freue mich und bestelle.

Doch halt! Vier oder fünf Tage später kommt der Hermes-Versand und händigt mir das Riesenpaket (für eine kleine SIM-Karte?) nicht aus, weil zwar Name und Geburtsdatum übereinstimmen, aber eine Zahl im Personalausweis nicht (Post-Ident-Verfahren). Ein Zahlendreher? Eine Zahl vergessen? Normalerweise passiert mir so etwas nicht, solche Dinge kontrolliere ich immer zehnmal,
bevor ich sie abschicke. Leider habe ich noch keinen Kunden-Login bei Base, sodass ich dem Fehler auch nicht auf den Grund gehen kann. Wie auch immer - das Päckchen geht wieder mit und ich bin sauer. Ich maile sofort an Base, dass, wenn es schon so losgeht, sie sich ihren Scheiß gleich wieder an den Hut stecken sollen. Ich trete vom Vertrag zurück. Die Mail bleibt unbeantwortet, aber am nächsten Tag bekomme ich einen Willkommensbrief mit meinen Unterlagen und meiner neuen Nummer. Leider hat diese mit meiner Wunschrufnummer dann soviel zu tun wie die CDU mit dem Atomausstieg, nämlich überhaupt nichts. Ich schreibe nochmals, dass ich von meinem Rücktrittsrecht Gebrauch mache. Inzwischen ruft mich Hermes an, das Paket wäre ja zurückgekommen, ich solle doch mal mit Base sprechen. Das mache ich doch schon die ganze Zeit! Aber die ignorieren mich ja. Weitere Tage später ruft mich einer von Base an und fragt mich freundlich, ob sie mir das Päckchen nochmals schicken dürfen. Ich wundere mich, ob denn in diesem Laden keiner seine Mails abruft oder seine Post ankuckt. Ich habe doch schon längst wieder gekündigt. Ich mache den Anrufer darauf aufmerksam, dass ich noch nicht mal meine Wunschnummer bekommen habe - in diesem Haus also offensichtlich überhaupt nichts funktioniert. Das sei eine Wunschnummer, weil man sie sich wünschen kann, wird mir entgegnet. Es gäbe keinen Anspruch
darauf, die dann auch zu bekommen, weil sie ja schon vergeben sein könnte. Hmm ... wieso checkt man das dann per Internet vorher ab und die Nummer wird als verwendbar angezeigt? Leuchtet mir jetzt nicht so sehr ein. Ich setze meine Kündigung durch und mir wird eine schriftliche Bestätigung versprochen. Auf diese warte ich allerdings dann auch noch über eine Woche.

Mittlerweile habe ich einen noch wesentlich günstigeren Anbieter gefunden, die eteleon GmbH. Dort lasse ich mir den Discoplus-Tarif geben. Eine tolle Sache. Ich kann mir eine Wunschnummer heraussuchen, die ich nachher dann tatsächlich auch bekomme - bei denen gehts also irgendwie. Alles klappt. Ohne Post-ID, ohne Päckchen, ohne komplizierten Scheiß, der nachher doch wieder nicht funktioniert. Ich hätte gleich "in die Disko gehen" sollen.

14. 7. 2010 Homepage

Was nicht funktioniert

Wieder hat sie nicht funktioniert - die Sache mit der Fußballweltmeisterschaft für Deutschland. Und da dachte man doch, ohne Ballack klappt's endlich. Aber im Halbfinale hat man, wie schon vier Jahre zuvor gegen Italien, auch diesmal gegen Spanien "mit dem Herz in dem Knie und der Scheiße in der Hos'" gespielt und das Finale mal wieder verpasst. "'54 '74 '90 ..." das Lied funktioniert künftig nicht mehr, weil 2014 und die folgenden WM-Jahre kein Versmaß mehr haben - je eine Silbe zuviel. Vielleicht auch ganz gut so, denn wir werden's wohl sowieso nicht mehr: Weltmeister. Zumindest nicht im Herrenfußball. Da klingt das Lied nur wie ein verzweifelter Versuch, das Unmögliche herbeizusingen. Man könnte höchstens den Text etwas umbenennen: "... werden wir Weltvierter sein." Denn unter die ersten Vier kommen wir meistens ja schon. Immerhin. Langsam scheint sogar der dritte Platz für uns reserviert zu sein. Komisch nur, gegen Serbien haben außer uns alle gewonnen und die Spanier wurden sogar von den Schweizern besiegt. Für uns aber waren beide zu stark. Das Endspiel war wie beim letzten Mal unter aller Sau. Hier funktionierte bei beiden Teams nicht viel. Außer die Fouls - die gelangen besonders den Holländern ganz prachtvoll. Wir wissen alle: Dieses beschissene Finalspiel gehört eigentlich spätestens zur Halbzeit abgepfiffen - nach mindestens drei roten Karten für die Niederländer - und beide Teams für unwürdig erklärt, Weltmeister zu werden.

Egal, es gibt auch noch andere Dinge, die einfach nicht funktionieren. Ich frage mich zum Beispiel immer: Was sollen denn die Zwillings-Frontleuchten an Motorrädern, von denen serienmäßig immer nur eine leuchtet? Sind es vielleicht deshalb zwei, damit man eine als Ersatz hat? Aber wenn die zweite doch gar nicht geht, was bringt das denn dann? Ein Freund hat mir mittlerweile erzählt, das eine sei das Fernlicht, deshalb sei es ganz normal, wenn nur eines von beiden leuchtet. Bei Rauchmeldern brechen immer die Zapfen der Halterung ab, sodass spätestens beim zweiten Batteriewechsel, bei dem das olle Ding ja schließlich zwangsweise abgeschraubt werden muss, nachher nix mehr wieder draufgeht. Bei Computern geht erst recht vieles nicht. Bei Windows sowieso nicht und bei Apple nur das, was die Apfel-Leute autorisieren - was recht wenig für viel Geld ist (wer schonmal kleine "kostenlose" Hilfsprogramme aus dem Internet geladen und dann festgestellt hat, dass kostenlos am Mac überhaupt nichts funktioniert, kann ein Lied davon singen). Kleinwagen mit nicht viel Platz im Kofferraum haben heute keinen Ersatzreifen mehr, sondern nur eine Paste, die unter Hochdruck in den defekten Reifen geblasen werden soll. Schön, wenn es den gesamten Reifen zerrissen hat - da will ich mal sehen, wie das mit der Paste wieder zusammenhalten soll. Warum gibt es Katzenklos, wenn diese Viecher lieber dem Nachbar vor die Türe oder aufs Auto kacken? Und wer schonmal Kunde von 1&1 und/oder der Telekom war, kennt noch viele weitere Dinge, die nicht funktionieren.

4. 6. 2010 Homepage / ZVW

Leitkultur

Na, die traut sich aber was, die neue niedersächsische CDU-Sozialministerin Aygül Özkan. Fordert die einfach "ergebnisoffene EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei" und hält sich damit an die offizielle Verlautbarung der EU. Wahrscheinlich hat sie die parteiinterne Doktrin der "privilegierten Partnerschaft" einfach nicht verstanden. Aber wer hat das schon?! "Privilegierte Partnerschaft" heißt bei der CDU ja nur soviel wie "Lasst die scheiß Türken nicht in die EU, die hängen sonst überall unsere Kruzifixe ab und ihre Halbmonde auf". Oder so ähnlich. Und da sind wir ja schon beim zweiten Problem: Spricht die doch tatsächlich davon, das Kreuz aus den Klassenzimmern zu verbannen. Man muss da aber Verständnis haben, schließlich hat sie einen Migrationshintergrund und kommt aus einem Staat der, kemalistisch bedingt, wirklich säkular geführt wird und nicht nur offiziell wie die Bundesrepublik Deutschland. Kann sie ja nicht wissen, dass bei uns zwischen Kirche und Staat nicht so sehr unterschieden wird. Aber das lernt sie auch noch. Und akzeptiert wird sie in Deutschland sowieso erst, wenn sie in Lederhosen mit einer Bockwurst in der Hand auf einem Volksfest "Hoch auf dem gelben Wagen" singt - oder wofür steht nochmal die "deutsche Leitkultur"? Ich hab's glaub nicht verstanden.

Wie lautet denn eigentlich die griechische Leitkultur? Die haben sich ja ganz schön in die Europäische Währungsunion beschissen. Das muss man denen erst mal nachmachen. Und jetzt haben sie einen Arsch voll Schulden. Ich habe neulich ein Bild von der Akropolis gesehen. Da ist ja alles kaputt!!! Da kann ich schon verstehen, dass die ganz dringend Geld brauchen. Was das kostet, das alles wieder aufzubauen?! Und bis das Ganze dann auch noch wärmegedämmt und niedrigenergie-tauglich gemacht wurde ... nicht auszudenken. Als nächstes kommen wahrscheinlich dann die Italiener. Das Kolosseum in Rom hat auch schon bessere Tage gesehen. Da muss unbedingt wieder ein Dach drauf. Ich finde, das muss man schon einsehen, dass hier unser Geld von Nöten ist. Und wir haben's doch.

3. 5. 2010 Homepage

Aufdringlich

Jeden Tag, wenn ich heim komme, blinkt mein Telefon. Das tut es, wenn jemand versucht hat, mich zu erreichen. Da steht dann auch die Telefonnummer von demjenigen, der es versucht hat. Meistens ist es die Nummer eines Callcenters oder eine unterdrückte Rufnummer. Dann ist mir sofort klar, dass das niemand Gescheites gewesen sein kann, der mich zu den unsinnigsten Zeiten des Tages erreichen wollte. Diese Leute sind aber so aufdringlich und hartnäckig, dass sie es jeden Tag probieren - wenn es sein muss, auch über Monate hinweg - bis sie einen erwischen. Und wenn sie einen dann erwischen, kommt ein: "Guten Tag, mein Name ist Sowieso von der Premium-Glücksspielgesellschaft. Sie nehmen bei einem unserer kostenlosen Gewinnspiele teil. Dieses kostet aber ab nächsten Monat 20 Euro monatlich. Wenn Sie dies nicht wünschen und kündigen wollen, kostet Sie das zunächst eine Bearbeitungspauschale von 60 Euro, die sie aber in Kürze wieder zurückbekommen." Sagt man jetzt etwas Kritisches, wie z.B. "es ist mir nicht bekannt, dass ich bei einem Gewinnspiel mitmache" oder "ich kenne Sie nicht, das klingt alles nicht sehr koscher für mich", wird sofort aufgelegt - dann versucht es eben andersmal ein anderer Mitarbeiter wieder. Deshalb gehe ich zunächst zum Schein darauf ein. Ich werde nochmals nach meinem Namen gefragt, um sicherzugehen, dass ich der richtige Ansprechpartner bin - nun habe ich meinen Namen ja leider schon gesagt, sonst hätte der Anrufer oder die Anruferin ja gar nicht erst mit mir gesprochen - also muss ich diesen nochmals bestätigen. Danach will man mein Geburtsdatum "zum Datenabgleich" wissen. Ich nenne ein völlig Fiktives, welches nicht im Geringsten mit mir zu tun hat. "Mhm, stimmt überein." Super! Ich darf wohl annehmen, dass die außer meinem Namen überhaupt keine Daten von mir haben. So soll es auch ruhig bleiben. Der Anrufer fragt weiter. "Jetzt brauchen wir noch Ihre Kontonummer, damit wir die Gebühr abbuchen können." Spätestens an dieser Stelle packe ich meine extralaute Hallen-Trillerpfeife aus, die ich noch von meiner Schiedsrichterzeit her habe, blase der Person sowas von eins ins Ohr und lege auf. Egal, wer mich beim nächsten Mal anruft und versucht, mich zu verscheißern: diese Person jedenfalls nicht mehr. Natürlich muss ich mir während des Pfiffs selbst die Ohren zuhalten, sonst klingeln die mir selbst noch stundenlang. Das ist nicht schön.

Nein, das kann ich überhaupt nicht leiden, wenn man so aufdringlich ist. Auch andere sind so. Die von der GEZ zum Beispiel, oder Jehovas. Letztere klingeln aber mittlerweile nicht mehr bei mir, seit unten im Haus andere Jehovas wohnen. Keine Ahnung, wie das zusammenhängt, aber in dieser Konstellation hat man zumindest zu Hause seine Ruhe. Manchmal spreche ich diese Leute aber auch selbst auf der Straße an und verarsche sie. Nachdem nach der Sonnenfinsternis die Welt irgendwie doch noch nicht so ganz untergegangen war, meinte ich zu einem: "Na, jetzt seit Ihr aber ganz schön angeschissen!" Er erhob die Augen zum Himmel und redete davon, was "der da oben" für ihn sonst so geplant hat. Ich fragte: "Oben? Ist Eurer nicht UNTEN?" Damit macht man sich Freunde. Aber es gibt Bevölkerungsgruppen, da möchte man eh keine Freunde haben. Jehovas, GEZler und Call-Center-Mitarbeiter gehören bei mir definitiv dazu.

8. 4. 2010 Homepage

Von Volldeppen und Amateuren

Ich glaube, ich werde jetzt einen Paketversand gründen. Den nenne ich Dödel-Paketschubser GmbH & Co. KG. Dafür stelle ich dann lauter komplette Volldeppen ein, die schon nach der dritten Klasse von der Schule abgegangen sind. Die Einstellungs-Voraussetzungen sind dann: völlige Orientierungslosigkeit, Analphabetismus und ein allgemeiner IQ von nicht über 50. Alles in allem wird diese Firma wahrscheinlich immer noch zuverlässiger sein als die DHL, die es bei acht von zehn Paketen, welche an mich adressiert sind, nicht schafft, diese regulär und zügig zuzustellen.

Mal hat der Fahrer "keine Lust", das Päckchen auszufahren und schickt es einfach als "Annahme verweigert" wieder zum Absender zurück, mal landet die Sendung an einem völlig anderen Ort, mal ist sie gar nicht mehr auffindbar. Kommentar von der DHL bei einer Konfrontierung damit: nichts. Und jetzt sitze ich hier und muss mich mal wieder herumärgern mit dem Nachhaken bei meinen Bestellungen. Mir fällt es schon zunehmend schwer, die verschiedenen Händler mit gefassten und distinguierten Worten davon zu überzeugen, doch künftig bitteschön auf fähigere Paketdienste zu setzen. Mist, dabei habe ich ja eigentlich gerade ganz andere Probleme.

Ich komme mit einer Software nicht klar. Einen Blick in die Hilfe-Funktion spare ich mir - noch niemals hat sie mir weitergeholfen. Diese Funktion ist absolut für'n Arsch - und zwar in jedem Programm. Besser ist da, das Problem einfach zu googeln. Müssen ja noch mehrere das gleiche Problem haben. Ich bin doch auch nicht blöder als andere. Außerdem kann man sich ja heute durch Krankheitssymptome-Googeln auch den Weg zum Arzt sparen, weil man dann schon übers Internet darüber informiert wird, was einem fehlt. Also frisch ans Werk. Doch das Problem ist wohl diesmal zu diffizil, als dass man es so einfach beim Googeln findet. Ich versuche es im Problemlösungs-Forum meiner Branche - bei mediengestalter.info - und beginne einen Thread mit meinem Problem. Doch heute habe ich kein Glück. Ausgerechnet heute tummeln sich offensichtlich viele Amateure in diesem Forum. Wer sich heutzutage alles "Mediengestalter" nennen darf ... das schockiert mich. Können nicht einen einzigen Satz fehlerfrei schreiben und arbeiten mit absoluten Amateurpfuschprogrammen, die eigentlich überhaupt nicht druckindustrietauglich sind. Und dann scheißen sie mich noch an, weil ich mich in meiner Frage vielleicht etwas negativ über dieses Programm geäußert haben könnte. OK, ich habe geschrieben, das Ding wäre ein Scheißprogramm und kein normaler Mensch arbeitet damit. Aber das ist doch letztlich nur die Wahrheit. Da braucht man nicht gleich Tobsuchtsanfälle bekommen. Ja, spontan gehasst zu werden, das hab ich einfach drauf. Das macht mir so schnell keiner nach. Eine Hilfe ist das jetzt freilich überhaupt nicht. Da hätte ich auch auf die Seite des "Landfrauenforums Hinterbichlbach" gehen können - die hätten mich vielleicht kompetenter beraten. Da ist bestimmt auch eine darunter, deren Enkel vom Schwager des ehemaligen WG-Partners sich auch "Mediengestalter" nennt, weil er auch schon einmal ein Buch in der Hand hatte. Das Problem bleibt also erstmal ungelöst, fürchte ich. Aber mir fällt schon noch eine Lösung ein.

11. 3. 2010 Homepage

Die ersten hundert Tage der neuen Regierung

Ich weiß gar nicht, was die alle haben. Die neue CDU-FDP-Regierung ist doch toll. Als erstes wurde endlich die längst fällige Mehrwertsteuer-Vergünstigung für das Hotelgewerbe angepackt. Wie lange haben wir darauf schon gewartet?! Unsere klapprigen Atomkraftwerke dürfen jetzt laufen, bis die letzten Schrauben herausfliegen, dadurch bekommen wir unseren Strom künftig völlig umsonst. Um die Entsorgung der Brennstäbe wird jetzt nicht mehr so ein Tamtam gemacht, das Zeug wird einfach irgendwo verscharrt oder in den Bodensee gekippt - nachdem man vorher ein Unbedenklichkeits-Gutachten gefälscht hat. Dafür kann man ja den ehrwürdigen Altkanzler Kohl reaktivieren, der hat darin doch schließlich schon Erfahrung.

Ein Hampelmännchen als Außenminister lässt die Deutschen im Ausland endlich ein bisschen sympathischer erscheinen - auch, wenn kein international Verantwortlicher von uns mehr englisch sprechen kann. Aber das macht es ja nur umso lustiger. Westerwelle, Oettinger ... ein Riesenspaß: Have you my go-stop over meadows? I need fast money!

Ja, und die ganzen Lobbyisten dürfen sich jetzt ihre Politik kaufen, was die Konzernkassen eben gerade hergeben. Letztlich gut investiertes Geld. Das macht die Regierung zwar korrupt - aber in Italien läuft das so schon seit Jahrzehnten sehr erfolgreich. Gut, dafür wird dort das Staatsoberhaupt auch schonmal mit einer Statue beworfen, aber das muss man einfach in Kauf nehmen. Bei uns darf künftig jeder eine Waffe besitzen und damit umherschießen, bis die Munition ausgeht. Auch Fünfjährige sind dazu in Zukunft herzlich eingeladen. Und die Steuern ... ja, die werden zuerst abgeschafft, bis unsere Schuldenlast auf einhunderttausend Fantastillionen gestiegen ist. Wenn dann gerade mal keine Wahl ist, die man verlieren könnte, kann man die Steuern ja dann ganz schnell wieder auf das Maximale erhöhen. Gut, Krankenkassenversicherte müssen unter Schwarz-Gelb jetzt etwas tiefer in die Tasche greifen, aber unsere verarmten Pharmafirmen müssen schließlich auch von etwas leben - da kann das Gesundheitssystem ruhig ein wenig exklusiver und teurer werden.

Letztlich kann man sagen: Das Volk wird endlich so verarscht, wie man es sich seit langem verdient hat.

11. 2. 2010 Homepage

Winter-Larmoyanz

Ich wache auf, weil draußen jemand Schnee schippt. Das geht morgens um 5 Uhr los und dauert praktisch den ganzen Tag. Ist der eine fertig, beginnt der andere. Der Schlaf ist damit vorbei. Mich kotzt es am frühen Morgen schon wieder an. An jedem verdammten Tag dieses hurenvotzscheißdrecks Winters ist es mindestens -100 °C kalt und es fällt mindestens 5 Meter Schnee. Erst gibt's keinen Sommer, und dann ist es wieder monatelang tiefster Winter. Ich stehe auf und sehe mir die Wetter-Weltkarte an. Selbst in Skandinavien, Sibirien und der Arktis ist es derzeit wärmer. Irgendwelche Arschloch-Professoren haben uns eine Erderwärmung versprochen - alles dummer Scheiß! Statt auf tropische Krankheiten müssen wir uns auf Frostbeulen einstellen. Die Gletscher schmelzen nicht, sie treiben nur nach Mitteleuropa, wo sie sich alsbald wieder zu großen Monstergletschern verbinden - bald haben wir wahrscheinlich Eisbären in Deutschland.

Mürrisch mache ich mich Aus-dem-Haus-geh-fertig. Draußen erstmal 5 m Schneedecke von Hof und Gehweg räumen. Mal wieder. Eine Stunde später ist das ja doch alles wieder zugeschneit, aber da bin ich dann nicht mehr da. Ich fahre zur Arbeit. Natürlich stehe ich auf dem Weg dorthin noch zehn Stunden im Stau oder zuckle, da wo's doch vorwärts geht, in Schrittgeschwindigkeit hinter einem mit Sommerreifen bestückten LKW her, der eher steht als fährt - und dabei verfahre ich noch drei Tankfüllungen Sprit. Zuhause habe ich schon fünf 1500-Liter-Tanks mit Heizöl verfeuert, um wenigstens 15 °C Raumtemperatur zu erreichen und nur jede vierte Woche erkältet zu sein. Außerdem werde ich noch von Magen-Darm-Krankheiten heimgesucht, die in dieser kalten Jahreszeit Hochkonjuktur haben, und bekomme täglich Erfrierungen dritten Grades. Dass ich noch alle zehn Finger und Zehen habe - ein reines Wunder! Reinhold Messner hat seine Gliedmaßen wahrscheinlich auch nicht am Berg eingebüßt, sondern daheim beim Schippen. Und wo die "Schippendales" wohl ihren Namen her haben?

13. 1. 2010 Homepage

Was bin ich froh, dass das vorbei ist

Januar. Weihnachten vorbei. Silvester vorbei. Ferien vorbei. Schule geht wieder los. Ach, was war das doch für eine scheiß Zeit, damals. Bei uns gab es so etwas wie ein inoffizielles Kastensystem, so wie in Indien. Ganz unten gabs die "Gehassten". Die wurden auch gelegentlich einfach mal so verschlagen. Kennzeichen der "Gehassten" war, dass sie sich auch untereinander hassten. Wollte ein "Gehasster" dem anderen beim Verschlagenwerden beistehen, sagte dieser: "Geh weg, von dir lass' ich mir nicht helfen!". Eine Kaste darüber waren die "Ignorierten". Die waren da, aber man interessierte sich eigentlich nicht so für die - es waren eher graue Mäuse. Das Fehlen eines "Ignorierten" fiel höchstens dadurch auf, dass am Fenster einer weniger saß und deshalb mehr Licht in den Raum kam. Über den "Ignorierten" waren die "Geduldeten". Diese hat man halt so mitgenommen, konnte aber auch ohne sie ganz gut leben. Ein "Geduldeter" konnte teilweise in die obere Kaste hineinschielen, aber auch ganz schnell zu den "Ignorierten" herabfallen. Ganz oben gab es die "Beliebten". Und das mussten noch nicht einmal die bei der Mehrheit Beliebten sein - es reichte, wenn sie untereinander beliebt waren. Sprungbrett für diese obere Kaste war ein Sportverein oder Ähnliches, was auch auf einem privaten Feld zusammengeschweißt hat.

Neben dem Beliebtheits-Kastensystem gab es parallel auch ein IQ-System - dies war aber schwer zu durchschauen und lieferte keine eindeutigen Erkenntnisse (so waren zum Beispiel einige Hochintelligente schon wieder so intelligent, dass sie schon wieder zu dumm waren, sich mit "normalen" Menschen unterhalten zu können. Was mich wieder zu dem Schluss bringt, dass die Intelligenz ein Kreis ist. Und wie bei jedem Kreis geht das Eine immer wieder in das Andere über). Außerdem waren ja damals schon die Intelligenten auf den Gymnasien und die anderen woanders, sodass es in den einzelnen Schulformen nur ab und zu Ausreißer aus der Statistik gab, die dann aufgrund ihrer plötzlich entdeckten Intelligenz oder auch dem Gegenteil nachträglich in eine andere Schulform hinauf- oder auch hinabgeschubst wurden. Das IQ-System war also eine, wie gesagt, unzuverlässige Trennungsform.

Und dann waren da noch die Lehrer, von denen man sich schon mal anhören musste, man sei ein "verdammter Hund", weil man sich im Unterricht nicht so einbrachte, wie man das eigentlich hätte können. Ich weiß nicht, ob die Lehrer das Kastensystem begriffen hatten. Vielleicht nur die Sportlehrer, die manchmal die "Gehassten" oder "Ignorierten" die Mannschaften bilden ließen, damit diese nicht wieder bis zum Schluss dumm da standen und schließlich mit einem "komm, dann nehmen wir halt noch den einen da" als Letzte in die Mannschaften integriert wurden.

Nein, die Schulzeit wünsche ich mir wirklich nicht zurück.

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