18. 12. 2013 Homepage

Eine Reise nach Paris

Ich öffne meine Post. Ritschratsch ist der Brief offen. Ich ziehe den Inhalt ein Stück heraus und lese "Glückwunsch, Sie haben gewonnen". Normalerweise lese ich in solch einem Fall gar nicht erst weiter und werfe den Brief ungelesen ins Altpapier. Aber weil bald Weihnachten ist … nein, weil ich gerade auf dem Klo sitze und nichts Besseres zu tun habe … lese ich weiter. Ich habe "garantiert" einen dieser Preise gewonnen: Auto, Paris-Reise, Tankgutschein. Ich muss nur einen Code freirubbeln und eine bestimmte Telefonnummer anrufen, um diesen Code dort jemandem mitzuteilen. Immerhin ist die Nummer kostenfrei, und so beschließe ich, nach meiner Rückkehr vom Klo mir einen zu rubbeln - also auf dem Brief mein ich jetzt - und die Nummer zu wählen. Und tatsächlich dauert es nicht lange, bis jemand dran ist. Ein vermutlich nicht mehr ganz so junger Mann, der obendrein auch nicht so gut gelaunt erscheint, nimmt ab. Callcenter. Es stellt sich heraus, dass es sich um ein Preisausschreiben der Günther Klassenlotterie handelt. Da mache ich zwar schon seit vielen Jahren nicht mehr mit, aber auch ehemalige Mitspieler würden da angeschrieben. Der freigerubbelte Code ergibt: Es ist die Reise nach Paris. Ich würde in vier Wochen die Unterlagen bekommen und hätte dann ein Jahr Zeit, die Reise anzutreten. Ich frage nochmals nach, um sicherzugehen, dass die Jahresfrist erst beginnt, wenn ich die Unterlagen habe. "Habe ich doch gesagt", bekomme ich wirsch zur Antwort. Ich will noch etwas sagen, da wird schon mitten im Gespräch eingehängt. Ungehobelter Klotz! Augen auf bei der Berufswahl! Vermutlich macht er das nicht freiwillig.

Einige Wochen später bekomme ich tatsächlich die Unterlagen zugeschickt. Ich habe natürlich längst in Facebook und auch sonst überall verbreitet, dass ich eine Reise nach Paris gewonnen habe. Hätte ich vielleicht nicht unbedingt machen sollen. Ich stelle fest, Ich habe kein Jahr sondern nur drei Wochen Zeit, mich zu entscheiden, kann auch nur aus einer Handvoll vorgegebenen Terminen wählen, von denen fast alle einen satten Aufpreis erfordern. Außerdem sei vor Ort noch eine französische Kurtaxe zu bezahlen. Zu der "Gratis-Reise für zwei Personen im Wert von 400 EUR" kommen dann also schonmal Eigenkosten von an die 100 EUR pro Nase hinzu. Das Hotel sei "Touristenklasse" (3 Sterne, es kann sich durchaus um eine Art Jugendherberge ohne jeglichen Komfort und mit Etagenklo handeln) und liegt am Stadtrand. Die "zur Verfügung stehende deutsche Reiseleitung" ist wahrscheinlich nur dafür da, Ausflüge zu buchen, denn im 4-Tages-Reiseprogramm gibt es immer nur "Gelegenheit, dies und das zu besuchen" und ist nicht im Preis inbegriffen. Will man nichts zubuchen, sondern lieber auf eigene Faust Paris erkunden, steht man vor dem Problem, aus der Pampa ums Hotel - womöglich auch noch ohne öffentlichen Verkehrsanschluss - auf eigene Kosten täglich erstmal in die Stadt rein zu kommen. Das Ganze gleicht also einer Kaffeefahrt, bei der zwar An- und Rückfahrt im Bus sowie drei Übernachtungen in einer billigen Absteige bezahlt sind. Obendrein wird man vermutlich noch mindestens 400 EUR pro Person zusätzlich brauchen. Wenn's reicht, Paris ist teuer. Da kann ich eine Paris-Reise gleich komplett selbst buchen und gestalten, mit einem guten und zentraler gelegenen Hotel. Ich glaube, das mit dem Gewinn ist mir dann doch zu blöd. Schade, dass ich schon überall damit getönt habe.

21. 11. 2013 Homepage

Ein schönes Projekt

Es war einmal ein Mann, der wollte sein Grundstück bebauen. Man sagte ihm, das koste 100 EUR und zahlen müssten es zum Teil andere wie der Steuerzahler zum Beispiel. Das kam ihm zwar komisch vor, aber er ging dennoch darauf ein. Bevor die ganzen Pläne ausgearbeitet waren, gab man dann zu, dass es vielleicht doch ein bisschen teurer werden wird. Aber bestimmt nicht teurer als 200 EUR. Als die ersten Baumaßnahmen begannen, wertvolle Bäume mit dem artengeschützten Wildkrabblersimsborkenkäfer abgeholzt wurden und den ersten Menschen, die dagegen demonstrierten, von der Polizei die Augen raus und die Köpfe ab geschossen wurden, ließ man durchblicken, dass es vermutlich doch 1000 EUR kosten könnte, wenn alles fertig ist. Gutachter sagten zwar, der Preis würde üblicherweise für so ein Projekt bei 1,5 Millionen EUR liegen, aber der Bauherr glaubte seinen beauftragten Fachleuten. Da die Demonstrationen trotz der vielen Toten nicht aufhörten, gab die Stadt, die eine Bebauung sehr begrüßte, eine Volksbefragung in Auftrag, gab den Wählern dabei aber gleich zu bedenken: "Der Bau kostet 1000 EUR, wenn man jetzt abbricht kostet es aber 293784923742379847328974 Fantastrillionen EUR Vertragsstrafe, weshalb ein Weiterbau doch alternativlos ist." Das Wort "Weiterbau" war in diesem Zusammenhang zwar nicht ganz richtig, weil bislang nur abgerissen und nicht gebaut wurde und weil sowohl genaue Baupläne als auch erforderliche Genehmigungen noch gar nicht vorlagen, dennoch glaubte das Wahlvolk der Aussage mit den astronomisch hohen Ausstiegskosten. Und so wurde ganz knapp für einen "Weiterbau" gestimmt. Dem Mann wird jetzt von seinen Baupartnern gesagt, dass der Preis vermutlich doch bei 800.000 EUR liegen wird, Gutachter bleiben aber bei "mindestens 1,5 Millionen". Der Bau soll erst 2021 fertig werden, inzwischen wird aber bekannt, dass der Bau keinerlei Nutzen bringen wird, die Kosten "vielleicht doch über 800.000 EUR" liegen könnten und manche Genehmigungen vielleicht gar nicht ohne Bestechung erteilt werden können. Dennoch fängt man nun mit dem Bau an. Und so in etwa läuft es bei Stuttgart 21.

20. 11. 2013 Homepage

Sonne, HALBmond und Sterne

Weil sich Muslime am Sankt-Martinstag stören könnten, soll dieser abgeschafft werden, die Kinder sollen stattdessen offenbar nur noch "Sonne, Halbmond und Sterne" singen. Wer das gesagt hat, das waren aber nicht etwa die Muslime. Die winken bei so nem Scheiß nur ab. Es war ein Politiker. Nun kommen von solchen Leuten öfter mal dumme Ideen, aber eines hat man doch in den vergangenen Jahren deutlich gemerkt: Mindestens einmal im Jahr gibt es bei jeder Partei einen Sesselfurzer, der eine besonders dicke Sau durchs Dorf treibt. Einmal von sich reden machen. Ob das ein linker Hinterbänkler im NRW-Landtag oder ein dummdreister grüner Dorföko ist. Letzterer hat den Grünen die Wahl versaut, weil er doch ernsthaft einen verpflichtenden "Veggie-Day" in allen Kantinen gefordert hatte. Die Menschen sollen gefälligst Gemüse essen und kein Fleisch. Man macht sich immer beliebt mit solchen Gängelungen, aber das konnte man so kurz vor den Wahlen ja irgendwie auch nicht ahnen.

23. 10. 2013 Homepage

Der "Skandalbischof"

Au Backe, da muss er aber einiges aushalten, der Limburger Bischof Tebartz-van Elst. Nicht nur den komischen Namen, nein, jetzt muss er auch noch Hohn und Spott, gar einen gewaltigen Shit-Storm über sich ergehen lassen. Nur weil er ein bisschen geprunkt und sich ein teures kleines Schlösschen bauen lassen hat. Dabei ist der Prunk in der katholischen Kirche doch über Jahrhunderte gerne mit Scheinheiligkeit und Folter einhergegangen. Die Katholische Kirche und der Prunk, das hat doch Tradition wie Juden und die Deutsche Bahn oder Polen und gestohlene Autos, Türken und BWM, Deutsche Urlauber und mit Handtüchern besetzte Liegen.
Aber ihn dann gleich "Skandalbischof" zu nennen, das ist schon ein bisschen hart. Immerhin weiß durch die ganze Sache jetzt jeder, dass man Bischof nur mit einem "f" hinten schreibt oder dass der Bischöfliche Stuhl nichts mit Exkrementen und auch nichts mit Sitzgelegenheiten zu tun hat. Gut, der neue Papst ist glaubhaft angetreten, diesen Protz abzuschaffen. Aber dass seine Mitarbeiter dann so schnell den Schalter umlegen können, hat er vielleicht selbst nicht erwartet. Letztlich weiß man doch auch gar nicht, was den Bau so verteuert hat. War es der Dark Room für kleine Knaben im Keller? Die integrierte gemischte Sauna? Oder die Tiefgarage für die zehn Ferraris? Mensch, bin ich froh, dass ich evangelisch bin.

14. 9. 2013 Homepage

Never change a winning team

Oh, schön … ich könnte für etwa das gleiche Geld ein Upgrade machen und durch einen Tarifwechsel eine doppelt so schnelle Breitwandverbindung bei KabelBW bekommen. Ich bestelle. Die DHL braucht zunächst wieder Wochen, um so ein popeliges Paket (neues KabelBW-Modem - das alte kann wohl die höheren Bandbreiten nicht mehr) anzuliefern. Einstecken, anklicken, freigeben - fertig, und schon läuft's. So wär's schön. In Wirklichkeit ist es doch aber eigentlich immer so: Einstecken, wundern, ärgern weil nichts funktioniert, Frust schieben … und am Ende die ernüchternde Feststellung, dass man lieber doch nichts ändern hätte sollen, wo doch alles jahrelang so schön geklappt hat.
Jedenfalls funktioniert jetzt nichts mehr: kein Telefon, kein Internet. Vielleicht, weil ich erst aktivieren muss. Ich stecke das alte Modem wieder ein, um dies nachzuholen, probiere dann das neue wieder. Nichts. Ich gebe dem ganzen Scheiß einen Tag Zeit, um doch noch seiner Verpflichtung nachzukommen. Am nächsten Abend geht natürlich immer noch nichts. Ich rufe (übers Smartphone) bei KabelBW an und mir wird eine Telefonnummer gegeben, unter der ich direkt einen Servicepartner in meiner Region ans Rohr bekomme. Ich rufe dort an, muss meine Postleitzahl und meine Kundennummer eintippen und lande beim Service für Nordrhein-Westfalen und Hessen. "Ja, da haben Sie sich wohl vertippt." Ein Blick auf mein Display beweist das Gegenteil, aber ok, ich versuche es nochmal. Natürlich lande ich wieder bei derselben Frau. "Da stimmt was mit Ihrem Computer nicht, ich komme immer wieder bei Ihnen raus. Jetzt wird's mir dann zu bunt." Die Dame legt mich kurz in die Warteschleife und nennt mir dann eine neue Telefonnummer, unter der ich den technischen Service in meiner Gegend eher bekomme. Also schon wieder wo anrufen. Unter der Nummer kommt aber leider nur ein Band, auf dem mir eine weitere Telefonnummer gegeben wird. Mein Hals wird langsam dicker. Immerhin bin ich mit dieser Nummer nun bei einem freundlichen Techniker angekommen. Der sagt, es sei alles in Ordnung, das Modem nur noch nicht aktiviert. Ich sage, ich habe es am Vortag schon über das alte aktiviert. "Ja, das gilt nicht, das müssen Sie mit dem neuen machen." Ich denk mir und sprech's aus: "Ich muss also mit dem Modem ins Internet und es dort freischalten, um es verwenden zu können, komme aber ohne die Aktivierung überhaupt nicht erst ins Internet? Da beißt sich ja die Katze in den Schwanz. Wie soll das denn gehen?" Eine befriedigende Antwort auf diese elementare Frage erhalte ich nicht, wohl aber, dass man es für mich "nun freischalten" würde und es "in zwei Stunden" dann funktionieren wird. Ich schalte zur Entspannung den Fernseher ein und muss feststellen, dass man mir meine seitherigen HD-Sender gesperrt hat, obwohl die klare Absprache war, dass ich diese behalten kann und werde. Funktioniert denn hier überhaupt nichts? Ich muss wohl nicht erwähnen, dass der Anschluss auch einen Tag später noch nicht funktioniert. Ich rufe nochmals an, habe diesmal aber immerhin auf Anhieb die richtige Nummer. Ich habe das Glück, den offensichtlich einzigen fähigen Mitarbeiter an den Hörer zu bekommen, der weiß, was er tut. Marco Hofmann heißt er und erzählt mir, dass der Kollege vom Vortag die Freischaltung wohl vergessen hat oder so. Er holt es nach und in zwei Minuten ist das Ding erledigt ... und Telefon geht jetzt auch. Bei der Gelegenheit erwähne ich auch gleich das HD-Sender-Problem. Er wundert sich darüber, dass das alles in seinem Konzern nicht funktioniert hat, und bringt das in Ordnung. Soweit, so gut.
Einen Tag später fällt wieder das Telefon aus. Ich regle das per Mail, dass die "diesen Scheiß" endlich in den Griff bekommen sollen. Und tatsächlich bewirkt das, dass ich schon bald wieder telefonieren kann. Was leider immer noch nicht geht, ist die Anbindung des Modems an meinen Router. Und so habe ich auch eine Woche später nur eine LAN-Verbindung ins Internet. Das nervt natürlich, zumal ich nicht wirklich so der Netzwerkspezialist bin. Irgendwie gelingt es mir dann mit der Zeit doch, die WLAN-Verbindung herzustellen. Allerdings lassen sich nur wenige Seiten im Internet öffnen. Nachts, kurz vor zehn, ruft mich eine junge, sympathische Frau von Unity Media an, ob denn jetzt alles in Ordnung sei. Ich klage mein Leid. Offensichtlich läge eine generelle Störung mit den Kabelmodems vor, man arbeite daran. Mittlerweile sind anderthalb Wochen vergangen. Ich bekomme heraus, dass sie in sieben Minuten Feierabend hat und wünsche ihr einen schönen solchen.
Irgendwann kann ich dann tatsächlich alle Seiten im Internet aufrufen, die ich will. Nur leider in einer sehr langsamen Geschwindigkeit. Mit maximal 16 statt 50 MBit. Ich arbeite weiter daran, dass dies noch in Ordnung gebracht wird - abwechselnd per Telefon und Mail. Leider tut sich nichts. Ich würde zurückgerufen. Was allerdings nicht passiert. Und wenn, dann zwei Wochen später mit immer derselben Message: "Wir haben eine Störung in Ihrer Gegend behoben." Da lach ich mich ja tot. Mir reicht's und ich setze noch eine einwöchige Frist, den Tarif so einzurichten wie er angeboten wird. Es tut sich während dieser Woche natürlich überhaupt nichts. Langsam komme ich mir aktiv verarscht vor. Ich gebe nun nach vier Wochen endgültig auf und teile mit, dass ich meinen alten Vertrag wieder haben will und ihnen ihren neu gelieferten Scheiß nach ihrer Bestätigung des Rückwechsels samt und sonders wieder zurückschicke, da sie offensichtlich unwillig und inkompetent sind. Ich glaube, ich drücke mich ungewohnt drastisch aus. Dennoch ruft erst zwei Wochen später jemand an, um sich zu entschuldigen. Man hätte noch Probleme, sozusagen "Kinderkrankheiten" mit dem neuen Modem, das man eingeführt hat und hoffe, diese bald beheben zu können. Meinem Tarifwechsel hat niemand entsprochen. Ein allerletzter Versuch mit meinem iMac bringt dann die große Überraschung. Hier funktionieren plötzlich 50 Mbit über WLAN. Nur an meinen PCs nicht. Vielleicht liegt es auch zum Teil an meinen Ethernetkarten, dann hätte ich KabelBW teilweise umsonst beschimpft. Nur, wenn die mir irgendwann die WLAN-Funktion des Modems abschalten (was sie schriftlich gleich am Anfang angekündigt hatten, weil dies eine zusätzliche Gebühr erfordert), weiß ich nicht, ob es auch über meinen Router geht. Es ist also nur eine Schlacht geschlagen, noch nicht der ganze Krieg. Ich behalte aber vorerst den neuen Tarif doch.
Es bleibt jedoch schon jetzt die Erkenntnis, dass der ursprünglich so tolle, frische Konzern KabelBW mit seinem Wachstum und der Fusion mit Unity Media servicemäßig mittlerweile beim Niveau der Telekom angekommen ist. Nur der Preis unterscheidet die beiden noch. Schade.

25. 8. 2013 Homepage

Checkup

Mal wieder jährlichen Checkup machen. Von meiner BKK bekomme ich das ja bezahlt und bekomme noch obendrein einen Bonus dafür. Sitze im Wartezimmer. Gegenüber sitzt ein junger schwarzer Amerikaner in Shirt und Turnschuhen. Er wird aufgerufen, heißt "Martin Schmidt". Ja, genau so hätte ich auch getippt. Bald komme auch ich an die Reihe, werde zur Blutkontrolle gerufen. Ein älterer Herr drängt dazwischen, möchte vorher dran kommen. Ich denke, er hat vermutlich weniger Lebenszeit vor sich als ich, da kann man es schon mal eilig haben. Ich lasse ihn vor. Als ich dran bin, dränge ich aber darauf, dass sie die Blutproben wegen der getauschten Reihenfolge nicht auch noch vertauschen. "Wer weiß, was der alles hat?!", sage ich. Man versichert mir schmunzelnd, dass das schon klar ginge und ich mir keine Sorgen zu machen bräuchte. Blut abgezapft, der Einstich wird verbunden. Ein bisschen übertrieben, vielleicht. Deshalb frage ich noch nach einer Armschlinge. "Das ist nur, damit Sie hier nicht blutend aus der Praxis laufen und draußen die ganze Straße lang eine Blutspur hinterlassen. Das ist nicht gut für's Image. Gerade ist Urlaubszeit und die von der Zeitung wissen nicht, was sie schreiben sollen. Sehr gefährlich." OK, ist in Ordnung. Mache das Ding im Auto wieder ab. War gut eingestochen - kein Hämatom, keine Schmerzen, keine weiteren Blutungen.
Der nächste auf der Liste ist der Zahnarzt. Toll, meine Lieblingsbeschäftigung. Kontrolle und professionelle Zahnreinigung. Letztere wird mich wieder über hundert Euro kosten. Werde geplagt. Verliere unter großen Schmerzen rund fünf Liter Blut übers Zahnfleisch und muss mir währenddessen wehrlos die Geschichte anhören, wie die "Zahnreinigerin" ihr Auto geschrottet hat. Eigentlich würde ich jetzt gerne demonstrativ gähnen, aber das geht ja nicht. Nach einer Stunde hat der Schrecken endlich ein Ende. Jetzt nochmal zum Hausarzt, Blutergebnis besprechen. Alles in Ordnung, habe wohl noch ein paar gute Jahre. Mit 41 nicht mehr selbstverständlich. Jetzt muss es aber auch gut sein für dieses Jahr mit Arztbesuchen. Vielleicht noch Augenarzt, wenn ich viel Lust habe. Mal SEHEN. Erstmal aber nicht.

23. 7. 2013 Homepage

Wie im Fluge

Endlich ist es soweit. Ich bekam zu Weihnachten einen Flug im Simulator einer Flugschule geschenkt. Die letzten Termine hatten die immer kurz vorher noch umgeworfen, aber diesmal scheint es tatsächlich zu klappen. Ich sitze im Auto und fahre hin. Zum Glück habe ich mich vorher mit der Fahrstrecke auseinandergesetzt, denn mein TomTom möchte mich wieder sonstwohin schicken. Offensichtlich weiß es wieder mal nicht, wo es ist. Dann kann das mit der Routenführung natürlich auch nicht klappen. Mir fällt wieder auf, wie einfallslos die Deutschen geworden sind, denn ich sehe nur silbergraue, schwarze oder weiße Autos, wo ich auch hinschaue. Gut, was beschwere ich mich? Ich hab selbst auch ein silbernes.
Angekommen, Auto geparkt. Ich betrete das Gebäude und bemerke einen unangenehmen, Schauer verursachenden Geruch. Schnell erinnert er mich an eine Zahnarztpraxis. Tatsächlich, ein Zahnarzt befindet sich ebenfalls in dem Haus. Ich stelle mich an der Anmeldung der Flugschule im oberen Stock vor. Die sind noch nicht so weit, ich muss noch warten. Dies tu ich bei dem schönen Wetter auf deren Dachterrasse. Mit viertelstündiger Verspätung kommt dann tatsächlich einer, zeigt mir kurz die Räume der Flugschule und bugsiert mich auch schon in den Simulator. Die nächste Stunde werde ich also zum ersten Mal in meinem Leben fliegen. Und zwar nicht wie seither nur über meine eigenen Füße, vom Fahrrad oder die Treppen herunter, sondern so richtig mit einem Flugzeug. Wenn auch nur simuliert. Ahnung habe ich null. Wir müssen bei Adam und Eva anfangen, und so bekomme ich erst einmal einen Physikvortrag, wie das ist mit der Thermik und warum ein Flugzeug überhaupt fliegt. Dann werden mir die wichtigsten Instrumente erklärt. Das sind so sechs, sieben Stück von geschätzten 2398902479. Nicht alle Instrumente kennen zu müssen, erleichtert die Sache schonmal ungemein. Obwohl ich das Meiste gleich auf anhieb begreife, dauert die ganze Einweisung gut eine halbe Stunde und damit die Hälfte der gesamt verfügbaren Zeit. Dann geht es endlich los. Von Zürich nach Friedrichshafen, Landung und Start und wieder zurück. Fliegen ist eigentlich nicht so schwierig. Man muss halt aufpassen, dass man nicht allzu sehr vom Kurs abkommt. Und dass man die Flughöhe einhält, sonst wird's in der Realität angeblich teuer. Der Start ist auch easy. Nur das Landen ist schwierig. Ich muss auf Leitlichter des Flughafens achten, die mir zeigen, ob mein Anflugwinkel auch gut ist oder ich erwarten darf, irgendwo um das Gelände herum zu zerschellen. Gleichzeitig muss ich auf Höhe, Geschwindigkeit, horizontale Lage und vieles Andere achten. Ich gebe zu verstehen, dass ich normalerweise jetzt schreiend davon laufen würde und bekomme erzählt, dass in Wirklichkeit alles noch viel stressiger ist, weil man da auch noch zusätzlich per Funk blöd vom Fluglotsen im Tower angequatscht wird. Na super, das wär schonmal nix für mich. So stressresistent bin ich dann auch wieder nicht. Ich komme heil runter, benötige aber auch die Schrebergärten links und rechts der Landebahn. Immerhin geht nichts kaputt, Simulator meldet: alles heil. Eine Stunde ist um, Pilot verabschiedet mich. Ich verabschiede mich auch, sage "Ski heil" und erfahre, dass das bei Piloten "happy landings" heißt.
Noch eine Erfahrung reicher mache ich mich auf den Heimweg. Im Radio und der restlichen Medienlandschaft wartet man immer noch auf das royale Baby von Prinz William und Kate. Manche haben schon Angst, der Palast gibt die Geburt erst mit dem zehnten Geburtstag des Kindes bekannt. Nein, so eine Geburt dauert halt nunmal. Aber der ganze Hype - als hätte noch niemals jemand zuvor ein Kind zur Welt gebracht. Wie wird das Kind wohl heißen? Thorben? Chantalle? Ach, mir ist das doch egal. Ich weiß jetzt jedenfalls: Falls der Pilot mal eine Fischvergiftung bekommt, kann ich so ein Flugzeug eventuell fliegen. Nur landen wird blöd.

19. 5. 2013 Homepage

Oh wie spannend

Wer wohl dieses Jahr wieder deutscher Fußballmeister wird? Ach, ist das spannend. Als ob das nicht Monate vorher schon feststünde. Fans vom FC Bayern München erzählen ja immer noch gerne das Märchen von der "ausgeglichensten Liga der Welt, in der jeder jeden schlagen kann". Das gilt vielleicht für Platz 2 abwärts. Wenn in zehn Jahren Bayern acht Mal Meister wird (bzw. in fünfzig Jahren 23 Mal), möchte ich nicht unbedingt von einer "ausgeglichenen" Liga sprechen. Nirgendwo in den anderen Spitzenligen hat der Meister 25 Punkte Vorsprung. Und viele Länder haben immerhin mehr als nur zwei Übermannschaften in der Liga, wenigstens eine Hand voll. Also war es wieder gähnend lanweilig und lange vorhersehbar. So wie beim Eurovision Song Contest. Auch da kristallisiert sich langsam heraus, dass der Gewinner immer schon vorher feststeht, ein Song medial so gepusht wird, dass alle Lemminge sagen: "Kuck mal, wenn das alle sagen, der wird gewinnen, dann ist da wohl was dran. Den wähl ich auch." Hinzu kommt die ewige Punkte-Zuschusterei von Nachbarländern. Dänemark hat dieses Jahr auch deshalb gewonnen, weil die Skandinavier alle zusammengehalten hatten und die meisten Staaten des Ex-Jugoslawien-"Kartells" gar nicht erst qualifiziert waren. Und natürlich, weil die Konkurrenz dieses Jahr besonders öde war. Das Lied ist nicht ganz scheiße, deshalb sei es ihnen gegönnt. Was Deutschland betrifft, da hat es sich wohl leider noch nicht herumgesprochen, dass in der Geschichte dieses Wettbewerbs noch nie ein Beitrag gewonnen hat, der den Vorjahressieger 1:1 kopierte. Platz 21 muss deshalb keinen wundern.

20. 3. 2013 Homepage

Ägypten

Eigentlich wollten wir in die Karibik. Dafür ist jetzt die beste Zeit. Ende Februar, Anfang März. Aus Termin-/Kosten- und Visagründen Einzelner gab es dann allerdings doch noch Diskussionen um ein anderes Ziel. Letztlich blieb Ägypten übrig. Ägypten! Hmm ... Karibik oder Ägypten, Karibik oder Ägypten. Oh, welch schwierige Entscheidung, eigentlich. Naja, wenn's denn sein muss. Es wird hoffentlich kein solcher Reinfall wie Tunesien werden.
Also in den Flieger und los. Der Flug dauert viereinhalb Stunden, und ich denke: "Mensch, in die Karibik würde das nochmal bedeutend länger dauern. Auch blöd." Morgens in Stuttgart bei Schneefall und 0 °C in den Flieger gestiegen, mittags in Hurghada bei 30 °C angekommen. Schön, wenn das der Kreislauf mitmacht. Wir werden sofort bestürmt, wir müssten jetzt sofort ein Visum kaufen für 18 EUR das Stück. Wir tun das, erfahren aber später, dass es dieses woanders auch billiger gegeben hätte. Die Kontrollen werden wie fast überall auf der Welt von nörgeligen, dauermiesgelaunten Grummelfritzen durchgeführt. Und das auch noch ganz gründlich. Es vergeht einige Zeit, bis wir das Flughafengebäude verlassen und unserem Reiseleiter in die Arme laufen. Er kennt natürlich die Gegend, aus der wir in Deutschland kommen, ganz genau. Aber natürlich bemerkt er unsere falsche geografische Angabe nicht. Kennt sich halt doch nicht wirklich aus, der Schwätzer. Ich schaue auf mein Smartphone. Es meldet mir, dass mein Anbieter in Ägypten wohl "Etisalat" ist. Da bin ich ja beruhigt, dass der nicht "Kartoffelsalat" heißt, sonst käme ich mir verarscht vor.
Nach einer gefühlten Ewigkeit sitzen wir im Transfer-Bus. Und etwas mehr als eine Stunde später sind wir tatsächlich am Hotel. Sieht etwas unscheinbar aus. Wir checken ein. Da meine Freundin das Ankunftsformular ausfüllt, fällt diesmal meine Berufsbezeichnung "Ghost Hunter" leider weg. Wir werden samt Koffern zu unserem Zimmer gebracht. Es ist in einem Bungalow mit drei anderen Zimmern, räumlich voneinander getrennt, untergebracht. Es liegt direkt am Strand, super. Es liegt direkt am Fußweg zum Speisesaal, scheiße. Das heißt, wen um 4:45 Uhr der Muezzin in der Nähe noch nicht geweckt hat, der wird spätestens um 7 Uhr wach, wenn Horden von Rentnern laut palavernd zum Frühstück eilen.
Wir checken die Gegend und bemerken die Weitläufigkeit der Hotelanlage, in der man sich die nächsten Tage bestimmt auch einmal verirrt. Die Bungalows sehen schließlich alle gleich aus. Tarek stellt sich uns vor. Er ist für unser Zimmer zuständig und ständiger Ansprechpartner. Sieh mal an, eine richtig gute Idee. Wenn er wenig oder kein Trinkgeld liegen gelassen bekommen hat, lauert er uns mehrmals am Tag auf, um jedesmal zu fragen, ob auch alles in Ordnung sei und wir zufrieden mit ihm sind. Ich sorge dafür, dass ich schnell ägyptisches Geld habe und ihm jeden Morgen etwas liegen lassen kann. Nicht nur, damit die Fragerei aufhört, sondern auch weil er seinen Job wirklich gut macht und sehr freundlich ist.
Wir treffen zwei Freunde, die einen Tag früher angekommen waren. Sie weisen uns in alles ein, wir sind im Bilde. Am Strand laufen wir dem "Camel Man" über den Weg. Er will unbedingt, dass wir sein Kamel reiten. Wir weigern uns, sofort einen Termin zu machen und erklären ihm mehrmals, dass wir auf ihn zurückkommen werden.
Das Essen ist gut und reichlich. Meine Freunde nutzen jede Mahlzeit und häufen sich dabei jedesmal die Teller mit den kleinen, liebevoll verzierten Nachtischen auf, die es in Hotels immer so gibt. Ich mache davon nur teilweise Gebrauch, werde deshalb später sogar mit einem Kilo Körpergewicht weniger auf der Waage zurückkommen. Freundin nervt.
Hier in Ägypten regnet es nie. Genau das Gegenteil von Deutschland. Ich genieße das Wetter. Dafür ist auch kaum Vegetation vorhanden. Wir relaxen zunächst am Strand und beschließen dann, uns für einen Ausflug nach Luxor anzumelden. Dafür bekommen wir eine Hurghada-Stadtrundfahrt umsonst. Diese machen wir einen Tag früher.
Wir sitzen im Bus. Es sind noch einige andere Personen von anderen Hotels dabei. Eine sieht aus wie Scarlett Johansson, aber sie ist es leider nicht. Die Fahrt ist holprig, wie das auf Ägyptens Straßen so ist. Und lang. Endlos lang. So lange war der Transfer vom Flughafen Hurghada doch gar nicht. Um die Langeweile etwas zu bekämpfen, spielen wir "Ich sehe was, was du nicht siehst". Die Antwort ist jedesmal "Sand". Manchmal auch "Geröll" oder "Steine". Mehr ist auch nicht zu sehen. Sobald wir in Hurghada sind, entpuppt sich die "Stadtrundfahrt" leider als pure Kaffefahrt. Wir besuchen eine Moschee, in der wir uns natürlich völlig daneben benehmen. Ich denke, ich habe nun Hausverbot in sämtlichen Moscheen auf der ganzen Welt. Danach werden wir zu einer Parfümerie gekarrt, wo wir "wertvolle Essenzen" testen und später kaufen sollen. Die nächste Station ist ein völlig überteuerter Souvenirshop. Auch hier soll man etwas einkaufen. Das mache ich auch, aber ich behaupte an der Kasse, ich hätte nicht mehr Geld dabei und bekomme meins deshalb billiger. Als letztes bekommen wir noch in einer ausgewählten Bar ein Freigetränk und dürfen dann noch ein paar Minuten selbstständig in Hurghada herumlaufen. Dabei begegnen wir der einzigen Frau, die in Ägypten zu arbeiten scheint. Nie zuvor, schon gar nicht im Hotel, haben wir eine Frau gesehen. Sie ist klein und drollig, spricht gut deutsch, lässt sich mit uns fotografieren und schenkt uns allen Ketten aus ihrem Shop. Endlich geht es zurück, es ist schon dunkel. Wir hoffen, noch rechtzeitig vor neun im Hotel zu sein, damit wir noch etwas zu essen bekommen. Natürlich klappt das nicht ganz, weil die Rückfahrt, wie schon die Hinfahrt, endlos lange dauert. So treffen wir ein paar Minuten zu spät ein, das Buffet ist schon abgeräumt. Man serviert uns aber noch ein zusammengestelltes Mehrgänge-Menü und wartet, bis wir fertig sind. Wow! Das habe ich jetzt auch noch nie erlebt.
Am nächsten Tag soll der Ausflug nach Luxor stattfinden. Wir müssen ultrafrüh aufstehen, noch bevor das Frühstück eröffnet ist, bekommen dafür Lunchpacks für unterwegs zusammengestellt. Um sechs gehts los. Wieder eine endlose Busfahrt. Immerhin sind wir diesmal eine kleine, geschlossene Gruppe. Nur wir vier aus dem Hotel. Freundin nervt. Unser Reiseführer für den Luxor-Trip spricht wie der Schulpsychologe Mr. Mackey aus "South Park" und fügt den meisten seiner Sätze ein "mmmkay?" hinzu. Hätte nicht gedacht, dass es tatsächlich solche Menschen gibt. Die Händler hier sind scheiße. Noch nicht ausgestiegen, ist bereits der Bus umringt mit penetranten Einheimischen, die sich einem in den Weg stellen und einem ihre Ware ins Gesicht drücken. Ein "nein, danke" akzeptieren sie selbst in ihrer Landessprache nicht. Man läuft im Slalom um sie herum oder drückt sie beiseite, wo nötig. Sie rufen einem schlimme Flüche nach. Zumindest klingt das so. Im Arabischen klingt ja alles wie eine Todesdrohung - selbst Liebeserklärungen. Das ist eben die Sprache. Und falls es doch ein Fluch war, drohen eben wieder sieben Jahre miserabler Sex. Das hatte ich ja schon die letzten 21 Jahre, nachdem ich damals 23984902374897 Kettenmails nicht weitergeleitet habe und deswegen schonmal von einem unheilvollen Bann getroffen wurde. Wir sehen alte Tempelruinen. Mir fallen spontan einige frühere Klassenkameradinnen ein und wie sie heute aussehen. Wir besuchen das "Tal der Könige" und betreten einige in den Berg gehauene Gräber von verschiedenen "Ramses' des Soundsovielten". Ein Einheimischer mit Taschenlampe zeigt uns darin in Sekundenschnelle einige Bilder an der Wand: "Das ist das, das zeigt jenes, Bakschisch bitte!" Was für ein lustiger Kerl! Zeigt uns zwei, drei Dinge, die wir selber sehen können, und will Geld. Wir geben ihm einen wohlwollenden Euro - wollen ja nicht so sein - und werden angefeindet, das sei zuwenig. Ich hätte ihm deshalb gerne noch ein paar Hepatitis-Viren geschenkt, hatte aber gerade keine dabei. Eine kurze Nilfahrt mit dem Schiff und ein Frei-Essen in einem ausgewählten Restaurant, bei dem wir die Getränke selbst bezahlen müssen, rundet den Luxor-Trip ab. Wir fahren schließlich müde zurück, kommen diesmal aber noch rechtzeitig zum Abendessen an.
Tags darauf laufen wir am Strand wieder dem Kamelmann über den Weg und lassen uns diesmal auf einen Termin ein. Noch am selben Tag machen wir den anderthalbstündigen "Kamelritt in den Sonnenuntergang". Ich muss hinter der Freundin sitzen. Der Ritt ist schon nach etwas mehr als einer Stunde und vor Sonnenuntergang beendet, und beim Absteigen merke ich, dass mein Kreuz völlig im Arsch ist. Und ich fürchte außerdem, ich werde nie mehr wieder meine Beine zusammenbringen.
Unsere Abende verbringen wir meist - die Animation im Hotel, wenn sie nicht ganz ausfällt, ist ja recht dürftig, die Stimmung blöd, wenn halt kaum eine Sau da ist - bei den örtlichen Händlern. Meist bei den gleichen, die uns dafür geradezu liebgewinnen. Wir kaufen auch allen Scheiß. Und sonst haben sie kaum Kunden zu dieser Jahreszeit. Ich glaube, sie mögen uns ganz ehrlich. Wir denken, gut gehandelt zu haben, weil wir oft über zwei Drittel weniger bezahlen. Wir perfektionieren den Handel so sehr, dass wir bald Dinge, die wir im einen Laden gekauft haben, im anderen wieder verchecken.
Freundin nervt. Will unbedingt mit Delphinen schwimmen und in Korallenriffen schnorcheln. Das verspricht ein Ausflug mit dem "U-" oder "Glas Bottom Boat" inklusive gestellter Schnorchelausrüstung. Ich lasse mich dazu überreden, diesen Ausflug zu buchen. Er nennt sich "Dolphin House" und findet gleich am nächsten Tag statt. Wir werden wieder nach Hurghada gekarrt und steigen dort auf ein Schiff. Glasboden- oder gar U-Boot? Fehlanzeige. Der Wind ist kalt und stark, die Wellen hoch, der Seegang heftig. Freundin will doch nicht schnorcheln, Delphine sind weit und breit nicht zu sehen. Ich beginne zu erkennen: ",Dolphin House' ist eine Schwindelbude!" Sollte wohl eher "Gelegentliche Schnorchelgänge in ausgesuchten Korallenriffen, meist ohne Delphine" heißen. Aber da würde dann vielleicht keiner mitmachen. Freundin ist seekrank und hofft, dass dieser teure Irrtum an Ausflug bald vorbei ist. Ich bin nicht seekrank, hoffe das aber auch. Ich ärgere mich darüber, dass ich mich nicht durchgesetzt habe, diesen Ausflug nicht mitzumachen.
Es folgt wieder einer der seltenen ausflugfreien Strand-Tage. Die Hotelfriseurin geht am Strand entlang und will mich davon überzeugen, dass mir Rastazöpfe gut stehen würden. Nun braucht man dafür aber Haare, und das ist mein Problem. Mein äußerst lichter Haarschopf gibt das nicht her, deshalb halte ich sie für einen Scherzkeks, die Barbra. Auch lustig: Der "Hotel barber" heißt Barbra.
Unsere Bungalow-Nachbarn, ein Surfer-Pärchen aus Hessen, müssen abreisen, wollen "ein bisschen Sonne mit nach Deutschland" nehmen. Das gelingt ihnen auch, denn bei uns fehlt sie plötzlich ein bisschen. Kumpel und seine Freundin müssen ebenfalls abreisen. Auch sie nehmen ein Stück vom guten Wetter mit. Das seither so beständige schöne Wetter weicht einem bewölkten und windigen "Nur Mutige gehen noch ins kalte Wasser"-Wetter. Das macht die eigene Rückkehr, die nun ansteht, vielleicht etwas leichter. Unsere Händler machen uns mangels Kundschaft eine spontane Abschiedsparty mit Musik und Tanz. Zumindest dann, wenn wir selbst tanzen. Es ist spät, als wir ins Hotel zurückkehren.
Letzter Tag. Aufstehen, noch zwei Stunden am Strand abhängen - auch wenns nicht mehr ganz so warm ist -, Zimmer räumen, auschecken, mittagessen, auf den Transferbus warten. Diese letzten Urlaubstage sind doch irgendwie fürn Arsch. Der Hotelchef verabschiedet uns persönlich mit Handschlag und bittet uns, doch gerne wiederzukommen. Wir dürften uns dann auch das Zimmer selbst aussuchen, wenn wir uns ein paar Wochen vorher melden. In den Souvenir-Shops am Flughafen merken wir, dass wir - obwohl vermeintlich stets gut verhandelt - den ganzen gekaufen Schrott auch billiger hätten haben können.
Im Flugzeug darf ich wählen zwischen "Gemüse-Lasagne" und "Hühnchen". Ich wähle die Lasagne und bekomme eine Alu-Schachtel in die Hand gedrückt. Ich öffne sie und frage mich, ob das nicht doch Hühnchen ist. Meinen Zweifel gebe ich an die austeilende Flugbegleiterin weiter. Sie sagt: "Nein, das ist schon die Lasagne - die sieht leider so aus." Die Lasagne meiner Freundin sieht aber anders aus. Mehr nach Lasagne. Aber egal, ich mach da nicht rum. Schmecken tut die Pampe letztlich eh immer gleich furchtbar. Wir landen in Stuttgart. Es regnet und ist kalt. Ich weiß wieder, warum ich dieses Land so gerne verlasse. Ein seltsamer Urlaub geht zu Ende. Diesmal weder Fußballplatz noch Disko genutzt, kaum andere Gäste da, Freundin ein Dauernerver, verzweifelte aber total nette Einheimische. Wetter war meist super. Ägypten hat mich positiv überrascht.

5. 2. 2013 Homepage

"Let's getty to Rambo"

Was letztes Jahr Brigitte Nielsens "Was geht los da rein?" gewesen ist, war nun Joey Heindles "Let's getty to Rambo". Man könnte meinen, das Dschungelcamp gewinnt, wer das dümmste Geschwätz hat. Während bei Brigitte Nielsen definitiv ein Sprachproblem für diesen Spruch verantwortlich war (man kann es ihr deshalb nicht verdenken), kann man bei Joey Heindle nur sagen, dass er eben nicht gerade ein Akademiker ist. Wie war das jetzt? Joey Heindle hat die 2013er-Ausgabe von "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" gewonnen? Wer ist das? Vielleicht sollte man die Show mangels wirklicher Stars irgendwann einmal umbenennen. Der einzige wirkliche Star war doch wohl Helmut Berger. Der musste/durfte aber schon nach kurzer Zeit wieder gehen, weil es dort im Dschungel ja angeblich 125 °C heiß und ganz arg gefährlich für die Gesundheit war. Vertrag erfüllt, Werbung geglückt. Gratulation RTL. Ob überhaupt mehr geplant war? Der Rest von diesem unbekannten Lagerfeuer-Haufen rühmte sich ja eher als "Tochter von ...", "Mutter von ...", "Schwester von ..." oder "Schwippschwager von ...". Darüber hinaus lohnt es sich wohl, irgendwann in den letzten zehn Jahren in Formaten wie DSDS oder dem Bachelor einmal Siebenundfünfzigster geworden zu sein. Wer kennt denn schon Joey Heindle, Patrick Nuo, Silva Gonzales, Fiona Erdmann, Georgina Schießmichtot, Allegra "mein Vater, mein Vater" Curtis, Claudelle Deckert oder Iris Klein? Wäre letztere wie ihre Tochter unter dem Namen Katzenberger gelaufen, man hätte sie wenigstens als "Katzes Mutter" einordnen können. Gut, "Dagobert" Arno Funke, der hellste Kopf im Ensemble, hatte sich wenigstens in der Vergangenheit bundesweit einen Ruf erworben. Er war wohl als Quotenkrimineller besetzt. Den Quotenschwulen/die Quotentranse - von Olivia Jones farbenfroh ausgefüllt - kennt man immerhin, wenn man sich für Travestie interessiert. Und wer Klaus Baumgart vom Schlagerduo "Klaus und Klaus" nicht kennt, dem kann man das auch nicht verübeln.
Immerhin wurde viel gezickt und gelästert, was die Staffel dann schon wieder interessant gemacht hat. Auch der Dirk-Bach-Ersatz Daniel Hartwich war nicht so schlimm wie befürchtet - blieben doch die Autoren, die im Hintergrund die gesamte Moderation schreiben, die gleichen. So fiel lediglich auf, dass die genialen Witze und Wortspiele halt in Wirklichkeit nicht spontan sind. Dirk Bach hätte man das noch abgenommen. Man hat den kleinen Dicken einfach vermisst.
Also, Hand aufs Herz: Wie heißt das Format ab dem nächsten Jahr? "Unbekannt im Dschungelcamp"?, "Prominent gibts woanders"?, "Ich bin ein Niemand, lasst mich hier drin!"? Und über die zwei erlaubten "Luxusartikel" pro Person sollte man auch nochmal nachdenken. Könnte man doch meinen, die Teilnehmer würden dschungeltaugliche Dinge wie Feuerzeug oder Buschmesser mitnehmen - oder wenigstens irgendwelche Hygieneartikel -, sind es letztlich doch meist Schminkzeug und Nagellack. Nagellack!!! Im Dschungel!!! Wer auf solch eine Idee kommt, gehört eigentlich im Aalschleim ertränkt.

5. 1. 2013 Homepage

Das Ende

Das Ende der Welt haben sie uns versprochen. Wieder einmal. Nichts Geringeres als das komplette Ende von allem und überhaupt. Und das nur, weil irgend so ein Maya vor Jahrhunderten irgendwann keinen Bock mehr hatte, Kalender zu entwerfen für Zeiten, in denen sein Volk selbst eh längst ausgestorben sein wird. "Oh, es gibt keinen Maya-Kalender mehr! Jetzt ist alles aus!" Welch Hysterie. Dafür gibt es aber bestimmt einen Biene-Maja-Kalender für 2013, das ist doch auch etwas. Scheiße dran sind natürlich jetzt all die, die im Glauben an das sichere Ende noch schnell ihr ganzes Hab und Gut verschenkt oder verprasst haben, die ihrem Chef auf den Tisch geschissen oder ihrem Umfeld sensibelste Geheimnisse ausgeplaudert haben, die sie nicht mit ins Grab - ach, was sag ich - ins Nichts, ins Nirvana, in die völlige Pulverisierung mitnehmen wollten. Tausende sind auf Berge gekraxelt und wollten von Ufos abgeholt werden. Wo doch schon viele Busse und Bahnen Verspätung haben - aber Ufos, die Milliarden von Lichtjahren unterwegs waren, sollen auf den Tag genau pünktlich sein? Stehen die Leute jetzt eigentlich noch da und warten oder haben sie, peinlich berührt, endlich wieder den Heimweg angetreten? Zum Milleniumswechsel war schon nichts passiert. Auch nicht zur Sonnenfinsternis. Wer jedesmal dabei war und das Ende allen Seins angekündigt hatte, dem glaubt man doch jetzt wohl nichts mehr?! Komisch bleibt natürlich, warum der Kalendermacher-Maya seinen Kalender im Dezember schon vorzeitig abgebrochen und diesen Monat nicht noch fertiggemacht hat. Vielleicht ein bewusster Affront gegen seinen Chef? Eine frühe Form von Auflehnung oder aber Burn-out? Ich frage mich manchmal, ob es auch solch eine Hysterie geben wird, wenn der Pirelli-Kalender einmal nicht mehr aufgelegt wird.

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