14. 10. 2014 Homepage

Ibiza

Endlich wieder Urlaub. Ich sitze mit meiner Begleitung im Flieger. Die verrückten Bubis und Mädels von Air Berlin treiben wieder ihren Schabernack. Hatte am Vortag über das Internet eingecheckt und mir einen Fensterplatz ziemlich weit vorne herausgesucht. Musste dann morgens mein Gepäck nur noch am Drop-off-Schalter aufgeben. Keine Wartezeit. Wenn man den ersten Flug um 6 Uhr hat, ist es schon ein Unterschied, ob man zwei Stunden oder ne halbe Stunde vorher da sein muss. Dann wird plötzlich umgesetzt. Weil zwei Kleinkinder generell nicht in derselben Sitzreihe sitzen dürfen, muss eines zu uns nach vorne. Ich stecke schnell meine Kopfhörer ins Ohr und mach meine eigene Musik, um das "Wäääääh!" zu übertönen. Extra dafür habe ich den mp3-Player ja gekauft.
Landung auf Ibiza. Hier war ich noch nie. Nur immer in der mallorquinischen Nachbarschaft. Ist hier aber ganz ähnlich, nur mehr "kanarenmäßig" felsig. Transfer klappt. Beim dritten Versuch haben wir im Hotel dann auch endlich unser Zimmer. Zwar nicht wie gebucht ein Apartement, aber ein Zimmer im Hotel, was sich noch als besser erweisen wird. Sogar mit seitlichem Meerblick. Dafür zahlen andere extra Geld.
Schönes Hotel, sehr nette und hilfsbereite Mitarbeiter, leckeres Essen. Eigentlich stimmt alles und könnte so perfekt sein. Hmm … wenn nur das Wetter mitmachen würde. 7 Tage Badeurlaub, davon 2 komplett verregnet und 3 weitere zu großen Teilen - das ist, was ich eine urlaubstechnische Katastrophe nennen möchte. Ich habe viel Zeit, andere zu beobachten und merke, dass ich so ziemlich der einzige im Hotel bin, der kein Tattoo hat. Selbst meine Begleiterin hat zwei. Komme mir ein wenig schäbig vor. Kein Engländer, kein Tattoo, nicht behindert - damit bin ich der totale Exot. Und als mir noch ein Knoten am Auge wächst, werde ich auch als solcher angesehen. Zumindest kommt es mir so vor.
Ja, das ist dumm gelaufen. Habe Sand ins Auge bekommen. Auge ist knallrot und tut weh. Nach schmerzhafter Nacht beschließe ich, am nächsten Tag den örtlichen Arzt "Jerusalem-Doctor" aufzusuchen. Man "spricht" ja schließlich "deutsch". Von wegen. Die Vorzimmerdame spricht nur englisch als käme sie von dort. Ich glaube, sie tut es auch. Und der Arzt? Keine Ahnung, wo der herkommt. Aus Jerusalem? Sein Spanisch und Englisch ist jedenfalls holprig und sein Deutsch sehr rudimentär. Bekomme Spritze in den Arsch - keine Ahnung, was und wieso. Aber "is necessary". Okay. Bekomme Tabletten zum Schlucken und Tropfen für die Augen mit. Was? Weiß ich auch nicht, kann er mir auch nicht erklären. Und so gut ist mein Spanisch nicht, dass ich die medizinischen Fachausdrücke in einem Beipackzettel richtig deuten könnte. Der ganze Scheiß kostet mich 200 Euro, die ich zu Hause hoffentlich von meiner Krankenkasse zurückerstattet bekomme. Am darauffolgenden Tag soll ich nochmal zur kostenlosen "Follow-up"-Nachuntersuchung wiederkommen. Bin pünktlich, der Doktor nicht. Die Vorzimmerdame erzählt mir derweil, dass das miserable Wetter ungewöhnlich wäre, dennoch wird mir Ibiza für ewig als Regeninsel im Gedächtnis bleiben, zu der ich vielleicht niemals zurückkehren werde. Der Arzt kommt. "Na? Jucken? Jucken?" - "Nix jucken", sag ich, "hurting when blinking". "Aber besser", meint er, "ich heil gemacht in 24 Stunden". Weiß ich jetzt auch nicht, wovon er da spricht. Ich merke jedenfalls keine Besserung. Im Gegenteil, jetzt wächst noch der angesprochene Knoten unterm Auge hervor. Ein "Gerstenkorn" oder wie man das nennt. Es wird erst in der Heimat behandelt werden. Wäre ja auch mal was Neues, wenn ich gesund aus dem Urlaub käme.
Sitzen beim Abendessen. Am Nebentisch ein junges Pärchen, das sich mit starkem österreichischem Akzent unterhält. Beide türmen sich je drei Teller mit Essen voll und stellen noch sechs Gläser mit Getränken auf ihren Tisch. Ich mache meiner Begleiterin gegenüber eine nicht ganz leise Bemerkung, in welcher ich die Österreicher als "Russen der EU" bezeichne. Ich glaube, sie haben das gehört. Fortan kucken sie uns ziemlich grimmig an.
Gehen auf gefühlte 209384092834098 Hippy-Märkte, die auf der Insel wohl sehr beliebt sind. Lassen uns verkleidet als Hippies fotografieren. Trinken Alkohol. Besteigen einen Zug. Keinen richtigen - einen, der auf der Straße fährt und seine Passagiere in einer kleinen Rundfahrt die Insel erkunden lässt. Es pisst in Strömen, sodass es sogar in die angehängten Wägen hineinregnet. Auch jeder Ausstieg wird zur nassen Angelegenheit. Für die Sitze gibt es Tücher zum Trockenwischen, für die Klamotten werden Regenponchos verteilt. Die werden dann auch zur lohnenswertesten Investition dieses Urlaubs. Ein Schirm bringt nicht viel, wenn das Wasser von allen Seiten kommt.
Zurück im Zimmer. Vor unserem Balkon ist ein Vordach, auf dem man theoretisch spazieren gehen könnte. Da liegen verschiedene Gegenstände vor uns. Zuerst ein Handtuch, dann ein Schminkstift, zuletzt ein Etui mit irgendwas drin. Irgendjemand über uns macht da wohl regelmäßig eine Sause und schmeißt sein Zeugs zum Fenster (oder Balkon) raus. Wir hinterlassen der Reinemachefrau (eine liebe Portugiesin namens Nara) eine Nachricht da, dass uns das ganze Zeug nicht gehört. Falls jemand danach fragt. Das passiert aber wohl nicht, es liegt sehr bald wieder der ganze Scheiß bei uns. Entweder ist ein Gast da oben unheimlich schusselig oder einfach nur blöd.
Schade, hätte alles so schön sein können. Das nächste Mal muss man wohl wieder weit aus Europa heraus reisen, wenn man schönes Wetter haben möchte.

4. 8. 2014 Homepage

Prophylaxe oder Sado-Maso?

Lange habe ich den Termin vor mir hergeschoben. Schon allein verzögert, den Termin überhaupt zu machen. Aber mindestens einmal im Jahr muss es ja doch sein. Gut, wenn ich da anrufe, habe ich bestimmt noch ein Vierteljahr Karenzzeit, bevor ich den Termin bekomme. Irgendwann überwinde ich mich doch und rufe in der Zahnarztpraxis an, um mich für die professionelle Zahnreinigung und eine allgemeine Kontrolle anzumelden. Ich sage gleich scherzhaft dazu, dass es auch in fünf Jahren noch reicht. Stattdessen muss ich aber schon in wenigen Wochen anrücken.
Die Zeit vergeht rasend schnell, bis der Tag da ist, und ich raffe mich schließlich auf. Natürlich habe ich die Nacht vorher kaum geschlafen. In der Praxis (in die ich nun schon seit Jahrzehnten komme) scheint man mich zu verwechseln (vielleicht komme ich doch nicht oft genug). Ich muss nochmals darauf hinweisen, dass ich ich bin und nicht nur zur Kontrolle sondern eben auch zur Reinigung komme, was ja auch der Grund für meine Angst ist. Schließlich liegen bei mir ja sämtliche Zahnhälse frei und man kratzt den Zahnstein quasi direkt vom Nerv herunter. Das ist schmerzhaft und blutig, und man fragt sich, ob das noch Prophylaxe ist oder schon in einen SM-Club gehört. Ich warne am Empfang schon mal vor, dass - wenn es arg weh tut - ich jederzeit bereit bin, die ganze Praxis zusammenzuschreien.
Im Behandlungszimmer werde ich als erstes gefragt, was denn bei mir "Epilepsie" auslöst. Ich bin schon gewillt zu sagen: "Wenn man mich dumm von der Seite anspricht." Aber letztlich weiß man dann scheinbar doch, mit welchem Patient man es zu tun hat. Ich beiße die Zähne zusammen und verliere wieder literweise Blut, während an der Wand ein Flachbildfernseher Bilder von Neuseeland zeigt. Passender wäre eigentlich "Nightmare on Elm Street" oder sowas. Stets präsent sind die Kommandos: "Kopf bitte zu mir, Kopf bitte nach links, Mund ein bisschen mehr auf, Mund mehr schließen, ...". Ich sage: "Drehen Sie meinen Kopf doch einfach da hin, wo er sein muss." Sie meint, sie mache von dem Angebot gerne Gebrauch.
Irgendwann nach gefühlten fünf Stunden bin ich endlich fertig. Und der ganze "Spaß" kostet mich jetzt wieder über 100 Euro. Draußen werde ich wieder von der hübschen jungen Empfangsmaus angesprochen: "Sie haben ja doch nicht geschrieen, man hat gar nichts gehört." "Ja", sag ich, "ich war auch sehr tapfer. Eigentlich bekommt man da jetzt einen Keks oder ein Stofftier." Ein Stofftier hat sie nicht, einen Keks könne sie aber auftreiben. Wir einigen uns dann aber darauf, dass es um die frisch gereinigten, gebügelten und gewachsten Zähne schade wäre, wenn man sie gleich wieder mit Süßigkeiten beschmutzt. Den nächsten Termin "in einem halben Jahr" mache ich natürlich nicht sofort. Ich rufe dann vorher wieder an. So kann ich noch den einen oder anderen Monat Verzögerung herausschinden.

24. 7. 2014 Homepage

Wir sind Weltmeister

Wir haben es geschafft. Nach 24 Jahren sind wir endlich wieder Fußballweltmeister. Wurde auch Zeit und war verdient. Das sieht man schon daran, dass die ganze Welt (außer vielleicht die Argentinier, die uns im Endspiel unterlagen) uns das gönnt, obwohl wir Deutsche sind. Und so war nach Spielschluss die Freude natürlich groß, die Spieler fielen ihren aufs Spielfeld gekarrten Spielerfrauen um die schmalen Hälse. Dabei hatten die Frauen Trikots mit den Namen ihrer Männer an. Wahrscheinlich deshalb, weil die Tussen doch alle gleich aussehen und es sonst vorkommen könnte, dass so ein Spieler der falschen Frau um den Hals fällt. Und dann gäbe es wieder Ärger. Und das, wo sich die Jungs doch alle gerade so gut verstanden haben. So gut, dass Spielführer Philipp Lahm schon die Schnauze voll hat und in Länderspiel-Rente geht.
Oder war das nur eine Medien-Ente? Also, nicht der Lahm, sondern die Meldung. Man kann sich ja nicht mehr sicher sein. Ob ARD, ZDF oder ADAC … jeder macht sich die Welt mittlerweile wiedewiedewie sie ihm gefällt. Test- und Umfrageergebnisse werden verändert und hingedreht, wie sie halt gerade passen. Wie Churchill schon sagte: "Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe." Oder so ähnlich. Gerne nimmt man auch Bilder aus dem Irak von 2008 und verwendet sie mit anderem Text für einen anderen Krieg in Syrien 2014. Ist immerhin besser, als zuzugeben, dass man von Syrien 2014 schlicht kein Bildmaterial hat. Das Material von 2008 hat doch mittlerweile eh schon wieder jeder vergessen.

27. 5. 2014 Homepage

Es geht um die Wurst

Man kann von ihm/ihr ja halten, was man will. Aber Conchita Wurst hat mit dem Auftritt und Sieg beim Eurovision Song Contest Russland in Europa mehr isoliert als jegliche dieser albernen Sanktiönchen, die sich der Westen einfallen ließ (Kontosperrung von zwei alten Großmütterchen im Ural und Einreiseverbot für zwei Clowns vom russischen Nationalzirkus). Auch der Türkei ist der Wettbewerb in Zukunft "wurst". Ein Mann als bärtige Frau verkleidet war dann doch ein bisschen zu viel für einen islamistischen Diktator, dessen Hobby die Sperrung von Social Media und die Versetzung von Richtern und Polizisten ist, falls die ihn nicht mögen. Obwohl: An Frauen mit Bart müsste er in der Türkei doch eigentlich schon gewöhnt sein. Schade, nun wird es wohl erst recht nichts mit der Aufnahme der Türkei in die EU. Also weiterhin Anstehen bei der An- und Abreise im Türkei-Urlaub.
Überhaupt, überall spinnen sie gerade wieder, die Staatsmänner. Wie gut, dass endlich mal wieder ein frisches Gesicht ein politisches Amt ergattert hat: Vitali Klitschko ist neuer Bürgermeister von Kiew. Er hat damit zwar keine Erfahrung, aber ich denke, er boxt sich da schon irgendwie durch.

26. 3. 2014 Homepage

Putin ist schwul

Erst dachte ich, es sei ein Scherz, als die baden-württembergische Regierung einen Regierungsentwurf eingebracht hat, dass in unseren Schulen mehr über Homosexualität, Transgender und sowas gesprochen werden soll, um Toleranz zu fördern. Ist sowas denn nötig? Oder werden da nur - wie beim "Veggie Day" - wieder unnötig Leute aufgehetzt? Die Reaktion aber hat mich überzeugt, wie nötig das Thema tatsächlich gewesen ist: Petitionen, Morddrohungen, Zeter und Mordio. Man mag es kaum glauben, wie viele Menschen in Baden-Württemberg und auch im restlichen Deutschland so dumm sind, allen Ernstes zu glauben, Schüler sollen nun alle zu Homosexuellen erzogen werden, sodass es keine Familien und keine arischen kleinen Kinder mehr gibt. Haben die noch alle Tassen im Schrank? Kinder zu Homosexuellen erziehen? Geht's noch? Als ob man das könnte. Wer hätte gedacht, dass es so viel Homophobie in Deutschland gibt? Von Afrika oder Osteuropa ist man das langsam leider schon gewohnt. Oder von Russland. Dort darf man noch nicht mal mehr über Homosexualität sprechen, sonst geht's ins Gulag. Und das, wo doch Putin selbst ziemlich schwul daher kommt. Ich meine, im Ernst: mit freiem Oberkörper aufm Pferd? Und beim Angeln? Und auf der Jagd? Und nie eine Frau an seiner Seite? Ich könnte mir vorstellen, dass ein Ex-Lover gedroht hat, ihn auffliegen zu lassen, daraufhin für lebenslänglich irgendwo nach Sibirien gebracht wurde und Putin dann - sicher ist sicher - falls doch etwas in die Öffentlichkeit gelangt, diese restriktiven Gesetze verabschiedet hat. Nach dem Motto: Wer solche homophoben Gesetze macht, kann ja selbst nie und nimmer schwul sein. Und Putin muss ja männlich erscheinen. Schließlich ist er jetzt der mächtigste Mann der Welt. Kann sich den Großteil eines eigenständigen Staats wie die Krim-Halbinsel von der Ukraine einverleiben, ohne dass von den anderen mehr als ein "Dudududu, das macht man aber nicht" kommt. Zuerst hatte ich Sorge, dass sich dadurch der Krim-Sekt verteuern könnte, aber das ist wohl bislang noch nicht mal beim Gas passiert. Vielleicht sollte man ja auch in Tschetschenien einrücken und dort eine Wahl veranstalten, bei der dann 105 % der Bürger für eine Loslösung von Russland stimmt. Das ist doch alles eine Farce. Zahlenergebnisse wie beim ADAC. Wer zu lange irgendwo am Ruder ist - ob Putin, Erdogan, Assad, Hussein, um nur einige zu nennen - bekommt oftmals einen Knall und hebt ab. So auch Uli Hoeneß, der jahrzehntelang die Geschicke des FC Bayern München gelenkt hat. In guter bayerischer Club-Tradition (einer missbraucht minderjährige Mädchen, einer zündet sein Haus an, einer schmuggelt wertvolle Uhren, einer zeugt als Ehebrecher zahllose Kinder) hat er fast 30 Millionen Euro Steuern hinterzogen. Und das ist nur geschätzt. Was er in seinem Namen und im Auftrag des Vereins noch alles gemacht und hinterzogen hat, dem wurde gegen ein schnelles Urteil gar nicht erst nachgegangen. Und so muss er nun ein paar Monate einsitzen (jeder Normalbürger hätte vermutlich viele viele Jahre bekommen); vielleicht sogar in Landsberg - dort, wo auch schon Hitler einst saß und an seinen Bestsellern schrieb. Hoeneß wird es überleben. Kann er doch die Meisterfeier seines Vereins noch in Freiheit miterleben, nachdem dieser in der langweiligsten Liga der Welt nun immer bereits im März schon vorzeitig als Meister, Sieger sämtlicher Pokale und Weltrekordhalter in allem und für alle Zeiten feststeht. Herr Hoeneß, war die Schmach, als Sie '76 den entscheidenden Elfmeter verschossen, nicht schon schlimm genug?
Und wenn wir schon bei Sportlern sind: Oscar Pistorius ("fastest man on no legs"), der südafrikanische Sprinter und Weltrekordler, der leider keine Beine mehr hat, wurde zum "Pistolius" und hat "versehentlich" seine Freundin durch die Badezimmertür hindurch abgeknallt. Er dachte wohl, einen Einbrecher beim Scheißen zu erwischen. Kann ja mal vorkommen. Falls er verurteilt wird, wird es natürlich problematisch. Mit gefederten Prothesen könnte er ja jederzeit über die Gefängnismauer springen und entwischen. Und offener Vollzug mit elektronischer Fußfessel ist ohne Beine auch blöd.

26. 2. 2014 Homepage

Paris, die Zweite

Wieder fliegt mir ein Gewinnbrief ins Haus. Und wieder hatte ich doch nirgendwo mitgemacht. Und wieder muss man kostenfrei anrufen und einen freigerubbelten Code nennen. Und wieder ist der erste Preis ein Auto, der zweite eine Reise nach Paris und der dritte ein Tankgutschein. Zum Spaß mach ich nochmal mit. Ich heuchle Überraschung, als ich wieder den zweiten Preis, die Kaffeefahrt nach Paris, gewinne. Dieses Mal ist mein Gesprächspartner am Telefon freundlicher. Eine Frau. Sie versucht einen Smalltalk, Thema ist unser gemeinsames Sternzeichen. Ich sage, dass ich die Einordnung in Sternzeichen albern finde und sie lässt das Thema wieder sein. Stattdessen möchte sie mich dafür begeistern, wieder bei der Klassenlotterie mitzumachen, denn mittlerweile gewinnt dort ja jeder und man ist automatisch Milliardär, wenn man nur ein Los kauft. Ich lehne freundlich ab. Sie sagt, ich bekäme demnächst die Unterlagen für die Paris-Reise, aber das Prozedere kenne ich ja mittlerweile eh schon. Ich bin sicher, dass es den ersten und dritten Preis überhaupt nicht gibt. Kann man das nicht herausfinden und ahnden? Das ist doch eine Abzocke, die bestimmt nicht erlaubt ist. Ich bin mal gespannt, ob ich nochmal gewinne, wenn ich die Reise wieder nicht buche.

4. 2. 2014 Homepage

Wo sind all die Promis hin?

Und wieder ist eine grandiose Staffel "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" zu Ende gegangen. Mit Einschaltquoten von teilweise über 8 Millionen Zuschauern ein echter Kracher. Gut, dieses Jahr hat RTL nun wirklich keine Promis mehr als Teilnehmer finden können. Man kannte bis auf zwei, drei Leute eigentlich keine Sau mehr, esseidenn man ist eifriger Genrezuschauer von RTL und kuckt von Heidi Klum über DSDS bis zum Bachelor jeden Scheiß. Erstmals hat man nun sogar einen Zuschauerkandidaten hinzugenommen, dessen fehlender Promistatus unter all den anderen "Nicht-Promis" dann allerdings kaum auffiel.
Viel Glück hatte der zwielichtige Schlagersänger Michael Wendler. Musste zwar gleich die erste Dschungelprüfung absolvieren, wurde dann aber von den Zuschauern in Ruhe gelassen, weil es mit der Österreicherin Larissa Marolt doch tatsächlich jemanden gab, die zunächst noch mehr Hass auf sich zog. An seiner fehlenden Beliebtheit konnte der eigenwahrnehmungsgestörte Wendler nichts ändern; als er schon nach wenigen Tagen freiwillig vorzeitig ausschied, hatte er aber wenigstens sein neues Album und seinen mitgebrachten Luxusartikel, das Wendler-Parfüm, beworben. Ein Dschungelsong folgt später, uns bleibt auch nichts erspart.
Als erstes herausgewählt wurde nach einer Woche Corinna Drews. Außer Ex-Frau von Jürgen Drews (den mancher auch gerne mal im Camp sehen würde), ist die Frau ja nix. Und genauso langweilig war sie dann auch. Mit dem stetig selben misslaunigen Gesichtsausdruck legte sie sich von einem Eck ins andere.
Es folgte der Zuschauerkandidat Julian F.M. Stöckel. Er wurde wohl als "Quoten-Sexuell-Verirrter" genommen, weil Leute wie Lorielle oder Olivia Jones dieses Mal fehlten. Langweilig. Raus.
Zwischendurch bedauerte man, dass man ja dummerweise gar nicht so viele Spackos gleichzeitig rauswählen kann, wie man gerne möchte. Den später veröffentlichten Quoten zur Folge war das wohl auch untenrum immer sehr knapp. Nachdem der frühere Musikfernsehmoderator Mola Adebisi sich gleichermaßen als Großmaul, Arschloch und Waschlappen präsentierte, musste auch er gehen.
Dann endlich musste Gabby de Almeida Rinne das Lager räumen. Eine wichtigtuerische kleine Schlampe, die mit 15 schon schwanger war, der man das Kind weggenommen hatte und die im Camp einerseits nur gelästert, andererseits bei ihrer einzigen Dschungelprüfung kolossal versagt hatte. Bitte nächstes Mal Kandidaten auswählen, die auch geistig schon volljährig sind.
Ihr folgte der österreichische Waschlappen Marco Angelini, der eigentlich nur dadurch auffiel, dass er ständig "Österreich" erwähnte und ein bisschen mit Gabby rummachen durfte, bis sie sich besann, doch ihre "große Liebe" zuhause nicht vergraulen zu wollen.
Endlich hatten die Zuschauer dann die Schnauze voll vom alternden Schauspieler Winfried Glatzeder. Waren seine bissigen Kommentare am Anfang noch ganz lustig, nervte die Aufspielerei als echter Kommissar und gar Forensiker dann aber doch mit der Zeit wie die Sau. Als er dann in einem seiner vielen Tobsuchtsanfälle Larissa schlug, wurde er von RTL verwarnt und von den Zuschauern geschasst.
Tanja Schumann. Früher Ensemble-Mitglied von "RTL Samstag Nacht". Nach Privatinsolvenz brauchte sie ein bisschen Geld und wollte dann früh herausgewählt werden, um noch eine Woche umsonst Australien-Urlaub mit ihrem Mann im Hotel Versace machen zu können. Deshalb war sie extra langweilig und unlustig. Obwohl, war die Frau je lustig? Auf jeden Fall ging das Vorhaben komplett in die Hose, weil es immer noch einen gab, der noch weniger Stimmen bekam als sie. Kurz vor dem Finale wurde sie dann aber doch erlöst und durfte gehen.
Das Finale hatten sich dann alle drei Teilnehmer wohlverdient: Jochen Bendel, ehemals "Ruck Zuck"-Moderator, hatte sich gut vorbereitet, war der Camp-Koch, der täglich aus einer Hand voll Reis und Bohnen ein neues Gericht zauberte, quasi der "Dschungel-Lafer". Steuerte souverän durch die Staffel und war ab und zu dann auch ganz lustig. Bei Prüfungen recht tough, fehlte am Ende aber einfach noch etwas zum Titel.
Dem Titel näher war die Österreicherin Larissa Marolt. Sie wurde am Anfang so sehr gehasst, dass sie aus dem Stand acht Dschungelprüfungen (Weltrekord) hintereinander absolvieren musste. Stellte sich dumm an, nervte alle und stolperte nicht ohne Verletzungen fortwährend durchs Camp. Wenn es jemanden gibt, der aus dem Nichts heraus aus der Hängematte fällt und sich dabei das Genick bricht, dann ist das ihr zuzutrauen. Nach einer Woche hatte das Publikum (ganz im Gegensatz zu ihren Mitcampern) ihre Tapsigkeit, Zerstreutheit und Unbeholfenheit dann aber doch liebgewonnen. Larissa hatte sozusagen mittlerweile Welpenschutz erlangt. Wie ein kleiner süßer Hundewelpe, der einem den ganzen Teppich vollpisst, den man dafür aber irgendwie nicht hassen kann. Nebenbei hatte sie erfolgreich für das Hotel ihrer Eltern geworben. Ihre späteren Prüfungen absolvierte sie erfolgreicher als die ersten und wurde, ein paar Tage in der Wählergunst führend, am Schluss dann doch noch von Melanie überholt.
Und das war sie, die verdiente Dschungelkönigin: Melanie Müller. Als Pornoqueen in alberner Marilyn-Monroe-Montur eingezogen, ohne Schminke dann aber so hübsch wie authentisch und tough, wurde sie zum Publikumsliebling und überholte Larissa auf der Zielgeraden. Da konnte man schon auch mal über den starken sächsischen Dialekt hinwegsehen. Sie bewarb nebenbei ihren Internet-Sexshop.
Trotz des Minusrekords an erreichten Sternen bei Prüfungen (bei all diesen Waschlappen kein Wunder) geht die wahrscheinlich erfolgreichste Staffel dieser Show "ever ever ever" zu Ende. Und es bleibt dabei: Gewinner sind abwechselnd Mann und Frau, demnach ist im nächsten Jahr wieder ein Mann dran. Mal sehen, ob man dann endlich wieder prominentere Teilnehmer findet.
Ach ja, ein Musiktitel wurde im Zusammenhang mit dem Dschungelcamp auch wieder gepusht. Diesmal war es "Hard out here" von Lily Allen. Schade nur, dass man bei RTL nicht die Eier hatte, die "… for a bitch"-Version zu verwenden und stattdessen die "… for a chick"-Version nahm. Die dicksten Eier hatte eben dann doch nur die Melanie.

16. 1. 2014 Homepage

Amerikanische Liebeskomödien nach Schema F

Schon aufgefallen? Amerikanische Liebeskomödien laufen immer nach demselben Muster ab. Paar lernt sich kennen, verliebt sich, macht ganz verrückte Sachen. Dann ein Zeitsprung, die weitere Handlung spielt einige Wochen oder Monate später. Dies ist notwendig, um im normalen Rahmen von 90-105 Minuten Spielzeit zu bleiben. Beziehungs-Alltag. Dann führen unglückliche Wendungen, Missverständnisse, Eifersucht oder individuelle Dummheiten vor dem großen Finale immer zur Trennung, bevor die Handlung auf das unvermeidliche Happy-End zuläuft. Einer der beiden ehemals frisch Verliebten zieht dann um - möglichst auf die andere Seite der USA oder nach Europa, meist auch gleichzeitig wegen eines Jobwechsels. Der andere sieht alles ein, ist geläutert und muss in letzter Sekunde noch den Flughafen, Bahnhof oder sonstwas erreichen, um zu verhindern, dass die Liebe des Lebens für immer aus dem Leben tritt. Es kommt in buchstäblich letzter Sekunde zur Aussprache. "Es tut mir Leid, dass ich deine Familie gekillt und dich mit 239487 Frauen betrogen habe." - "OK, küss mich." Meistens geschieht das vor vielen Leuten, die dann beim Kuss Beifall klatschen und sich möglicherweise auch zuvor schon bei der Aussprache eingemischt haben. Das ist dann ja zu komisch.
Wenn ich mich richtig erinnere, war dieses Schema F schon immer die Grundlage für Liebesschnulzen in Amerika. Man denke nur an "Love Boat", dem originalen Vorläufer zum deutschen "Traumschiff". Bei beiden Formaten heiraten am Schluss alle und man weiß schon beim Einsteigen ins Boot, wer am Ende wen ehelicht und warum. Natürlich ist das Happy-End immer allumfassend, sodass jeder jemanden zum Lieben findet, auch der dööfste Trottel. Keiner bleibt allein. Alles total realistisch. Gähn!

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