6. 11. 2016 Homepage

Reichsbürger

Wir brauchen definitiv größere Klappsmühlen. So gibt es doch tatsächlich noch - und scheinbar immer mehr - Leute, die die Bundesrepublik Deutschland ablehnen und sich zum König ihres eigenen Reiches ausrufen. Da werden dann mit Buntstift eigene Ausweisdokumente und eigene Flaggen gemalt. Oder schlimmer noch, sie wähnen sich noch immer im 3. Deutschen Reich und hissen zu Hause die Reichskriegsflagge. Und so lehnen sie dann alles ab, was irgendwie mit Steuern, Abgaben, Pflichten und Gesetzen zu tun hat. Zum Glück gibt es Einrichtungen für solche Menschen. Sie werden nur zu wenig genutzt.
Ein anderer Verwirrter ist Günther Oettinger, EU-Kommissar für Irgendwas und Gedöns. Für sein saudummes Gelaber und sein Nichtauslassenwollen eines jeden Fettnapfs war er schon als baden-württembergischer Ministerpräsident berüchtigt. Nun hat er mal wieder etwas vom Stapel gelassen, das so ähnlich klingt wie: "Die Schlitzaugen machen unsere Wirtschaft kaputt, Spaghettifresser und Nigger stinken, Schwule sind abartig und auch alle anderen Kanaken stören Deutschland in seiner Entwicklung." Zum Glück schickt er Tage später ein "Es war aber alles nur gut gemeint" hinterher. Na, dann ist es ja in Ordnung. Kann man dem nicht ein Amt geben, in dem er keine Reden halten darf?
Da wir schon bei den Verwirrten sind: Das wäre ja ein Spaß, wenn tatsächlich Donald Trump der nächste US-Präsident würde. Was ist denn da bitte in die Amis gefahren? Zwei eigentlich völlig unwählbare Kandidaten ins Rennen geschickt. Hätte nur einer von beiden Parteien einen "normalen" Kandidaten gefunden, er stünde schon vor der Wahl als Sieger fest. Offensichtlich wills keiner so wirklich machen. Auch in Deutschland findet man kaum noch einen, der das Amt des Bundespräsidenten ausfüllen möchte. Gut, das kann man mit den USA nicht ganz vergleichen, da unser Präsident ja nicht wirklich etwas zu sagen hat sondern eher als Frühstücksdirektor und Grüßgott-August dient. Dennoch ist es ein wichtiges Amt. Und es wird gut bezahlt.

1. 8. 2016 Homepage

Der Mensch

Der Mensch hat im Laufe seiner Entwicklung irgendwann gelernt, aufrecht zu gehen. Doch leider hatte dieser Fortschritt Ende des letzten Jahrtausends schon seinen Höhepunkt. Seither geht's wieder bergab. Und es ist nicht so, als kenne man den Grund dafür nicht: Die damalige flächendeckende Einführung von Handys ist schuld. Seitdem neigt sich der Kopf nur noch nach unten und Mensch wird buckelig. Jeder schaut nur noch auf sein Handy herab, das er in den Händen hält. Was haben wir Älteren denn früher gemacht, als wir an der Bushaltestelle warteten? Oder wenn wir im Aufzug standen? Okay, wir haben den Kopf gesenkt und in den Boden gekuckt. Blödes Beispiel. Aber wir sind nicht im Restaurant gesessen und haben uns angeschwiegen, nicht nur auf dem mitgebrachten Handy herumgedaddelt.
Das neue Handyspiel "Pokémon Go" ist bei diesem Problem jetzt sicherlich nicht hilfreich. Waren doch zuvor schon immer mehr Unfälle durch Handy-Abgelenktheit entstanden. Das wird jetzt wohl nicht besser. Alle laufen nur noch teilnahmslos herum wie Zombies. Ich freue mich schon auf die ersten großen Klagen in den USA, die dem Spielehersteller vorwerfen, schuld an vielen Toten und Verletzten zu sein, weil diese unachtsam im Verkehr über den Haufen gefahren wurden von Autofahrern, die ebenfalls unachtsam neben der Fahrerei noch am Handy herum spielten.
Das Handy scheint mittlerweile zum unverzichtbarsten Gegenstand des Menschen geworden zu sein. Und wenn man die Jugend außerdem so beobachtet, hält sich heute offensichtlich jeder für so dermaßen attraktiv, dass er ständig seine Fresse vor's Handy halten muss. "Selfie" nennt sich das dann. Findige Köpfe haben irgendwann vor Jahren einen Stab erfunden, an dessen Ende man sein Handy montieren kann, damit das Selfie schöner wird und dabei mehr Hintergrund zu sehen ist. Ich glaube, man nennt den Stab auch "Deppenzepter".
Die gute alte Telefonzelle wird nun wirklich nur noch für Drogenkonsum oder als Toilette verwendet. Früher hat man da drin nebenher auch manchmal telefoniert. Das ist wohl der Grund, warum heute kaum noch irgendwo eine steht. Ich will ja nicht fortschrittsfeindlich sein, aber die Entwicklung hin zum selbstverliebten Handyhörigen, der Fotos von seiner dummen Fresse in alle Ecken und Enden des Internets verteilt und der am wahren Leben vor lauter Ins-Display-starren nicht mehr teilnimmt, ist eine besorgniserregende.

14. 7. 2016 Homepage

Ferien beim Europameister

Der letzte Urlaub war ja ein bisschen ein Reinfall - das Wetter spielte nicht mit, die Organisation war mehr als holprig und die Begleitung erwies sich dann doch als zickiger als zuvor gedacht. Dieses Jahr muss es also unbedingt besser werden. Ich einige mich dieses Mal mit einer hübschen jungen Frau aus der Schweiz. Da alles wieder sehr kurzfristig ist, klappt kein vorheriges Treffen, aber wir haben am Telefon beide ein gutes Gefühl und lassen uns darauf ein. Wir beschließen, Portugal als Reiseziel in Angriff zu nehmen. Die Algarve soll es sein. Das Hotel und der genaue Zeitpunkt werden diesmal sorgfältig ausgewählt. Da meine Begleiterin dieses Mal etwas exklusiver daherkommt, als es sonst so der Fall ist, wird auch ein besseres und teureres Hotel ausgewählt. Und dieses Mal klappt die Buchung mit zwei Einzelzimmern zum selben Zeitpunkt im selben Hotel exakt. Sind zwar unterschiedliche Reiseanbieter - ich fliege mit einem aus der Schweiz (vtours) ab Stuttgart, sie mit einem aus Reiseanbieter aus Berlin ab Zürich - seltsam, aber ok.
Vor dem Abflug rufe ich nochmals beim Reiseanbieter an, mit der Frage, an wen ich mich in Portugal zwecks Hoteltransfer melden muss - vtours ist ja vor Ort gar nicht vertreten. Mir wird versichert, dass ich dort mit hochgehaltenem Schild abgeholt werde.
Bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen denke ich diesmal an alles - sonst piepts ja immer wegen irgendeinem Scheiß. Das möchte ich diesmal ausschließen. Aber: Der Nacktscanner sieht offensichtlich ein paar Atombomben in meinen neuen Sneakers. Ich muss sie ausziehen und werde nochmal eingängig geprüft, so wie auch meine Schuhe. Ich beobachte, dass es fast allen so geht und frage nach, wie es denn sein kann, dass das Gerät da bei allen etwas anzeigt, was es nicht gibt. Ich soll doch die Maschine fragen, werde ich angeschnauzt. Okay, hier ist man heute wieder nicht so gut gelaunt. Vielleicht mal besseres Equipment kaufen? Und wieder hat es nicht geklappt, schnell durch die Kontrolle zu kommen. Was muss ich denn noch dafür tun?
Der Flug ist eine halbe Stunde kürzer als angesagt und ich habe als einer der ersten meinen Koffer. Das klappt erstmal prima. Nur das mit dem Abholen … hmm … es gibt tatsächlich viele Menschen, die am Ausgang Schilder mit Namen und Reiseunternehmen hochhalten. Für mich ist aber leider keines dabei. Ich frage bei TUI, denn mit denen bin ich schließlich geflogen. Die wissen aber nicht so wirklich weiter. Ich müsste draußen am Taxistand nach dem entsprechenden Anbieterstand schauen. Dort ist dann aber alles da außer dem Stand, den ich brauche. Ich gehe nochmal zurück, was bei den entgegenströmenden Massen an Leuten nicht einfach ist und lange dauert. Drinnen weiß man mittlerweile auch nicht viel mehr, außer dass ich es halt mal "links" probieren soll. Ich nehme mein Gepäck und gehe wieder nach draußen. Nach "links". Dort sind zwar auch noch einige Stände, aber auch wieder nicht meiner. Ich frage mich durch und bekomme dann irgendwann eine Busnummer und die Aussage "in dieser Richtung ist er". Nach solch einer detaillierten Angabe bin ich dann eine weitere Viertelstunde später tatsächlich am richtigen Bus und kann mein Glück kaum fassen. Meine Begleitung sitzt bereits drin. Es hat also sogar der gemeinsame Transfer geklappt. Das hatte ich so nicht erwartet. Ich freue mich. Auch darüber, dass der Bus nicht so groß und daher die Fahrt zum Hotel nicht so lange ist.
Wir haben, am Hotel angekommen, noch etwas vom Abend und werden noch etwas zu essen bekommen. Ich erwarte einen Speisesaal mit typischem Hotelbuffet zur Selbstbedienung. Stattdessen erforschen wir sämtliche tiefen Katakomben des Hotelkomplexes, bis wir den schummrigen Speisesaal finden (man muss vorher noch quer durch das hoteleigene Spielcasino und die Treppe runter). Dort ist dann alles etwas anders als sonstwo. Es gibt eine Speisekarte mit Preisen. Wir dürfen für soundsoviele Euro Speisen und Getränke heraussuchen und was drüber ist, wird am Schluss aufs Zimmer berechnet. Dieses Prinzip müssen wir uns aber erst von anderen Gästen erklären lassen, von zwei ganz jungen Schweizer Hasen neben uns. Ansonsten ist die Lokalität seltsam leer. Vermutlich ist den meisten Gästen das ganze Prozedere zu doof. In dem schon leicht in die Jahre gekommenen Hotel geht es recht vornehm und freundlich zu. Gläser werden nach wenigen Schlucken stets wieder gefüllt, vor dem Essen wird ein Starter gereicht (meistens Schwertfisch, Schrimps oder anderes ekelhaftes Meergetier, welches ich gerne zurückgehen lasse). Das Essen selbst ist gut, aber das Ambiente irgendwie nicht ansprechend. Wir beschließen, dass wir in den letzten Tagen - Halbpension hin, Halbpension her - abends woanders essen gehen. Zumal auch die Öffnungszeiten der hoteleigenen Speiselokalitäten differieren, je nachdem, wen man fragt oder auf welchen Infozettel man schaut.
Das Zusammenspiel mit meiner netten Begleitung läuft erwartet gut, und sogar das Wetter macht endlich mal mit. Der Atlantik ist zwar kalt, aber die Luft ist warm. Ich bin am ersten Tag etwas unvorsichtig und bekomme einen völlig bescheuerten ungleichen Sonnenbrand, der mich die nächsten drei Tage in den Schatten zwingt und mich zwei Wochen später zum Schuppentier machen wird. Wir schlagen uns hauptsächlich auf englisch durch. Ich spreche zusätzlich spanisch, das verstehen die meisten dort auch gut. Portugiesisch scheint ein "ver-italienischtes" Spanisch zu sein. Einem besonders aufdringlichen Strandhändler sage ich auf spanisch etwas semifreundlich, dass ich nichts will - gestern nicht, heute nicht, morgen nicht, übermorgen nicht. Er läuft murmelnd davon. Ich spreche kein portugiesisch, aber ich glaube, er hat mich gerade mit schlimmen Flüchen überzogen.
Wir möchten zu einem urigen, typischen portugiesischen Lokal und lassen uns einige empfehlen. Das erste probieren wir am drittletzten Tag aus. Ein freundlicher älterer Herr, der uns stolz gerne alles auftischen würde, was er hat. Ein Fernseher läuft und man sieht, dass Portugal bei der Fußball-EM gegen Polen zurückliegt - so ein Scheiß. Das Ende des Spiels - wir sind natürlich für Portugal, ich habe mir extra in einem Portugal-Laden eine portugiesische Flagge gekauft - sehen wir in einem Straßenlokal mit großer Leinwand. Portugal gewinnt dann doch, und die Freude ist groß. Am nächsten Abend besuchen wir ein portugiesisches Szene-Lokal. Man bekommt hier einen "heißen Stein" an den Tisch, um sein Fleisch selbst zu brutzeln. Originelle Idee. Den letzten Abend nutzen wir, um ein schönes italo-portugiesisches Lokal auszuprobieren. Blöde Idee, da an diesem Abend Deutschland gegen Italien spielt. Die Leute hier sind größtenteils natürlich eher nicht auf Deutscher Seite. Auch hier schmeckt es fantastisch. Wir leeren noch eine Flasche Wein und machen uns zur Verlängerung plus Elfmeterschießen wieder auf in unser Straßenlokal von vorgestern. Dort altere ich binnen Minuten um viele Jahrzehnte, weil es die Deutschen im Elfmeterschießen ungewöhnlich spannend machen, bis sie endlich gewinnen. Ich muss daran denken, dass es zu Hause schon eine Stunde später und darum längst Mitternacht ist, als endlich das Ergebnis feststeht. Am kommenden Tag müssen wir leider schon wieder zurückfliegen. Der Bus für den Rücktransport zum Hotel soll aber erst nachmittags kommen. Das freut uns, weil wir damit noch den halben Tag nutzen können. Dumm nur: Um zwölf ist der Check-out angesagt und man will uns ums Verrecken wegen "ausgebucht" keine Verlängerung um zwei Stunden anbieten. Zum Glück sehe ich in der Nacht in meinem Badezimmer eine riesige Kakerlake, die ich sogleich fotografiere und in einem Glas einfange. Das könnte mir als "Argumentationshilfe" vielleicht noch nützlich sein.
Tatsächlich: Am nächsten Tag wird meine Begleitung ganz früh morgens bei nochmaliger Anfrage an der Rezeption wieder zurückgewiesen, sodass ich es jetzt - mittlerweile wach - selbst versuchen möchte. Auch mir sagt man "ausgebucht, geht nicht, blabla". Ich zücke meinen Fotoapparat, zeige das Kakerlakenbild und erkläre dem Mann, dass ich ihm gerne jemanden vorstellen möchte, den ich letzte Nacht in meinem Bad getroffen habe. Ich sage ihm, dass ich ihm die Chance geben möchte, das Ding diskret zu entsorgen und dass ich sicher bin, dass sich wegen der Zimmer noch was machen lässt. Warum ich das jetzt sagen würde und die Situation sei doch jetzt befremdlich, bekomme ich zu hören. Dann wird etwa eine Minute lang auf der Computertastatur der Rezeption herumgehackt, bevor ich dann doch das schmallippige OK für die Nutzung wenigstens meines Zimmers bis 14 Uhr bekomme. Ich war erfolgreich, aber irgendwie habe ich Gewissensbisse. Eigentlich waren die Leute ja freundlich. Bin ich jetzt wie Don Vito Corleone? Meine Mittel waren erfolgreich, aber war das vielleicht Erpressung? Bin ich jetzt auf die kriminelle Bahn abgekommen? Wir nutzen den Tag jedenfalls nochmal für den Strand und das Meer. Den Liegen-und-Schirm-Abkassierer am Strand handle ich herunter, weil wir ja nur noch wenige Stunden da sind. Wenn ich heute schonmal am Verhandeln bin.
Ich checke um 14 Uhr mein Zimmer nun auch aus. Mein "Verhandlungspartner" von heute morgen hat wohl verzweifelt Feierabend gemacht, es ist ein anderer da. Wir warten noch kurz auf den Transferbus, der nur ein kleiner Familienvan mit wenigen Sitzen ist - super. so habe ich das am liebsten. Wir sind wenige Leute und im Nu am Flughafen. Der Flughafen in Faro ist etwas unterdimensioniert für so viele Leute. Sogar die Männer stehen an den Toiletten an und die Verkäufer in den Speiseläden sind völlig überfordert. Wir schaffen es trotzdem noch, gemeinsam etwas zu essen, bevor wir dann jeweils nach Hause fliegen müssen.
Wieder auf der Arbeit, nachdem ich kurz über meinen Urlaub berichtet habe, bietet mir mein Chef an, ich solle doch beim nächsten Mal einfach ein Bild vom Badezimmer machen und in die Firma mailen, man würde mir dann eine Kakerlake hineinretuschieren, falls ich wieder "gute Argumente" brauche. Aber ich hoffe mal, dass nicht.
Portugal wird nach unserer Abreise Europameister, und irgendwie kann ich mich darüber freuen, wenn wir's schon nicht selbst geworden sind.

1. 7. 2016 Homepage

Amazon

"Gewollte Obsoleszenz" nennt man das, wenn technische Geräte heute nur noch so lange halten, bis die Garantie abgelaufen ist. Einerseits ja unschön bei Geräten, die einfach mal geschwind ein paar Jahrzehnte halten sollen - wie Kühlschränke, Geschirrspüler oder Autos. Bei Handys kann man's allerdings verstehen - wer benutzt seines schon mehr als zwei Jahre lang? Ist doch dann sofort wieder veraltet. Es ist ja geradezu so, dass man bei Handys und Fernsehern irgendwann hofft, dass das Ding bald endlich verreckt, damit man einen Grund hat, ein neues Gerät zu kaufen. Wenn das aber einfach nicht passiert, dann halten eben die Eltern meist als Zweitverwerter her und man kauft sich dann doch ein neues. So ging es mir auch mit meinem Fernseher. Ich wollte auch mal mit dem Fernseher ins Internet - Mediatheken und so. Lauter so modernes Zeug. Mein alter Plasma hatte halt schon zehn Jahre auf dem Buckel und zog Strom ohne Ende. Also machte ich mich im Internet kundig, was es so für Modelle gibt, die das aufbieten, was mir wichtig ist. Es lief dann auf ein Modell von Samsung heraus. Eine anschließende Suche, wo es das nun gewählte Gerät am günstigsten zu kaufen gibt, ergab wieder einmal einen Marketplace-Verkäufer von Amazon. Fast 700 Euro billiger. Der einzige Haken: Man konnte mal wieder nicht ersehen, wer der Verkäufer ist und wo er seinen Sitz hat. Leider mal wieder die Rote Karte für Amazon für so wenig Transparenz! Ich bestelle das Ding und sehe erst dann an der angekündigten Lieferzeit, dass der Fernseher wohl aus dem Ausland kommen muss. Ist ja so, wenn's zwei Wochen und länger dauert. Als er ankommt und ich ihn anschließe, merke ich, dass es nicht exakt das ausgeschriebene Gerät ist und auch die Rechnung fehlt. Ich erkundige mich bei Samsung mit Hilfe der Seriennummer und erfahre, dass es sich bei dem Fernseher um das Modell für den Schweizer Markt handelt, es fast baugleich ist. Fast. Was "fast" bedeutet, konnte man mir auch nicht genau erklären. Es wird möglicherweise Funktionen geben, die damit nicht zur Verfügung stehen. Bei Amazon verlange ich wegen der Garantie noch eine Rechnung. Sie leiten den Wunsch weiter an den Marketplace-Teilnehmer, der schickt mir dann zähneknirschend eine Rechnung, auf der aber ein Teil geschwärzt ist. Ich erkenne, dass der Fernseher in der Schweiz bei einem Technikmarkt mit den dort nur 8% schweizerischer Mehrwertsteuer gekauft wurde. Verkauft und verschickt wurde er aber aus Wilhelmshaven. Der ursprüngliche Käufer aus der Schweiz ist geschwärzt und nicht erkennbar. Sehr dubios. Es sieht nach Zollvergehen aus. Billig gekauft in der Schweiz, über die Grenze geschmuggelt und in Deutschland wieder verkauft. Damit konfrontiere ich Amazon. Die wollen davon nichts wissen, verbürgen sich für ihre Marketplace-Teilnehmer. Es sei schon alles in Ordnung, und ich könnte das Gerät ja zurückschicken, wenn mir was nicht passt. Oder eine ungeschwärzte Rechnung verlangen. Weil mir das Wiedereinpacken und Zurückschicken des neuen und das Wiederholen meines alten Fernsehers bei meinen Eltern zu blöd ist, wähle ich die zweite Möglichkeit. Doch der Marketplace-Verkäufer regt sich nicht. Nach einer weiteren Woche konfrontiere ich Amazon nochmals damit, dass ihr Verkäufer offensichtlich nicht willens ist, mir eine brauchbare Rechnung zu schicken. Sie schreiben zurück, dass das jetzt mein Problem sei und ich mich mit dem Verkäufer auseinandersetzen müsse. Der Schriftverkehr wird aber gleichzeitig an den Verkäufer in Kopie weitergeschickt, und dieser schickt dann doch eine ungeschwärzte Rechnung. Diese zeigt: Ich habe einen Fernseher für den Deutschen Markt als Neugerät bei Amazon bestellt und einen anderen Fernseher (Schweizer Markt) aus zweiter Hand bekommen. Und das ganze Geschäft stinkt auch noch zum Himmel. Das ist Amazon - wie Vertrauen erweckend!

14. 6. 2016 Homepage

Mir egal

Der Vorteil, den das fortschreitende Alter mit sich bringt, ist der, dass man sich über viele Dinge einfach nicht mehr aufregt. Teils, weil man weiß, dass sich das Problem irgendwann von selbst lösen wird, und teils, weil es sowieso nicht zu ändern ist. Dass die NSDAP-Nachfolgepartei AfD in Deutschland immer mehr Wählerzulauf bekommt, obwohl mehr und mehr deren nationalsozialistische Gesinnung durchdrückt … geschenkt. Ein großer Teil dieser Republik hat sich längst als dumm und/oder rassistisch herausgestellt und Volltrottel lassen sich nunmal nicht belehren, auch nicht von der Wirklichkeit. Bring mal einem Stinktier das Singen bei. Dass Deutschland beim Eurovision Song Contest mal wieder Letzter wurde … Achselzucken. Der beste Beitrag des Abends bekam trotz unterirdischer Konkurrenz kaum Punkte. Es gewann dagegen ein Titel, der - obwohl genau das eigentlich laut Regularien verboten ist - einen hochpolitischen Text aber sonst nichts zu bieten hatte. Man hat den Song nach dem Titelgewinn nie mehr irgendwo gehört, und das zu recht. Aber die Qualität der Lieder kann ja auch kein Kriterium sein. Dass sich Gastteilnehmer Australien über den anhaltenden Misserfolg der Deutschen lustig macht, kann man so hinnehmen. Schließlich trat für Deutschland ja tatsächlich ein kleines, albernes Manga-Mädchen an, das wirkte, als wäre es gestern noch mit der Trommel um den Weihnachtsbaum gelaufen. Aber ausgerechnet das neben dem Phantasie-Staat Israel völlig deplatzierte Australien? Ach, egal, künftig machen vermutlich auch noch Lummerland und das Phantasialand mit. Dass in der Fußballbundesliga nur noch der FC Bayern gewinnt, und das meist schon vorzeitig … was soll's?! Der deutsche Fußball wird an diesem Qualitätsunterschied kaputt gehen, das haben sie dann davon. Dass Donald Trump in den USA der Wahlkandidat für die Republikaner ist … naja. Jeder muss wissen, wen er wählt. Es hat sich schon so mancher freiwillig für seinen eigenen Untergang entschieden. Dass der türkische Diktator Erdogan sich zum unbestrittenen und unfehlbaren Herrscher der Welt ausgerufen hat und sich weltweit in die Politik einmischt … hach ja. So isser halt. Ob Ziegenficker oder nicht - es steht nirgendwo geschrieben, dass man mit ihm Geschäfte machen oder auch nur ernstnehmen muss. Dass der russische Zar Putin, nachdem er sich einen Teil der Ukraine völkerrechtswidrig einverleibt hat, dem syrischen Diktator Assad dabei hilft, Krieg gegen sein Volk zu führen … gähn! Ob man dem syrischen Volk die Demokratie herbeibombt oder die Diktatur - Bombe ist letztlich Bombe. Dass der Sommer in diesem Jahr selbst für deutsche Verhältnisse abolut beschissen, kalt und verregnet ist ... drauf geschissen. Dann muss man halt öfter in Urlaub fliegen. Am besten weit weg. Und einen entlastenden Nebeneffekt hat das Ganze ja vielleicht auch noch: All die Flüchtlinge, die im letzten Jahr während des Jahrhundertsommers in Deutschland angekommen sind und dachten: "Wow, was für ein geiles Land" sind jetzt vermutlich ernüchtert und sagen sich: "Was für ein Scheiß, hier schiffts ja täglich nur ... da gehn wir lieber wieder". Und ich geh jetzt auch, und zwar in Urlaub. Tschüss.

17. 3. 2016 Homepage

Die Wahrheit ist da draußen

Zu den unnötigsten Comebacks aller Zeiten gehören sicherlich die "X-Files". Ach, was sind wir in den 90er-Jahren jede Woche vor dem Fernseher gesessen, wenn eine neue Folge gesendet wurde. Auch die neueste Veröffentlichung auf Video wurde sofort in der Videothek (ja, sowas gab es mal, liebe Kinder … googelt das ruhig mal nach) ausgeliehen und im kleinen Fankreis bei einer X-Phile-Party öffentlich vorgeführt. Die ersten Handys, die Anfang des neuen Jahrtausends schon mehr als "Tüteltü" spielen konnten, wurden mit der markanten "AkteX-Titelmelodie als Klingelton gefüttert. Die Serie war ein Kult und neben dem leider viel zu surrealen und handlungsarmen "Twin Peaks" aus den 80er-Jahren ebenso eine Mutter des bis heute sehr erfolgreichen Mystery-Genres. Dabei hätte man es belassen können. Man hätte auch den völlig unspannenden zweiten Kinofilm weglassen können, der irgendwann mal nachgeschoben wurde. Aber bitteschön … man hätte es vor allen Dingen sein lassen können, Jahrzehnte nach Serienende noch eine weitere 6-folgige Staffel dranzuhängen, die einfach nur unnötig und doof ist. Noch einmal einen schnellen Dollar mit den alten Fans machen, die mit allzu vielen Erwartungen geködert wurden? Vermutlich. Ansonsten … wer weiß, liegt die Wahrheit vielleicht irgendwo da draußen.

22. 2. 2016 Homepage

Tatort

Was für ein Hype um den Tatort im Ersten. Offensichtlich schaut sich jeder die gefühlten 29347957 Tatort-Sendungen pro Wochenende an. Tatort Stuttgart, Tatort Wiesbaden, Tatort Weimar … mittlerweile hat jeder Ort seinen eigenen Tatort. Bald gibt es vermutlich auch noch den Tatort Seiboldsweiler und den Tatort Lüdenscheid. Gut, ich muss zugeben, dass die Tatort-Sendungen, die ich noch gesehen habe, schon lange zurückliegen. Damals gab es noch einen Schimanski. Und parallel dazu haben Derrick und Siegfried Lowitz als "Der Kommissar" in anderen Serien ermittelt. Ich habe mich damals darüber geärgert, dass in diesen Sendungen außer den Polizisten und Kommissaren alle psychisch auffällig waren. Um nicht zu sagen: Es spielten ständig jede Menge Psychopathen mit. Das war mir dann doch irgendwann zu blöd, und ich beschloss, mir das künftig zu schenken. Für Jahrzehnte habe ich mich dann von diesen Krimis verabschiedet.
Neulich fühlte ich mich dann wieder gezwungen, mit jemand anderem mitzugucken. Und siehe da … der selbe Scheiß wie früher, nur mit anderen Schauspielern. Immernoch könnte man meinen, Deutschland sei von Psychopathen übervölkert. Gut, teilweise mag das stimmen. Aber will ich das auch noch im Fernsehen sehen? Nein.

31. 1. 2016 Homepage

Kasalla!

Schon im letzten Jahr wurden uns bei "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" viele Neuerungen versprochen (ganz neue Prüfungen und überhaupt und so), aber wenig gehalten. Zusammen mit stinklangweiligen Campern sanken da zu Recht die Einschaltquoten. Dann noch die unsägliche Sommershow "... lasst mich wieder rein!", bei der sich die frühere Siegerin Brigitte Nielsen erneut für die Teilnahme qualifizierte. Viele sagen ja, das beste an dieser Show war, dass man dem Wendler bei einer Challenge die Hand gebrochen hat. Jedenfalls war man jetzt schon auf das Schlimmste gefasst. Doch RTL hat es diesmal wirklich geschafft, neue Prüfungen und bahnbrechende Änderungen einzuführen. So erwies sich die Idee, zunächst mit 12 Teilnehmern in zwei rivalisierenden Camps ("Base Camp" und "Snake Rock") zu starten und diese später zusammenzulegen, sowie immer wieder ganz gezielt Zwietracht zu streuen, als sehr medienwirksam. Damit keiner sagen kann: "Wo sind denn hier die Promis, die Leute kennt man ja alle gar nicht?" waren zwei pflegebedürftige prominente Opas mit am Start. Die waren dann für sämtliche Prüfungen gesperrt und gingen auch frühzeitig und freiwillig wieder raus (so war dann das Problem, mit dem Teilnehmer-Überschuss auch erledigt). Vermutlich war das auch vorher schon so abgesprochen, RTL machte sich zumindest keine Mühe, dies zu dementieren. So sagte Schlagerbarde Gunter Gabriel, nachdem er vor allem durch Wildpinkeln, Klo-Verscheißen und einen dauergestreckten Mittelfinger aufgefallen war, schon nach vier Tagen den Satz, der diesem Format den Titel gibt: "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!". Angeblich plötzliche gesundheitliche Probleme waren der Grund. Der offensichtlich schon etwas demente Schauspieler-Opa Rolf Zacher, der seine Campkollegen ständig als Pfleger benötigte, folgte nur wenig später. Er brauchte den Satz gar nicht erst zu sagen, wurde heimlich, still und leise entfernt. Auch aus "gesundheitlichen Gründen". Nichtsdestotrotz wurde genau nach einer Woche zum ersten Mal rausgewählt: Als erstes traf es das spanischstämmige Männer-Model David Ortega, der das Klischee, dass Models nichts im Hirn haben, mit seinen Lebensphilosophien ... nun, sagen wir mal ... nicht wirklich zu widerlegen vermochte. "Die Dinosaurier sind ausgestorben, weil sie's verkackt haben" und derlei Weisheiten waren den Zuschauern dann doch zu blöd. Auch die von RTL mit sanfter Gewalt angeschobene Liebelei mit Nathalie wurde damit schon als zartes Pflänzchen frühzeitig abgemurkst. Olé! Danach musste Schauspielerin Jenny Elvers raus. Sie fiel im Camp auf angenehme Weise nicht auf, sodass man sie mittlerweile fast leiden kann. Es folgte Ricky Harris. Dieser hatte mal eine Mittags-Talkshow im Fernsehen und ist inzwischen längst in Vergessenheit geraten. Schade, dass er so früh gehen musste, denn seine positiven wie negativen Ausraster waren bis dahin noch das Lustigste an der diesjährigen Veranstaltung. "Germany's Next Top Model"-Loserin Nathalie Volk wurde eigentlich für ihren Ruf als Zicke in den Dschungel geholt, um dort für Dissonanz zu sorgen. Stattdessen verbrachte sie anderthalb Wochen damit, stumm ihre Schönheit im kleinen Handspiegel zu bewundern oder der spanischen Intelligenzbestie Ortega hinterherzuhecheln. Gemacht hat sie nichts, in der Dschungelprüfung war sie ein Totalausfall - Folge: früher Rauswurf. Dass ein früherer Titel nicht zum Selbstläufer wird und man sich doch irgendwie auch ein bisschen bewegen muss, das musste dann Brigitte Nielsen schockiert feststellen. Sie konnte es kaum glauben, schien fast schon beleidigt zu sein, aber nun war auch sie draußen. Das Aus für "BigBrother"-Erststaffel-Teilnehmer Jürgen Milski kam in der Folgezeit doch etwas überraschend, war er doch ein Sympathieträger, der als einer der wenigen für ein bisschen Spaß sorgte. Dass er wenig machte und Essensprüfungen kategorisch ablehnte, wog dann aber wohl doch schwerer. Ein Aufatmen dann einen Tag vor dem Finale. Endlich, endlich, endlich wurde Helena Fürst herausgewählt. Die Frau, die sich auf einem RTL-Spartensender in einer eigenen Show für Arme einsetzte und dadurch ganz offensichtlich auch viel Zeit in abfärbenden asozialen Millieus verbracht hat, wurde auf Grund ihrer agressiven Kampflesben-Art vom Publikum sofort "geliebt" und in der ersten Woche in jede Prüfung gewählt. Die Prüfungen lehnte sie ab, brach sie ab oder versagte anderweitig. Jegliches Sozialverhalten für die Gruppe war ihr fremd. Warum ließen die Zuschauer sie nur so lange im Camp? Ich habe da meine eigene Theorie: Möglicherweise gelang es ihrem heimischen Umfeld, das Telefonvoting zu manipulieren, damit die Alte noch möglichst lange im Busch bleibt und so schnell nicht wieder zurück kommt. Es müssen zwar alle immer noch bis zum Ende der Show in Australien verharren, weil es danach noch "das große Wiedersehen" gibt, aber Kontakt zu ihren Familien dürfen sie da schon wieder haben. Dann das große Finale: Der vor Testosteron triefende ehemalige Bundesligafußballer Thorsten Legat (Lieblingswort "Kasalla") powerte sich mit stets weit aufgerissenen Augen zappelig durch die Staffel, sodass man dachte "Platzt der gleich? Was hat der denn eingenommen? Das will ich auf keinen Fall!". Chuck-Norris-gleich holte er das Beste aus seinen Prüfungen heraus und schien lange Zeit der Hauptkandidat für den Dschungelkönig zu sein. Mit einigen seltsamen Argumentationen und Widersprüchen schoss er allerdings zuweilen das eine oder andere Eigentor, was ihm am Ende nur Platz drei einbrachte. Die Vizekönigin zu sein, war Sophia Wollersheim vorbehalten. Die junge Frau, die von sich selbst sagt, dass an ihr nichts mehr echt ist. Vom Chirurgen vor allem durch die Atom-Implantate in der Brust verunstaltet, wurde sie zunächst von keinem so richtig ernstgenommen. Ein im Gefängnis gesessener, fast vierzig Jahre älterer Ehemann, der ein Bordell betreibt, konnte die Vorurteile gegen sie nicht gerade ausräumen. Aber sie präsentierte sich als tough und direkt, was ihr dann doch viele Pluspunkte einbrachte und sie auf Platz zwei schießen ließ. Der Titel allerdings ging an Menderes Bagci. Menderes wer? Man kannte ihn eigentlich nur als eifriger DSDS-Zuschauer, weil er dort in sturer Regelmäßigkeit in jeder Staffel sein zartes Sing-Stimmchen vorführt und genauso regelmäßig von Dieter Bohlen heruntergemacht und von den Zuschauern verspottet wird. Man könnte sagen, da ist einer aber auch selbst schuld. Im Dschungel erweckte er aber als einsame Jungfrau erstmal Mitleid, bevor er seine mutige Seite zeigte, sich zu jeder Prüfung selbst wählte und die, bei denen er antreten durfte, auch mit Bravour meisterte. Die ruhige, dankbare Art ohne Lästereien und Allüren brachte ihm dann am Ende genug Sympathien für Platz 1. Fazit: Die Staffel war besser als die letzte (gut, diese konnte auch kaum noch unterboten werden), aber an Staffeln wie die mit Ross Anthony kam auch sie nicht ran. Immerhin hatte RTL einige erfrischende Einfälle, die dem Ganzen ein Stück Staub von den Palmwedeln blies und gespannt auf das nächste Jahr machen. Was wir aber bitte niemals mehr wiederhören möchten, ist: "Come on", "Never give up" und vor allem "Kasalla".

^ up

< back