3. 11. 2017 Homepage

Story vom Pferd

„Sei geduldSam, Sung“, sagte Philips zu seiner koreanischen Frau Sung, einer großen Amazon. „Iphone you tomorrow. Und wenn ich wieder zurück bin, gehen wir mal wieder schön in die Cisco zum Abtanzen, bis die Telefunken sprühen.“ Philips war auf Geschäftsreise auf Huawei und Sung vermisste ihn schon sehnsüchtig. Aber heute hatte er keine Zeit, lange mit ihr zu telefonieren. Sie machte sich Sorgen um ihre Ehe. „Das funktioniert Sony, wenn er nie da ist. Da braucht man kein Oracle, um das zu sehen. Wir müssen an einem Strong ziehen.“ Vielleicht sollte sie sich einen Adobermann kaufen, damit sie nicht immer so allein ist. Sie hatte sich sogar schon überlegt, ob sie nicht zu Hause in Bayern eine Landwirtschaft betreiben soll, um eine Beschäftigung zu haben, wenn ihr Mann so oft auf Geschäftsreise weilt. Eine Hisense kaufen. Oder vielleicht Milch produzieren. Aber man hat ihr auf Anglo-Bayuvarisch zu verstehen gegeben, sie könne „Nokia“ (keine Kühe) kaufen. Und Milch verträgt sie als Asiatin sowieso nicht. Googlehupf isst sie aber gerne. Insgesamt isst sie auch gerne Sharp. Und sie trinkt gerne Applewoi.
Sie hörte es wieder klingeln, wusste aber nicht mehr Vodafone liegt. „Mannesmann, wo habe ich das bloß wieder hingelegt?“ Das Smartphone hatte eine Dell, weil es neulich heruntergefallen war. Es fiel in blaue Farbe, seitdem hatte es auch einen Blaupunkt auf dem Display und musste Grundig gereinigt werden. Immer diese verflixte Technics. Sie musste auch ihr Kennwood wieder neu eingeben, um das Telefon wieder verwenden zu können. Dann fand sie es wieder und ging ran. „Ich komme heim“, sprach Philips am anderen Ende. Er HTC halt lieb und kam vorzeitig wieder. Falls er seinen Job verlöre, könne ihm ja vielleicht der reiche Onkyo aus Amerika unter die Arme greifen. Dieser war ein Pioneer in Sachen Unterhaltungs-Elektronik. Er war auch für seine dummen Sprüche bekannt wie zum Beispiel "Wie sag' ich's meinem Kindle" oder "Beim Scrabble könnte man Yamaha verwenden - gibt immerhin zwei Punkte".

 

30. 10. 2017 Homepage

Influencer

Endlich gibt es Hoffnung. Für all die vielen Kiddies, die zu blöd (oder auch zu faul) sind, deutsche Grammatik und Rechtschreibung zu lernen und noch ein bisschen Allgemeinwissen draufzuschaffen. Die dabei scheitern, einen guten Schulabschluss zu schaffen und auch keinen Bock auf Lehre oder Studium haben. Sie müssen jetzt nicht mehr zum Islam konvertieren und sich irgendwelchen radikalen Terrorkackern anschließen, um es der Gesellschaft mal so richtig zu zeigen, die einen einfach nicht integrieren wollte. Nein, es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Und dieses Licht ist die neue Berufsbezeichnung „Influencer“. Man muss heute eigentlich nichts mehr können, außer ein bisschen ansehnlich auszuschauen und auf einem eigenen Internetkanal irgendwelche Beauty-Tipps oder ähnliches von sich zu geben. Ein bisschen wohlwollend über ein paar Produkte sprechen, deren Erzeugerfirmen dann offensichtlich genug Geld springen lassen, damit man ein Auskommen hat.
Ich frage mich, wen man hier mehr bemitleiden muss: den Influencer, der sonst nichts kann und sich der schon bald nahenden Endlichkeit seines Wirkens nicht bewusst ist, oder diejenigen, die den Quatsch auch noch regelmäßig anschauen. Sehen wir mal von ein paar notgeilen Teenagern oder Pädophilen ab, die so etwas nur als Wichsvorlage ansehen.

 

4. 10. 2017 Homepage

Ganz komisch

Dieses Mal schien alles perfekt für den Urlaub zu sein. Allen Verpflichtungen nachgekommen, die letzte halbleere Flasche ausgetrunken, alle Lieblingsserien noch in der Sommerpause, keine Termine. Und schon konnte es losgehen. Eigentlich war Costa del Sol geplant, aber nachdem eine ostdeutsche Urlaubsbegleitungs-Kandidatin im letzten Moment zurückzog, weil sie halt doch ostdeutsch ist, wurde es mit einer anderen Kandidatin dann eben wieder der Kompromiss Mallorca. Sie ist einer der wenigen Menschen, die da noch nie waren. Unfassbar. Und meine Lieblingsgegend mit meinem Lieblingshotel dort in Sa Coma - da war ich auch schon eine Weile nicht mehr.
Mit dem Buchen ist das so eine Sache. Mittlerweile gehören alle Reise- und Fluggesellschaften irgendwie zusammen. Alles ist "Schwester von ..." oder "Tochter von ...". Bei weg.de mit Bucher-Reisen geplant, kam dann direkt eine Bestätigung, dass die Abwicklung der Buchung eigentlich über die GfR mbH läuft. Okay, ist mir wurscht. Die vor Ort durchführende Reisegesellschaft sei Thomas Cook. Aber irgendwie auch Neckermann. Der Flug geht eigentlich mit Air Berlin, aber da diese pleite sind, dann doch über Niki Laudas österreichische Air-Berlin-Schwester "Fly Niki". Ich rufe noch bei Bucher-Reisen an, um die Bestätigung zu erhalten, dass die Maschine auch fliegt - immerhin sind gerade viele Menschen in verschiedenen Urlaubsländern gestrandet, weil Air Berlin und andere aus Kostengründen nicht mehr fliegen wollten. Man versichert mir, alles ginge in Ordnung. Und man bestätigt meine Theorie, dass heute alles irgendwie zusammengehört, schließlich sei die TUIfly auch mit im Boot und der Flug gilt offiziell eh als AllTours-Flug.
Beim Check-in, Sicherheits-Check und beim Einkaufen am Flughafen sind alle gut gelaunt und lächeln. Das habe ich noch nie erlebt. Ich befürchte, gleich von einem schönen Traum aufzuwachen und schockiert festzustellen, dass ich verschlafen habe und zu spät dran bin. Der bisher perfekte Verlauf ist dann aber doch echt.
Leider war der Flug buchungstechnisch wieder ein später - und so kommen wir erst am Abend an. Dabei fliegen wir durch zwei Wolkenschichten hindurch. Es ist bewölkt, aber schwülwarm. Der große Transferbus braucht nicht allzu lange und wir sind am Hotel. Ich erkenne es von damals wieder. Ein phantastisches Hotel: Die Leute nett, die Einrichtung schön, endlose wohlschmeckende Speisenauswahl - und der Strand ist sowieso geil. Wir bekommen unser Zimmer gleich unten im U1, wo auch die Haupt-Rezeption ist. Das heißt, wir haben keinen Balkon, sondern eine Terrasse. Ist uns aber egal. In einem Gang unseres Hoteltrackts gibt es ein Superluxusklo. Quasi die Präsidentensuite unter den allgemein zugänglichen Hoteltoiletten. Kommt man rein, geht automatisch das Licht an. Es stehen dort Blumen und Ruhebänkchen, alles riecht nach dem für die Einrichtung verwendeten edlen Holz. Fehlt nur noch, dass klassische Musik spielt und teure Gemälde an der Wand hängen.
Das Wetter auf den Balearen - wie leider jedesmal in den letzten zehn Jahren - spielt nicht immer mit. Die Wettervorhersagen aller Vorhersage-Dienste hatten durchweg blendendes Wetter vorhergesagt. Ich verfolge das während des Urlaubs teilweise und muss sagen: Sämtliche Vorhersagen für die Balearen sind komplett für den Arsch und stimmen niemals. Als sich unser erster voller Tag gleich mal sonnenarm zeigt, gehen wir auf die Zoo-Safari-Tour in Sa Coma. Wir sehen dort tatsächlich alle "wichtigen" Tierarten. Leider sind sie zum Teil einzeln in winzige Gehege gepfercht, das tut schon weh beim Zuschauen.
Danach folgen dreieinhalb wunderschöne Badetage (meist im Sand liegend, da zwei Liegen und ein Schirm mittlerweile 30 Euro kosten - zwei Minigetränke an der Stand-Bar inklusive, haha), bevor wir Samstagnachmittag zu einer nur etwas entfernt gelegenen Burgruine wandern. Unseren letzten vollen Tag verregnet es dann leider völlig - weshalb wir in Porto Christo endlich mal die Höhlen besichtigen. Ich fahre dort zum ersten Mal in einem Boot auf einem unterirdischen See - das kann auch nicht jeder von sich behaupten. Bis auf ein offensichtlich höchst asoziales russisches Paar halten sich alle an das wegen des empfindlichen Tropfsteinhöhlen-Systems bestehende Blitzlichtverbot beim Fotografieren.
Am letzten Tag werden wir schon gleich nach dem Frühstück abgeholt - macht aber nichts, denn das Wetter hat sich nicht gebessert und macht den Abschied einfacher. Der Fahrer des Transferbusses muss schon nach kurzer Fahrt einen längeren Stopp vollziehen, da zwei Busse in den engen Straßen die Weiterfahrt verhindern. Bis eine Dame vorne links sich meldet: "Wollen wir denn jetzt hier so lange stehen, bis an dem anderen Bus alle eingestiegen sind?" Ich muss mich sehr zurückhalten, um das nicht zu kommentieren. Um des lieben Friedens willen, macht der Busfahrer ein gewagtes Manöver mit Hin und Zurück und sehr knapper Vorbeifahrt. Als dies nun noch hämisch klatschend von der Dame kommentiert wird, kann ich nicht mehr an mich halten. Mir entgleitet ein "Halt die Fresse, da vorne!". Die alte Schachtel (caja vieja) murmelt echauffiert etwas vor sich hin, aber die Warnung scheint angekommen zu sein. Sie ist künftig ruhig.
Beim Heimflug muss ich staunen. Bei einem offiziellen Thomas-Cook-"Alltours-Flug" mit Fly Niki kommt eine Air-Berlin-Maschine mit einer TUIfly-Crew. Ohne Scheiß. Mit leichter Verspätung heben wir ab, in der Heimat fährt mir die S-Bahn davon, ich warte eine halbe Stunde auf eine andere, die dann auch unterwegs kurz liegen bleibt. Ganz so perfekt wie die Hinreise läuft die Rückreise leider nicht. Aber erholt ist man schon ein bisschen.

 

19. 9. 2017 Homepage

Vernebelt

Neulich mal wieder eine Diskussionssendung aus den 80er-Jahren gesehen. Nein, auf die Klamotten und Frisuren möchte ich jetzt gar nicht zu sprechen kommen. Es fiel nur auf: Damals wurde im Fernsehen noch hemmungslos drauflosgeraucht wie die Sau. Schaltete man nicht von Anfang an rein sondern erst später zu, sah man auf Anhieb erstmal nicht, wer alles da war. Und war alles komplett verraucht, sodass man überhaupt niemanden sah, dann war Helmut Schmidt dabei. So war das damals. Auch heute wäre vielleicht so mancher noch froh, es würde ihm der Anblick des einen oder anderen medial omnipotenten Zeitgenossen durch solchen Nebel erspart bleiben. Auch mit dem Alkohol ist man inzwischen vorsichtig. Nur der experimentelle Privatsender Tele 5 wagte sich, ein Talkshowformat einzuführen, welches dem Hochprozentigen huldigte und nur angeheiterte prominente Gesprächsteilnehmer zuließ. Aber auch diese Sendung soff schließlich ab. Vermutlich trinken aber die Zuschauer zu Hause heutzutage umso mehr, schon allein, um das gezeigte Programm zu ertragen.

 

1. 6. 2017 Homepage

Gespräch im Zug

"Ach, leck mich doch am Arsch!“ - „Ich darf doch sehr bitten.“ - „Nein, ich meine mein Handy. Oder vielmehr diese Website. Immer, wenn ich irgendwo drücken möchte, springt der Button woanders hin und ich klicke ungewollt auf einen Werbelink.“ - „Das ist normal, das gehört so. Irgendwie muss sich der ganze Scheiß ja finanzieren.“ - „Echt?“ - „Ja, kann man bestimmt auch irgendwo nachlesen.“ - „Muss ich da ein E-Book kaufen? Habe neulich ganz miserable Erfahrungen gemacht. Ein E-Book bei Thalia.de gekauft, welches die mir dann nicht wie versprochen zum Download bereitstellen wollten. Stattdessen sollte ich so einen Adobe-Ebook-Reader installieren, mit dem gab es dann eine Schadsoftware kostenlos mit dazu. Aber mit einem anderen würde das nicht funktionieren. Die scheiß Firma hat dann auf mehrere Kontaktmails nicht reagiert.“ - „Ja, das ist bekannt. Ist eine Betrügerfirma. Kauf deine E-Books lieber bei ebooks.de, da kannst jeden Reader verwenden, den du willst und die Daten gibt es auch völlig problemlos zum Download.“ - „Dann sollte ich das wohl machen. Habe mich beim Verbraucherschutz und in einem Bewertungsforum über Thalia beschwert. Erst da haben die dann reagiert und etwas von Kopierschutz gefaselt, das ginge dann nicht anders und überhaupt wäre ja alles meine Schuld. Scheißladen, halt.“ - „Ja, richtig gruselig.“ - „Apropos gruselig: Ich ärgere mich ja zurzeit immer, dass mittlerweile jeder Gruselfilm angeblich auf wahre Begebenheiten beruhen soll.“ - „Ja, völlig lächerlich. Hat irgendeiner mal losgetreten, jetzt macht es jeder. So wie bei Interviews in Zeitschriften. Da steht mittlerweile auch hinter jedem Kommentar ein (lacht) dahinter. Das nervt. Ist mir doch egal, ob der lacht. Und dann noch bei jeder Antwort. Sind wir denn hier in einem Interview oder beim Lachyoga?“ - „Ja, nervt voll.“

 

15. 5. 2017 Homepage

Germany no points again

OK, ganz so schlimm war es diesmal beim Eurovision Song Contest nicht. Immerhin gab es 6 Punkte - das hieß dann vorletzter Platz und nicht letzter wie in den letzten beiden Jahren. Aber was war da schon wieder los? Ich empfand den deutschen Titel dieses Jahr, wie in den letzten Jahren auch, als den besten in einer ganz schwachen Konkurrenz. Gut, Geschmäcker sind verschieden, aber dass wir immer den miserabelsten Song von allen haben, das kann ich nun wirklich nicht glauben. Schließlich werden die deutschen Titel mittlerweile von international erfolgreichen Musikern oder deren Autoren geschrieben. Für mich sieht es eher wie ein bewusster Boykott aus. Den Deutschen gibt man per se einfach mal keine Punkte. Würde Deutschland in 150 Teilrepubliken zerfallen, die sich bei der Bewertung dann gegenseitig die Punkte zuschustern, dann könnten wir auch einen furzenden Biber ins Rennen schicken - mit echten Siegchancen. Oder wir finden einen Buchmacher, der vor dem Wettbewerb einfach mal pauschal in die Welt hinaus konstatiert, der deutsche Titel sei der beste. So etwas half anderen zuletzt auch ganz gut. Den diesjährigen Siegertitel - wie auch die letztjährigen - wird man vermutlich aus Mangel an Qualität nie wieder irgendwo im Radio hören. Die Konsequenz für Deutschland kann nur sein, einfach einmal eine Weile auszusetzen und die anderen ihren Scheiß selbst finanzieren zu lassen. So lange, bis die Teilnehmer bereit sind, uns wieder fair zu bewerten.

 

22. 4. 2017 Homepage

Never change a winning horse ...

... oder so ähnlich geht doch der Spruch? Nichtsdestotrotz: Immer an das Gute glaubend, habe ich mich entschlossen, meinen gut funktionierenden aber veralteten und heute nicht mehr angebotenen Tarif bei Unitymedia zu wechseln. Für einen schnelleren Tarif, der nur ein paar Euro mehr kostet. Aber wie das so ist: Egal welcher Anbieter - so ein Wechsel funktioniert eigentlich nie auf Anhieb. Ich kenne zumindest keinen einzigen Fall. Bei der telefonischen Annahme meines Änderungswunsches ist noch alles cool und tippitoppi. Als ein paar Tage später die neue Horizon-Box kommt, geht das Malheur aber schon los, indem sie sich nicht installiert. Ein Anruf bei der Hotline ergibt: Man hat "vergessen", mir einen Splitter mitzuschicken, eine kleine Zwischensteckdose, ohne die das so gar nicht funktionieren kann. Sie würde natürlich sofort nachgeschickt, es dauert dann aber doch fast eine ganze Woche, bis das Ding kommt. Und natürlich funktioniert es auch mit diesem Ding nicht. Zweiter Anruf. Entgegen aller Beteuerungen (ich hatte es sogar schon schwarz auf weiß per Mail und sogar als Brief bekommen) ist der Dienst immer noch nicht freigeschaltet. Das würde nun umgehend gemacht - und ein paar Stunden später ist die Installation tatsächlich geschafft. Aber halt: Meine zusätzlich gebuchten HD-Sender sind nicht freigeschaltet. Ich brauch doch unbedingt Fox. Dritter Anruf. Oh ja, das hätte man noch nicht gemacht. Ein Fingerschnipp, und schon während des Anrufes sind die Sender frei. Toll. Endlich.
Einen Tag später sind die Sender aber wieder weg, und beim Versuch sie einzuschalten, bekomme ich nur noch Fehlermeldungen. Vierter Anruf. Mittlerweile kann ich die Warteschleifenmusik mitsummen. Hätte sie einen Text, hätte ich den vermutlich bereits auswendig gelernt. Man schickt ein Signal an das Gerät und ich solle mich in einer Stunde wieder melden, wenn es dann immer noch nicht funktioniert. Nach einer Stunde funktioniert nicht nur das noch nicht, ich habe mittlerweile auch kein Internet mehr. Fünfter Anruf. Mittlerweile werde ich echt ungehalten und drohe damit, den ganzen Scheiß wieder einzupacken und zurückzuschicken und zum alten Vertrag zurückzukehren, wenn Unitymedia offensichtlich nicht fähig ist, so einen beschissenen Tarifwechsel zu vollziehen.
Abends ist Fernsehen ok, Internet geht, aber langsam. SMS weist auf notwendigen Werkseinstellungs-Reset am Modem hin, den ich vornehmen muss. In der Tat ist das Internet danach schneller. Allerdings sind einige HD-Sender wieder weg. Sechster Anruf am nächsten Morgen. Mittlerweile kenn ich bald alle Service-Mitarbeiter persönlich. Diesmal scheint jemand Kompetenteres dran zu sein als zuletzt, sein Werkseinstellungs-Tipp erweist sich aber als wertlos. Ich habe am nächsten Tag schon den Hörer für den siebten Anruf in der Hand, da meldet sich ein vom sechsten Anrufbeabeiter beauftragter Techniker bei mir. Er kommt, sieht und macht. Mit einem Blick sieht er das Problem: Der alte Verstärker am Hauszugang ist für den neuen Service nicht mehr stark genug, er muss getauscht werden. Das macht er - und wenige Minuten später funktioniert endlich alles, wie es soll.
Nun könnte man sagen, dass ich bestimmt nicht der einzige bin, bei dem der Verstärker das Problem war. Und zumal ich die Symptome gut beschreiben konnte, könnte man erwarten, dass die Hotline-Mitarbeiter da sofort drauf kommen und mich nicht zwei Wochen lang mit Aussagen wie "haben Sie auch alle Kabel richtig eingesteckt?" hängen lassen. Tags darauf bekomme ich per Mail die Bitte, an einer Umfrage teilzunehmen. Wie ich mit dem Service zufrieden war und so. Ich kann mich so richtig austoben und miserable Noten verteilen. Außer für den Techniker, der bekommt eine Eins.
Wenige Zeit später kommt mit der Rechnung die nächste Ernüchterung: Mir wird ein Service in Rechnung gestellt, der laut Website eigentlich die ersten zwei Monate kostenlos sein soll. Ich rufe wieder an und erfahre, dass ich ja schon bei der Bestellung gesagt hätte, dass ich den Service nach den zwei Monaten ganz sicher weiter nutzen möchte, damit wurde er von vorneherein fest gebucht und ist kostenpflichtig. Ich frage, ob man bei Unitymedia mittlerweile jeden Euro braucht und man deshalb so spitzfindig mit jahrzehntelangen Kunden umgeht. Daraufhin kommt man mir mit zunächst einer Gutschrift für einen Monat, dann aber doch mit einer Gutschrift für zwei Monate des Services entgegen, sodass man nun doch seine Vertragsmodalitäten einhält. Ich hoffe, ich werde nun erstmal keinen Grund mehr haben, dort anzurufen.

 

1. 3. 2017 Homepage

Ei häd a driem ...

... und das war kein schöner, irgendwie. Eher ein Albtraum. Ich träumte, ich war Zuschauer in der Sendung von Florian Silberlöffel und Helene Zischer: "Das Frühjahrs-Fest der Schlagerzombies". Als nächstes sollte Hansi Hinterlader seine neue Platte "Sodomie is schee" vorstellen. Seine Zielgruppe kauft ja noch Platten. Oder noch schlimmer: Kassetten. Er kam aber nicht, war leider verhind(t)ert. Stattdessen kam Andrea Zwerg, die gefühlt 80-jährige Schlageroma aus Großaspach, in Strapsen auf die Bühne. Ein Bild, das sicherlich nicht dazu beiträgt, jemals wieder eine Erektion bekommen zu können. Manche Bilder bekommt man nie mehr aus dem Kopf.
Danach vertrat Andi Kork das eigentlich eingeladene Spaßduo Roberto Kranko und Zoni Arschall, denn diese mussten ein Autohaus in Lüttringhausen einweihen. Abends? Ja, schon komisch. Wahrscheinlich, weil der Name des Autoherstellers Programm ist: Dai hat (schon) su. Und so macht man vielleicht konsequenterweise auch gleich die Eröffnung vor geschlossener Tür. Aber egal, die Sendung kam auch ohne die beiden Spaßspasten aus. Außerdem hatte Kranko auch noch ein paar Weibergeschichten zu regeln. "Ein bisschen Spaß" muss ja schließlich sein.
Auf dem Höhepunkt der Veranstaltung sangen Roger Shitacker und Roland Scheisser erstmals im Duett. Und das klang genauso scheiße, wie man es sich vorstellt. Zum Abschluss traten dann noch die Schweizerin Beatrice Eklig, die dereinst von Dieter Polen gecastet wurde, und danach Bubikopf Claudia Dung auf. "Wann ist es denn endlich vorüber?", dachte ich fast flehend - da kamen auch schon die Zugaben von Würgen Drews, dem König von Mallorca, und vom Höllehöllehölle-Sänger Stuhlgang Petry, der sich anschließend mit seinen Freundschaftsbändern an der Bühnendecke erhängte.
Ich sah mich um, war mit Abstand der Jüngste im Saal und dachte mit Schrecken daran zurück, wie ich in einem Urlaub einmal von einer russischen Stalker-Oma verfolgt wurde. Nein, das will ich nicht mehr. Ich wollte aufwachen, ganz schnell aufwachen!

29. 1. 2017 Homepage

"La familia" am Arsch!

Endlich war es wieder soweit: Das Dschungelcamp öffnete wieder seine Pforten. Teilte man als Zuschauer seither das Teilnehmerfeld nach Sympathie ein und hatte damit schon bald seinen Favoriten, fiel das dieses Mal extrem schwer. Es schien eine Gruppe zu sein, die irgendwie ausschließlich aus Unsympathen bestand. Zudem war mehr Plastik im Camp als im Playmobil-Land. Botox und Implantate allüberall. Da wollte auch Moderatorin Sonja Zietlow nicht hintanstehen, und machte mit. Im Gegensatz zu manchen der Camper hörte sie aber vor der totalen Entstellung rechtzeitig auf. Offenbar war auch fast jeder Teilnehmer bis zum Arschloch tätowiert. Vielleicht, damit sie etwas zu lesen haben, wenn's mal langweilig wird.
Vom Modus her blieb RTL seinen Ideen vom letzten Jahr treu und begann mit zwei Camps (Base Camp und Snake Rock), die Langweiligkeit ähnelte aber der Maren-Gilzer-Staffel. Zwar gab es im erfolgreichen Base Camp zunächst lange Gesichter, als die Loser von Snake Rock, die die Battles gegeneinander stets verloren hatten und tagelang hungerten, dann hinzustießen; aber sehr bald waren alle plötzlich "La familia grande". Und weil es so heimelig war, ging dieses Jahr erstmals keiner vorzeitig freiwillig.
Mit Essensprüfungen hielt man sich "beim RTL" diesmal glücklicherweise etwas zurück. Spätestens bei Kamelhirn in Urinsoße müsste doch eigentlich auch dem naivsten Zuschauer klar geworden sein, dass das, was da als Delikatesse der Aborigines verkauft wird, in wirklichkeit einfach alles nur sadistischer Scheiß ist, von dem sich auch kein noch so hinter dem Mond befindliches Urvolk - schon gar nicht die Aborigines - ernährt. Auch bemühte sich RTL wieder, durch schnelle Schnitte und besondere Kamerawinkel weitestgehend zu vertuschen, dass den Krokodilen die Schnauze zugebunden und den Krebsen die Scheren aufgeklammert wurden. Vermutlich werden auch Skorpione entstachelt und andere Tiere ruhiggestellt. Man kann ja nicht zulassen, dass die Z-Promis auch noch zu Schaden kommen.
Als erste heraus musste nach einer Woche dann Fräulein Menke. Hat sie auch einen Vornamen? Man weiß es nicht. Jedenfalls wurde er nicht genannt. Sie als "Star der Neuen Deutschen Welle" Anfang der 1980er-Jahre zu bezeichnen, wäre vielleicht ein wenig beschönigt, hatte sie doch mit "Hohe Berge" und "Tretboot in Seenot" nur zwei Hits zu verzeichnen, die obendrein auch noch ziemlich doof waren.
Völlig überraschend war das zweite Opfer Sarah Joelle Jahnel. Wer? Gute Frage. Man muss schon die Sichtungssendungen von DSDS und Unterklassenformate wie "Promi Big Brother" und "Adam sucht Eva" ansehen, um sie zu kennen. Sie zieht sich halt gerne aus. Die ehemalige Dschungelcamp-Teilnehmerin Micaela Schäfer ist ihre Freundin, das sagt schon Vieles. Zunächst unscheinbar, bekam Sarah Joelle nach einer Woche plötzlich einen Koller und mutierte zur pubertierenden Nervziege, nach dem Motto "Ich werd was machen, aber ich sage nicht was". Den Zuschauern war das dann ganz schnell zu blöd.
Als Drittes erwischte es Markus Majowski. Offiziell ein Comedian. Und tatsächlich hat er im Comedyformat "Die dreisten Drei" mitgespielt. Das muss aber nichts heißen, wie man schon bei Tanja Schumann in einer früheren "Ich bin ein Star - holt mich hier raus"-Staffel gesehen hat. Majowski wurde zum Camppsycho, machte den anderen Angst und den Zuschauern wohl auch.
Dafür, dass es im Camp überhaupt nichts mehr für's Auge gibt, sorgten die Zuschauer leider nach zehn Tagen: Sie wählten die Schauspielerin Nicole Mieth heraus. Gut, die "Verbotene Liebe"-Darstellerin fiel jetzt auch nicht so sehr auf, aber rein für die Optik hätte es für das Playboy-Bunny von 2017 ja noch ein paar Tage so weitergehen können - immerhin ist bei ihr noch alles echt, wenn auch klein. Das war insbesondere in diesem Jahr ein hervorstechendes Merkmal.
Seither konnte man sich in allen IBES-Staffeln darauf verlassen, dass die langweiligen Camper als erstes herausgewählt wurden und die Leute mit Unterhaltungswert möglichst lange drin bleiben durften. Dieses Mal war aber irgendwie alles anders. Und so traf es als nächstes völlig überraschend das Model Gina-Lisa Lohfink, was das Camp zu diesem Zeitpunkt fast frauenlos machte. Hielt man Gina-Lisa zuvor für eine arrogante und doofe Kunstfratze, konnte man sich während ihres Dschungelaufenthalts davon überzeugen, dass sie doch eigentlich mehr ein unendlich naives Ding ist, das alleine nichts auf die Schippe bekommt. Sieht man ihre Bilder von früher - also bevor sie sich zu Daisy Duck umoperieren ließ - sah sie sogar mal ganz gut aus.
Dass man mittlerweile nicht mal mehr Z-Promi sein muss, um bei diesem Format mitmachen zu dürfen, sondern, dass es heute schon reicht, einmal mit einem Z-Promi gevögelt zu haben, wurde bei "Honey" deutlich. Alexander Keen hatte mal was mit einem "Germany's Next Top Model" und hat diese dann angeblich verlassen, weil sie sich für ihre Rolle die Haare kurz schneiden lassen musste. Zunächst dachte man sich bei ihm: "Ohje, ein Schönling, ein Milchbubi." Dann merkte man, dass er ja doch ganz gescheit und kompetent ist. Er konnte sogar ein bisschen tough sein, wenn er wollte. Wenn er nicht wollte, schob er eine Bronchitis vor, die er die ganze Zeit über rauchend gut pflegte, oder er benutzte einen dicken Hals als Ausrede. Zuletzt änderte man seine Meinung über ihn dann nochmals und hielt ihn für einen bornierten, selbstverliebten Manipulator. Er versuchte, bei Gina-Lisa zu landen und doch auch wieder nicht. Sein Dauergrinsen schien hinterfotzig. Weil die Zuschauer dann auch langsam einen dicken Hals bekamen, musst er am Tag 12 raus.
Mittlerweile müsste hinlänglich bekannt sein, was ich von Deppen halte, die auf Mallorca dumme Schlager für besoffene Deutsche singen. So gesehen war ich entsetzt darüber, dass "Goodbye Deutschland"-Auswanderer Jens Büchner erst am Tag 13 ausschied. Bis dahin war er eigentlich kaum aufgefallen. Wenigstens nicht positiv.
Kader Loth war eigentlich nur Ersatzkandidatin für Nastassja Kinski, die kurz vor Abflug noch den Arsch zusammengekniffen hatte. Kader Loth ist erfahren in Sachen Reality TV. Von "Big Brother" bis zur "Alm" hat sie alles schon durch. Jetzt also der Dschungel als "Champions League", wie sie sagte. Dafür, dass sie sonst nichts kann, war sie erstaunlich beliebt und ebenso erstaunlich lange drin. Erst als Fünftletzte wurde sie herausgewählt. Man hatte ja die Befürchtung, dass sie als arrogantes und verwöhntes Luxus-Weibchen ständig nach dem Zimmerservice rufen wird, aber ihre Beschwerden hielten sich dann doch in erfreulichen Grenzen. Ach, wenn nur das Gehirn mit dem operierten Michael-Jackson-Lookalike-Mund mithalten könnte, man hätte sie irgendwann ja fast doch sympathisch finden können.
Der Fußball-Weltmeister Thomas "Icke" Hässler scheint noch viele Fans zu haben. Anders ist es nicht zu erklären, wie einer, der nur vom einen Eck ins andere liegt und sich - wie Jens Büchner - möglichst um jede Aufgabe drückt, erst kurz vor dem Finale hinausgewählt wird. Der Kettenraucher begann eigentlich erst zu reden, nachdem man ihm die Zigaretten weggenommen hat - dann wollte er aber "RTL kurz und klein schlagen" und ihnen "vor die Kameras scheißen". Dazu kam es dann glücklicherweise nicht mehr. "Ich bin ein Star - ich halt mich hier raus" ist eben kein Gewinner-Motto.
Das Finale sah als ersten Florian "High class" Wess gehen. Wie soll man den Typ beschreiben? Botox-Boy aus einer Familie, die sich vom Haaransatz bis zum kleinen Zeh mit Botox vollpumpen ließ. Oder "als Kind in das Botox-Fass gefallen". Karriere bislang? DJ, Designer, Sänger, "Big-Brother"-Teilnehmer, Schauspieler - eigentlich alles, aber nichts richtig. Als Verlierertyp hatte er den Welpen-Bonus, was ihn auf Platz 3 trug.
Durch die Teilnahme bei "Big Brother" im Jahr 2000 und danach durch ihre Makler-Serie "Mieten, kaufen, wohnen" wurde Hanka Rackwitz nicht halb so berühmt wie durch ihre Zwangshandlungen und sonstigen psychischen Erkrankungen. Das nervte dann auch zuweilen Camper wie Zuschauer - hatte aber einen hohen Unterhaltungswert, was ihr letztlich Platz 2 eingebracht hat. Immerhin war sie mit Abstand die intelligenteste Teilnehmerin und bei Wissens- und Buchstabier-Challenges die einzige Kompetente unter lauter Analphabeten und Legasthenikern.
Dschungelkönig wurde wieder ein Ausländer. Ein Amerikaner, der doch tatsächlich Donald Trump gewählt hat: Marc Terenzi. Seine Karriere war wie eine Lawine: stark abwärts tendierend. Zunächst Sänger bei der Boyband "Natural", dann die im Fernsehen ausgeschlachtete Ehe mit Sarah Connor ... dafür tut er mir unsäglich Leid ... und heute verdient sich der Frauenheld sein Geld als Stripper. Sein Denglisch ("Ick hab keine Ähnung - the Regels sind the Regels.") musste stets untertitelt werden, doch war er beim Publikum mit viel Abstand der Beliebteste und bekam letztlich die Dschungelkrone.
Ob es eine zwölfte Staffel gibt, ist noch nicht klar, weil der Vermieter des Dschungelcamps keinen Bock mehr auf all die internationalen "Promis" hat. Schauen wir mal, ob er sich nochmal für viel Geld bequatschen lässt oder ob das Format eingestampft oder verlegt werden muss - dann vielleicht doch nach Köln ins Studio?

 
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