15. 5. 2018 Homepage

Die Rückkehr nach Ägypten

Ich sitze mit einem befreundeten Paar plus Kind in der S-Bahn. Ein Penner steigt zu, der sich offenbar in die Hose gemacht haben muss, denn in Sekundenschnelle verbreitet sich ein stechender Uringeruch im gesamten Zug. Mein Kumpel betätigt bei jedem Halt nochmals zusätzlich den Türknopf, um den zwischenzeitlichen Luftdurchzug zu verlängern. Dadurch kommen wir mit 4 Minuten Verspätung am Flughafen an. Aber Zeit ist am Flughafen sowieso relativ. Den eigentlich geplanten Flug mit der türkischen Sun Express hatte man uns vor ein paar Wochen storniert und stattdessen einen Condor-Flug gegeben. Diese hatten aber offenbar auch keine Lust und lassen den Flug von der britischen Titan Airways durchführen, die uns dann auch sicher ins ägyptische Hurghada bringt.

Aufgrund der Flughafennähe des Hotels dauert der Transfer nur wenige Minuten, und nach dem Checkin im Hotel folge ich dem Kofferträger zu meinem Zimmer. Noch ein Gang, noch ein Gang, noch ein Gang ... ich frage mich langsam, ob mein Hotelzimmer noch in Hurghada liegt. Nach mehreren Hundert Metern sind wir dann angekommen. Ein sehr langer Weg zu Lobby und Restaurants, aber mit direktem Strandzugang. Das ist toll, da kann man vom Strand aus zum Pinkeln ins Hotelzimmer.

Ich habe beschlossen, mich diesmal ausnahmsweise am Hotelsport zu beteiligen. Da zwei Leute keine Schuhe dabei haben, müssen wir Fußball barfuß spielen, was auf dem heißen Kunststoff-Platz bei allen schnell zu Blasen und Brandwunden führt. Es wird in der Folge kein Fußball mehr angeboten. Stattdessen gehe ich zum Dart. Die süße junge weißrussische Animatöse nennt mich in Abwandlung meines Namens erst "Michael Jackson", später aber dann "Maiki", das ist mir dann auch lieber. Ein anderer Animateur ist ein junger Kerl aus Bremen, sonst ist er aber ganz nett. Kurz vor Beginn des Spiels schwebt noch eine russische junge Touristin ein, die von allen mit "da kommt unsere Beste" begrüßt wird. Was für ein Auftritt. Ihre Hochnäsigkeit weicht aber bald einem zunehmend länger werdenden Gesicht, als sie bemerkt, dass "ein Neuer in der Stadt" ist und ich das Spiel nach Belieben gewinne. Die Frage, ob ich noch ein wenig üben möchte, hatte ich vor dem Spiel bereits mit den Worten "nein, ich kann das schon" beantwortet. Die weiblichen Animateure brauchen allesamt Taschenrechner, um beim "301" herunterzurechnen. Lächerlich. Der Animateur aus Bremen kommentiert das nicht, kann das aber ohne.

Kumpel verhandelt mit einem Quadanbieter am Strand hart, und so kommen wir günstig zu einer Quad-Tour durch die Wüste. An diesem Tag ist es stark grau bewölkt und selbst die Einheimischen erwarten "vielleicht etwas Regen". Na toll, jetzt hat es in diesem Land 5000 Jahre nicht geregnet, und wenn ich da bin und so eine verfickte Quad-Tour machen will, schüttet's. Das Wetter hält dann aber doch, es Regnet nicht. Wir erwarten ein gemütliches Gezuckel, wie damals in Tunesien, stattdessen heizen wir aber alsbald durch die Wüste und fressen trotz mehrschichtigem Sicht- und Mundschutz Dreck, dass es nur so kracht. Rast wird in einem Beduinendorf gemacht, wo man einen Tee bekommt und Kamele reiten kann, wenn man denn will. Das hatte ich aber schon, und mein Kumpel hat daran kein Interesse. Unser Guide verabschiedet sich von den Anwesenden später demonstrativ mit "Bye bye, Beduine", sodass uns spätestens da klar wird, dass das Beduinendorf nur ein Fake ist. Wir heizen zurück und dürfen nach der Teilnahme an einem kleinen Bufett noch eine Stunde ägyptische Folklore in einem kleinen Freiluft-Theater erleben. Dann werden alle mit vielen Bussen zu ihren Hotels zurückgekarrt.

Ich sehe in meinem Hotel viele hilflose Eltern, deren Kinder überhaupt nicht hören wollen. Mir selbst fällt beim Essen ein "Pommfrit" aus dem Teller. Wie ungeschickt. Ich ess schnell alle anderen Pommes Frites in meinem Teller auf, damit, wenn der Mann mit dem Besen kommt, er nicht weiß, dass es von mir ist.

Die übliche Kaffeefahrt-Verkaufsveranstaltung des Reiseveranstalters zu Beginn der Reise hatte ich geschwänzt. Ich sagte, ich kenne den ganzen Quatsch schon und überreichte die ausgefüllten Rückreisedokumente. Man nahm mir das offenbar übel, denn mein Transfer mit Schauinsland-Reisen kam nicht. Nur einer für den Flug nach Frankfurt, der wollte mich nicht mitnehmen. Moment mal ... fahren die Touristen mit verschiedenen Bussen zum Flughafen, je nachdem, wo sie hinfliegen wollen? Das macht doch wirtschaftlich keinen Sinn. Ich fahre für ein kleines Bakschisch dann mit dem Alltours-Bus meiner Freunde mit, um an den Flughafen zu gelangen, wo ein Sicherheitsmensch aus völlig unerfindlichen Gründen nur einen Bus alle paar Minuten einfahren lässt. Mein Busfahrer fängt an, mit ihm zu diskutieren und es hört sich an, als ob einer von beiden jetzt gleich eine Knarre zieht. Nach fast einer halben Stunde können wir dann aber endlich auf's Flughafengelände fahren.

Von den Sicherheitskontrollen im Hurghada-Flughafen bin ich überrascht. Ich war vom letzten Aufenthalt vor fünf Jahren ein laxeres Vorgehen gewohnt. Nun aber wird man gleich mehrmals gefilzt. Sogar die Schuhe muss man ausziehen. Ein Wunder, dass man überhaupt etwas anbehalten darf. Jedes Gepäck wird durchwühlt. Meine Freunde dürfen den Kinderroller nicht mit zurücknehmen, weil man damit "den Pilot verletzen" könnte. Mit einer Handtasche könnte man das auch, ist für sie aber kein Argument. Ein kleines Mädchen ist fast am Weinen, weil man es wegen ihres Haltungs-Korsetts um den Bauch zwingt, sich zu entblößen und dann fast verhaftet. Auch ein Mensch mit dem Arm in der Schlinge wird herausgewunken. Vermutlich muss er seinen Arm dalassen.

Der Condor-Rückflug wird wieder nicht von Condor durchgeführt, sondern von der litauischen Avion Express. In einer Thomas-Cook-Maschine. Das Boarding beginnt eine halbe Stunde zu spät und wird dann auch noch mittendrin für eine Viertelstunde unterbrochen. Im Flugzeug wird dann noch fünf Mal durchgezählt, ob wirklich alle drin sind. Wir sitzen in einer Sardinenbüchse namens A320 und haben danach alle kollektiv Haltungsschäden. Mein Koffer ist wieder einer der letzten, sodass wir die Bahn verpassen und erst weit nach Mitternacht zurück sind. Aber das kenne ich ja alles schon.

 

29. 3. 2018 Homepage

Hier wohnt (nicht) Chuck Norris

Plötzlich war er verstorben, der alte Grieche unter mir. Griechen werden ja normalerweise uralt, weil sie ihr ganzes Leben lang nichts arbeiten. Nun, dieser war nur knapp über 80 oder so. Auf jeden Fall wurde ganz plötzlich die Wohnung frei. Sowas bleibt beim heutigen Wohnraummangel nicht lange verborgen. Noch bevor der Grieche unter der Erde war - es gab keinerlei Info in der Zeitung - wurden schon die ersten Interessenten vorstellig. Da der alte Name noch am Briefkasten stand, kam zudem immer noch Post, die man den Erben weiterschicken musste. Voll blöd. Ich machte das Schild weg, und wo vorher noch ein komplizierter griechischer Name gestanden hatte, klaffte jetzt eine ganz leere Lücke. Die Leute rannten uns nun die Bude ein und wollten alle am besten sofort die Wohnung mieten. Dabei ist sie ja eigentlich ab Sommer schon wieder vergeben und muss zuvor erstmal gründlich saniert werden. Ich beschloss, wieder einen Namen, einen Fantasie-Namen an Briefkasten und Klingel anzubringen. Entschied mich für Chuck Norris. Seitdem fragt keiner mehr.

 

4. 2. 2018 Homepage

Ich will raus

Giuliana Farfalla … das klingt nach etwas zu Essen. ist es aber in diesem Fall nicht. Höchstens zum Vernaschen, wem’s gefällt. Sie stieß schon am sechsten Tag „an ihre Grenzen“ und ging. Damit hatte auch die 12. Staffel von „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ den ersten vorzeitigen freiwilligen Abgänger. Im Großen und Ganzen verlief das Dschungelcamp nach altbewährtem Muster. Das hat den Nachteil, dass die Teilnehmer sehr berechnend und gut vorbereitet agieren konnten. Das Zweitcamp „Snake Rock“ wurde wieder aufgegeben, dafür gab es zwei Dschungeltelefone, damit bei einem Streit beide Parteien gleichzeitig abledern konnten. Können hätten. Wenn es denn in diesem langweiligen Haufen Grund dazu gegeben hätte. Wieder einmal kannte Otto Normalverbraucher fast keinen der Camper im Voraus, was sehr schade ist und letztlich auch die Einschaltquoten hemmt.

Den ersten Schwund gab es mit Giuliana Farfalla also schon in der ersten Woche. Offiziell ist sie Model und Influencerin. In Wahrheit hat die als Junge geborene und später umoperierte Frau mal bei Germany’s Next Topmodell mitgemacht und sich als erstes Transgendermodel für den Playboy ausgezogen. Sie war etwas für’s Auge und hätte von der Beliebtheit her vielleicht sogar unter die ersten Drei kommen können. Sie wollte dann aber lieber schnell wieder gehen. Zu schüchtern, zu unsicher, zu einsilbig. Vermutlich haben sie die anderen Camper furchtbar gelangweilt. Ein Wunder, dass nicht auch Dr. Bob nach wenigen Tagen schon frustriert abgewandert ist. Aber wo hätte der auch hin sollen?

Sandra Steffl war nach einer Woche die erste, die gehen MUSSTE. Die nicht allzu bekannte Schauspielerin und Moderatorin grinste ab und zu in die Kamera … das war zu wenig. Sie bekam die wenigsten Stimmen.

Als Spaßvogel wurde uns Sydney Youngblood versprochen. Das Two-Hit-Wonder aus den 80ern verbrachte stattdessen eine Woche damit, täglich herumzuheulen „Ich geh wieder, ich vermisse meine Frau“. Passend zu seinen Hits „Sit and wait“ (till I can go home) und „If only I could“ (leave at once). Die Zuschauer hatten dann ein Einsehen.

Von Ansgar Brinkmann hatte man sich einiges erhofft. Der mindertalentierte Ex-Fußballer, der es bei fast zwei Dutzend Vereinen nicht gebracht hat, hatte aber ein großes Problem, sich den Regeln unterzuordnen. Es folgte mehr als eine Woche Gemotze wie bei einem bockigen, kleinen Kind. Bis er dann nach einer erneuten Regelverstoß-Strafe hinwarf und freiwillig ging. Er wollte wohl sein „Bäm“ zum Dschungelslogan machen wie einst Thorsten Legat sein „Kasalla“. Auch das wollte aber nicht so recht klappen.

Von Anfang an angezählt war „Society-Lady“ Tatjana Gsell. Mit dem Unterhaltungswert eines in der Ecke stehenden Kartoffelsacks und einem kaputtoperierten Gesicht, welches einfach nur noch nach Hilfe schreit, war sie stets die Camperin, für die am wenigsten Zuschauer anriefen. Da es aber freiwillige Auszüge gab, musste sie länger bleiben, als ihr lieb war.

Endlich endlich musste als nächstes dann auch Natascha Ochsenknecht das Camp verlassen. Gewohnt unsympathisch, besserwisserisch und humorvoll wie ein Leichensack hatte sich die „Ex-Frau von Uwe Ochsenknecht“ (mehr ist sie nicht, auch wenn sie sich selbst gerne "Medienprofi" nennt) anderthalb Wochen lang größtenteils erfolgreich um jegliche Dschungelprüfung gedrückt. Immerhin hat sie die Zeit genutzt, um Deutschland zu erklären, warum ihre hässlichen Kinder so doofe Namen haben.

Parallelen zu Micaela Schäfer gab es bei der gescheiterten Bachelor-Kandidatin Kattia Vides. Auch die Kolumbianerin zeigte Haut, machte tough und ohne Murren, was von ihr verlangt wurde … und wurde trotzdem noch vor dem Finale hinausgewählt. Schade.

Als selbstverliebte Diva wurde „Reality-Star“ (Ab ins Beet, Hot oder Schrott) Matthias Mangiapane selbst in homosexuellen Kreisen zum Hassobjekt. Er nervte und wurde dafür in der ersten Woche von den Zuschauern in jede Prüfung gewählt, welche er dann entweder verweigerte, verbockte oder hinterher laue fünf Sterne feierte wie einst Peter Bond. Immerhin war er - wenn auch auf negative Weise - unterhaltend, was ihm den fünften Platz einbrachte.

Ähnlich wie Kattia Vides erging es dem Bachelorette-Gewinner und Musiker David Friedrich. Er erwies sich als äußerst genügsam und tough, meisterte seine vielen Dschungelprüfungen in der zweiten Woche mit Bravour. Und dennoch fanden ihn die Zuschauer wohl zu langweilig, um ihn bis ins Finale zu tragen. Schade.

Dritter wurde der "Camp-Zombie", die Schlagersängerin Tina York, Schwester von Mary Roos. Sie schlief mit offenen Augen und Mund, eckte nirgendwo so richtig an und musste eigentlich auch erst am Schluss eine Prüfung ablegen. Eigentlich wollte sie längst zu Hause sein, als das Finale begann. Aber die Zuschauer mochten ihre drollige Art.

Der "Camp-Psycho" war der Sänger (irgendwann mal bei DSDS) Daniele Negroni. Spätestens nachdem man dem Kettenraucher seine Zigaretten wegnahm, war er nicht mehr zu ertragen. Immerhin hatte er Unterhaltungswert, das hat ihn bis zum zweiten Platz geführt. Als er aber am Schluss seine Missgunst den Leistungen der anderen beiden Finalisten gegenüber nicht verbergen konnte, reichte es letztlich nicht zum Sieg.

Nicht nur Siegerin der Herzen sondern Dschungelkönigin wurde verdientermaßen die "Influencerin" und Halbschwester von Daniela Katzenberger, die 25-jährige Jenny Frankhauser. Als Haupt-Opfer von Matthias Mangiapanes grenzenlosem Geltungsbedürfnis, hatte sie von Anfang an viele Sympathien auf ihrer Seite. Sie hatte einige sehr unangenehme und schwere Dschungelprüfungen, aber fast alle hervorragend gemeistert. Am Ende hatte sie sich genug Selbstbewusstsein erspielt, um Krone und Zepter gewinnen zu können.

Insgesamt war dies wirklich das Schnarchzapfigste aller bisheriger Dschungelcamps. Vielleicht noch schlimmer als die Maren-Gilzer-Staffel. Das war dann auch an den historisch niedrigen Quoten abzulesen. Kein Zusammenhalt, auch kein persönlicher Dauerzoff. Nur Individualisten, von denen die meisten schnell raus wollten oder sich zumindest durchschlängeln, möglichst ohne etwas leisten zu müssen. Zudem hatten alle Probleme mit den Regeln und nörgelten nur herum.

Eine weitere Neuerung in diesem Jahr erwies sich aber als echter Geheimtipp: Immer direkt nach Ende der Sendung „im RTL“ konnte man umschalten auf RTL plus zu „Ich bin ein Star, holt mich hier raus - die Stunde danach“. Die bezaubernde Angela Finger-Erben, als Moderatorin gar nicht mal soo bekannt, führte im deutschen Fernsehstudio täglich locker und sympathisch durch diese Talkshow. Und wenn die richtigen Gäste da waren (wie Ross Antony, Olivia Jones oder Jürgen Milski), war das Ganze sogar lustiger und kurzweiliger als das eigentliche Dschungelcamp, obwohl hier nur über das soeben Gesehene getalkt (und gelästert) wurde. Das sollte auf jeden Fall beibehalten werden - nur bitte unbedingt ohne die Gäste Helena Fürst und Sarah Dingens.

 
^ up

< back