8. 10. 2019 Homepage

Wieder Ägypten

Ich nutze mal wieder den Online-Check-in und bin ein bisschen enttäuscht darüber, dass man sich bei Condor den Platz nicht aussuchen kann. Am nächsten Tag am Flughafen stelle ich mich am Schalter „Baggage dropoff und Premium-Kunden“ an, bis ich von einer missmutigen alten Hexe verscheucht werde, das hier sei nur der Schalter für die betuchten Fluggäste. Mein überraschter Blick und der Fingerzeig auf die Leuchttafel veranlasst sie dazu, den „Baggage dropoff“ auszuschalten, sodass der Schalter nur noch für Premium-Kunden da ist. Meine Nachfrage am Condor-Infocounter bestätigt, dass ich mich richtig angestellt hatte. Eine weitere, dahergelaufene junge Condor-Angestellte bittet mich, mich ganz normal beim Check-in an das Ende der Schlange zu stellen. Hmm … ich habe doch schon eingecheckt und mein Ticket bereits in der Hand … bei Condor hat man das System des Online-Check-ins offenbar noch nicht so ganz verinnerlicht. Die junge Frau besinnt sich aber, macht einen neuen Schalter auf und winkt mich für den „Dropoff“ hinzu. Na also, geht doch. Vermutlich haben die Condor-Mitarbeiter da schon gewusst, dass der ganze Bums einen Tag später Insolvenz anmeldet, und hatten schon keine Lust mehr.
Eigentlich ist es ja keine gute Idee, zweimal im selben Urlaubshotel abzusteigen. Beim zweiten Mal ist man dann doch meist eher enttäuscht, dass alles nicht mehr so schön ist, wie beim letzten Mal. Trotzdem wage ich das Experiment und kehre nach anderthalb Jahren in das riesige Hotel vom letzten Frühjahr in Hurghada zurück. Sogleich erfahre ich die Vorteile eines „Stammgastes“, indem ich kein normales, popliges Zimmer mehr bekomme, sondern quasi die Präsidentensuite für mich allein. So riesengroß, dass ich einige Male im Bad stehe und mich frage, was ich da eigentlich wollte, bis ich merke, dass mein Ziel eigentlich der Tresor im Kleiderschrank war und ich eins zu früh abgebogen bin.
Ich genieße die Zeit und ertappe mich dabei, wie ich nicht mehr wie früher den ganzen Tag abwechselnd in der Sonne liege und im Meer herumplansche, sondern tatsächlich sogar in größerem Umfang als beim letzten Mal bei einigen der zahlreichen Hotelsport-Angebote mitmache. Besonders Dart hat es mir wieder angetan. Auch wenn ich bemerke, dass ich - einst ein guter Dartspieler - scheinbar alles verlernt habe und mittlerweile werfe, wie der erste Mensch. Peinlich, dass ich diesmal meine eigenen Dartpfeile dabei habe und trotzdem so scheiße bin. Was man wieder merkt, ist, dass mit Briten einfach immer was los ist. Ein Waliser und mehrere Engländer sind unter anderem Dauer-Teilnehmer beim Dartspiel und erheitern stets die Runde. Und eine alte Österreicherin ist dabei, die offensichtlich alle drei Monate im Hotel eincheckt und dann allen Leuten auf den Sack geht. Sie stört die Dart-Gegner, indem sie hustet, winkt oder irgendwas dazwischenhält, wenn man gerade dabei ist, seinen Pfeil zu werfen. Das hat die Konsequenz, dass die anderen ihr das alsbald gemeinsam heimzahlen. Erst mit gleicher Münze, dann Hardcore mit Nassspritzen und so. Die ausführende ukrainische Animateurin, eigentlich nur des Russischen so wirklich mächtig, erträgt das Ganze mit guter Miene. Überhaupt scheinen die Animateure komplett ausgetauscht worden zu sein. Der Sieger beim Dart gewinnt einen Gutschein für einen preisreduzierten Tauchkurs oder so einen Quatsch. Keiner will den haben. Wir machen aus, dass der nächste Sieger ein Candlelight-Dinner plus erotischen Abend auf dem Zimmer mit der Österreicherin gewinnt. Da sie kein Englisch kann, bekommt sie davon nicht viel mit. Daraufhin spielen alle extra miserabel, um nicht Erster zu werden. Versehentlich gewinnt am Schluss ein älterer Engländer, lässt daraufhin die Hose runter und rennt davon.
Eigentlich soll Fußball nachmittags nach Dart stattfinden, der zuständige Animateur taucht aber leider meist nicht auf. So auch dieses Mal. Da ein Basketball auf dem Multifunktions-Spielfeld liegt, beschließen einige der Dart-Teilnehmer, eine Runde Basketball zu spielen. Schnell wird noch die Dart-Animateurin bequatscht, mitzumachen, und schon geht’s los. Die Kleinen gegen die Großen. Ich bin im Frauen-Team der Kleinen der dritte „Mann“. Wir spielen nach eigenen Regeln mit Festhalten, Schubsen und was sonst noch eigentlich nicht geht. Es bleibt kein Auge trocken und wir haben uns beinahe totgelacht, als das Spiel beim Stand von ungefähr 16:8 für die Kleinen aus Zeitgründen abgebrochen wird. Für mich ein großer Erfolg, da Basketball wohl die letzte Sportart ist, die ich erwählen würde.
Überhaupt muss ich mich überwinden. Jedesmal, wenn mir ein beim Fußball kennen gelernter Deutsch-Türke über den Weg läuft, soll ich mit ihm Tennis spielen. Mir gehen irgendwann die Ausreden aus, und so muss ich eine weitere Sportart betreiben, die ich nicht mag.
Natürlich soll das aber kein Sport-Urlaub werden, deshalb kommt alles andere letztlich auch nicht zu kurz. An einem Abend beteiligen wir uns beim Animationsprogramm am Musik-Quiz, bei dem man Titel, Interpret oder den dazugehörigen Kinofilm eines kurz angespielten Titels erraten muss. Keine große Herausforderung für meinen Kumpel und mich - und so stellen wir uns Stühle unweit der Bühne auf, damit man schnell nach vorne spurten kann, um die jeweilige Lösung preiszugeben. Der Kumpel kennt weder Freund noch Feind und ist sich auch nicht zu schade, andere abzudrängen - und so gewinnt er am Ende das Spiel. Ich mache ihn als „Wingman“ auch mit zum Sieger, indem ich Fragen beantworte, die er nicht weiß, damit kein anderer diese Punkte bekommt. Am Schluss stehen alle Punktgewinner auf der Bühne. Der Moderator meint, ich sähe aus wie Steve Jobs. Was für ein Depp. Na, immerhin hat er nicht Jeff Besos gesagt. Der Preis - in diesem Fall eine hässliche ägyptische Statue aus irgendeinem Touristenshop - ist dem Hotel offenbar selbst so peinlich, dass er unsichtbar in einer Stofftasche überreicht wird. Wenigstens die Tasche kann man brauchen. Das Abendprogramm wiederholt sich im Wochenrhythmus, und so werden eine Woche später die gleichen Fragen gestellt. Ich kann meinen Kumpel letztlich aber davon überzeugen, dass eine weitere Teilnahme unfair wäre. Zumal sich diesmal viele Kinder beteiligen. Sollen die den Scheiß doch diesmal gewinnen. Die sehen dann schon, was sie davon haben.
Das Publikum ist bei Live-Musikern leider ein recht undankbares und weigert sich meist zu klatschen. Da wir an diesem Abend keinen Platz vor der Bühne bekommen, setzen wir uns auf eine Terrasse im ersten Stock hinter der Bühne. Wir sind die einzigen, die klatschen, was der Sänger mit Wohlwollen registriert. Er dreht sich so oft um, dass er offenbar nur noch für uns singt. Was für eine bizarre Situation.
Es geht letztlich alles gut während der Ferien - und das, obwohl Thomas Cook und Condor den Pleitegeier präsentieren. Einen Tag später, und ich hätte diesen Urlaub gar nicht mehr antreten können. Aber die Maschine von Condor fliegt noch hin und Cook-Tochter Öger Tours führt diesen Urlaub noch durch. Zurück geht’s eh mit der ägyptischen Nesma Airline. Ein Gutes hat das Ganze für mich - auch wenn’s zwischendurch einmal unübersichtlich wird, wie es denn weitergeht: Ich werde von keinem Reiseleiter zu irgendeiner dummen Verkaufsveranstaltung gedrängt.
Fazit: Ab und zu lohnt es sich dann doch, in eine „familiäre“ Urlaubsatmosphäre zurückzukehren. Nochmal? Wer weiß …?!

 

20. 9. 2019 Homepage

Ist das das Ende?

Heute möchte ich auffallen. Die Zahnreinigungsfee beim Zahnarzt geht mit mir sämtliche Krankheiten und Medikamente durch. Datenschutz. Das muss sie machen. Gelangweilt sage ich ständig nein, nein, nein, nein, nein. Sie fragt mich, ob ich Unverträglichkeiten mit Medikamenten habe. Ich antworte ihr, dass mir von Viagra die Nase zugeht. Sichtlich überrascht von diesem Kommentar rät sie mir, „halt nicht so viel davon zu nehmen“.
Nach der Behandlung komme ich schwer blutend und mit Schmerzen in die Firma. Ich sehe einen vollen Eimer und frage meine Kollegin, ob morgen der Müll geholt wird. Sie fragt: „Warum, willst mich rausstellen?“ Ich sage: „Nein, der Giftbus kommt morgen noch nicht.“ Chef meint: „Ganz dünnes Eis, ihr Zwei.“ Ich denke so vor mich hin und mir fällt ein, dass laut Gesetz die Dienstreise eines Beamten offiziell zu Ende ist, wenn er stirbt. Wie sieht es wohl bei mir mit dem Versicherungsschutz aus, wenn ich jetzt am hohen Blutverlust beim Zahnarzt verende?

 

4. 9. 2019 Homepage

Sommerhaus

Ja, ich geb es zu - ich habe mir zum ersten Mal das „Sommerhaus der Stars“ auf RTL angetan. Auch wenn das nicht die erste Staffel war und ich die vorigen nicht kannte, so dachte ich mir, ich muss ja vielleicht auch hier mal mitreden können. Wie im Dschungelcamp wurde aber auch beim Sommerhaus der Begriff „Stars“ ziemlich locker genommen. Ein normal-intelligenter Mensch, der mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen steht, kannte die meisten Teilnehmer eher nicht.
Gut, „Der Wendler“ ist durch seine grenzenlose Selbstüberschätzung vielleicht noch ein bisschen bekannt, und mit seiner viel zu jungen Kinderfreundin Laura, die er vorführt, wo immer es geht, neuerdings auch wieder öffentlich im Gespräch. Sein Hang zur Pädophilie und sein nervig-dauerklettendes, willenloses Anhängsel wurden wie erwartet sehr schnell zum Nervfaktor für alle und so wurden die beiden früh von den anderen rausgewählt.
Das Paar Johannes Sowieso und Yeliz Irgendwas soll man offenbar von „Bachelor in Paradise“ kennen. Sie entpuppten sich als die miserabelsten Verlierer aller Zeiten und übertrafen letztlich sogar den Wendler in den Kategorien „asozial“ und „unerträglich“. Sie sind wie das Kind, das, wenn man ihm eine Mensch-ärgere-dich-nicht-Figur wegnimmt, trotzig das ganze Spielbrett umwirft und heulend davonläuft.
Willi Herren - an ihm kommt man in solch einem Reality-Format wohl nicht vorbei - und Ehefrau Jasmin spalteten die anderen in die Gruppen „Wir-hassen-die-Herrens“ und „Wir-können-die-Herrens-nicht-leiden“.
Eines der wenigen Ex-Boygroup-Mitglieder (Caught in the act), das sich noch nicht als schwul geoutet hat, Benjamin Boyce, schleppte mit Model Kate Sonstwas eine Frau an, die er eigentlich gar nicht mochte. Nach einem Jahr Beziehung war für Kate das Sommerhaus der Augenöffner dafür, dass diese Beziehung nur komplette Zeitverschwendung ist. Die Trennung gab es gleich nach dem Auszug, und man kann sie nur dazu beglückwünschen.
Dass Dummheit keine Grenzen kennt, weiß man spätestens, seitdem das Paar Bartsch für „Goodbye Deutschland“ ein Sonnenstudio auf Mallorca eröffnete. Nachdem auch ein Brennholzverleih nicht funktioniert hatte, mussten es die 50.000 Euro Preisgeld aus dem Sommerhaus sein. Weil sich die anderen Paare mehr oder weniger selbst disqualifizierten, landeten sie immerhin im Finale. Zum Gewinn reichte es nicht.
Menowin Schießmichtot hat wohl mal DSDS gewonnen oder so. Keine Ahnung. Er schleppte eine Senay Blablabla an, der er medienwirksam einen Heiratsantrag machte, um dann die ganze Chose frühzeitig wieder zu verlassen. Das war berechnend, aber wenigstens konsequent.
Die Schauspielerin Jessika Cardinahl hat mal in einem Otto-Waalkes-Film mitgespielt. Das muss so 1950 gewesen sein, was man ihr auch ansieht. Seitdem kam nix mehr. Sie brachte Partner Quentin Irgendeinname mit, der als alter Fummler bekannt ist. Als er nicht mehr fummeln durfte, gingen die beiden freiwillig …
… und wurden ersetzt durch Sabrina Nervtöter und Thomas Graf von Leckmichdoch. Sie hat wohl mal bei der ersten „Big Brother“-Staffel teilgenommen. Nervfaktor ziemlich hoch. Wo man den Graf her kennen soll, weiß ich nicht.
Gewonnen haben den ganzen Scheiß dann ausgerechnet die zwei „Love Island“-Teilnehmer Elena Doofenuss und Mike Großerbizepskleinerschwanz. Die beiden zeigten, dass es nicht nur miserable Verlierer sondern auch miserable Gewinner geben kann. Es gibt keine Worte für ihr unterirdisches Verhalten vor, während und sogar nach der Staffel. Sagen wir mal so: Würde Elena beim Dschungelcamp mitmachen, würde sie in der ersten Woche zu sämtlichen Dschungelprüfungen gewählt und würde selbstverständlich keine Sterne mitbringen. Könnten die Zuschauer beim „Sommerhaus“ mitvoten, wären die beiden zum Finale längst zu Hause gewesen.
Ich werde mir gut überlegen, ob ich mir die nächste Staffel auch antue. Ohne wohldurchdachte witzige Kommentare von Moderatoren wie beim Dschungelcamp bleibt nur noch ein Sauhaufen übrig, in dem sich jeder für einen Star hält und doch nur die Unterschicht repräsentiert. Das ist mir am Ende dann doch ein bisschen zu wenig.

 

6. 6. 2019 Homepage

Tutorial: Audi MMI-Navi updaten ist gar nicht so leicht

Überall bekomme ich eine falsche Höchstgeschwindigkeit angezeigt. Manchmal haben sich sogar Straßennamen geändert. Irgendwie sollte ich also mal das MMI-Navi in meinem Audi TT Cabrio updaten. Da ich sowieso gerade bei der Inspektion bin, frage ich nach, ob die das gleich mitmachen können, aber man sagt zu mir, das sei seeeeeeehr teuer und ich solle das doch lieber selbst machen, da auf diese Weise sowieso fünf Updates kostenlos sind. Oder man macht Audi Connect, dann wird immer alles ständig aktualisiert. Aber da braucht man dann andauernd ein Netz, was weitere Kosten verursacht. Gut, dann schau ich mal, wie das so funktionieren mag. Zuerst muss ich mich bei myaudi.de registrieren und einloggen und kann dort eine Download-Datei herunterladen. Diese hat die Endung .jnlp und läuft über JavaScript. Ein Doppelklick darauf soll den Download des Updates starten. Mein Antivirus-Programm weigert sich, sagt: „Fick dich!“. OK, verständlich. JavaScript ist ja auch irgendwo der Kinderhort, die Brutstätte für Viren aller Art. Am Mac kann ich das sowieso komplett vergessen, der arbeitet gar nicht mehr damit. Und offenbar will also auch mein PC mit Anti-Virus nicht. Also nehme ich ein altes Notebook zur Hand, welches auf den ganzen Sicherheitsklimbim scheißt. Und tatsächlich: es funktioniert. Dauert halt eine gefühlte Ewigkeit. Ein, zwei, drei Stunden für die rund 16 GB. Ich bekomme zwei Ordner namens Mib1 und Mib2 und zusätzlich zwei Dateien namens 02300020.md5 und metainfo2.txt, welche ich auf eine SD-Karte mit mindestens 32 GB Speicher kopieren muss. Nun noch SD-Karte ins Auto stecken und Update starten. Doch scheiße, ich finde in der doch leider relativ unübersichtlichen Auto-Menüführung die Möglichkeit für das MMI-Update nicht. Also nochmal googeln. Aha, über „Menü“ und dann noch ein paar verschnörkelte Menüpunkte, die ich nur mit verschiedenen Zusatztasten aufrufen kann. Nach einiger Zeit finde ich das, jedoch wird leider die „SD-Karte nicht erkannt“. Ich fange an, depressiv zu werden. Nochmal googeln, dann entschließe ich, die SD-Karte nochmal komplett zu formatieren. Was natürlich erstmal nicht klappt, nur per „Schnellformatierung“. Daten nochmal draufkopieren, SD-Karte ins Auto, Menü wieder finden - und voilá, mein Update startet. Auf meiner anschließenden ca. 40-minütigen Fahrt erreiche ich bei Ankunft gerade so die 100 %. Hat geklappt. Leider schade werden die Höchstgeschwindigkeiten aber immer noch meist falsch angezeigt. Ich fürchte nur, dass das vor Gericht nicht relevant wäre.

 

25. 5. 2019 Homepage

Wahl

Die Europawahl steht an. Und mit ihr auch diverse Kommunalwahlen. Und da wird’s interessant: Wie heißt das Verfahren nochmal, mit welchem man seine Stimmzettel da ausfüllen kann? Kumulieren und panaschieren? Kopulieren und einmassieren? Aufmarschieren und abkassieren? Minimieren und abrasieren? Korrelieren und anvisieren? Schlüsselverlieren und ausradieren? Isolieren und mumifizieren? Demolieren und rationalisieren? Inhalieren und Entkolonialisieren? Eskalieren und entalkoholisieren? Ondulieren und entmagnetisieren? Regulieren und akklimatisieren? Simulieren und karamellisieren? Annullieren und pauschalisieren? Postulieren und proletarisieren?
Naja, egal. Auf jeden Fall hat man - um einmal komplett das Thema zu wechseln - beim ESC 2019 wieder gemerkt, dass der Mensch ein Herdentier ist. Seit Jahren gewinnt immer der Beitrag, den die Buchmacher favorisieren. Einer sagt immer, was gut ist, und die Herde dackelt hinterher. Das hochmutige Deutschland schickt wieder einen Scheiß und wundert sich, dass es unter den letzten Zweien landet. Die Nachbarländer schieben sich wieder so unverschämt die Punkte gegenseitig zu, dass sogar das Publikum buht. Eigentlich alles wie gehabt. Nur, dass Madonna als Pausenfüller singt und kaum einen Ton richtig trifft, das ist neu.

 

5. 3. 2019 Homepage

Casting

Kaum ist er vorüber, der Dschungelcamp-Spaß, da werden schon die nächsten Teilnehmer generiert - in vielen Reality- und Casting-Formaten der wichtigen und weniger wichtigen Privatsender. Vom altbelangweilenden DSDS über den Bachelor, Bachelor in Paradise, Bachelor im Scheißhaus, Bachelor im Puff, Sommerhaus der Idioten, Naked Attraction, Bauer sucht Frau, Mutter sucht Schwiegersohn, Zuschauer sucht Qualität - bis hin zum Next Supermodel … the list goes on and on. Gibt es eigentlich auch schon Germanys Next Curvy Model? Also sowas Ähnliches wie der Biggest Loser? Da heißt es dann: „Ich habe heute leider keine Schokolade für dich.“ Zum Glück gibt es keinen Schau-Zwang, auch wenn ich dann im nächsten Dschungelcamp wieder alle Teilnehmer erstmal kennenlernen muss. Was macht eigentlich Evelyn? Lange nix gehört.
Und dann auch noch der Karneval, mir bleibt auch gar nichts erspart. Jedes Jahr der gleiche Scheiß. Zwar haben diverse Stürme die Jecken ein bisschen getriezt, ausgefallen ist aber leider nichts. Und auf die spätwinterlichen Regenfluten ist auch kein Verlass mehr.

 

29. 1. 2019 Homepage

Mogelpackungen oder echt?

Endlich wieder Dschungelcamp. Schade, dass RTL wieder keine prominenten Teilnehmer gefunden hat. Man hat sich aber ein paar neue Dinge einfallen lassen: 100.000 Euro Siegprämie, Thorsten Legath als dritte Hand neben Sonja Zietlow und Daniel Hartwich, leichtere Prüfungen mit weniger strengen Regeln und ein Tagschlafverbot für die Camper zum Beispiel. Rekorde wurden dann auch gebrochen: So ging keiner vorzeitig freiwillig und die Rekordzahl von 8 Prüfungen am Stück wurde überschritten. Harmonie im Camp war ebenfalls nicht angesagt, sodass erstens von außen nicht geschürt werden musste und zweitens mehr Sendematerial zur Verfügung stand, nämlich im Schnitt statt täglich einer Stunde, wie im letzten Jahr, sogar bis zu zwei. Nur eines wird immer deutlicher: Es ist kaum noch auszumachen, ob der eine oder andere nicht doch nur eine zuvor abgesprochene Rolle spielt. Das wird vermutlich auch in Zukunft immer mehr zum Problem werden.
Domenico de Cicco hatte Bachelor-Erfahrungen gesammelt, das machte ihn natürlich spielend zum Promi im Dschungelcamp. Mit italienischer Verführermentalität ("Isch lieb disch voll, isch schwör") wollte er sich neben Freundin und Kind zu Hause offenbar gerne noch andere Möglichkeiten offen halten, auch bei Ex-Zwischendurchfreundin Evelyn, die ebenfalls im Camp wohnte. Dabei musste der eitle Pfau noch aufpassen, dass ihm beim stetigen In-die-Kameras-Blicken nicht das Toupet vom Kopf rutschte, welches er vermutlich trug. Die Zuschauer hatten ihn ziemlich schnell satt und warfen ihn durch Nichtbeachtung gleich als ersten Teilnehmer hinaus.
Sibylle Rauch war einst eine begehrte Schauspielerin ("Eis am Stil" und der eine oder andere Porno). Aber das ist schon sehr sehr sehr sehr lange her. Heute ist sie eine dürre, debile alte Oma mit großen künstlichen Brüsten. Eine, die aus allen Wolken fällt, wenn man ihr das große Kultstar-Sein abspricht. Großartig aus der Menge heraus aufgefallen war sie auch nicht. Konsequenz: der zweite Abgang.
Tommi Piper kennt man hauptsächlich als die Stimme von „Alf“. Er ist Synchronsprecher und Schauspieler, soll wohl auch mal gesungen haben. Heute ist er nicht mehr so begehrt, weshalb er nun auch im Dschungelcamp gelandet ist. Als „geiler, alter Bock“, der ohne Hose um die jungen Dinger im Camp herumschwänzelt, fiel er genauso auf wie als unendlicher Labersack oder als sturer misslauniger Tattergreis, der Sibylle Rauch disste. Er war unterhaltsam, bekam seine Sendezeit … aber am Ende musste er zur allgemeinen Überraschung doch schon als Drittes gehen.
Endlich endlich endlich! Am Tag 11 war es für die einstige „Next Topmodel“-Kandidatin Gisele Oppermann soweit. Raus raus raus! Seit Angelina Heger, die mittlerweile zu Recht keiner mehr kennt, war keiner mehr so deplatziert im Dschungelcamp. Oppermann vereinte äußere Hässlichkeit mit einer widerlichen Nölstimme, einer Lache zum Aufs-Maul-Hauen, völlig asozialem Verhalten, Angst vor allem - auch vor Nachtfaltern - und Dauer-Geflenne. Für Kenner des Formats war schon von Anfang an klar, dass sie in diesem Jahr diejenige sein wird, die von den Zuschauern in der ersten Woche in sämtliche Prüfungen gewählt wird. Was dann auch zu dem Rekord von 9 Prüfungen am Stück führte, von denen sie allerdings die meisten nicht angetreten, abgebrochen oder sonstwie verkackt hat. Und das war ihr dann noch nicht mal peinlich. Sie kam ins Camp zurück: „Heute gibt es Model-Esseeen. Null Steeeeerneeee.“ Zum Glück gab es ein relativ frühes Aus für sie, nicht auszuhalten.
Tag 12. Scheiße! Leila Lowfire musste gehen. Zusammen mit einer Freundin (die Dritte im Bunde wurde bereits weggemobbt, was ein juristisches Nachspiel zur Folge hatte) einen schlüpfrigen aber lauen Podcast zu betreiben, macht sie nach eigener Auffassung offenbar zur „Sexpertin“. Sie nahm vor dem Einzug ins Camp den Mund mal wieder voll - diesmal wohl mit der Ankündigung, nicht ohne Sex sein zu können, und so erwartete man von ihr, im Camp welchen zu haben. Dort tauchte sie allerdings völlig unter und fand eine Woche lang praktisch überhaupt nicht statt. Den Zuschauern wurde das dann doch zu langweilig, es riefen für sie zu wenige Menschen an. Man merkte ihr aber auch an, dass sie sich nicht besonders wohlfühlt und gegen einen Rausschmiss nichts einzuwenden hat. Schade nur, weil sie ein Hinkucker war. Auch ungeschminkt schön anzusehen und vor allem - ganz entgegen dem sonstigen Trend im Dschungelcamp - ist an ihr wohl alles echt. Bleibt zu hoffen, dass sie noch einen richtigen Beruf erlernt und ausübt, bevor man sie nicht mehr ankucken kann.
Am Tag 13 traf es Doreen Dietel. Die Schauspielerin blieb bis auf ihre tränenreiche Liebeserklärung an den vergraulten Gatten recht blass. Ihre wenigen Prüfungen machte sie ganz gut. Für mehr als den siebten Platz reichte es freilich nicht.
Novum am Tag 14 in der 201. Sendung der 13. Staffel: Wegen eines angeblichen Computerproblems gab es kein rechtzeitiges Abstimmungsergebnis. Keiner flog. Dafür am nächsten Tag zwei. Eigentlich ja sogar drei, weil am letzten Tag ja nur drei Camper im Finale stehen dürfen, es kurz vorher aber noch sechs waren. Das nachträgliche Aus von Tag 14 traf dann zunächst den selbsternannten Currywurst-King Chris Töpperwien. Seine Teilnahme an der Sendung "Goodbye Deutschland" hat ihn angeblich zum Currywurst-König der USA gemacht. In Wirklichkeit kennt ihn da aber keiner und es gibt dort wohl auch keinen Currywurst-Verkauf von ihm. Sein Kleinkrieg mit Mitcamper Yotta und gelegentliche Zickigkeit brachten immerhin Unterhaltung.
Am letzten Tag vor dem Finale mussten dann gleich zwei gehen: Zum einen Bastian Yotta. In diversen Reality-Formaten wohl schon teilgenommen, trat er als selbsternannter Motivations-Gott mit eigener Bibel in den Vordergrund. Seine von erfolgreicheren Motivationskünstlern geklauten Sprüche ("I'm strong, I'm healthy and full of energy") und sein Kleinkrieg mit Chris Töpperwien hatten Unterhaltungswert, nervten aber auch - so reichte es nicht bis ins Finale. Das tat es auch nicht für die erfolgreiche Bob-Olympiasiegerin Sandra Kiriasis. In der ersten Woche blieb sie noch komplett blass, in der zweiten kam auch nicht so viel. Dann traf sie in einer Schatzsuche, in der es erstmals möglich war, seine Begleitperson im Dschungel zu treffen, auf ihre Freundin und Ex-Camperin Indira Weis, die ihr mitteilte, sie solle etwas aus ihrem Leben erzählen, wenn sie Chancen haben will. Dies tat Sandra dann zurück im Lager auch prompt mit der tränenreichen Enthüllung ihrer einstigen Fehlgeburt. Zu Durchsichtig, zu bemüht. Raus.
Im großen Finale standen also bezeichnenderweise drei, die nie durch Lästereien aufgefallen sind. Der dritte Platz ging an den 74-jährigen Schlagersänger Peter Orloff, der sich für sein Alter noch ziemlich fit zeigte. Er hatte stets die Ruhe weg und war immer positiv und galant. Am Ende votierten die meist jüngeren Anrufer aber doch für die jüngeren "Stars". Zum Beispiel für Felix van Deventer. Der GZSZ-Schauspieler hatte eben seine Fanbase. Da machte es nichts aus, dass er in der ersten Woche überhaupt nicht auffiel und danach auch nur wegen seinem Geheule, dass er ja jetzt Vater wird und das sei alles so toll und übrhaupt. Es reichte am Ende nur für Platz zwei. Denn die Dschungelkönigin konnte von Anfang an nur Evelyn Burdecki heißen. Die 30-Jährige, die zuvor schon recht erfolglos in verschiedenen anderen Bachelor&Co.-Formaten teilgenommen hatte, wusste schon ganz gut, wie sie als süßes, blondes Dummchen, die sich naiv wie eine 15-Jährige durchs Leben trottelt, den Beschützerinstinkt weckt und die Herzen für sich gewinnt. So blöd wie sie tut ist sie wahrscheinlich nicht. Natürlich sah sie auch schnuckelig aus. Am Ende zeigten sich aber alle Teilnehmer bis auf Peter Orloff (spendete einen Teil seiner Einnahmen) als miserable Verlierer, während Evelyn versprach, von ihrem 100.000-Euro-Gewinn unter anderem in einer armen Gegend im Ausland einen Brunnen zu bauen. Das kam an. Da hatte man den kindischen Liebeskrieg der ersten Woche mit ihrem Exfreund "Toupenico" längst vergessen. Dieser Rosenkrieg hatte sowieso eher dem Italiener geschadet. Am Ende war Evelyn die Unterhaltsamste von allen und hat wohl verdient die Krone bekommen.
Was einen traurig zurücklässt, ist die Tatsache, dass für die jüngeren Möchtegern-Stars das Wichtigste im Leben viele Likes und viele Instagram-Follower sind. Das war immer eine der ersten Fragen bei Kontakt mit der Außenwelt. Sehr schade, wohin diese Entwicklung geht. Ein positiver Gag war Thorsten Legat als Dauer-Sidekick der Moderation und Dschungelprüfungs-Coach. Gerne mehr davon. Aber obwohl die Teilnehmer so unterhaltsam waren wie lange nicht, musste RTL die zweitschwächste Zuschauerquote aller Zeiten vermelden. Übrigens, liebes RTL: Nach allen zehn Sendeminuten ganze ACHT Minuten Werbung zu bringen, dürfte noch ein Fall für die Gerichte werden. Und wer noch die tolle Sendung "Die Stunde danach" auf RTLplus mit der bezaubernden Angela Finger-Erben sehen wollte, kam regelmäßig weit in die Nacht hinein und war zwei Wochen lang völlig übernächtigt. Mein Anwalt meldet sich.

 
^ up

< back