29. 4. 2020 Homepage

The Masked Singer

Ein interessantes und derzeit weltweit erfolgreiches Format hat sich Pro Sieben da gesichert und nun schon zum zweiten Mal durchgeführt. Prominente singen in aufwendiger Verkleidung Woche für Woche - die besten kommen weiter, der Letzte wird demaskiert, und am Schluss gewinnt einer. Die Zuschauer entscheiden das. Sie dürfen auch mitraten, wer hinter den üppigen Masken steckt.

Pro Sieben hat es geschafft, wöchentlich eine Stunde Show in einem vierstündigen Werbeblock zu verstecken. Sie schaffen es sogar, die Demaskierung eines Prominenten (der sich im Schnitt anderthalb Minuten Zeit lässt, sein Kopfteil abzusetzen) über zwei Werbeblöcke hinauszuziehen, das muss ihnen erstmal einer nachmachen. Ein bemühter Moderator führt durch die Show, ein stark besetztes 3-Personen-Panel versucht, die Namen der Maskierten zu erraten. Dabei sollen auch nachhaltig gestreute Indizien zu den einzelnen Personen helfen. In Wirklichkeit sind diese Indizien aber so an den Haaren herbeigezogen, dass es fast schon lächerlich ist. Das funktioniert dann ungefähr so: In einem Einspieler ist der Maskierte im Vordergrund, im Hintergrund liegt ein Herzkissen auf einem Sofa. Der ehemalige Zimmerkumpel eines Arbeitskollegen eines Nachbarn eines fernen Verwandten des Prominenten hatte wohl einmal eine Herzattacke und ist an einem Sonntag gestorben. Und an einem Sonntag wurde auch ein recht unbekanntes Lied des Prominenten geschrieben. Was für ein Wahnwitz!
Als prominente Teilnehmer melden sich Stars aus Funk und Fernsehen. Das können Sänger, Sportler, Moderatoren, Schauspieler oder sonstwas sein. Leider kennt man auch viele nicht. In der jetzt zu Ende gegangenen Frühjahrsstaffel 2020 traf das für mich auf die Hälfte der Teilnehmer zu. Ist sicher mein Fehler.

Aber bitte Eines noch ... da hat sich in unserer deutschen Kultur und auch ganz hartnäckig bei sämtlichen Promis eine Unkenntnis eingeschlichen, die ich bald nicht mehr ertragen kann: "Volare" ist KEIN SPANISCHES Lied, Ihr Volltrottel. Es ist so italienisch, wie es italienischer nicht sein kann. Kapiert das doch endlich mal. Ich habe schon vor lauter Ärger meine Tischkante abgebissen.

 

22. 4. 2020 Homepage

Nochmal Corona

Was für ein Jahr. Gerade noch stand ich am Valentinstag im Blumengeschäft und suchte irgendwas zwischen „Wir machen nichts“ und „Nie denkst du an mich“. Im nächsten Moment wird mir der lang ersehnte Urlaub gecancelt, weil auf der Welt der eine oder andere an einem unbekannten Virus erkrankt ist. Und plötzlich wird es leer auf den Straßen, weil alles #wirbleibenzuhause Zuhause bleibt. Die Kinder sind den ganzen Tag im Haus und nerven die Eltern, die eigentlich Home-Office machen müssten, nun aber zusätzlich die Arbeit von Lehrern und Kindertagesstättenaufsichten übernehmen müssen. Dann darf man wieder raus, aber nur mit Gesichtsmaske und anderthalb Meter Abstand zu anderen Menschen.

An das Maske-Tragen werde ich mich wohl nicht gewöhnen. Als Brillenträger beschlägt mir ständig die Brille und ich sehe nichts mehr. Ich betrete einen Post-Shop und teile der Verkäuferin blind mit, dass ich das Maske-Aufziehen vor dem Betreten des Gebäudes so eigentlich nur vom Banküberfall her kenne. Sie lacht und gibt zu bedenken, dass dies ja wohl auch die Mindestanforderung für einen Banküberfall sei, sich nicht zu erkennen zu geben. Ich mutmaße, dass es in diesem Shop eh nichts zu holen gibt. Dass ich das laut gedacht habe, erkenne ich am erneuten Lachen der Shop-Besitzerin, die mir daraufhin sogar zerknirscht zustimmt. Seit dem Lockdown und der Teil-Ausgangssperre läuft der Laden eh nicht mehr rund. Dass ich ihr nur bereits frankierte Post zur Weitergabe hinlege, ist ein weiteres Indiz. Mal sehen, wie viele Läden und Unternehmen es nach der Corona-Krise noch gibt.

 

23. 3. 2020 Homepage

Corona

Das ist der Ausdruck, der ob seiner Omnipräsenz eigentlich in diesem Jahr das Wort des Jahres werden müsste: Corona. Aus einem Markt, irgendwo in China, wo das Fleisch auf dem bloßen Boden zubereitet wird und hygienische Zustände herrschen, die man durchaus als "steril wie die Sau" bezeichnen könnte, schwappte das Covid-19-Virus über die ganze Welt. Und es ist interessant zu sehen, wie die Menschen damit umgehen. Kaum kommt eine solche Lungenkrankheit ins Land, kaufen die Deutschen in sämtlichen Läden die Toilettenpapier-Regale leer. Der Zusammenhang erschließt sich mir nicht ganz, aber irgendwas muss dieses Volk sich bei der Aktion, die Klopapier neben Desinfektionsmitteln und Mundschutzmasken wertvoller als Gold macht, ja denken. "Scheiß auf Corona"? Oder "Wenn ich dieses Virus schon in Isolation absitzen muss, dann wenigstens auf dem Klo"? Die Italiener singen in einer solchen Krise aus dem Fenster, die Amerikaner wollen allen zukünftigen Impfstoff für sich alleine und klauen anderen die Mundschutz-Lieferungen weg, andere leugnen die Pandemie komplett weg.

Was für eine Ironie, dass ausgerechnet Dietmar Hopp, der seine Unterstützung für soziale Projekte und sein Engagement bei einem Dorffußballclub in der Bundesliga mit einer wöchentlichen Anfeindung in den Stadien als "Hurensohn" bezahlen muss, nun auch derjenige ist, der zu 80 Prozent an ausgerechnet dem Unternehmen beteiligt ist, welches voraussichtlich den ersten Corona-Impfstoff bereithalten wird. Man kann also sagen: "Dietmar Hopp rettet die Welt" mit seinen Millionen. Es ist nur zu befürchten, dass die geifernden Fußball-"Fans" in den Stadionkurven diesen Zusammenhang geistig nicht verarbeiten können und - wenn der sportliche Betrieb irgendwann weitergehen kann - wieder zum asozialen Alltagsgeschrei übergehen werden.

Geschäfte sind zu, das soziale und wirtschaftliche Leben ist heruntergefahren, jeder soll zu Hause bleiben und seine Kontakte auf das Nötigste reduzieren. Es gibt mir zu denken, dass sich für mich in dieser Situation eigentlich überhaupt nichts ändert. Ja, man muss gar konstatieren, dass das Virus auch seine positiven Auswirkungen hat: sauberere Luft, saubereres Wasser, fließenderer Straßenverkehr, billigerer Sprit, der "Eurovision Song Contest 2020" wurde abgesagt ... Darauf lässt sich bauen.

Mein lange geplanter Urlaub wurde mir frühzeitig storniert, die Menschen wurden in Scharen aus aller Welt nach Hause geholt, Künstler haben keine Auftritte mehr, TV-Sendungen werden ohne Zuschauer ausgestrahlt. Jeder sitzt zu Hause und hat viel Zeit für die dümmsten Ideen. Wir werden in neun Monaten entweder eine Windel-Knappheit erleben oder haben dann die Scheidungsanwälte alle Hände voll zu tun. Das werden wir noch sehen.

Immerhin wissen wir jetzt, wie beschissen unsere Internet-Infrastruktur ist - besonders die, die jetzt in großen Konzernen Home-Office betreiben sollen. Und wir wissen, welche Berufe "systemrelevant" sind und in dieser Situation noch ausgeführt werden dürfen: Polizei, Feuerwehr, Ärzte, Pfleger, Redakteure, Apotheker und die Frau an der Supermarktkasse seien hier einmal stellvertretend genannt. Einige von ihnen werden traditionell scheiße bezahlt, darüber sollte man einmal nachdenken. Jetzt in der Krise hat man ja Zeit.

 

31. 1. 2020 Homepage

Gähn!

Was war das für ein Aufschrei: „Wenn in Australien der Wald brennt, macht ihr euer dämliches Dschungelcamp!“. Nun ja, da die Planung schon fertig war und (vor allem australische) Arbeitsplätze von der Produktion abhängen, entschied man sich bei RTL für eine Durchführung light: mit Gaskocher statt Lagerfeuer, zumindest in der ersten Woche, bevor der große Regen kam. Zusätzlich rief man täglich zu Spenden auf. Ich denke, da kann man nicht meckern.

Aber was war das dann für ein Langweiler-Camp? Die ödesten Teilnehmer seit der Maren-Gilzer-Staffel. Eigentlich konnte sich keiner leiden, man schwieg sich meist an, langweilte sich. Und der Zuschauer langweilte sich gleich mit. So lassen sich die sinkenden Quoten nicht aufhalten.

Was hat sich RTL zum Beispiel bei der Teilnahme von Günther Krause gedacht? Ein krimineller Ex-Verkehrsminister (da würde auch der aktuelle gut reinpassen), der ständig betont, er sei ein guter Freund von Angela Merkel. Kann ich mir nicht vorstellen, dass sie das auch so sieht. Im letzten Jahr wurde seine geplante Teilnahme wieder abgesagt, vermutlich aus gesundheitlichen Gründen. Diesmal war er nun dabei und wurde als einziger bis hinein in den Dschungel (oder wie er sagt: „Schungel“) gekarrt. Er wurde schon im Vorfeld für jegliche Prüfung „aus gesundheitlichen Gründen“ gesperrt. Sollte er etwa zwei Wochen herumliegen oder wie war das vorgesehen? Schon am zweiten Tag hat sich diese Farce glücklicherweise von alleine erledigt - er musste „aus gesundheitlichen Gründen“ das Camp schon wieder verlassen, kehrte gleich heim und war dann beim Abschlusstreffen im Baumhaus längst weg.

Am Tag 8 musste dann Waschlappen Marco Cerullo als erster Camper regulär gehen. Bei „Bachelor in Paradise“ noch der große Zampano, heulte er im Dschungel nur rum, weil seine Freundin draußen sein Handy hatte, und da könnte ja etwas kompromittierendes zu finden sein. Also raus mit der Heulboje.

Tag 9 war Schluss für Toni Trips. Toni wer? Wer ist der Kerl? In Wahrheit ist der Camp-Troll kein Kerl sondern ein junges Mädchen, das einmal bei DSDS mitgemacht hat. Sie fiel außer durch ihre vielen Tätowierungen und Piercings im Prinzip so gut wie nicht auf, das geht nicht lange gut.

Am zehnten Tag musste keiner gehen, weil ja mit Günther Krause schon einer vorzeitig raus war. Natürlich wurde das aber nicht im Vorfeld kommuniziert. Man ließ die Zuschauer trotzdem anrufen und zog auch die „Verkündung“ durch. Allerdings wurde immer betont: „Wer hat heute wohl die wenigsten Stimmen?“ und nicht „Wer muss heute das Camp verlassen?“. Wer gut zuhörte, hatte den Braten längst gerochen.

Am Tag 11 war die Reise für die Schauspielerin Sonja Kirchberger zu Ende. Schade eigentlich, sie konnte man schließlich als eine der wenigen Insassen wirklich als „prominent“ bezeichnen. Sie trug das Herz auf der Zunge. Anstatt ihren Unterhaltungswert zu schätzen, bekam sie aber nicht genug Stimmen von den Zuschauern. Das Camp sollte eben scheinbar noch ein bisschen langweiliger werden. Hat geklappt.

Anastasiya Avilova hat wohl einmal in einem Format namens „Temptation Island“ teilgenommen. Sie fing, sobald eine Kamera direkt auf sie gerichtet war, tischewitschgleich automatisch zu posen an. Auch wenn sie was für’s Auge war - am zwölften Tag war für sie das Camping zu Ende. Zu langweilig, zu unecht, zu etepetete.

Von der Noch-Ehefrau des pädophilengleichen Wendlers, Claudia Norberg, hatte sich RTL wahrscheinlich viel schmutzige Wäsche versprochen. Stattdessen hatte sie kein einziges kritisches Wort zu der ganzen Misere parat. Wer 30 Jahre mit dem Wendler hinter sich hat, den können die Entbehrungen des Dschungelcamps wohl nicht mehr schocken - sie passte sich an und fiel kaum auf, was das Aus am dreizehnten Tag nicht zur Überraschung machte.

Die Krawallhexe aus dem „Sommerhaus der Stars“, Elena Miras, wollte sich zu meinem großen Schrecken die Teilnahme am Dschungelcamp nicht nehmen lassen. Hier zeigte sie aber plötzlich eine ganz andere Seite von sich: ruhig und ausgeglichen. Man fand sie plötzlich fast schon sympathisch. Offenbar wollte sie sich am Anfang ein bisschen zusammenreißen. Leider hat das nur eine Woche lang funktioniert, dann wurde sie doch noch so ein großes bisschen zur respektlosen Ghetto-Zicke. Weil’s die Zuschauer in diesem Jahr wie gesagt lieber öde haben wollten, musste Elena schon am Tag 14 gehen. Und obwohl bis dato nur die Frauen präsent waren und die Männer im Hintergrund blieben, war jetzt plötzlich nur noch eine einzige Frau im Camp. Schon verwunderlich. Elena Miras wollte „die große Bombe platzen“ lassen, mit Insider-Informationen, die den Wendler gut und seine Noch-Ehefrau nicht so gut dastehen lassen soll - gekommen ist nichts, war eine Luftnummer.

Schauspieler Raúl Richter hat offenbar noch viele weibliche Fans aus seiner Zeit bei GZSZ, die kräftig für ihn anriefen. Anders ist es nicht zu erklären, wie so ein Langweiler, der gleich nach Ankunft im Camp untergetaucht war und die wenigen Prüfungen, an denen er beteiligt war, meist kläglich verhauen hat, so weit kommt. Es reichte am Schluss für den 5. Platz.

Platz 4 ging an Markus Reinecke, den „Superhändler“ aus dem Reality-TV. Seine flotten Sprüchen und seine coole Unterhaltsamkeit wurden leider durch diverse frauenfeindliche Sprüche konterkariert - so reichte es nicht mehr ins Finale.

Dritter Platz: Ja, was soll ich sagen?! Eigentlich fehlen mir die Worte. Dafür, dass Berufswitwe und „Goodbye Deutschland“-Auswanderin Danni Büchner es bis ins Finale geschafft hat, hasse ich die Zuschauer irgendwie. Sie hat schon zwei Männer unter die Erde gebracht, und man bekam langsam eine Ahnung, wie. Ständig negativ, ständig nörgelnd ging sie den anderen Campern und auch den Zuschauern auf den Sack. Letzteres dachte ich zumindest, weil sie diejenige war, die ständig zur Prüfung musste - insgesamt 12 Stück bedeuten einen neuen Rekord - und, zumindest wenn sie dort alleine war, auch komplett verkackte. Haben andere auch nicht viele Sterne gemacht, lächelte sie süffisant ins Dschungeltelefon, sie hätte das besser gekonnt. Ja, eben nicht! Ihre meist verwendeten Worte: „Ich muss dort schlafen, da hat mein Mann auch geschlafen.“, „Ich hab’s meinem Mann am Sterbebett versprochen.“, „Mein Mann, mein Mann, mein Mann“, „Meine Kinder, meine Kinder, meine Kinder“, „Ich, ich, ich, ich, ich.“ Es war nicht auszuhalten. Ich musste sie aber ertragen bis zur letzten Sendung. Wie gemein!

Sven ("Zwen") Ottke, der Ex-Boxweltmeister, war im Camp, um das erspielte Geld für einen guten Zweck zu spenden. Wie im letzten Jahr bei Peter Orloff hat das aber auch in diesem Jahr nicht zum Sieg gereicht. Immerhin, mit seiner ruhigen Art und dem einen oder anderen Spruch landete er auf dem zweiten Platz.

Große Chancen auf den Sieg haben bei diesem Format meist die Mitleid erregenden Außenseiter. Jungfrauen, Unbeliebte, zu Weilen auch etwas Minderbemittelte. Wir hatten das schon mit Peer Kusmagk, Joey Heindle und Menderes Bagci. In diesem Jahr profitierte der DSDS-Sieger Prince Damien von dieser Tradition. Zu Hause einsam, genoss er die Camper-Gesellschaft sichtlich und wäre am liebsten im australischen Dschungel geblieben. Zumindest durfte er dort bis zuletzt ausharren - und es gibt wohl keinen, der ihm den Sieg nicht gönnte. Die Ranger waren am Schluss wahrscheinlich froh über seinen Auszug. Hatte er sie doch unentwegt angeflirtet.

Insgesamt wurde ein Minusrekord an gewonnenen Sternen erreicht. Auch das nicht gerade ein Qualitätsnachweis für die Teilnehmer dieser vierzehnten Staffel. Der Dauer-Sidekick Thorsten Legat hat sich dagegen nachhaltig als Aufwertung erwiesen. Das größte Problem dieses Formats ist aber mittlerweile wohl die Vorhersehbarkeit. Die Kandidaten wissen genau, was sie wann erwartet, und können aufgrund dessen taktieren. Sie wussten sogar, dass „morgen die Briefe kommen“ und wann die beste Zeit für traurige Geschichten am Dschungeltelefon war. Hier fehlt vielleicht ein völlig neues Konzept, welches die Show unberechenbarer macht.

 
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